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Weiße Pestwurz (Petasites albus)
Quelle: Simone Crespiatico/shutterstock.com
Super Insekten-pflanze

Weiße Pestwurz

Petasites albus

Das Wichtigste auf einen Blick

heimische Wildform Staude winterhart Super Insektenpflanze Frühblüher
  • Winterharte heimische Staude
  • Braucht einen frischen bis feuchten nährstoffreichen Boden
  • Für sonnige bis halbschattige Stellen
  • Blütenstände lange vor den Blättern erscheinend
  • Unverkennbare riesige Blätter mit behaarter Unterseite
  • Kugelige bis eiförmige Blütenstände aus Röhrenblüten
  • Vermehrung mit unterirdischen Ausläufern
  • Bestäubt von Schmetterlingen, auch Raupenfutter und Pollenlieferant für Wildbienen
  • Früher als Heilpflanze verwendet
  • Prinzipiell essbar, enthält aber lebergiftige PA-Alkaloide
🏡 Standort
Licht: Halbschatten bis Schatten
Boden: durchlässig bis lehmig
Wasser: feucht bis frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden

Thematisch passende Pflanzen:

🌱 Wuchs
Pflanzenart: Staude
Wuchs: ausladend
Höhe: 30 - 40 cm
Breite: 40 - 50 cm
frostverträglich: bis -28 °C (bis Klimazone 5)
Wurzelsystem: Flachwurzler

Thematisch passende Pflanzen:

🌼 Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Blütenform: klein, unscheinbar

Thematisch passende Pflanzen:

🍃 Laub
Blattfarbe: grün
Blattphase: sommergrün
Blattform: rund bis rundlich, herzförmig
🐝 Ökologie
Bestandssituation (Rote Liste): mäßig häufig
Gefährdung (Rote Liste): ungefährdet
Wildbienen: 64 (Nektar und/oder Pollen, davon 5 spezialisiert)
Schmetterlinge: 1
Raupen: 9 (davon keine spezialisiert)
Schwebfliegen: 15
Käfer: 2
Nektarwert: 3/4 - viel
Pollenwert: 3/4 - viel

Thematisch passende Pflanzen:

🌐 Einheimische Verbreitung

Bitte beachte, dass die angezeigte Verbreitung auf der Karte lediglich als grobe Orientierungshilfe dienen soll. Für eine detailliertere Darstellung und mehr Informationen zur Verbreitung besuche doch gern floraweb.de.

Verbreitung:
häufig
mittel
gering
Höhenlage: kollin (100m-300m1 / 300m-800m)2
bis
subalpin (1000m-1100m1 / 1500m-2500m)2

1 Mittelgebirge / 2 Alpen⁠

ℹ️ Sonstiges
Pflanzen je ㎡: 2
⤵️ Klassifizierung
Ordnung: Asternartige
Familie: Korbblütler
Gattung: Pestwurzen
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten
Markus Wichert

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Markus Wichert Naturgärtner

Was ist Weiße Pestwurz?

Die Weiße Pestwurz wächst an den Ufern von Flüssen und Bächen, auf nassen Wiesen, in Schlucht- und Bruchwäldern, wo eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Man findet sie zerstreut in weiten Teilen Europas, im Süden vorzugsweise im Gebirge wie den Alpen, wo sich auch die einzigen natürlichen Vorkommen in Deutschland befinden. An Bachufern bildet sie oftmal große monoklonale Bestände.

Der Vertreter aus der Familie der Korbblütler (Asteraecae) ist eine mehrjährige Staude, die sich mit einem kräftigen Rhizom und davon ausgehenden unterirdischen Ausläufern in ihrer Umgebung ausbreitet. Unübersehbar sind die rundlichen, oft eckig gelappten Grundblätter der Weißen Pestwurz, die direkt dem Rhizom entspringen und erst eine Weile nach der Blüte erscheinen; sie sind ausgewachsen bis 40 Zentimeter breit und 60 Zentimeter lang, mit Stiel bis ein Meter lang, oberseits graugrün und auf der Unterseite flauschig weißfilzig behaart.

Die riesigen Blätter der Weißen Pestwurz gelten als die größten Blätter aller in Deutschland vorkommenden Wildblumen.

Die Stängel tragen charakteristische halbumfassende Schuppenblätter und Stängelblätter, die blass grün bis gelblich grün und deutlich kleiner als die großen grundständigen Blätter ausfallen. Die endständigen, unangenehm riechenden Blütenstände sind eiförmige bis halbkugelige Trauben aus 40-45 Blütenkörbchen. Ein einzelnes Körbchen aus hellpurpurnen bis blassrosa oder gänzlich weißen Röhrenblüten wird 5-10 Millimeter groß. Die Früchte sind zylindrische gerippte Achänen mit einen weißhaarigen Pappus.

Verzwickte Geschlechtsverhältnisse: Bei der grundsätzlich zweihäusigen Weißen Pestwurz kommen vorwiegend die Staubblätter oder aber die weiblichen Anteile voll zur Entwicklung, es gibt aber keine saubere Trennung: Die eher männlichen Exemplare haben peripher einige wenige weibliche Blüten, zentral zwittrige, bei denen der Griffel allerdings steril ist; die weiblichen Pflanzen haben zentral weibliche und wenige zwittrige Blüten. Nach der Blüte knicken die ‚männlichen‘ Blütenstände um, die ‚weiblichen‘ verlängern sich auf bis zum 80 Zentimeter und bilden die für die Vermehrung erforderlichen Früchte.

Weiße Pestwurz im Garten

Quelle: Matt Leon/shutterstock.com

Standort

In der freien Natur wächst die Weiße Pestwurz auf sickerfeuchten Böden, kiesigen oder schotterigen Untergründen mit reichlich Feuchtigkeit. Die Erde sollte nährstoffreich, vor allem stickstoffreich und lehmig sein, der Standort halbschattig bis schattig; pralle Sonne verträgt die Weiße Pestwurz ebenso wenig wie längere Trockenphasen im Sommer. Im Winter verträgt sie bis zu -28 °C.

Achtung: Der Geruch der Blüten ist nicht jedermanns/jederfraus Sache. Gegebenenfalls solltest Du die kleinen Stinker nicht in Riechweite von Terrasse und Sitzplätzen pflanzen.

Schnitt

Die im Herbst absterbenden Pflanzenteile kannst Du ruhig erst einmal stehenlassen, sie bieten auch einen gewissen Schutz vor der Kälte und werden auch von Insekten und Kleintieren zum Verstecken genutzt. Es reicht vollkommen aus, wenn Du die im Frühjahr vorhandenen Überreste irgendwann entfernst, bevor der neue Austrieb herauskommt. Davon abgesehen verrotten die vertrockneten Blätter und Stängel auch recht schnell, sodass das nicht unbedingt vonnöten ist. Gegebenenfalls kannst Du die Überreste zum Mulchen verwenden oder auf den Komposthaufen werfen.

Vermehrung

Die Vermehrung der Weißen Pestwurz erfolgt am einfachsten durch Teilen der Bestände; die Pflanzen bilden reichlich Ausläufer, die so neuen Raum bekommen. Zudem hältst Du sie mit regelmäßigem Teilen wuchsfreudig und blühstark.

Verwendung

Wegen ihrer Vorliebe für feuchte Böden und Schatten oder Halbschatten eignet sich die Weiße Pestwurz für die Bepflanzung von Bachufern, Gehölzränder oder den Rand des Gartenteiches.

Schädlinge

Über die Blätter macht sich der Steinpicker (Helicigona lapicida) her, eine Schnirkelschnecke mit typisch linsenförmig-gekieltem Gehäuse, über die Stängel der Discomyzet Pyrenopeziza nigrificans.

Vampire auf der Pestwurz. An den Wurzeln bedient sich die Pestwurz-Sommerwurz (Orobanche flava). Sie gehört zu den Sommerwurzen (Orobanchaceae), Parasiten, die selbst kein Chlorophyll bilden und für ihre Ernährung vollkommen auf Wirtspflanzen wie Pestwurz, Huflattich und Eisenhut angewiesen sind. Mit ihren leichenartig fahlgelben Stängeln und Lippenblüten (sie gehören zur Ordnung der Lippenblütlerartigen) ist sie recht auffällig, in Deutschland aber mittlerweile recht selten.

 

Ökologie

  • Als Hauptbestäuber gelten tag- und nachtaktive Schmetterlinge, die sich in großer Zahl an den kleinen Blüten einfinden.
  • Die Röhrenblüten werden zudem von 64 Arten von Wildbienen besucht; sie holen sich den Pollen, um damit Nahrungspakete für ihre Brut zu schnüren.
  • Viele dieser wilden Bienen sind mittlerweile vom Aussterben bedroht, wie die Weißgürtel-Schmalbiene Lasioglossum albotinctum und die Mohn-Mauerbiene Osmia papaveris. Andere sind glücklicherweise noch relativ häufig zu sehen wie die unverkennbare Blauschwarze Holzbiene Xylocopa violacea, unsere größte heimische Wildbiene, oder die Sechsstreifige Schmalbiene Lasioglossum sexstrigatum.
  • Bei den Schmetterlingen interessieren sich zwei Nachtfalter für die saftigen Blätter; als Raupenfutter dienen diese der Uferstauden-Markeule Hydraecia micacea und der Reingrauen Staubeule Eremodrina gilva.
  • Für die Verbreitung der behaarten Achänen sorgt vor allem der Wind. Ebenso können sie im Fell von Tieren hängenbleiben und werden zudem von Ameisen

Wissenswertes

  • Im Mittelalter glaubte man, dass die Pestwurz mit ihrem unangenehmen Geruch die Pest vertreiben könnte – daher auch der Name. Das „Gift“ sollte nach Verabreichung ausgeschwitzt werden, und zudem kam in die Pestmasken, die Ärzte zu ihrem Schutz trugen, zerstoßene Pestwurz.
  • Heute wird die Pestwurz in Naturheilkunde und Phtotherapie nur noch selten angewendet, nicht zuletzt, weil die Pflanzen lebertoxische Pyrrolidinalkaloide Mittlerweile gibt es aber auch schon Züchtungen ohne giftige Alkaloide.
  • In der Volksmedizin schätzt man die Pestwurz dessen ungeachtet immer noch als Heilpflanze; sie wird zur Wundheilung, als Beruhigungsmittel, gegen Husten und Menstruationsbeschwerden verwendet.
  • Zu den biologisch aktiven Inhaltsstoffen gehören ein ätherisches Öl, Schleim- und Gerbstoffe sowie Glukoside.
  • Auch wenn das in Anbetracht der Pyrrolizidin-Alkaloide keine so gute Idee ist werden die fleischigen und zarten Blattstiele der Weißen Pestwurz regional gekocht und gegessen; sie schmecken ähnlich wie Artischocken.
Was sind mehrjährige Stauden?
Markus Wichert

Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.

Markus Wichert Naturgärtner
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Fotos (6)

Gesamte Pflanze Weiße Pestwurz
Quelle: Simone Crespiatico/shutterstock.com
Gesamte Pflanze Weiße Pestwurz
Quelle: Opio?a Jerzy, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blüte Weiße Pestwurz
Quelle: Syrio, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blatt Weiße Pestwurz
Quelle: Syrio, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blüte Weiße Pestwurz
Quelle: venars.original/shutterstock.com
Gesamte Pflanze Weiße Pestwurz
Quelle: Matt Leon/shutterstock.com

Wert für Insekten und Vögel

Weiße Pestwurz ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge und Schmetterlingsraupen

spezialisierte Wildbienen:
0
Auf Pollen spezialisiert
Wildbienen insgesamt:
0
Nektar und/oder Pollen
Schmetterlinge:
0
Raupenarten:
0
Schwebfliegenarten:
0
Käfer:
0

Wildbienenarten

Schmetterlingsarten

Schwebfliegen

Käfer

Gute Kombinationspartner im Garten

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Themen

Am Inhalt mitgewirkt haben:
Dr. rer. medic. Harald Stephan
Dr. rer. medic. Harald Stephan Diplom-Biologe
Markus Wichert
Markus Wichert Naturgärtner
Thomas Puhlmann
Thomas Puhlmann Balkongärtner
Sebastian Hadj Ahmed
Sebastian Hadj Ahmed Balkon- und Kleingärtner
Stand:
09.01.2024