Gemeine Traubenkirsche

Prunus padus

Gehölz
Wildform
winterhart
Super Insektenpflanze
Wichtiges Vogelschutznährgehölz
essbar
Gemeine Traubenkirsche (Prunus padus) Alle 4 Fotos anzeigen
Gesamte Pflanze von Gemeine Traubenkirsche

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimischer Baum oder Strauch aus der Familie der Rosengewächse
  • 10-15 Meter hoch, bis zu 80 Jahre alt
  • Dichte, bodennah beginnende Krone
  • In feuchten Wäldern und Auen häufig wild anzutreffen
  • Große weiße Blütentrauben mit intensivem Geruch
  • Erbsengroße schwarze Steinfrüchte
  • Steine und Rinde durch blausäurehaltige Glykoside giftig
  • Beeren beliebtes Vogelfutter
  • Blätter von zahlreichen Schmetterlingen als Raupenfutter verwendet
  • Bestäubung vor allem durch Honigbienen und Schwebfliegen
Standort
Licht: Sonne bis Halbschatten
Boden: normal
Wasser: frisch
Nährstoffe: normaler Boden
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 5 - 15 m
Breite: 5 - 8 m
Wurzelsystem: Flachwurzler
Frostverträglich: bis -40 °C (bis Klimazone 3)
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Blütenform: traubenförmig
Laub
Blattfarbe dunkelgrün, im Herbst gelborange
Blattphase sommergrün
Blattform verkehrt-eiförmig bis elliptisch, fein gesägt
Sonstiges
ist essbar kleine Früchte , zusammenziehender Geschmack
Verwendung: Essig, Likör, Säfte
Klassifizierung
Ordnung: Rosenartige
Familie: Rosengewächse
Gattung: Prunus
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Was ist Gemeine Traubenkirsche?

Gemeine Traubenkirsche (Prunus padus) ist ein sommergrüner ausladender Baum oder Strauch aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), der 10-15 Meter Höhe erreicht und eine glatte dunkelgraue Rinde aufweist. Man findet ihn in Europa und Asien häufig im Unterstand von Waldrändern und Auwäldern auf sickernassen, zeitweise überschwemmten Böden zusammen mit Eschen und Erlen. Dort hält sie sich mit Hilfe eines außergewöhnlich stark ausgeprägten Wurzelwerkes. Sie ist mit maximal 60-80 Jahren relativ kurzlebig, und nur bei derart alten Bäumen beginnt die charakteristisch glatte und mit breiten Lentizellen übersäte Rinde borkig und rissig zu werden.

Die gestielten Blätter sind oval, bis zu sieben Zentimetern lang, dünn behaart, anfangs bronzefarben, später dunkelgrün und im Herbst orange und rot. Typisch sind die beiden grünen Nektardrüsen auf der Oberseite der Blattstiele und die Seitennerven der Blätter, die nahe am gesägten Blattrand in einem eleganten Bogen miteinander verschmelzen. Auf der Oberseite sind die Blätter dunkelgrün, unten heller graugrün.

Die einzelstehenden weißen becherförmigen Blüten der Gemeinen Traubenkirsche sind drei Zentimeter breit und erscheinen im Frühjahr vor dem Laub. Sie bilden anfangs aufrechte, später bogig herabhängende Trauben aus bis zu 30 Einzelblüten. Diese haben einen intensiven honigähnlichen Geruch, der Bienen und Schwebfliegen herbeilockt. Aus den Fruchtknoten entwickeln sich erbengroße kugelige, später runzlige Steinfrüchte, die zunächst eine grüne, dann rote und zuletzt tiefschwarze Farbe haben. Sie enthalten einen gelbbraunen eiförmigen Stein mit runzliger Oberfläche.

Gemeine Traubenkirsche im Garten

Standort

Die Gemeine Traubenkirsche bevorzugt einen feuchten und kalkarmen, nährstoffreichen Lehm- oder Tonboden in Sonne oder Halbschatten. Sie ist absolut winterhart.

Schnitt

Traubenkirschen benötigen regelmäßig einen Schnitt, damit sie in Form bleiben. Totes und abgestorbenes Holz kann man jederzeit entfernen, ansonsten sollte die Krone im Frühjahr ab und zu gründlich ausgelichtet werden.

Vermehrung

Am einfachsten geschieht die Vermehrung der Gemeinen Traubenkirsche mit Steckhölzern, die man von verholzten Zweigen nimmt und in die Erde steckt. Gleichmäßig feucht gehalten beginnen sie schnell zu wurzeln und zu wachsen.

Verwendung

Die Traubenkirsche ist sowohl als Baum oder als Strauch ein beliebtes Ziergehölz für den heimischen Garten, das mit seinen weißen Blütentrauben, schwarzen Beeren und gelbem bis rotem Herbstlaub das ganze Jahr über imponiert. Ihr ausgiebiges Wurzelwerk macht sie zu einem ausgezeichneten Bodenfestiger für Hänge und Böschungen.

Schädlinge

Wie fließend der Übergang von einer für Schmetterlinge ökologisch wertvollen Art zum kahlgefressenen Raupenfutter ist sieht man bei der Gemeinen Traubenkirsche besonders gut. Sie wird von einer Vielzahl von Schmetterlingen zur Aufzucht ihrer Larven verwendet. Besonders lästig ist ein Befall mit den Raupen der Traubenkirschen-Gespinstmotte (Yponomeuta evonymella), die einen Baum in Windeseile kahlfressen und ein dichtes Gespinst auf den Ästen hinterlassen. Eine andere häufige Begleiterscheinung sind Rostpilze, die unschöne Flecken auf den Blättern hinterlassen.

Ökologie

Abgesehen von einer Heerschar von Schwebfliegen und Honigbienen interessiert sich unter den Wildbienen nur die Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularis) für den Pollen oder Nektar der Gemeinen Traubenkirsche. Umso beliebter sind die Blätter bei Schmetterlingen: In Deutschland werden sie von 30 Arten als Raupenfutter genutzt. Darunter ist nur ein Tagfalter, der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), alle anderen sind Eulen, Spanner oder Spinnerartige.

Die reifen Traubenkirschen sind eine wichtige Herbst- und Winternahrung für Vögel, von denen sich 24 Arten am reich gedeckten Büffet zu schaffen machen. Sie sorgen für die Verbreitung der Samen.

Wissenswertes

Die kleinen runzligen Steine der Traubenkirschbeeren enthalten genau wie Bittermandeln das cyanogene Glykosid Amygdalin, das giftige Blausäure freisetzt. Die Beeren der Gemeinen Traubenkirsche sind gerbstoffreich und bitter, lassen sich aber zu Gelee oder Saft verarbeiten. In Rinde und jungen Trieben schützt das Amydalin vor Wildverbiss.

Mit ihrer Vorliebe für feuchte Böden von Bruch- und Erlenwäldern und ihrem reichverzweigten Wurzelsystem gilt die Gemeine Traubenkirsche als Grundwasserzeiger. Daher rührt auch ihre volkstümliche Bezeichnung Sumpfkirsche. Der Name Faulbaum rührt daher, dass die dünnen Zweige relativ leicht abbrechen.

Neben der Wildform gibt es im Gartenfachhandel Varietäten mit gelben oder gefüllten Blüten.

Fotos

Gesamte Pflanze Gemeine Traubenkirsche
Quelle: NaturaDB
Blüte Gemeine Traubenkirsche
Quelle: Dr. Harald Stephan
Gesamte Pflanze Gemeine Traubenkirsche
Quelle: Dr. Harald Stephan
Gesamte Pflanze Gemeine Traubenkirsche
Quelle: NaturaDB

Sorten Gemeine Traubenkirsche

Sorte Höhe Breite
Gemeine Traubenkirsche (Wildform) 5 - 15 m 5 - 8 m
Traubenkirsche 'Colorata' 6 - 8 m
Prunus padus 'Waterei' 6 - 10 m

Häufige Fragen

Kann man Traubenkirschen essen?

Das Fruchtfleisch der Gemeinen Traubenkirsche ist herb und bitter, aber essbar. Man verwendet es für Likör, Bestandteil von Marmeladen oder Fruchtsaft. Vor den Kernen der Steinfrüchte sollte man sich allerdings hüten – genau wie Mandeln enthalten sie Glykoside wie Amygdalin, die unter Hydrolyse Blausäure produzieren. Daher sollte man die Traubenkirschen auch niemals roh essen, sondern grundsätzlich kochen. Mit einem Zusatz von Zucker oder anderen Früchten schmecken die bitterstoffreichen Beeren wesentlich besser. Das mit der Unbekömmlichkeit gilt übrigens auch für die Blätter und die Rinde.

Ist die Traubenkirsche ein Baum?

Das kommt auf die Wuchsform an – die Gemeine Traubenkirsche kann sowohl Bäume als auch mehrstämmige Sträucher bilden. Beiden ist gemein, dass die Krone relativ tief ansetzt und sich dicht und kegelförmig verzweigt.

Ist Traubenkirsche winterhart?

Die Gemeine Traubenkirsche ist ein einheimisches Rosengewächs und kommt daher mit den bei uns üblichen Frostgraden gut zurecht. Nur bei frisch ausgepflanzten Bäumchen sollte man im Herbst darauf achten, dass das Wurzelwerk mit Reisig vor den ersten Frösten geschützt wird. Haben sie erst einmal ihr umfangreiches Wurzelwerk etabliert, besteht diese Gefahr nicht mehr.

Ökologischer Wert

Gemeine Traubenkirsche ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge und Vögel

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
1
Anzahl Schmetterlingsarten:
30
Nektarwert:
1
Pollenwert:
1
Dient als Futterplanze für Raupen:
29

Vögel und Säugetiere

Vogelschutzgehölz & Vogelnährgehölz ja
Nistplatz: wird häufig als Nistplatz verwendet
Landeplatz: wird häufig aufgesucht
Anzahl fressende Vogelarten:
24
Anzahl fressende Säugetierarten:
16

Gemeine Traubenkirsche passt gut zu

Alle passenden Pflanzen anzeigen

Heckenpflanzen

Themen

Quelle: Beekeepx/shutterstock.com
Quelle: Foto von daniyal ghanavati von Pexels
Pflanzen für Tiere
Quelle: Ruth Swan/shutterstock.com
Pflanzen für Tiere
Pflanzen für Tiere
Quelle: Photo by Peter Monsberger from Pexels
Pflanzen für Tiere