Was ist Nickende Distel?
Die Nickende Distel ist eine zweijährige Pflanze, deren Pfahlwurzel im ersten Jahr nach dem Keimen zunächst nur eine Rosette aus bodennahen Blättern bildet; die unverkennbaren Blütenstände mit ihren Blütenkörbchen, die sie unmissverständlich als Mitglied aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) ausweisen erscheinen erst im Jahr darauf. Sie ist in ganz Europa und weiten Teilen Asiens verbreitet und besiedelt sommerwarme kalk- und nährstoffhaltige Böden an Wegrändern, Schuttplätzen und anderen Ruderalstellen, an Böschungen und auf Weiden und Magerrasen. Ihre größte Verbreitung hat sie im Mittelmeerraum, aber auch bei uns in Deutschland ist sie häufig zu finden.
Bei besonders guten, heißt vor allem warmen Bedingungen kann die Nickende Distel auch schon im ersten Jahr blühen.
In der Rosette sind die bis zu 40 Zentimeter langen länglich-lanzettlichen, mit großen Buchten fiederspaltigen Blätter kurz gestielt, die nach oben hin zusehends kleiner werdenden Stängelblätter breit sitzend mit den Stängel hinablaufendem Grund; bei beiden sind die Ränder mit deutlichen Stachelspitzen bewehrt, die Oberseiten kahl und die Unterseiten vor allem auf den Blattadern wollig behaart. Die Stängel können ohne weiteres über einen Meter hoch werden; sie sind vor allem im oberen Teil locker verzweigt.
An den Spitzen der Triebe erscheinen die 2-6 Zentimeter breiten Körbchen, die – nomen est omen – meistens leicht nicken und eine fast kugelige Form aufweisen. Je nach Standort und Nährstoffen bildet eine einzelne Distel bis zu 50 Köpfchen. Auch die Hüllblätter am Körbchenboden geizen nicht mit stachligen Spitzen. Im Inneren der Körbchen sitzen hunderte leuchtend rosa bis zartlila gefärbte Röhrenblüten, Zungenblüten fehlen bei dieser Art. Bestäubt werden daraus erst hellgrüne, später strohfarbene gerippte, 3-4 Millimeter lange Achänen mit einem bis zu zwei Zentimeter langen buschigen Pappus an ihrem Ende.
Nickende Distel im Garten

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Standort
Die Nickende Distel braucht einen durchlässigen humosen Boden, denn mit Staunässe bringst Du sie schnell und zuverlässig um. Die Erde sollte frisch ausfallen, kann aber auch im Sommer problemlos längere Zeit trocken werden; sie darf neutral bis sauer sein. Zu viele Nährstoffe sollte sie ebenfalls nicht enthalten, denn dann wachsen die Pflanzen unschön und werden anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Im Winter vertragen die Pflanzen bis zu -28 °C.
Schnitt
Den Schnitt solltest Du bei der Nickenden Distel aufs Frühjahr verschieben oder ganz ausfallen lassen; die Samen sind eine beliebte Delikatesse für Vögel, und in den vertrockneten markhaltigen Stängeln könnten auch einige Wildbienen ihre Brutröhren anlegen.
Vermehrung
Bei zweijährigen Pflanzen wie der Nickenden Distel kommt man naturgemäß am besten auf die Aussaat zur Vermehrung zurück. Die im Gartenhandel erhältlichen Samen keimen schnell und zuverlässig. Zudem sorgt die Distel auch fleißig für Selbstaussaat, sodass sie schon nicht so schnell aus Deinem Garten verschwinden wird.
Eine einzelne Nickende Distel kann bis zu 120.000 Samen bilden! Zudem bleiben sie mehrere Jahre keimfähig. Gegebenenfalls macht sie das schwer kontrollierbar und zu einem ungeliebten invasiven Neophyten – siehe Abschnitt Ökologie.
Verwendung
Im Garten lässt sich die Nickende Distel in den naturnahen Ecken mit viel Sonne und frischen bis trockenen Böden gut einsetzen, etwa im Steingarten, in Blumenbeeten und Staudenrabatten.
Schädlinge
und Krankheiten sind bei der Nickenden Distel nicht besonders häufig, und die wenigsten davon können ihr dauerhaft etwas anhaben. Schnecken verschmähen sie; Blattläuse finden sich des Öfteren an den frischen Pflanzenteilen, meist ohne die Disteln nachhaltig zu schädigen. Pilzerkrankungen mit diversen Arten von Puccinia und Ustilago treten vor allem bei ungünstigen Bedingungen auf, wie bei Überdüngung oder zu viel Wasser. Urophora-Arten können an den Blättern Gallen hervorrufen.
Ökologie

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- Die stacheligen Spitzen dienen nicht nur der Abwehr ungebetener Besucher, sondern haben auch bei trockenem Wetter ihren Sinn: Falls es mal längere Zeit nicht regnet kondensiert an ihnen morgens der Tau, der zudem zielsicher zu den Wurzeln geleitet wird.
- Um an den Nektar in den Röhrenblüten zu gelangen sind überraschenderweise keine besonders langen Mundwerkzeuge vonnöten, denn der süße Saft steigt in den Kronröhren bis über einen Zentimeter hoch. Dementsprechend versammeln sich hier zahlreiche Insekten, auch viele Honigbienen, Hummeln und andere Wildbienen.
- Für Schmetterlinge sind lange Blüten ohnehin kein Problem. Dementsprechend findet sich hier eine Vielzahl von Faltern ein, auch zahlreiche Tagfalter, die sich tagsüber gut an den Blütenkörbchen beobachten lassen. Raritäten wie der Regensburger Gelbling Colias myrmidone oder der Rotbindige Samtfalter Arethusa arethusa gelten inzwischen als ausgestorben oder zumindest verschollen, und der bekannte Apollofalter mit seinen blauen Flügeln mit schwarz gerandeten roten Flecken darauf ist laut Roter Liste stark gefährdet. Selbst der noch vergleichweise häufig hier anzutreffende Große Perlmuttfalter Argynnis aglaja steht mittlerweile auf der Vorwarnliste.
- Den Pollen der Nickenden Distel holen sich 76 Wildbienen, von denen neun als spezialisiert gelten. Dazu gehören auch viele Blattschneiderbienen (Megachile spec.) und Schmalbienen (Lasioglossum spec.); auch viele von ihnen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, wie die Weißgürtel-Schmalbiene Lasioglossum albotinctum und die Flockenblumen-Blattschneiderbiene Megachile apicalis.
- Ebenso am Pollen interessiert sind Schwebfliegen – mit ihren kurzen Rüsselchen kommen sie ohnehin nur begrenzt an den Nektar.
- Ist im Herbst und Winter die Blütenpracht vorüber ist die Stunde der Vögel gekommen; viele Körnerfresser nutzen die nahrhaften Samen der Nickenden Distel als Winterfutter, insbesondere der die Disteln bereits im Namen tragende Distelfink oder Stieglitz (Carduelis carduelis). Die farbenfrohen Vögel können Stunden damit verbringen, in den vertrockneten Disteln herumzuturnen und mit ihren Schnäbeln die Achänen aus dem Köpfchen zu klauben.
- Auf Weiden kann sich die Nickende Distel oft besonders erfolgreich durchsetzen, weil Kühe und Schafe die stacheligen Biester meiden und stattdessen lieber die weniger wehrhafte Konkurrenz vertilgen. Das verschafft ihnen einen deutlichen Vorteil, sodass sie dort oft rasant zunehmen.
- Für die Verbreitung der Achänen sorgt vor allem der Wind – der große Pappus bietet reichlich Luftwiderstand und sorgt dafür, dass die Samen an weit entfernter Stelle keimen können.
- Außerhalb der heimatlichen Bestände sorgen die reichlich gebildeten Samen dafür, dass sich die Nickende Disteln in vielen Ländern als invasiver Neophyt unbeliebt macht, etwa im Osten der USA und Kanadas, in Südafrika, Neuseeland und Australien.
Wissenswertes
- Essbar sind die Nickenden Disteln nicht nur für Vögel und Insekten, sondern auch für den Menschen. Allerdings sollte man sich vor den Stacheln in Acht nehmen; in Suppe oder Smoothies püriert spielen sie allerdings keine Rolle.
- Aus den Samen lässt sich auch ein Distelöl pressen.
Was sind zweijährige Pflanzen?
Zweijähre Pflanzen bilden im ersten Jahr meist nur eine flache Rosette. Im nächsten Jahr wächst die Pflanze in die Höhe, blüht und versamt sich. Die Pflanze stirbt und aus dem Samen entsteht die nächste Generation.
Markus Wichert
Naturgärtner