Was ist Rotes Seifenkraut?
Das Rote Seifenkraut gehört zur Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae), wie man an den zahlreich gebildeten roten Blüten leicht erkennen kann. In Deutschland ist es in der freien Natur selten und bestenfalls in den Alpen anzutreffen; ansonsten wächst es in den Gebirgen Süd- und Südosteuropas auf trockenwarmen und sonnenexponierten Stein- und Geröllböden.
Die ausdauernden krautigen Pflanzen bilden einen niedrigen Teppich oder Rasen aus niederliegenden und aufsteigenden Stängeln mit gegenständigen eiförmigen bis spatelförmigen Blättern. An den Enden der verzweigten Triebe erscheinen die wohlriechenden rosafarbenen Blüten in kleinen Büscheln von Ende April bis Anfang Oktober. Die Blüten sind recht zierlich – daher auch der Name Kleines Seifenkraut oder Kleinblütiges Seifenkraut – aber dafür umso zahlreicher. Aus ihnen werden Kapselfrüchte, die mit vier Zähnchen an der Spitze öffnen und die zahlreichen Samen in der Umgebung verstreuen.
Rotes Seifenkraut im Garten
Standort
In den Gebirgen findet sich das Rote Seifenkraut oft auf Geröllhalden und zwischen Fels und Stein, wo es nur wenig Humus und Feinerde gibt. Kalkreich sollte der Untergrund sein. Den Pflanzen machen langanhaltende Trockenphasen und pralle Sonne nichts aus, und im Winter vertragen sie hochgebirgsgerechte -34 °C.
Schnitt
Nach der ersten Blühsaison kannst Du Saponaria ocyamoides einfach eine Handbreit über dem Boden zurückschneiden. Die Pflanzen treiben alsbald wieder aus und danken Dir die flotte Frisur nach ein paar Wochen mit einer zweiten Blüte.
Vermehrung
In aller Regel wirst Du das Rote Seifenkraut als fertige Pflanze im Gartenhandel kaufen. Einmal im Garten angesiedelt kannst Du die Bestände ab und zu teilen und verpflanzen; das hält sie wuchs- und blühfreudig. Eine Aussaat aus Samen ist ebenfalls möglich, wobei es auch fleißig für Selbstaussaat sorgt. Die Pflanzen sind Lichtkeimer und Kaltkeimer, brauchen also eine Kältephase im Herbst und die Samen dürfen nicht zu tief eingebuddelt werden.
Verwendung
Mit seiner Renitenz gegenüber Sonne und Trockenheit eignet sich das Rote Seifenkraut bestens für den trockenen und sonnenbeschienenen Steingarten und Trockenmauern, für Kübel, Tröge und Kästen auf Balkon und Terrasse und natürlich nicht zuletzt auch zur Dachbegrünung. Entsprechend seiner Pflegeleichtigkeit, Robustheit und Beliebtheit als Zierpflanze gibt es im Gartenhandel eine ganze Reihe von Sorten, mit denen sich das Bild abwechslungsreich gestalten lässt.
Schädlinge und Krankheiten
sind beim Roten Seifenkraut dünn gesät – der Überlebenskünstler aus dem Hochgebirge wird nur höchst selten heimgesucht und ist ausgesprochen hart im Nehmen. Noch nicht einmal die Schnecken interessieren sich für das renitente Kraut, nur Überdüngung macht es weich und zu einer leichten Kost für Nacktschnecken.
Ökologie
Den Nektar holen sich Honigbienen, Schmetterlinge und andere Insekten aus den kleinen Blüten des Roten Seifenkrautes. Sein Pollen wird von einem Dutzend Wildbienen gesammelt und zu Proviantpaketen für den Nachwuchs geschnürt. Dazu gehören noch recht häufige Arten wie die Glänzende Düstersandbiene Andrena nitida und die Acker-Schmalbiene Lasioglossum pauxillum, aber auch die als gefährdet eingestuften Bergwald-Sandbiene Andrena coitana und die Metallische Keulhornbiene Ceratina chalybea.
Andernorts macht sich das genügsame Rote Seifenkraut als invasiver Neophyt bisweilen unbeliebt, so etwa in den USA, wo es gerne ausbüchst und die heimische Flora zurückdrängt.
Wissenswertes
In Deutschland wächst Rotes Seifenkraut praktisch ausschließlich in den Alpen; es steht auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet.
Was sind mehrjährige Stauden?
Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.
Markus Wichert
Naturgärtner