Was ist Scharfer Mauerpfeffer?
Scharfer Mauerpfeffer oder Scharfe Fetthenne (Sedum acre) ist eine ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae). Man findet die Sukkulente in Europa weit verbreitet auf Unkrautfluren, Schuttplätzen, Bahngelände, Mauern und Kiesgruben. Die Pflanzen werden 5-15 Zentimeter hoch und bilden niedrige Polster oder Rasen. Ihre rundlichen Triebe sind dicht mit vier Millimeter langen und zwei Millimeter breiten eiförmigen fleischigen und zeilig stehenden Blättern besetzt. Sie sind glänzend grün, in der Sonne oft rötlich bis braun verfärbt.
Die Blüten erscheinen am Ende der Triebe; sie sind fünfzählig mit spitzen und goldgelben, sternförmigen Kronblättern, die sechs bis acht Millimeter lang werden. Aus ihrer Mitte erheben sich die ebenso auffälligen und gelben Griffel und Staubblätter. Nach der Bestäubung bilden sich jeweils fünf Balgfrüchte. Sind sie reif, sterben die Blütenstiele ab.
Scharfer Mauerpfeffer im Garten
Standort
Der Scharfe Mauerpfeffer hat geringe Ansprüche an den Boden, nur allzu nährstoffreich darf er nicht sein, da er sonst schwache und anfällige Triebe bildet. Der Standort sollte vollsonnig sein.
Schnitt
Ein Schnitt ist beim Scharfen Mauerpfeffer nur zur Vermehrung oder zur Einschränkung des Wachstums notwendig. Man sollte beim Hantieren Handschuhe tragen, da der scharfe Saft Hautreaktionen hervorrufen kann.
Vermehrung
Die Vermehrung des Scharfen Mauerpfeffers erfolgt am einfachsten durch Teilung alter Bestände oder mithilfe von Stecklingen, die schnell wurzeln. Sie sind unkaputtbar und treiben sogar noch aus, wenn sie völlig ausgetrocknet sind. Ebenso ist eine Anzucht aus Samen leicht möglich – es handelt sich um Lichtkeimer, man darf sie also nur leicht auf die Erde andrücken.
Verwendung
Trockenheit und volle Sonne ist für den Scharfen Mauerpfeffer kein Problem – daher kann man ihn wunderbar als Bodendecker, auf Mauern, in Felsritzen oder Steingärten wie auch zur Dachbegrünung einsetzen. In Kästen, Kübeln und Töpfen lässt er sich auf Balkon und Terrasse bringen und als Bienen- und Insektenweide nutzen.
Schädlinge
Schnecken machen sich nur über junge Pflanzen her, die alten schmecken vermutlich zu scharf. Der übliche trockene und sonnenexponierte Standort dürfte ihnen ebenso wenig zusagen. Blattläuse finden sich vor allem an den Blüten, ansonsten treten selten und vor allem bei zu feuchtem Stand Pilzerkrankungen wie Mehltau auf.
Ökologie
Die kleinen weit geöffneten Blüten des Scharfen Mauerpfeffers bieten den Nektar und Pollen quasi auf dem Präsentierteller – für das Sammeln sind keine langen Rüssel oder sonstige spezielle Vorrichtungen notwendig. Daher finden sich hier zahlreiche Insekten ein, auch Fliegen und Schwebfliegen und die üblichen Verdächtigen, Hautflügler in Form von Bienen, Hummeln und natürlich auch Schmetterlinge. Sechs Wildbienen sammeln Pollen an den Blüten des Scharfen Mauerpfeffers, die Spalten-Wollbiene (Anthidium oblongatum), Gewöhnliche Keulhornbiene (Ceratina cyanea) wie auch zwei Sandbienen (Andrena spec.) sowie Nomioides minutissimus und Lasioglossum interruptum. Neben der Insektenbestäubung kann sich der Scharfe Mauerpfeffer auch selbst bestäuben.
Die Verbreitung der Samen erfolgt mit Regentropfen, die auf die ausgetrockneten Blütentriebe fallen und die Samen wegschleudern. Sie werden auch von Ameisen davongetragen.
Wissenswertes
Der Scharfe Mauerpfeffer ist ebenso wie seine Verwandtschaft eine CAM-Pflanze. Damit bezeichnet man den speziellen Crassulacean Acid-Metabolismus der Dickblattgewächse, der dem Sparen von Wasser an trockenen Standorten angepasst ist. Die Spaltöffnungen bleiben tagsüber geschlossen und öffnen sich erst nachts, wenn die Sonneneinstrahlung ausbleibt. Das für die Photosynthese notwendige Kohlendioxid speichern die Zellen in Form von organischen Säuren, mit dem sie tagsüber Energie gewinnen und Sauerstoff produzieren.
Neben der Wildform gibt es im Gartenfachhandel diverse Zuchtsorten.
Was sind mehrjährige Stauden?
Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.
Markus Wichert
Naturgärtner