Schwarzer Holunder

Sambucus nigra

Gehölz
Wildform
winterhart
Wichtige Schmetterlingspflanze
Wichtiges Vogelschutznährgehölz
bedingt essbar
lange Blühzeit
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) Alle 13 Fotos anzeigen
Gesamte Pflanze von Schwarzer Holunder
  • Alte Zier-, Obst- und Heilpflanze
  • Schnellwachsende Triebe und flache Wurzeln
  • Große Rispen mit aromatisch duftenden weißen Blüten
  • Schwarze Beeren in der Küche beliebt
  • Blüten lassen sich zu Sirup verarbeiten oder in Teig ausbacken
  • Alle grünen Pflanzenteile enthalten blausäurebildende Verbindungen
  • Rohe Beeren ebenfalls giftig
  • Beeren und Saft nur abgekocht oder vergärt verwendbar
  • Ausgezeichnete Bienenweide
  • Steinfrüchte bei Vögeln begehrtes Herbst- und Winterfutter
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 4 - 6 m
Breite: 3 - 5 m
Wurzelsystem: Flachwurzler
Frostverträglich: bis -28 °C (bis Klimazone 5)
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
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Selbstbefruchter ja
Licht
Sonne bis Halbschatten
Frucht
Fruchtreife:
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Boden
Boden: normal
Wasser: feucht
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Kardenartige
Familie: Moschuskrautgewächse
Gattung: Holunder
ist essbar Blüten und Beeren
Verwendung: Holundersirup
ist giftig rohe Beeren, Blätter, Triebe, Rinde
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Schwarzer Holunder?

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), im Süden Deutschlands auch Holler, im Norden Flieder genannt, ist ein einheimischer aufrechter buschiger Strauch, der vier bis sechs Meter hoch wird. Er gehört zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae) und in feuchten Wäldern, auf Lichtungen, in Hecken, Gebüschen und Schuttplätzen zu finden, häufig auch in Siedlungsnähe.  Die kräftigen verholzenden Triebe haben eine hellbraune dünne Rinde mit zahlreichen Lentizellen, später wird sie braungrau, borkig und quer- und längsrissig. Das umfangreiche Stängelmark im Inneren ist weiß und feinporig. Seine Blätter werden bis zu 25 Zentimeter lang und sind mit fünf länglich-eiförmigen Fiederblättchen gefiedert, die einen gesägten Rand und eine mittelgrüne Färbung aufweisen.

Die bis zu 20 Zentimeter Durchmesser erreichenden doldig-schirmförmigen Rispen bestehen aus zahlreichen kleinen weißen oder zart gelblichen Einzelblüten, die intensiv nach Moschus riechen und zu kugelrunden, acht Millimeter großen schwarz glänzenden Früchten, den Holunderbeeren oder Fliederbeeren mit drei Samen heranreifen. Sehr selten treten weiße Früchte auf.

Schwarzer Holunder im Garten

Standort

Wie sein Wachstum auf Schuttflächen bereits vermuten lässt ist der Schwarze Holunder ausgesprochen anspruchslos. Er liebt feucht-humose, kalk- und nährstoffreiche Böden mit Sonne oder Halbschatten. Beim Anpflanzen sollte man im Hinterkopf behalten, dass der Schwarze Holunder ein Flachwurzler mit weitreichendem Wurzelsystem nahe unter der Erde ist. Daher muss der Boden immer leicht feucht gehalten werden.

Schnitt

Die Äste des Holunder wachsen in zwei Phasen: Im ersten Jahr sind sie lang und unverzweigt, im darauffolgenden Jahr bilden sie kurze Seitentriebe, an denen die Blüten erscheinen. Daher kann man die alten Triebe im Herbst radikal zurückschneiden und nur die kräftigsten davon übrig behalten.

Vermehrung

Eine Vermehrung ist mit Steckhölzern leicht möglich, die man abschneidet und an Ort und Stelle in den Boden steckt.

Verwendung

Schwarzer Holunder macht sich gut als Hecke oder als einzelstehender Strauch, gerne auch unter Gehölz oder Bäumen. Er bietet Vögeln Deckung und im Herbst reichlich Nahrung, und bei Honigbienen sind die weithin duftenden Blüten wegen ihres Nektars begehrt.

Schädlinge

Wühlmäuse im Garten können den Wurzeln des Schwarzen Holunders arg zusetzen. Zu den Pilzerkrankungen gehören Grauschimmel (Botrytis spec.) und Holunderdoldenwelke (Boeremia sambuci-nigri), die beide die Blüten schädigen.

Ökologie

Die Hauptbestäuber des Schwarzen Holunders sind Honigbienen, Fliegen und Käfer, die sich in großer Zahl an den weithin duftenden Blüten einfinden.

16 unserer einheimischen Schmetterlingsarten machen sich über den Nektar und/oder die Blätter als Raupenfutter her. Beides nutzen der Brustwurz-Blütenspanner (Eupithecia tripunctaria) und der Buschflur-Gelbbär (Spilosoma lutea). Unter den Besuchern sich auch bekannte Arten wie die Gammeeule (Autographa gamma), der Nachtschwalbenschwanz (Ourapteryx sambucaria), die Achateule (Phlogophora meticulosa) und der Große Kohlweißling (Pieris brassicae).

Die Verbreitung der Samen erfolgt über Vögel, die sich mit besonderer Vorliebe über die kleinen schwarzen Beeren hermachen.

Wissenswertes

Die Beeren des Schwarzen Holunders enthalten große Mengen färbender Flavonoide. Sie gelten als Antioxidanzien und sind pharmakologisch von Interesse. Früher verwendete man die Beeren zum Färben von Haaren, Leder und Rotwein, denen sie zu einer burgunderroten Farbe verhelfen.

Im Gartenfachhandel sind neben der Wildart einige Zuchtsorten erhältlich, mit unterschiedlicher Wuchsform, gefärbtem Laub und teils rosafarbenen Blüten.

Fotos

Gesamte Pflanze Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Blüte Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Blatt Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Blatt Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Rinde Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Blatt Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Rinde Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Rinde Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Schwarzer Holunder
Quelle: NaturaDB

Sorten Schwarzer Holunder

Sorte Höhe Breite Kübel/Balkon Fruchtreife
Schwarzer Holunder (Wildform) 4 - 6 m 3 - 5 m Aug - Sep
Weißfruchtender Holunder 4 - 6 m
Schwarzer Holunder 'Black Beauty'
Großfrüchtige Fliederbeere 'Haschberg' 4 - 6 m Sep
Schwarzer Holunder 'Sampo' 2 - 4 m
Schwarzer Holunder 'Black Lace' 2 - 3.5 m 1.5 - 3 m
Säulen-Holunder 'Black Tower' 1.75 - 2 m 1 - 1.5 m Ja
Schwarzer Holunder 'Pulverulenta' 1 - 1.5 m 70 - 120 cm
Zwerg-Holunder 'Pygmaea' 15 - 20 cm 20 - 30 cm

Häufige Fragen

Ist Schwarzer Holunder essbar?

Die nektarreichen, intensiv duftenden Blüten des Schwarzen Holunders verwendet man zum Aromatisieren von Getränken wie Sekt, etwa in Form eines zuckerhaltigen Sirups. In Ausbackteig frittiert sind sie ein leckeres Dessert, ebenso wie die reifen Beeren als Holunderpfannkuchen. Bei den Steinfrüchten muss man beachten, dass die darin enthaltenen Samen cyanogene Glykoside enthalten. Gleiches gilt für die unreifen Beeren selbst und alle grünen Pflanzenteile, insbesondere die Blätter und die junge Rinde. Sambunigrin, Prunasin und Holocalin bilden Blausäure und sind somit giftig. Kochen macht sie unschädlich, sodass Holundermarmelade oder Holundergelee bedenkenlos genießbar sind. Auch der beliebte Holundersaft muss vor dem Verzehr mindestens eine Viertelstunde auf 80 °C erhitzt werden. Grüne Beeren sollte man wegen des hohen Sambunigrin-Gehaltes grundsätzlich aussortieren.

Wie schnell wächst Schwarzer Holunder?

Die Sträucher des Schwarzen Holunders wachsen sehr schnell – die Triebe können unter optimalen Bedingungen zwei bis drei Meter pro Jahr zulegen. Das gilt insbesondere für die leicht erkennbaren Wasserschosse, die schnell und kerzengerade wachsen und im Winter absterben. Sie sind etwas heller, haben nur eine dünne glatte Rinde und im Inneren ein feinporiges Mark, das man in der Biologie als Hilfsmittel zum Schneiden mikroskopischer Präparate verwendet.

Wofür ist Schwarzer Holunder gut?

Schwarzer Holunder ist eine alte Heilpflanze, die die Naturheilkunde als schweißtreibendes, harntreibendes und sekretlösendes Mittel einsetzt. Er wirkt darüber hinaus entzündungshemmend und leicht abführend. Das macht man sich vor allem zur Stärkung der Immunabwehr, Nieren- und Blasenleiden sowie bei Fieber und Erkältungskrankheiten zunutze. Holundertee lässt sich aus den Blüten herstellen, ein Holunderabsud aus den getrockneten Blättern oder der Rinde.

Mit klinischen Studien sind die dem Schwarzen Holunder zugeschriebenen Eigenschaften nur unzureichend wissenschaftlich belegt. Zudem muss man bedenken, dass die grünen Pflanzenteile wie Blätter, Rinde und unreife Holunderbeeren wie auch die Samen das Glykosid Sambunigrin enthalten. Es setzt Blausäure frei und kann zu Übelkeit und Erbrechen führen. Längeres Erhitzen über 80 °C oder Vergären zerstört den Giftstoff.

Welche Holunderblüten sind essbar?

Die weißen Blüten des Schwarzen Holunders enthalten im Gegensatz zu den grünen Pflanzenteilen und den Samen der rohen Holunderbeeren kein giftiges Sambunigrin. Das cyanogene Glykosid ruft in größeren Mengen genossen Übelkeit und Erbrechen hervor. Daher sollte man sich beim Verzehr auch auf die Blüten beschränken und die grünen Stängel der Rispen nicht mitverzehren. Sie lassen sich zu Holunderblütentee, Holunderblütensirup, zum Aromatisieren von Getränken wie Sekt oder in Ausbackteig frittiert genießen. Mit etwas Stärke angedickt wird aus den gekochten Beeren die in Norddeutschland beliebte Fliederbeersuppe.

Besteht bei Holunder Verwechslungsgefahr?

Bei Wildsammlungen muss man darauf achten, keine Blüten des Zwergholunders oder Attich (Sambucus ebulus) zu erwischen, denn die sind im Gegensatz zu seinem nächsten Verwandten ebenfalls giftig. Die Sträucher sind wie der Name bereits vermuten lässt deutlich kleiner und die Blüten geben sich wie der Rest der Pflanze mit einem durchdringend widerwärtigen Geruch zu erkennen. Dagegen duften die Schwarzen Holunderblüten angenehm süßlich-moschusartig.

Sind die Stiele von Schwarzer Holunder giftig?

Leider ja – alle grünen Pflanzenteile, also auch Blätter, Rinde, junge Beeren und die Blütenstiele enthalten das Blausäure freisetzende Sambunigrin. Daher sollte man bei ausgebackenen Holunderbeeren oder bei der Zubereitung von Holundersaft die Stiele entfernen. Bei Letzterem kann man sich die Mühe ersparen, wenn man einen Dampfentsafter verwendet, denn über 80 °C zerfällt das Sambunigrin nach etwa zwanzig Minuten. Wem das Abzupfen der Beeren zu mühsam ist, kann sie mit einer Gabel entfernen oder die kompletten Dolden über Nacht ins Tiefkühlfach legen – danach lösen sie sich ganz leicht.

Ist Schwarzer Holunder für Hunde giftig?

Nicht nur für Hunde, sondern auch für Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen wie auch Nutztiere und den Menschen selber. Alle grünen Pflanzenteile, also auch die Blätter und unreifen Beeren wie auch die Samen der reifen Früchte enthalten das giftige Sambunigrin. Es spaltet unter Wassereinlagerung Blausäure ab und führt zu Übelkeit und Erbrechen, bei den kleinen Vögeln schnell auch zum Tod durch Atemstillstand.

Ökologischer Wert

Schwarzer Holunder ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge, Vögel

Insekten

Anzahl Schmetterlingsarten:
16
Dient als Futterplanze für Raupen:
13
Dient als Nektarpflanze für Schmetterlinge:
5

Vögel und Säugetiere

Vogelschutzgehölz & Vogelnährgehölz ja
Nistplatz: wird häufig als Nistplatz verwendet
Landeplatz: wird sehr häufig aufgesucht
Anzahl fressende Vogelarten:
62
Anzahl fressende Säugetierarten:
8

Themen

Quelle: Foto von daniyal ghanavati von Pexels
Pflanzen für Tiere
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