Gewöhnliche Kornrade

Agrostemma githago

Einjährige
Wildform
Schmetterlingspflanze
Gewöhnliche Kornrade (Agrostemma githago) Alle 2 Fotos anzeigen
Quelle: Peter O'Connor aka anemoneprojectors from Stevenage, United Kingdom, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimisches Ackerunkraut
  • Einjährig mit langer Pfahlwurzel
  • Bis zu einem Meter hoch, mit behaarten Stängeln und Blättern
  • Typische rote Blüten mit langen Kelchzähnen
  • Beliebte Zierpflanze für Staudenbeete und Rabatten
  • Alter Kulturfolger seit der Steinzeit
  • In allen Teilen giftig, vor allem die Samen
  • Im Getreide für Menschen, Schweine, Rinder und Geflügel gefährlich
  • Bestäubung durch Schwebfliegen, Bienen und Hautflügler
  • Als Heilpflanze heute nicht mehr verwendet
Wuchs
Pflanzenart: Einjährige
Höhe: 30 - 100 cm
Wurzelsystem: Pfahlwurzel
Blüte
Blütenfarbe: pink
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Boden: durchlässig bis normal
Wasser: frisch bis trocken
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Nelkenartige
Familie: Nelkengewächse
Gattung: Konraden
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Gewöhnliche Kornrade?

Gewöhnliche Kornrade (Agrostemma githago) ist ein altes Ackerunkraut, das früher in Felder vor allem von Wintergetreide häufig anzutreffen war und mit dem Beginn der industriellen Landwirtschaft fast völlig aus dem Landschaftsbild verschwunden ist. Es handelt sich dabei um einen Vertreter aus der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae), der in der freien Natur praktisch nicht vorkommen und vermutlich im Mittelmeerraum und in Asien beheimatet ist.

Die einjährigen krautigen Pflanzen erreichen eine Wuchshöhe von bis zu einem Meter und weisen eine bis zu 95 Zentimeter lange Pfahlwurzel auf. Alle oberirdischen Teile sind anliegend zottig graufilzig behaart. Die Stängel stehen aufrecht und einzeln oder sind nur schwach verzweigt. Die gegenständigen Blätter sind schmal linealisch-lanzettlich mit einer auslaufenden Spitze, 5-13 Zentimeter lang und 2-10 Millimeter breit.

Die Blüten der Kornrade sind 3-10 Zentimeter lang gestielt, zwittrig, radiärsymmetrisch und fünfzählig, mit am Grund zu einer Röhre verwachsenen und die Krone mit bis zu vier Zentimeter langen Zipfeln weit überragenden Kelchblättern. Dagegen sind die genagelten, 3-4 Zentimeter langen Kronblätter rosa und am Ende ausgerandet. Griffel und Staubblätter überragen die Krone ebenfalls deutlich. Meistens finden sich nur zwei oder drei Blüten pro Pflanze, selten bis zu 50. Bei den Früchten handelt es sich um eiförmige Kapseln von 1-2 Zentimetern Länge mit fünf Klappen und schwarzen nierenförmigen, von kleinen Warzen bedeckten Samen.

Gewöhnliche Kornrade im Garten

Standort

Die Gewöhnliche Kornrade liebt einen trockenen bis frischen, nährstoffreichen und milden bis mäßig sauren humosen sandigen oder reinen Lehmboden. Sie bevorzugt volle Sonne und blüht vor allem in etwas ärmeren Böden reichlich.

Schnitt

Ein Schneiden ist bei der Gewöhnlichen Kornrade nur erforderlich, wenn man im Herbst die abgestorbenen Pflanzenteile entsorgen möchte.

Vermehrung

Eine Vermehrung mit Samen gelingt leicht. Dazu bringt man sie nach den Eisheiligen in etwa einem Zentimeter Tiefe aus. Die Sämlinge sind hart im Nehmen und ertragen noch Minustemperaturen von bis zu -15 °C. Nur nahe an der Oberfläche reagieren sie empfindlich auf Trockenheit.

Verwendung

Die Kornrade ist typischer Begleiter von Bauerngärten und eine beliebte Zierpflanze für Blumenbeete und Rabatten. Als Schnittblume ist sie wenig geeignet, da sie schnell welkt. Man pflanzt sie vorzugsweise in Gruppen, damit sich die etwas windempfindlichen Pflanzen gegenseitig abstützen können.

Schädlinge

Junge Kornraden werden von Kaninchen, Vögeln und Schnecken gefressen. Haustiere meiden die Zierpflanze im Garten. Im Kraut siedeln sich Minierfliegen und -motten wie auch Rüsselkäfer an. Ansonsten gilt sie als recht resistent gegenüber Krankheiten und Schädlingen.

Ökologie

Die Blüten der Gewöhnlichen Kornrade werden vor allem von Schwebfliegen und anderen Fliegen, seltener von Schmetterlingen, Bienen und anderen Hymenopteren bestäubt. Kraut und Frucht fressen die Raupen der Violettbraunen Kapseleule Hadena rivularis.

Wissenswertes

Der botanische Gattungsname leitet sich von griechisch αγρος, Feld und στεμμα, Krone ab. Dagegen kommt der Artname githago vermutlich vom hebräischen khitah, Weizen, da die Samen eine ähnliche Größe haben wie die des Getreides. Im Polnischen steht K?kol Pate beim gleichlautenden Familiennamen wie auch bei K?kolewski und den im vormaligen Danzig und Pommern häufigen Konkol und Konkolewski.

Die Gewöhnliche Kornrade war in unseren Breiten seit der Jungsteinzeit und dem Beginn des Ackerbaus als Kulturfolger weit verbreitet. Sie ist auf den Menschen angewiesen, denn die stabilen Kapseln öffnen sich nur durch Verrottung oder wesentlich schneller beim Dreschen des Getreides. Die Samen reifen innerhalb von 33 Tagen nach der Bestäubung und werden so zusammen mit Roggen und Weizen reif. Früher prägte sie mit ihren roten Blüten Äcker und Felder ebenso wie Kornblume und Mohn. Für den akuten Rückgang ist vor allem die moderne Saatgutreinigung verantwortlich, bei der die giftigen Samen aussortiert werden, aber auch der Einsatz von Herbiziden. Sie sind etwa so groß wie die Getreidekörner und ließen sich früher nur manuell entfernen. Heute gilt die Kornrade als gefährdete Art.

2003 wurde die Gewöhnliche Kornrade zur Blume des Jahres gekürt. Neben der Wildform bekommt man im Gartenfachhandel Zuchtsorten mit unterschiedlich gefärbten Blüten. Als Heilpflanze spielt sie heutzutage aufgrund der stark schwankenden Giftstoffgehalte keine Rolle mehr; man verwendete sie früher gegen Erkältungskrankheiten, Hauterkrankungen und Menstruationsbeschwerden.

Fotos

Blüte Gewöhnliche Kornrade
Quelle: Peter O'Connor aka anemoneprojectors from Stevenage, United Kingdom, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
 Gewöhnliche Kornrade
Quelle: NaturaDB
Was sind einjährige Pflanzen?

Einjährige Pflanzen keimen, wachsen und blühen innerhalb eines Jahres. Durch Versamen können sie sich erhalten und wieder am selben Standort erscheinen. Manche „wandern“ so durch den Garten und erfreuen uns an immer neuen Standorten.

Häufige Fragen

Wie sieht eine Kornrade aus?

Die Gewöhnliche Kornrade Agrostemma githago ist ein zottig behaartes Nelkengewächs, das bis zu einem Meter hoch wird. Das früher häufige Ackerunkraut hat typische Blüten, bei denen die spitzen grünen Zipfel der Kelchblätter die fünf rosafarbenen Kronblätter weit überragen. Daran erinnern auch viele Wappen, in denen diese charakteristischen Blüten verewigt wurden.

Ist Kornrade giftig?

Kornrade ist in allen Teilen giftig und enthält eine Reihe von Saponinen. Sie kann Menschen, Rindern, Schweinen und Pferden gefährlich werden. Früher waren diese ein relativ häufiges Problem, da die Samen des verbreiteten Ackerunkrautes ähnlich groß wie Getreidekörner sind und beim Dreschen und Sieben im Korn blieben. Mehl gilt bereits bei einer Beimischung von 0,1 Prozent als giftig; bei höheren Konzentrationen wird es bläulich und bekommt einen bitteren Geschmack. Dementsprechend häufig waren Vergiftungen mit Mehl, Brot und Getreidekaffee.

Vergiftungserscheinungen treten bei einem Erwachsenen bereits nach dem Genuss von drei oder vier Samen auf. Sie äußern sich mit Schwindelgefühl, Kratzen in der Speiseröhre, Kopfschmerzen, Übelkeit und erhöhtem Puls. Es folgen Herzrhythmusstörungen mit Fieber und Delirium, Krämpfe und partielle Hämolyse des Blutes. Der Tod tritt durch Lähmung der Atemmuskulatur ein. Bei Schweinen reicht dafür ein einzelner Kornradesamen auf 1000 Getreidekörner, bei Rind und Geflügel zwei bis fünf.

Nachdem die Pflanze mittlerweile an der Grenze zur Ausrottung steht spielt sie bei Vergiftungen kaum noch eine Rolle. In der Volksmedizin hat man sie früher verwendet, obwohl Intoxikationen aufgrund der schwankenden Wirkstoffgehalte nicht unüblich waren.

Ökologischer Wert

Gewöhnliche Kornrade in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Schmetterlingsarten:
1
Dient als Futterplanze für Raupen:
1

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Quelle: Photo by Peter Monsberger from Pexels
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