Pfaffenhütchen,Gemeiner Spindelbaum

Euonymus europaeus

Gehölz
Wildform
Wichtige Schmetterlingspflanze
Wichtiges Vogelschutznährgehölz
giftig
Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) Alle 21 Fotos anzeigen
Frucht von Pfaffenhütchen
  • Einheimischer Strauch
  • Wird drei bis vier Meter hoch und breit
  • Unscheinbare weiße Blüten und auffällige purpurfarbene Früchte
  • Im Herbst buntes, scharlachrotes Laub
  • Für sonnige bis halbschattige Standorte
  • Pflegeleicht, Schnitt selten notwendig
  • Guter Bodenfestiger
  • In allen Teilen giftig, insbesondere die Samen
  • Wichtiges Vogelnährgehölz
  • Vermehrung über Samen langwierig
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 2.5 - 5 m
Breite: 1.5 - 3.5 m
Zuwachs: 20 - 25 cm/Jahr
Wurzelsystem: Flachwurzler
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
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Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Boden: durchlässig bis normal
Wasser: feucht bis frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Spindelbaumartige
Familie: Spindelbaumgewächse
Gattung: Spindelsträucher
ist giftig Blätter, Rinde, Samen
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Pfaffenhütchen?

Das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), auch Spindelstrauch oder Spindelbaum genannt, wächst als kleiner Strauch mit sparrig abstehenden Ästen und wird bis zu dreieinhalb Meter hoch und breit. Er gehört zu den wenigen in Europa heimischen Arten der Spindelbaumgewächse (Celastraceae) und tritt vereinzelt in Laub- und Auwäldern auf. Die Triebe sind anfangs grün und kantig, später verholzen sie bekommen eine graubraune Rinde, die im Alter schuppig wird. Seine gegenständigen, schmallanzettlichen oder länglich-eiförmigen Blätter werden bis zu 12 Zentimetern lang und drei Zentimeter breit. Sie haben einen kurzen Stiel und einen fein gesägten Rand.

Die Blüten des Pfaffenhütchens stehen in kleinen Gruppen in Trugdolden. Sie sind vierzählig, mit grünen Kelchblättern und weißen, grün geaderten Kronblättern. Im Herbst reifen sie nach der Bestäubung zu den charakteristischen purpurroten Kapselfrüchten heran, die der Pflanze wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Birett katholischer Geistlicher ihren Namen eingebracht haben. Im Inneren bergen sie vier halbzentimetergroße weiße Samen, die rundherum von einem orangefarbenen Samenmantel umgeben sind. Bei der Reife öffnet sich die Kapsel und die Samen ragen an kleinen Stielchen heraus.

Pfaffenhütchen im Garten

Standort

Pfaffenhütchen möchte Sonne oder Halbschatten mit viel Wärme. Der Boden sollte schwer, kalkhaltig und nährstoffreich sein. Mit viel Sonne wird das Herbstlaub besonders prächtig. Man muss berücksichtigen, dass die Wurzeln direkt unter der Oberfläche besonders dicht sind und anderen Pflanzen kaum eine Chance lassen. Noch nicht mal Krokusse oder Schneeglöckchen können sich hier durchsetzen.

Auch bei Kindern im Haushalt sollte man vorsichtig sein, denn die knalligen Früchte verführen zum Essen. Dummerweise sind sie hochgiftig und sorgen für Durchfall und Erbrechen.

Schnitt

Das Pfaffenhütchen gilt als schnittverträglich, aber viel Schneiderei ist überhaupt nicht notwendig. Meistens reicht es vollkommen aus, altes und abgestorbenes Holz zu entfernen.

Vermehrung

Eine Vermehrung mit Samen ist möglich, aber extrem langwierig: Sie haben erst einmal eine Ruhephase von drei bis vier Jahren, bis sie überhaupt keimen können. Einfacher fährt man mit veredelten Sträuchern aus dem Gartenfachhandel.

Verwendung

Pfaffenhütchen machen sich gut als freistehende Sträucher und als Windschutz. Mit ihrem flachen Wurzelwerk sind sie zur Bodenfestigung an Abhängen und Böschungen gut geeignet.

Schädlinge

Mitunter machen sich die Raupen der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (Ypomomeuta cagnagella) über die Sträucher her. Man erkennt den Befall an den dichten Spinnweben und minierten Blättern. Rostpilze (Melampsora evonymi-caprearum) verursachen dunkle Flecken auf den Blättern, und auch Mehltau kann auftreten.

Ökologie

An den kleinen weißen Blüten des Pfaffenhütchens sind vor allem Fliegen interessiert, aber auch Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge. Die roten Samen sind für Vögel ein wichtiges Winterfutter. Sie picken die gestielten Samen ab und schälen den nährstoffreichen Samenmantel ab. Vor allem Rotkehlchen, aber auch Drosseln wie die Amseln lassen sich im Herbst stundenlang bei der Nahrungssuche in den Sträuchern beobachten. Daher rührt auch die volkstümliche Bezeichnung Rotkehlchenbrot.

Wissenswertes

Der volkstümliche Namen Spindelstrauch rührt von der Verwendung des gelben Holzes für Spindeln. Es ist besonders hart, glatt und feinporig und wurde daher auch gerne zu Stricknadeln verarbeitet.

Die Samen des Pfaffenhütchens sind bereits ordentlich entwickelt: Sie enthalten bereits grüne Keimblätter (Kotyledonen) und jede Menge Nährgewebe (Endosperm).

2006 hat man das Pfaffenhütchen zur Giftpflanze des Jahres gekürt. Es ist nicht nur für Menschen gefährlich, sondern auch für Insekten. Früher hat man mit den gemahlenen Samen Ungeziefer vertrieben und beim Menschen gegen Krätze eingesetzt.

Seine Geschlechtsverhältnisse sind kompliziert, denn es ist dreihäusig (triözisch). Das bedeutet, es gibt sowohl männliche als auch weibliche und zwittrige Exemplare. Als wäre das noch nicht genug, stritten sich Botaniker Jahrzehnte um das namentliche Geschlecht: Alle europäischen Bäume haben weibliche Namen. Ob das -us von Euonymus von dem Artnamen europaea oder europaeus gefolgt werden muss, musste eine internationale Kommission entscheiden. Euonymus europaeus ist somit der einzige „Mann“ in europäischen Wäldern.

Fotos

Frucht Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
 Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Blatt Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Frucht Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Rinde Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Pfaffenhütchen
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Blatt Pfaffenhütchen
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Gesamte Pflanze Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Blatt Pfaffenhütchen
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 Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Blüte Pfaffenhütchen
Quelle: Leonhard Lenz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Knospe Pfaffenhütchen
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Pfaffenhütchen
Quelle: H. Zell, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Blatt Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB
Blüte Pfaffenhütchen
Quelle: NaturaDB

Sorten Pfaffenhütchen

Sorte Höhe Breite
Pfaffenhütchen (Wildform) 2.5 - 5 m 1.5 - 3.5 m
Pracht-Pfaffenhütchen 3 - 4 m 1.75 - 2.5 m
Weißes Pfaffenhütchen
Pfaffenhütchen 'Atropurpureum' 2 - 4 m
Pfaffenhütchen 'Brilliant'

Häufige Fragen

Was ist am Pfaffenhütchen giftig?

Pfaffenhütchen ist in allen Teilen giftig und enthält Alkaloide und Steroid-Glykoside, die zu Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen führen. Wegen der hübschen Früchte sind vor allem Kinder gefährdet, zumal ausgerechnet die Samen die höchste Giftstoffkonzentration enthalten. Bei großen Mengen kommt es zu Kreislaufproblemen sowie Leber- und Nierenschäden, selten zu Todesfällen.

Wie schnell wächst ein Pfaffenhütchen?

Pfaffenhütchen wachsen relativ langsam. Sie legen in der Höhe jährlich nur etwa zwanzig Zentimeter zu. Insgesamt werden die Sträucher maximal dreieinhalb Meter hoch und breit.

Wie verbreitet sich das Pfaffenhütchen?

Bei der Vermehrung sind Vögel dem Pfaffenhütchen behilflich. Vor allem Amseln, Rotkehlchen und Meisen picken die Samen aus den roten Früchten und schälen den orangeroten Samenmantel ab. Die Samen fallen zur Erde und keimen aus. Sie sind mit bereits grünen Keimblättern und jeder Menge Nährgewebe versehen, lassen sich aber viel Zeit: Erst nach drei oder vier Jahren Samenruhe beginnen sie zu keimen.

Wann schneide ich Pfaffenhütchen?

Schneiden ist beim pflegeleichten Pfaffenhütchen selten nötig. Oft reicht ein Entfernen von alten und abgestorbenen Ästen völlig aus. Schneidet man in der Zeit von Frühjahr bis Herbst die Triebe zurück, treiben sie umso reichhaltiger aus.

Ökologischer Wert

Pfaffenhütchen ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge, Vögel

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
1
Anzahl Schmetterlingsarten:
8
Dient als Futterplanze für Raupen:
8
Dient als Nektarpflanze für Schmetterlinge:
1

Vögel und Säugetiere

Vogelschutzgehölz & Vogelnährgehölz ja
Landeplatz: wird häufig aufgesucht
Anzahl fressende Vogelarten:
24
Anzahl fressende Säugetierarten:
14

Themen

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