Gewöhnliche Goldnessel,Gold-Taubnessel

Lamium galeobdolon

Staude
Wildform
lange Blühzeit
Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon) Alle 3 Fotos anzeigen
Quelle: Roweromaniak, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimische mehrjährige Nessel aus der Familie der Lippenblütengewächse
  • Kräftiges Rhizom mit reichlich oberirdischen Ausläufern
  • Vierkantige Stängel mit behaarten typisch nesselförmigen Blättern
  • Goldgelbe Lippenblüten in Wirteln an den Enden der Triebe
  • Vermehrung mit Ausläufern, durch Teilung oder mit Samen
  • Braucht einen frischen und nährstoffreichen Boden mit Schatten oder Halbschatten
  • Guter und schnellwüchsiger Bodendecker
  • Vor allem von Hummeln bestäubt
  • In außereuropäischen Ländern als invasiver Neophyt ungern gesehen
  • Blätter unangenehm riechend, aber essbar
Wuchs
Pflanzenart: Staude
Höhe: 20 - 50 cm
Wurzelsystem: Flachwurzler
Blüte
Blütenfarbe: gelb
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne bis Schatten
Boden
Boden: durchlässig bis humos
Wasser: feucht bis trocken
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Lippenblütlerartige
Familie: Lippenblütler
Gattung: Taubnesseln
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Gewöhnliche Goldnessel?

Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon) gehört zu den Lippenblütlern (Lamiaceae) und wächst verbreitet in krautreichen Laub- und Nadelmischwäldern, in Auwäldern und im Hochstaudengebüsch der Gebirgsregionen Europas und Westasiens. Die Nordgrenze der Verbreitung zieht sich von den Britischen Inseln über Nordschweden bis nach Estland, im Osten durch Ural und Kaukasus, im Süden vom Mittelmeer bis nach Spanien.

Die ausdauernde krautige Staude weist ein kräftiges Rhizom mit flachem Wurzelwerk und zumeist oberirdische Ausläufer auf. Die bis zu einem halben Meter hohen Stängel sind aufrecht oder aufsteigend, vierkantig, mit bisweilen geröteten Haaren vor allem an den Kanten. Daran stehen kreuzgegenständig die breit eiförmigen bis rhombischen, am Grund herzförmigen Blättern, die dunkelgrün gefärbt sind. Ihr Blattrand ist grob unregelmäßig gesägt, der Blattstiel 1-3 Zentimeter lang, die Oberseite weist bei einigen Sorten eine silbrig-weiße, das Licht reflektierende Zeichnung auf. Beim Zerreiben verströmen die behaarten Blätter einen unangenehmen Geruch. Nebenblätter sind keine vorhanden.

Die bis zu zwei Zentimeter langen goldgelben Lippenblüten der Goldnessel stehen zu 4-8 Exemplaren wirtelig in Scheinähren in den oberen Blattachseln und erscheinen im Sommer. Sie sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle, zwittrig, mit aktinomorphem Kelch und zygomorpher Krone mit der typischen Ober- und Unterlippe. Die Zipfel der Unterlippe sind bei dieser Art spitzlich, die Unterlippe selbst orange gezeichnet, die Staubblätter kahl. Ihre Kelchblätter sind grün und zipfelförmig, und die unten einen geraden Trichter bildende Krone wird von der großen kappenförmigen Oberlippe überragt. Die ringförmigen Nektarien befinden sich am Grund der halb oberständigen Fruchtknoten. Der männliche Anteil besteht aus zwei langen und zwei kurzen Staubblättern, das fünfte ist verkümmert. Als Früchte werden zerfallende Klausen gebildet; daraus werden einzelne Samen, die mit ihren großen Elaisosomen Ameisen anlocken.

Gewöhnliche Goldnessel im Garten

Standort

Die Goldnessel braucht einen frischen, nährstoff- und basenreichen, neutralen bis mäßig sauren, humos-lockeren Lehmboden und steht am liebsten im Schatten oder Halbschatten. Die Pflanzen sind vollkommen frosthart; die kalte Jahreszeit überstehen sie mit Überwinterungsknospen.

Schnitt

Ein Schneiden ist bei der wüchsigen Goldnessel vor allen dann angebracht, wenn sie mit ihrem Wachstum auszuufern droht. Das geht mitunter schneller als dem Gärtner lieb ist – gegebenenfalls musst Du die Rhizome wiederholt gründlich kappen und ausgraben, bevor Dein Garten zur Goldnesselplantage wird.

Vermehrung

Am schnellsten kommt man bei der Goldnessel mit einer vegetativen Vermehrung voran – wie die Pflanze es selbst vormacht. Ein kleines Stück der Ausläufer oder der Rhizome reicht aus, um sie in einem anderen Bereich des Gartens anzusiedeln. Im Vergleich dazu ist die Aussaat mühsamer; man sät die reifen Samen im Herbst oder im folgenden Frühjahr in Kästen vor und bringt sie später ins Freiland. Sprossspitzen ohne Blüten lassen sich oft erfolgreich als Stecklinge bewurzeln.

Verwendung

Die Goldnessel verwendet man im Garten vor allem als schnellwüchsigen Bodendecker, der mit seinen reichlich gebildeten Ausläufern Lücken rasch auffüllt. Bisweilen pflanzt man sie unter Obstbäumen, denn ihre Wurzelknöllchen binden Stickstoff aus der Luft und sorgen so für zusätzliche Nährstoffe. Ansonsten macht sie sich gut in Blumenbeeten und Staudenrabatten, wo sie mit ihren leuchtenden gelben Blüten von weitem auffällt.

Schädlinge

Besonders lästig sind Schnecken, die mit besonderer Vorliebe über die jungen Pflanzen der Goldnessel herfallen und sie ratzeputz abfressen. Ansonsten sind die Pflanzen recht robust und werden nur selten von Pilzen oder anderen Krankheiten befallen.

Ökologie

Bestäubt wird die Goldnessel vor allem von Hummeln, die sich in großer Zahl an den nur wenig duftenden, aber umso nektarreicheren gelben Lippenblüten einfinden. Ihre Rüssel sind lang genug, um an den tief unten in den Blüten verborgenen Nektar zu gelangen. Beim Landen auf der Unterlippe sorgt die kräftige Hummel durch Brummen für die ungewöhnliche Vibrationsbestäubung, dank derer der Pollen von den Staubbeuteln auf ihren Pelz herabrieselt.

Für ungebetene Besucher ist die Kronröhre nicht nur zu lang, sondern zudem mit Haaren verstellt. Kleinere Hummeln und frustrierte Honigbienen machen des Öfteren kurzen Prozess und nagen die Kronröhren auf, um an der süßen Fracht zu räubern, ohne dabei etwas zur Bestäubung beizutragen. Die Verbreitung der Samen übernehmen Ameisen.

In etlichen anderen Ländern ist die Goldnessel mit ihrem schnellen Wachstum nicht gerne gesehen, denn sie entwickelt sich ohne natürliche Konkurrenz schnell zum invasiven Neophyten. In den US-amerikanischen Bundestaaten Wisconsin und Washington ist ihr Verkauf verboten.

Wissenswertes

Von der Medusa und stinkenden Wieseln

Den lateinischen Namen hat die Gattung Lamium von dem griechischen Monster Lamia – besser bekannt als die drei Gorgonen, insbesondere die Medusa, die von Perseus trickreich enthauptet wurde. Mit etwas Fantasie kann man in der Lippenblüte ein Wesen mit vor Schreck weit offen stehendem Mund erkennen – typisch für die im Anblick der Medusa zu Stein erstarrten Opfer. Trivialer ist der von Plinius stammende Beiname galeobdolon, von griechisch gale, Wiesel und bdolos, Gestank. Den impertinent strengen Geruch bemerkt man, sobald man eines der Blätter zerreibt.

Synonyme, Unterarten und Sorten der Goldnessel

Alte Synonyme für Lamium galeobdolon sind Lamiastrum galeobdolon und Galeobdolon luteum, unter denen die Goldnesseln bisweilen noch im Handel auftauchen. Botaniker unterscheiden zudem mindestens drei Unterarten:

  • Lamium galeobdolon ssp. galeobdolon ist die am häufigsten vorkommende Subspezies und Typart, die in krautreichen Laubwäldern häufig auftritt.
  • Lamium galeobdolon ssp. montanum oder Berg-Goldnessel findet sich in frischen Laubmischwäldern von der Ebene bis ins Gebirge und ist im Nordwesten Deutschlands nur selten. Hier ist der Stängel rundum dicht behaart, die Blätter länglich-lanzettlich.
  • Lamium galeobdolon ssp. flavum – noch gelber als gelb? – ist eine Rarität in den Mischwäldern der Alpen mit blassgelben Blüten, reichverzweigtem Stängel und ohne Ausläufer.

Die Goldnessel gilt aufgrund ihrer reichlich gebildeten Ausläufer als recht aggressiv. Für einige der im Garten wegen ihrer silbrig gefärbten Blätter beliebten Sorten wie ‚Hermann’s Pride‘, ‚Florentinum‘ oder ‚Silver Angel‘ gilt das weniger ausgeprägt. Trotzdem sollte man auch diese weniger schnell wüchsigen Arten im Auge behalten, damit sie nicht gleich überhandnehmen.

Fotos

Gesamte Pflanze Gewöhnliche Goldnessel
Quelle: Roweromaniak, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blüte Gewöhnliche Goldnessel
Quelle: Roweromaniak, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blatt Gewöhnliche Goldnessel
Quelle: Roweromaniak, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sorten Gewöhnliche Goldnessel

Sorte Blütenfarbe Blühzeit
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Gewöhnliche Goldnessel (Wildform) gelb
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Was sind mehrjährige Stauden?

Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.

Häufige Fragen

Ist die Gewöhnliche Goldnessel essbar?

Die Blätter der Goldnessel schmecken besser als sie riechen. Man kann sie roh in Salat und Kräuterbutter oder gekocht in Suppen, Pasta und Gemüsegerichten verzehren, und auch die Blüten sind für dekorative Zwecke an der Tafel geeignet. Die jungen Wurzeltriebe haben ein leicht steinpilzartiges Aroma, und aus den Blättern lässt sich Tee kochen.

Wann blüht die Gewöhnliche Goldnessel?

Die Gewöhnliche Goldnessel zeigt von April bis Juli ihre gelben Blüten. Sie werden bis zu zwei Zentimeter lang und stehen an den Enden der Stängel in voneinander abgesetzten Wirteln.

Wie sieht Goldnessel aus?

Die Goldnessel ist eine ausläuferbildende Rhizomstaude mit aufrechten oder kriechenden Trieben und breit eiförmigen bis rhombischen Blättern mit herzförmigem Grund. Sie weisen einen unregelmäßig gesägten Rand und eine behaarte Oberfläche auf, und bei vielen Sorten findet sich eine weiße Zeichnung auf der Oberseite. Die Blüten erscheinen von April bis Juli in vielblütigen Wirteln endständig in den Blattachseln. Im Garten verwendet man sie vor allem als Bodendecker, der mit seinen gelben Blüten einen schönen Kontrast zum dunkelgrünen Laub abgibt.

Ist Goldnessel Unkraut?

Definiere Unkraut. Als heimische Pflanze ist die Goldnessel gut an unsere mitteleuropäischen Lebensverhältnisse angepasst und markanter Bestandteil vieler Ökosysteme, vor allem der krautreichen Laub- und Nadelmischwälder, Auwälder oder alpinen Hochstaudengebüsche. Wichtig als Futterpflanze ist sie vor allem für größere Hummelarten, die wie alle Wildbienen akut vom Bienensterben bedroht sind.

Trotzdem muss man im heimischen Garten darauf achten, dass sie nicht überhandnimmt. Dank ihrer reichlich gebildeten, bis über einen Meter langen Ausläufern kann sie durchaus zur Plage werden, wenn man nicht aufpasst. Dann hilft nur konsequentes Eindämmen, gegebenenfalls mit einer Rhizomsperre, damit auch noch anderen Gartenpflanzen eine Chance bekommen. In anderen Ländern hat sich die Goldnessel mit ihrem Ausbreitungsdrang bereits unbeliebt gemacht und gilt als invasiver Neophyt.

Wer bestäubt die Goldnessel?

Für die Bestäubung der Goldnessel sind vor allem Hummeln verantwortlich. Sie sind groß und schwer genug, um eine ungewöhnliche Vibrationsbestäubung vorzunehmen. Durch das Brummen ihrer Flugmuskeln rieselt der Pollen auf die Besucherin, die zugleich mit ihrem langen Rüssel bis an den Nektar tief unten in der Kronröhre gelangt. Beim nächsten Blütenbesuch bleibt etwas von dem mitgebrachten Blütenstaub auf der Narbe der Blüte hängen und sorgt für die Bildung der typischen Klausenfrüchte.

Ökologischer Wert

Gewöhnliche Goldnessel in Mitteleuropa heimisch und dürfte deshalb einen Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co. haben.

Gewöhnliche Goldnessel passt gut zu

Stauden mit gelben Blüten