Wald-Erdbeere

Fragaria vesca var. vesca

Staude
Wildform
winterhart
Wichtige Bienenpflanze
essbar
wintergrün
Bodendecker
Wald-Erdbeere (Fragaria vesca var. vesca) Alle 5 Fotos anzeigen
Gesamte Pflanze von Wald-Erdbeere

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimische Wildfrucht aus der Familie der Rosengewächse
  • Nicht die Wildform der Garten-Erdbeere!
  • Niedriger Bodendecker mit dreifingerigen Blättern
  • Kleine weiße Blüten und rote Früchte
  • Vermehrung mit Samen oder Ausläufern
  • Pflegeleicht, winterhart und ausdauernd
  • Auch als Zierpflanze mit wintergrünen Blättern geeignet
  • Alte Heilpflanze, Blätter gegen Durchfall und Wunden
  • Von zahlreichen Insekten bestäubt
  • Raupenfutter für fünf Schmetterlinge und Pollenlieferant für 14 Wildbienenarten
Wuchs
Pflanzenart: Staude
Wuchs: wuchernd, bodendeckend
Höhe: 5 - 15 cm
Wurzelsystem: Flachwurzler
Wurzelausläufer: Ausläufer
Frostverträglich: bis -28 °C (bis Klimazone 5)
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne bis Halbschatten
Laub
Blatt wintergrün ja
Boden
Boden: durchlässig bis humos
Wasser: frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Kübel/Balkon geeignet: Nein
Sonstiges
Ordnung: Rosenartige
Familie: Rosengewächse
Gattung: Erdbeeren
ist essbar Früchte
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Wald-Erdbeere?

Wald-Erdbeere (Fragaria vesca var. vesca) ist die leckere kleine Verwandte, aber entgegen landläufiger Meinung nicht die Stammpflanze unserer Garten-Erdbeere. Die Gattung umfasst insgesamt zwölf Arten ausläuferbildender Stauden, die in lichten Wäldern, auf Wald- und Wegrändern Europas, Asiens und Nordamerikas vorkommen. Sie alle gehören zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae).

Es handelt sich dabei um ausdauernde krautige Pflanzen, die mit ihren verlängerten kriechenden Ausläufern eine Höhe von nur 5-15 Zentimetern erreicht. Unterirdisch wurzelt das kleine Pflänzlein bis zu einem halben Meter tief. Die hellgrünen Blätter stehen in einer grundständigen Rosette und sind dreiteilig gefingert. Die Endfieder ist bei dieser Art kaum einen Millimeter lang gestielt; alle Fiederblättchen haben einen keilförmig verschmälerten Grund, deutliche Blattnerven und einen gesägten Rand. Die Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle, zwittrig und sternförmig, mit einem nur auf der Außenseite behaarten Kelch. Die Kronblätter sind rund und strahlend weiß, um den eigentlichen Kelch schmiegt sich ein kleiner Außenkelch. Im Inneren stehen 20 kurze Staubblätter und etwa ebenso viele Fruchtblätter.

Bei der anfangs grünen, später gelben und schließlich roten Frucht handelt es sich entgegen dem üblichen Sprachgebrauch nicht um eine Beere, sondern um eine Sammelnussfrucht. Die Nüsschen sind die länglichen gelben Kerne, die man auf der Oberfläche erkennt; die „Beere“ wird aus den fleischig verdickten Fruchtachsen gebildet. Am Blütensatz der Frucht stehen die Kelchblätter ab oder sind zurückgeschlagen.

Wald-Erdbeere im Garten

Standort

Ähnlich wie ihre kultivierte Verwandte möchte die Wald-Erdbeere einen frischen und nährstoffreichen, nicht allzu basenarmen und milden bis mäßig sauren, humosen Lehmboden – gerne auch steinig oder sandig. Sie steht am liebsten in der Sonne oder im Halbschatten und mag es weder besonders trocken noch extrem feucht. Trockene Böden führen zu kleineren und weniger saftigen Früchten. Saure Böden verträgt sie, aber ein alkalischer pH-Wert lässt sie wesentlich besser gedeihen. Die Pflanzen sind vollkommen winterhart.

Schnitt

Schneiden ist nicht notwendig, es sei denn man möchte die Ausläufer zur Vermehrung versetzen.

Vermehrung

Die Vermehrung der Wald-Erdbeere erfolgt mit Samen und vegetativ mithilfe der reichlich gebildeten Stolonen. Die Aussaat erfolgt im Frühjahr bei Temperaturen von 13-18 °C.

Verwendung

Die kleinen Wald-Erdbeeren sind nicht nur bei Kindern beliebt, sie sind mit ihren schönen Blättern und hübschen weißen Blüten auch dekorativ an Wegrändern, im Kräutergarten oder am Rand von Rabatten. Sie sind gute Bodendecker, deren Blattwerk in milden Wintern erhalten bleibt. Auf Balkonen und Terrassen lassen sie sich in Kästen, Töpfen oder Ampeln anpflanzen.

Schädlinge

Leider sind die Pflanzen recht empfindlich und werden häufig von Spinnmilben und anderen tierischen Interessenten heimgesucht. Die Blätter zeigen öfters Pilzerkrankungen wie Blattflecken oder Mehltau und andere Welkekrankheiten.

Ökologie

Die Wald-Erdbeere wird von Insekten bestäubt; eine Selbstbestäubung verhindern die Pflanzen, indem die Fruchtknoten vor den Staubbeuteln reifen. Der Nektar ist leicht zugänglich, sodass sich hier neben Honigbienen, Hummeln und Wildbienen auch Schmetterlinge, Käfer und Fliegen einfinden. Sogar Ameisen besuchen die Blüten, um sich am süßen Saft gütlich zu tun.

Den Pollen holen sich 14 Wildbienen, vor allem Sandbienen (Andrena spec.) und Schmalbienen (Lasioglossum spec.). Als Raupenfutter verwenden insgesamt fünf Schmetterlingsarten das Kraut, darunter auch der Tagfalter Gewöhnlicher Würfeldickkopf (Pyrgus malvae).

Die Verbreitung der Samen übernehmen Tiere, die sich an den Beeren gütlich tun und die unbeschadeten Samen wieder ausscheiden. Dazu gehören Vögel, Kleinsäuger, aber auch Insekten wie Käfer. Auch Ameisen tragen sie in ihren Bau und bringen die Nüsschen als Abfall wieder ans Tageslicht.

Die Blätter sind auch bei Huftieren wie Schafen und Ziegen beliebt.

Wissenswertes

Die reifen Beeren des Wildobstes enthalten bis zu zehn Prozent Zucker und schmecken wesentlich aromatischer als die der Garten-Erdbeere; die Farbe kommt durch Anthocyane zustande. Im Wald blüht die Erdbeere wohlweislich rechtzeitig vor dem Laubaustrieb, bevor das Blattwerk ihr die Sonne wegnimmt.

Als Wildfrucht wurde sie bereits in der Steinzeit gesammelt, und in der Antike war sie äußerst beliebt. Ovid, Plinius und Vergil schwärmen von ihr in den höchsten Tönen. Die ersten größeren Erdbeerbeete wurden im Mittelalter angelegt; hier galt die Wald-Erdbeere als häufig verwendete Heilpflanze, deren Früchte und Blätter zur Herstellung von Tee, Tinkturen und Salben diente. Aber auch als Dekoration waren sie beliebt: historischen Rechnungen zufolge wurden 1368 in den königlichen Gärten des Louvre 12.000 Walderdbeeren gepflanzt.

Hildegard von Bingen zählt zu den wenigen AutorInnen der medizinischen Schriften dieser Zeit, in denen die sonst äußerst beliebten Früchte eher schlecht wegkommen: in ihrer Physica warnt sie ausdrücklich vor übermäßigem Genuss. Matthiolus hingegen empfiehlt die Blätter als wundheilendes und harntreibendes Mittel, Pfarrer Kneipp die Blätter zur Blutreinigung. Erdbeerblätter enthalten Gerbstoffe, Flavonoide und Anthocyane und kommen in der Naturheilkunde noch heute bei Durchfall und anderen Verdauungsproblemen zum Einsatz.

Erst mit dem Aufkommen der Garten-Erdbeere, die eine Kreuzung großfrüchtiger amerikanischer Sorten darstellt, verschwand der Anbau der Wald-Erdbeere in der Bedeutungslosigkeit. Unter der Bezeichnung Monatserdbeeren sind heute zahlreiche Sorten im Handel erhältlich, die nicht nur als Fruchtlieferanten, sondern auch als Zierpflanzen eine Rolle spielen. Die meisten davon bilden weit weniger Ausläufer als die Wildform und beschränken sich stattdessen auf einen reichhaltigeren Blütenansatz. Die Varietät ‚Variegata‘ zeichnet sich durch graugrün-cremeweiß gefärbte Blätter aus.

Fotos

Gesamte Pflanze Wald-Erdbeere
Quelle: NaturaDB
Blüte Wald-Erdbeere
Quelle: NaturaDB
Frucht Wald-Erdbeere
Quelle: NaturaDB
Blüte Wald-Erdbeere
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Wald-Erdbeere
Quelle: NaturaDB
Was sind mehrjährige Stauden?

Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.

Häufige Fragen

Wo kann man Wald-Erdbeeren finden?

Wilde Wald-Erdbeeren findet man bei uns überall da, wo ein Wald gestört wird: an Waldwegen und Waldrändern, auf Lichtungen und Kahlschlägen. Sobald ein Baum fällt, haben die Samen die Chance auf ausreichend Licht und beginnen zu keimen. Für die Verbreitung sorgen Vögel, Kleinsäuger und Insekten, die sich an den leckeren Früchten gütlich tun und die Samen unbeschädigt wieder von sich geben.

Sind wilde Erdbeeren giftig?

Ganz und gar nicht – sie sind sogar ausgesprochen lecker und oft wesentlich aromatischer als die großen Garten-Erdbeeren. Man sollte nur aufpassen, wo man sie sammelt – in der Nähe von gespritzten Feldern oder von vielbefahrenen Straßen können sie Schadstoffe enthalten. Ebenso muss man gebietsweise beachten, dass sie mit Eier von Fuchsbandwürmern infiziert sein könnten.

Wann blüht die Wald-Erdbeere?

Die Hauptblütezeit der Wald-Erdbeere liegt im Mai und Juni. Je nach Wetter, Feuchtigkeit und Standort können sie aber auch noch wesentlich länger Blüten und Früchte tragen, vereinzelt bis in den angehenden Winter hinein.

Sind Wald-Erdbeeren winterhart?

Walderdbeeren sind vollkommen winterhart – sie wachsen ausdauernd und bleiben oft sogar über Winter grün, sofern es nicht zu kalt wird. Auch wenn die Blätter erfrieren kann sie im nächsten Frühjahr mit ihren Ausläufern neue Pflänzchen bilden.

Ökologischer Wert

Wald-Erdbeere in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
14
Anzahl Schmetterlingsarten:
5
Dient als Futterplanze für Raupen:
6

Wald-Erdbeere passt gut zu

Themen

Quelle: Foto von Laura MacNeil auf Unsplash
Pflanzen für Tiere
Pflanzen für Tiere
Quelle: Photo by Peter Monsberger from Pexels
Pflanzen für Tiere
Balkon und Terrasse