Was ist Echtes Herzgespann?
Das Aufrechte Herzgespann, Herzspannkraut oder Löwenschwanz gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und bildet aufrechte, bis zu 120 Zentimeter hohe Horste. Es wächst in ganz Europa bis in den Iran hinein auf Wildkrautfluren und in der Nähe von Siedlungen an Mauern, Zäunen und auf Ruderalstellen.
Der Stängel der ausdauernden krautigen Pflanze ist vierkantig und innen hohl, außen deutlich behaart. Gleiches gilt für die Unterseite der handförmig geteilten Blätter; sie stehen wie bei Lippenblütlern üblich kreuzgegenständig. In den oberen Blattachseln stehen Quirle der Lippenblüten, die hier eine altrosa Farbe haben und aus denen die Staubblätter ein Stück weit herausragen. Sie stehen so dicht, dass sie ihren lateinischen Namen Leonurus – Löwenschwanz alle Ehre machen. Aus den bestäubten Blüten entwickeln sich Kapseln mit hellbraunen Nüsschen.
Echtes Herzgespann im Garten

Quelle: olko1975/shutterstock.com
Standort
Das Echte Herzgespann bevorzugt einen nährstoffreichen und frischen, durchlässigen Lehm- oder Tonboden. Der kann frisch bis trocken ausfallen; im Sommer machen ihm vorübergehende Trockenperioden nichts aus, selbst wenn es die Blätter mal hängen lässt richten sie sich nach einem Guss mit der Gießkanne schnell wieder auf. Sonne und Halbschatte sind in Ordnung, Schatten mag es nicht. Als heimisches Kraut ist es vollkommen winterhart und übersteht -40 °C ohne Probleme.
Schnitt
Das Echte Herzgespann kannst Du im Frühjahr vor dem neuerlichen Austrieb bis nahe am Boden abschneiden, dann erscheinen alsbald die neuen Triebe. Den Schnitt kannst Du als Mulch verwenden oder auf dem Komposthaufen verrotten lassen.
Vermehrung
Herzgespann wird man meistens als fertige Pflanze kaufen, aber auch eine Aussaat aus Samen ist möglich. Üblicherweise blüht es erst im Jahr nach dem Säen. Man sollte die Samen erst einmal eine Weile liegenlassen, denn frisch geerntet ist die Keimrate gering.
Verwendung
Heute sieht man das Herzgespann deutlich seltener als Zierpflanze in den Gärten. Früher war ein Bauerngarten ohne Löwenschwänzchen undenkbar – Zeit für eine Renaissance, die vor allem den Wildbienen der Umgebung zugutekommt. Ebenso gut lässt es sich auf Balkon und Terrasse in Kübel und Kästen pflanzen oder zur Dachbegrünung einsetzen.
Ökologie
Das Herzgespann blüht den ganzen Sommer über, sehr zur Freude der Insekten. Sage und schreibe 42 Arten von Wildbienen, darunter viele Hummeln bedienen sich am Pollen des Echten Herzgespanns, auch zwei spezialisierte Arten. Viele davon sind vom Aussterben bedroht, sodass Du ihnen mit einigen dieser Pflanzen im Garten helfen kannst, sofern sie in Deiner Umgebung vorkommen. Dazu gehören die Schwarze Mörtelbiene Megachile parietana, die Filzige Pelzbiene Anthophora pubescens sowie die Mooshummel Bombus muscorum, die Holz-Blattschneiderbiene Megachile ligniseca und die Dünen-Steppenbiene Nomioides minutissimus, unsere kleinste einheimische Wildbiene. Für die Kleine Holzbiene Xylocopa iris kommt vermutlich alle Hilfe zu spät – sie gilt inzwischen als ausgestorben.
Der Nektar der Lippenblüten ist nicht allzu schwer zu erreichen – das wissen sogar die Ameisen, die mit schöner Regelmäßigkeit den Wildbienen zuvorkommen und den süßen Saft räubern.
Wissenswertes
Mittlerweile sind die Bestände des ehemals weit verbreiteten Echten Herzgespanns in Deutschland vielerorts im Rückgang. Im Südwesten gilt es inzwischen sogar als gefährdet.
Früher galt das Echte Herzgespann als Heilpflanze, die man, wie der Name bereits verrät, als Herzmittel einsetzte. Bekannt ist es seit der Antike, und in den mittelalterlichen Klostergärten durfte es nicht fehlen. Für die pharmakologische Wirkung sind Iridoidglykoside, Bitterstoffe und Flavonoide verantwortlich. Heute nutzt nur noch die Volksmedizin die getrockneten Blüten, Blätter und Stängel bei Wechseljahresbeschwerden, Asthma bronchiale und als Tonikum bei Herzschwäche. Es gilt als traditionelles pflanzliches Arzneimittel.
Seltener ist die Verwendung als Würzkraut, etwa für deftige Eintöpfe. Vor der Einführung des Reinheitsgebotes würzte man mit Herzgespann auch das Bier. Die Samen enthalten ein fettes Öl, das man zum Imprägnieren von Papier und Stoffen verwendet, und die Pflanzen selbst wurden früher zum grün Färben von Stoffen eingesetzt.
Was sind mehrjährige Stauden?
Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.
Markus Wichert
Naturgärtner