Färberwaid

Isatis tinctoria

Zweijährige
Wildform
Wichtige Bienenpflanze
Färberwaid (Isatis tinctoria) Alle 3 Fotos anzeigen
Quelle: Consultaplantas, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Alte Färberpflanze aus der Familie der Kreuzblütler
  • Mit Kraut und Blüten dem Raps ähnlich
  • Zweijährig, mit Blattrosette im ersten und Blütenständen im zweiten Jahr
  • Langgezogene Trauben mit gelben Kreuzblüten
  • Keulenförmige Schoten mit gelben Samen
  • Vermehrung mit Samen, auch Selbstaussaat
  • Gute Bienenweide
  • Blätter bieten Raupenfutter für Kohlweißlinge
  • 18 Wildbienen sammeln Pollen
  • Bei der Tuchfärbung mittlerweile von künstlichen Farbstoffen ersetzt
Wuchs
Pflanzenart: Zweijährige
Höhe: 50 - 120 cm
Wurzelsystem: Pfahlwurzler
Blüte
Blütenfarbe: gelb
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne
Boden
Boden: durchlässig
Wasser: trocken
Nährstoffe: normaler Boden
Sonstiges
Ordnung: Kreuzblütlerartige
Familie: Kreuzblütler
Gattung: Waid
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Färberwaid?

Färberwaid, Pastel oder Deutscher Indigo (Isatis tinctoria) ist ein zweijähriges Kraut aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Er ist ursprünglich in Kleinasien und Nordafrika beheimatet und bei uns nur selten ausgewildert zu finden. Man trifft ihn zerstreut aber gesellig auf Ruderalflächen, an Wegen, Dämmen, Bahngelände oder Steinbrüchen an.

Die an Raps erinnernde Pflanze hat eine kräftige Pfahlwurzel und bildet im ersten Jahr eine Blattrosette, erst im zweiten Jahr den Blütenstand, mit dem sie eine Höhe von bis zu 120 Zentimetern erreicht. Die Blätter sind 20-30 Zentimeter lang, lanzettlich und ganzrandig mit einem charakteristischen blaugrünen Reif. Seine Stängel verzweigen sich erst in der oberen Hälfte reichhaltig und sind innen hohl. Während der Blüte sterben die Rosettenblätter ab.

Bei den in langgezogenen Trauben stehenden Blüten handelt es sich um typische vierzählige Kreuzblüten mit grünen Kelchblättern und goldgelben Kronblättern. Diese sind zungenförmig und an der Spitze abgerundet. Als Früchte bilden sich keulenförmige Schoten, die anfangs grün und bei Reife braun sind. In ihrem Inneren beherbergen sie ein oder zwei längliche gelbe und ölreiche Samen

Färberwaid im Garten

Standort

Der Färberwaid bevorzugt einen sommerwarmen, trockenen nährstoff- und basenreichen Boden mit viel Sonne.

Schnitt

Beim Färberwaid im heimischen Garten ist ein Schnitt nur notwendig, um die alten und verwelkten Anteile zu entfernen – oder zur Ernte, wenn man mit den Blättern färben möchte. Die beste Farbstoffausbeute erzielt man im ersten Jahr, wenn sich nur eine Rosette bildet.

Vermehrung

Die Vermehrung des Färberwaids ist mit Samen möglich. Lässt man die Schoten im Herbst stehen, sät er sich auch selber aus.

Verwendung

Färberwaid ist nicht nur eine alte Nutzpflanze, sondern auch eine dekorative Bereicherung für Staudenbeete oder den Nutzgarten.

Schädlinge

Krankheiten und Schädlinge sind beim Färberwaid eher selten – Blattläuse machen sich über die jungen Blätter und Triebe her, Kohlweißling legt seine Eier hier ab und die Raupen verzehren die Blätter.

Ökologie

Die intensiv nach Honig duftenden Blüten des Färberwaids locken zahlreiche Insekten an, vor allem Honigbienen. Die Blätter des Färberwaids verwendet der Kleine Kohlweißling (Pieris rapae) als Raupenfutter für die Eiablage. Den Pollen sammeln 18 Wildbienen, vor allem Sandbienen (Andrena spec.), Schmalbienen (Lasioglossum spec.) und Furchenbienen (Halictus spec.).

Wissenswertes

Färberwaid ist eine uralte Nutzpflanze, die man vermutlich bereits in der Steinzeit zum Färben verwendet hat. Die färbende Wirkung ist auf das Glykosid Indican zurückzuführen, das beim Vergären der Blätter freigesetzt wird. Mit Pottasche und aufbereitetem Waid gekocht färbt sich das Tuch zunächst gelb und wird erst an der Luft tiefblau. Färberwaid war neben Krapp die wichtigste Färberpflanze und bis in die Neuzeit gebräuchlich, wo er zunächst vom ergiebigeren indischen Indigo und letztlich von modernen Azofarbstoffen abgelöst wurde.

Die Wurzeln des Färberwaids verwendet die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) unter der Bezeichnung b?nlán'g?n als Mittel gegen Erkältungen, Hautkrankheiten mit Ausschlägen und Diphtherie.

Fotos

Gesamte Pflanze Färberwaid
Quelle: Consultaplantas, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
 Färberwaid
Quelle: Krzysztof Golik, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blatt Färberwaid
Quelle: Matt Lavin from Bozeman, Montana, USA, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Was sind zweijährige Pflanzen?

Zweijähre Pflanzen bilden im ersten Jahr meist nur eine flache Rosette. Im nächsten Jahr wächst die Pflanze in die Höhe, blüht und versamt sich. Die Pflanze stirbt und aus dem Samen entsteht die nächste Generation.

Häufige Fragen

Wie wird mit Färberwaid gefärbt?

Die Tuchfärbung mit Färberwaid ist ein aufwändiger Prozess, mit dem man bis in die Neuzeit Stoffe angefärbt hat. Dazu wurden die Blattrosetten im ersten Jahr geerntet, nach Anwelken zerquetscht und zu faustgroßen Kugeln, dem Ballenwaid geformt. In dieser Form ist der Farbstoff lange haltbar. Zum Färben hat man diese Ballen zerkleinert und mit verdünntem Urin vermischt fermentiert, um das darin enthaltene Glykosid Indican freizusetzen. Diese Lösung wurde zum Färben mit Pottasche versetzt und mit dem Tuch gekocht. Was zunächst gelb aussieht wird unter dem Einfluss von Luftsauerstoff langsam blauviolett.

Wo wächst die Indigopflanze?

Indigo ist ein blauer Farbstoff, den man in Europa bis in die Neuzeit aus dem Färberwaid (Isatis tinctoria) gewonnen hat. Er ist ursprünglich in Kleinasien und Nordafrika beheimatet und wurde bereits von den alten Römern nach Europa gebracht. Eine noch reichhaltigere Indigoquelle ist die in Indien, Afrika und China ansässige Indigopflanze (Indigofera tinctoria). Heute wird der Farbstoff fast nur noch synthetisch hergestellt.

Warum ist Indigo blau?

Die blaue Farbe von Indigo beruht auf dem Indolderivat Indoxyl, das bei der Hydrolyse von Indican freigesetzt wird. Indican ist ein in Färberwaid und der Indigopflanze vorkommendes Glykosid – die Aufbereitung erfolgte früher durch die Fermentierung der Pflanzen. Dabei entsteht das gelbe Indoxyl, mit dem man den Stoff zusammen mit alkalischer Pottasche kochte. Das anfängliche Gelb schlägt an der Luft alsbald in ein kräftiges Blauviolett um, sobald Indoxyl dank des Sauerstoffs zu Indigo oxidiert.

Ökologischer Wert

Färberwaid in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
18
Anzahl Schmetterlingsarten:
1
Dient als Futterplanze für Raupen:
1

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Quelle: Photo by Peter Monsberger from Pexels
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