Schlehe,Schwarzdorn

Prunus spinosa

Gehölz
Wildform
winterhart
Super Insektenpflanze
Wichtiges Vogelschutznährgehölz
essbar
Frühblüher
Schlehe (Prunus spinosa) Alle 6 Fotos anzeigen
Quelle: A. Barra, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimischer, dornenbewehrter Strauch
  • Flachwurzler, mit Ausläufern schnell ausbreitend
  • Früchte gerbstoffhaltig und erst nach Frost genießbar
  • Im Frühjahr reichhaltige Nektarquelle für Schmetterlinge und Bienen
  • Gutes Vogelschutzgehölz
  • Früchte wichtige Winternahrung für Vögel und Kleinsäuger
  • Pflegeleicht, robust und anspruchslos
  • Blickdichte, winterharte und windschützende Hecken
  • Blätter und Blüten in der Naturheilkunde verwendet
  • Vermehrung mit Wurzeltrieben
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 1.5 - 2.5 m
Breite: 2 - 4 m
Zuwachs: 10 - 30 cm/Jahr
Wurzelsystem: Herzwurzler
Wurzelausläufer: Äusläufer
Frostverträglich: bis -34 °C (bis Klimazone 4)
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne bis Halbschatten
Laub
Dornen ja
Boden
Boden: normal
Wasser: frisch bis trocken
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Kübel/Balkon geeignet: Nein
Sonstiges
Ordnung: Rosenartige
Familie: Rosengewächse
Gattung: Prunus
ist essbar Blatt,Blüte,Frucht,Samen
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Schlehe?

Die Schlehe oder Schlehdorn (Prunus spinosa) bildet bis zu zweieinhalb Meter hohe dichte Hecken. Es handelt sich dabei um einen einheimischen Vertreter der Rosengewächse (Rosaceae), der nahe mit der Pflaume verwandt ist und ähnliche, wenngleich kleinere Früchte ausbildet.

Der sommergrüne Strauch ist reich verzweigt und mit einer fast schwarzen Rinde versehen, die ihm die Bezeichnung Schwarzdorn eingetragen hat. Im Alter kann er einen mehrstämmigen Baum ausbilden. Typisch ist der sparrige Wuchs, bei dem die Kurztriebe fast rechtwinklig von den Langtrieben abstehen. Erstere sind zu wehrhaften Dornen umgewandelt. Die bis fünf Zentimeter langen und bis zu zwei Zentimeter breiten, verkehrt eiförmigen Blätter sind am Rand fein gesägt und haben einen kurzen Stiel. Ihre Oberseite ist dunkelgrün, die Unterseite heller und anfangs behaart.

Die Blüten der Schlehe erscheinen im Frühjahr lange vor der Belaubung. Sie sind weiß, fünfzählig und zahlreich und erreichen einen Durchmesser von etwa 1,5 Zentimetern. Typisch ist ihr leichter Mandelduft. Im Herbst erscheinen die zahlreichen, nahe an den Trieben stehenden rundlichen, bis zu zwei Zentimeter großen, leicht bereiften Steinfrüchte mit blauschwarzem Fruchtfleisch und großem Kern.

Schlehe im Garten

Standort

Wie an seinen natürlichen Vorkommen bevorzugt die Schlehe einen sonnigen, gerne auch steinigen und kalkreichen Standort. Trockenheit macht ihr nichts aus, ebenso wenig wie strenger Frost. In der Nähe von vielbegangenen Wegen sollte man beachten, dass die wehrhaften Dornen schnell im Weg sind.

Schnitt

Der sparrige und ausladende Wuchs der Schlehe macht ab und zu einen kräftigen Rückschnitt erforderlich. Sie wächst allerdings relativ langsam, sodass man sich nur selten zu bemühen braucht. Dem Ausbreitungsdrang der Wurzelausläufer muss man gegebenenfalls mit einer Rhizomsperre begegnen.

Vermehrung

Unterirdisch treibt die Schlehe zahlreiche weitreichende Wurzeln, die für eine schnelle Ausbreitung sorgen. Diese kann man mit einem Spaten abstechen und andernorts einpflanzen.

Verwendung

Die undurchdringlichen stachligen Hecken der Schlehe verwendet man gerne als Grundstücksbegrenzung, die zudem Vögeln Futter und Unterschlupf bietet. Dabei lässt sie sich gut mit Weißdorn oder Haselnuss kombinieren. Sie bieten guten Wind- und Blickschutz und sind auch zur Befestigung von Böschungen geeignet.

Schädlinge

Selten wird die robuste Schlehe von Krankheiten und Schädlingen heimgesucht. Neben Blattläusen gehören dazu Viruserkrankungen und Pilze wie Grauschimmel und Schrotschusskrankheit durch Wilsonomyces carpophilus. Einige Schadinsekten haben die Schlehe bereits im Namen, so der Schlehen-Bürstenspinner (Orgiya antiqua) und das Schlehen-Federgeistchen (Pterophorus pentadactyla).

Ökologie

Die Blüten der Schlehe sind im Frühjahr eine der wichtigsten Nahrungspflanzen für Schmetterlinge, darunter auch bedrohte Arten wie das Tagpfauenauge (Aglais io). In Herbst und Winter dienen die kleinen Früchte Vögeln und Kleinsäugern als Nahrung. Zudem bieten die dichten Hecken den gefiederten Gesellen gute Nistmöglichkeiten. Der Neuntöter ist dafür bekannt, dass er seine Beutetiere an den Dornen der Schlehen aufspießt. Den seltenen Rosenkäfer (Cetonia spec.) findet man auf den Blüten, seine Larven im verrottenden Laub der Schlehensträucher.

Wissenswertes

Die Früchte der Schlehe sind essbar, aber sauer und bitter. Nach dem ersten Frost werden sie wesentlich genießbarer. Das extrem harte, aber zugleich biegsame Holz verwendet man für Spazierstöcke. Aus der gerbstoffreichen Rinde gewann man im Mittelalter Dornentinte, die man in den Skriptorien zur Illustration verwendete.

Fotos

Gesamte Pflanze Schlehe
Quelle: A. Barra, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Rinde Schlehe
Quelle: NaturaDB
Blüte Schlehe
Quelle: NaturaDB
Frucht Schlehe
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Rinde Schlehe
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Frucht Schlehe
Quelle: NaturaDB

Sorten Schlehe

Sorte Höhe Breite Kübel/Balkon Fruchtreife
Schlehe (Wildform) 1.5 - 2.5 m 2 - 4 m
Schlehe 'Maarli'
Schlehe 'Merzig'
Schlehe 'Nittel' 2 - 2.5 m
Purpur-Schlehe 1.5 - 2.5 m
Schlehdorn 2 - 3 m 2 - 3 m Ja Sep - Okt

Häufige Fragen

Kann man die Schlehe essen?

Die kleinen Früchte der Schlehe sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Allerdings haben sie einen hohen Gerbstoffgehalt – daher sollte man sie erst nach dem ersten Frost ernten, durch den die bitteren Substanzen abgebaut werden. Alternativ kann man sie eine Nacht in den Gefrierschrank legen. Aus den reifen Früchten lassen sich Marmelade, Säfte, Liköre und Schnäpse herstellen. Die Kerne sollte man meiden, denn sie enthalten genau wie bittere Mandeln das blausäurebildende Glykosid Amygdalin.

Wie gesund sind Schlehen?

Der hohe Gehalt an Gerbstoffen macht Blüten, Blätter und Rinde der Schlehe adstringierend. Die Naturheilkunde verwendet sie bei Durchfall, Verdauungsbeschwerden und als harntreibendes und fiebersenkendes Mittel. Zudem sind die Früchte reich an Vitamin C, Flavonoiden und anderen Antioxidanzien. Hildegard von Bingen empfahl die frischen, mit Honig zerstampften Früchte als Mittel gegen Gicht und Rheuma, Pfarrer Sebastian Kneipp die Blüten als Tee zubereitet als mildes, aber nachhaltiges Abführmittel.

Wie erkenne ich Schlehen?

Im Frühjahr sind Schlehen aus der Ferne am ehesten mit dem Weißdorn (Crataegus spec.) zu verwechseln, der ebenfalls weiße Blüten hervorbringt und sich mit Dornen zur Wehr zu setzen weiß. Bei der Schlehe erscheinen die Blüten allerdings lange vor den Blättern, beim Weißdorn erst danach. Zudem riechen die Schlehenblüten nach Mandeln, wohingegen die des Weißdorns einen sehr eigenen, penetranten Geruch haben. Haben sich erst einmal Früchte gebildet, ist die Schlehe absolut unverwechselbar. Sie sehen aus wie kleine, bereifte Mini-Pflaumen oder Riesen-Heidelbeeren und haben einen großen Steinkern.

Wann kann ich Schlehen ernten?

Die Früchte der Schlehe sollte man vorzugsweise erst nach dem ersten Frost ernten. Er sorgt dafür, dass Enzyme die darin enthaltenen Bitterstoffe abbauen, was das Fruchtfleisch wesentlich wohlschmeckender macht. Gegebenenfalls kann man die reifen Früchte auch einfrieren, was den gleichen Effekt hat. Die Methode empfiehlt sich vor allem, wenn man die Ernte nicht mit hungrigen Vögeln teilen möchte.

Ist Schwarzdorn giftig?

Die Früchte des Schwarzdorns sind vor dem ersten Frost abgrundtief sauer und bitter, aber ungiftig. Vermeiden sollte man nur die blausäurehaltigen Samen. Ebenso sollte man den in der Naturheilkunde als Abführmittel beliebten Tee aus Schwarzdornblüten nicht in großen Mengen trinken, denn auch er enthält giftige Glykoside.

Ökologischer Wert

Schlehe ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge, Vögel

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
19
Anzahl Schmetterlingsarten:
17
Nektarwert:
2
Pollenwert:
3

Vögel und Säugetiere

Vogelschutzgehölz & Vogelnährgehölz ja
Nistplatz: wird häufig als Nistplatz verwendet
Landeplatz: wird häufig aufgesucht
Dornen bieten Vögeln Schutz
Anzahl fressende Vogelarten:
20
Anzahl fressende Säugetierarten:
18

Schlehe passt gut zu

Wildbienenpflanzen

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