Rainfarn

Tanacetum vulgare

Staude
Wildform
winterhart
Super Insektenpflanze
giftig
lange Blühzeit
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Gesamte Pflanze von Rainfarn

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ausdauerndes einheimisches Kraut aus der Familie der Korbblütler
  • Wintergrün, mit bodenständiger Rosette und großen Fiederblättern
  • Charakteristischer strenger Geruch nach etherischen Ölen
  • Blütenstände mit leuchtend gelben, knopfförmigen Blüten
  • In der Naturheilkunde als Wurmmittel verwendet
  • Getrocknete Blätter vertreiben Motten
  • Ausgezeichnete Nektarpflanze, beliebte Bienenweide und gutes Raupenfutter für Schmetterlinge
  • Verbreitung durch unterirdische Ausläufer
  • Alte Färbepflanze
  • Ruft bei empfindlichen Menschen Kontaktekzeme aus
Wuchs
Pflanzenart: Staude
Höhe: 80 - 120 cm
Wurzelsystem: Herzwurzler
Frostverträglich: bis -34 °C (bis Klimazone 4)
Blüte
Blütenfarbe: gelb
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne
Boden
Boden: humos
Wasser: frisch bis trocken
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Asternartige
Familie: Korbblütler
Gattung: Wucherblumen
ist giftig Blüten, Stängel
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Rainfarn?

Beim Rainfarn (Tanacetum vulgare) oder Wurmkraut handelt es sich um ein einheimisches ausdauerndes Kraut aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), das mit seinen Blütenständen Höhen von 80-120 Zentimeter erreicht. Er wächst gesellig in staudenreichen Unkrautfluren, Wegrändern, Schuttplätzen und Dämmen und ist in den Stromtäler der großen Flüsse besonders häufig anzutreffen. Das kräftige Rhizom reicht bis zu einem Meter in die Tiefe und sorgt auch bei längeren Trockenzeiten für ausreichende Wasserzufuhr. Kriechwurzeln sorgen für schnelle Ausbreitung.

Kennzeichnend für den Rainfarn ist der durchdringende Geruch, der von allen Pflanzenteilen von der Wurzel bis zur Blüte ausgeht. Er ist auf etherische Öle zurückzuführen. Die an Farn erinnernden sattgrünen Blätter stehen wechselständig am Stängel und sind unten gestielt und eine Rosette bildend, weiter oben sitzend, länglich, gefiedert mit gesägten Rändern. Endständig erscheinen die doldenrispigen Blütenständen mit leuchtend gelben Körbchen, die wie kleine Knöpfe aussehen – im Volksmund auch als Goldknöpfchen oder Westenknöpfe bezeichnet. Sie bestehen aus bis zu 100 dicht gedrängten zwittrigen Röhrenblüten, Zungenblüten werden hier nicht ausgebildet. Als Früchte bildet der Rainfarn fünfrippige, millimeterlange Achänen, die anstelle eines Flugapparates nur ein kleines gezacktes Krönchen als Rest des Kelches aufweisen.

Rainfarn im Garten

Standort

Rainfarn mag einen warmen, sonnigen und nicht zu trockenen Standort mit basenreichem humosem Boden. Zu nährstoffreich sollte er nicht sein – die Pflanzen bevorzugen auch an ihren natürlichen Vorkommen eher magere Untergründe. Am besten bedenkt man bereits beim Einpflanzen, dass sich das mehrjährige Kraut schnell mit seinen unterirdischen Ausläufern ausbreitet. Er ist absolut winterfest.

Schnitt

Ein Schneiden oder irgendwelche Pflege ist beim robusten Rainfarn nicht notwendig. Man kann allenfalls im Herbst die abgeblühten Triebe entfernen oder etwas von dem Kraut gegen Motten im Kleiderschrank abschneiden.

Vermehrung

Die Vermehrung des Wurmkrautes erfolgt am besten mit Ablegern. Die unterirdischen Ausläufer des Rhizoms sorgen bereits selbständig für ihre Verbreitung; gegebenenfalls kann man ein Stück davon mit dem Spaten ausstechen und an der gewünschten Stelle einpflanzen. Kopfstecklinge sind ebenfalls möglich, aber aufwändiger.

Verwendung

Rainfarn macht sich gut in Staudenbeeten, an Wegrändern, in Rabatten, Bauerngärten oder am Rand von Gehölz. In Gruppen kommen seine sattgrünen farnähnlichen Blätter und gelben Blüten am besten zur Geltung. In Kübeln und Containern kann man die hervorragende Insektenweide auch auf die Terrasse oder einen Balkon bringen.

Schädlinge

Zu den auf Rainfarn spezialisierte Schädlingen gehört der Rainfarn-Rostpilz (Puccinia tanaceti). Minierfliegen bohren sich durch die Blätter und lassen sie vergilben. Ansonsten gilt er als ausgesprochen robust und widerstandsfähig, denn sein strenger Geruch und die enthaltenen Giftstoffe schützen ihn vor fast allen Fraßfeinden. Das gilt sogar für die ansonsten wenig wählerischen Nacktschnecken.

Ökologie

Die kleinen Blütenknöpfchen des Rainfarns bestehen aus kurzen Röhrenblüten, deren Nektar auch für Insekten mit kurzem Rüssel gut zu erreichen ist. Dementsprechend finden sich in der sommerlichen Mittagshitze Heerscharen von geflügelten Liebhabern auf den gelben Doldenrispen ein.

Bei Bienen und Schmetterlingen sind die gelben Korbblüten des Rainfarns hochbegehrt. Neben Honigbienen finden sich hier 21 Wildbienen ein, darunter vier Sandbienen (Andrena spec.), elf Furchenbienen (Lasioglossum spec. und Halictus spec.), drei Seidenbienen (Colletes spec.) sowie die Gemeine Löcherbiene (Heriades truncorum), Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus) und die Bedornte Mauerbiene (Osmia spinulosa). Sie haben es dabei weniger auf den Nektar als auf den reichlich gebildeten Pollen abgesehen.

Ebenfalls für den Nektar interessieren sich sechs Schmetterlingsarten wie das Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) und der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas), für die Blätter als Raupenfutter neun weitere Schmetterlinge wie verschiedenen Blütenspanner (Eupithecia spec.) und der Zimtbär (Phragmatobia fuliginosa).

Weitere ständige Begleiter des Rainfarns sind Käfer und Wanzen, vor allem der spezialisierte Rainfarn-Schildkäfer (Cassidia stigmatica) und Rainfarn-Blattkäfer (Galeruca tanaceti).

Die Verbreitung der Achänen, die im Gegensatz zu vielen anderen Korbblütlern keine Flugeinrichtung tragen, erfolgt durch den Wind, der sie aus großer Höhe aus den Körbchen streut, oder durch Anhaften im Fell vorüberstreifender Tiere.

Wissenswertes

Der botanische Gattungsname Tanacetum leitet sich vom griechischen athanasí für Unsterblichkeit ab. Der Sage nach wurde der Mundschenk der Götter Ganymed dank eines damit zubereiteten Trankes unsterblich.

Rainfarn ist ein alter Kulturbegleiter, denn der Mensch nutzt ihn als Heil- und Nutzpflanze. Weite Verbreitung in den Klostergärten fand der Rainfarn aufgrund der Landgüterverordnung (Capitulare de villis) Karls des Großen. Er wird in den alten Kräuterbüchern ausführlich behandelt, und auch die Physica der Hildegard von Bingen beschreibt ihn als Mittel gegen Prostatabeschwerden und Erkältungen.

Wie der volkstümliche Name Wurmkraut bereits andeutet verwandte man früher einen Tee gegen Würmer wie Band- und Rundwürmer in den Eingeweiden sowie Läuse und Flöhe auf Haut und Haaren. Das getrocknete Kraut vertreibt zuverlässig Motten aus dem Kleiderschrank. Zu den pharmakologisch wichtigen Inhaltsstoffen des Rainfarns gehören Terpene, Flavonoide und Cumarine. Der intensive Geruch des Rainfarnöls kommt vor allem durch β-Thujon, 1,8-Cineol und α-Pinen zustande.

Von der Verwendung als Heilpflanze ist man mittlerweile abgekommen, da es zuverlässigere Entwurmungsmittel gibt und das aromatische Rainfarnöl bereits in geringer Dosierung Vergiftungserscheinungen und allergische Reaktionen hervorrufen kann. β-Thujon ist ein starkes Nervengift, das Leber und Nieren schädigt und zum Tod durch Lähmung der Atemmuskulatur führen kann.

Die gelben Blüten des Rainfarns wurden schon im Mittelalter zur Wollfärberei verwendet. Je nach Beize lassen sich damit dunkelgelbe bis dunkelgrüne Farbtöne erzielen.

In der Imkerei verwendet man die getrockneten Blätter zum Räuchern, um die Honigbienen beim Hantieren an ihren Behausungen ruhigzustellen. Bei Brandgeruch werden die Tiere nicht aggressiv, sondern versuchen die Brut vor dem aufkommenden Brand zu schützen.

Als der aus Amerika eingeschleppte Kartoffelkäfer die europäischen Kartoffelbestände zu vernichten drohte, vertrieb man die Plagegeister vielerorts recht erfolgreich mit Rainfarn. Auch im Garten hilft er gegen Schädlinge, beispielsweise als Zutat in Brennnesselbrühe oder in Schachtelhalmsud.

Im Gartenfachhandel sind verschiedene Zuchtsorten erhältlich, die sich in Wuchshöhe und Laubfarbe unterscheiden.

Fotos

Blatt Rainfarn
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Rainfarn
Quelle: NaturaDB

Sorten Rainfarn

Sorte Blütenfarbe Blühzeit
Rainfarn (Wildform) gelb
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a
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Rainfarn 'Isla Gold' -
Was sind mehrjährige Stauden?

Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.

Häufige Fragen

Was macht der Rainfarn?

Rainfarn verwendete man früher als Heilmittel gegen Würmer. Hildegard von Bingen beschreibt eine Mischung von Saft mit Wein als hilfreich gegen Prostatabeschwerden. Heutzutage ist man von diesen medizinischen Anwendungen abgekommen, da das etherische Rainfarnöl große Mengen des Nervengiftes β-Thujon enthält.

Das getrocknete Kraut setzt man nach wie vor gegen Motten im Kleiderschrank ein, und auch viele andere Schadinsekten hält der Rainfarn fern. In Schachtelhalmbrühe oder Brennnesselsud verbessert er die Wirksamkeit gegen Schädlinge wie die Weiße Fliege oder Blattläuse. Früher verwandte man das getrocknete Kraut als Streu auf Kartoffelfeldern, um damit der lästigen Kartoffelkäfer Herr zu werden.

Wo findet man Rainfarn?

Die 80-120 Zentimeter hohen Stauden des Rainfarns sind an Wegrändern, Schuttplätzen und Unkrautfluren Europas weit verbreitet. Er findet sich an warmen, sonnigen und nährstoffarmen Standorten. Abgesehen von den Wildvorkommen ist er in deutschen Gärten als Zierpflanze beliebt.

Kann man Rainfarn trocknen?

Rainfarn lässt sich problemlos trocknen. Dazu schneidet man das Kraut in Bodennähe ab, bündelt es und hängt es mit den Blütenköpfchen nach unten luftig auf. Danach kann man es rebeln und nur die streng duftenden Blätter und Blüten verwenden, etwa im Hundekörbchen gegen Waldis Untermieter oder im Kleiderschrank gegen Motten. Imker verwenden getrockneten Rainfarn in ihren Pfeifen, um die Bienen zu räuchern und zu beruhigen. Man sollte beim Hantieren beachten, dass der frische Saft Thujon enthält – es ist giftig und kann Hautreizungen hervorrufen. Daher empfiehlt sich das Tragen von Handschuhen.

Ökologischer Wert

Rainfarn in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
21
Anzahl Schmetterlingsarten:
13
Dient als Futterplanze für Raupen:
9
Dient als Nektarpflanze für Schmetterlinge:
6

Rainfarn passt gut zu

Themen

Pflanzen für Tiere
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Quelle: Photo by Peter Monsberger from Pexels
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