Gefleckter Aronstab

Arum maculatum

Zwiebel
Wildform
giftig
lange Blühzeit
Gefleckter Aronstab (Arum maculatum) Alle 4 Fotos anzeigen
Quelle: MurielBendel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimischer Vertreter der Aronstabgewächse
  • Im Frühjahr typische pfeilförmige Blätter und auffällige Blütenstände
  • Brauner Blütenkolben von tütenartiger Blattscheide umgeben
  • Nach der Bestäubung Bildung roter Beeren und Absterben der Blätter
  • In allen Teilen giftig
  • Vermehrung mit Samen oder durch Teilen
  • Voll frosthart, pflegeleicht und robust
  • Bestäubung durch Fliegen
  • Als Heilpflanze nicht mehr verwendet
  • Für feuchte und schattige Stellen im Garten geeignet
Wuchs
Pflanzenart: Zwiebel
Wuchs Konkurrenz: mittel
Höhe: 15 - 40 cm
Wurzelsystem: Rhizomknolle
Blüte
Blütenfarbe: grün
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne bis Schatten
Boden
Boden: lehmig
Wasser: feucht bis frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Kübel/Balkon geeignet: Ja , Kübelgröße groß
Sonstiges
Ordnung: Froschlöffelartige
Familie: Aronstabgewächse
Gattung: Aronstab
ist giftig alle Pflanzenteile
Aussaat:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Keimer: Dunkelkeimer, Kaltkeimer
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Gefleckter Aronstab?

Gefleckter Aronstab (Arum maculatum) ist ein einheimischer Vertreter aus der gleichnamigen Familie der Aronstabgewächse (Araceae), der recht häufig in krautreichen Laubmisch- und Buchenwäldern, Auwäldern und Hecken mit feuchten Böden zu finden ist. Die ausdauernde krautige Pflanze ist in Europa bis zum Kaukasus weit verbreitet.

Unterirdisch überdauert der Gefleckte Aronstab mit einem horizontal wachsenden, rundlich-knolligen Rhizom, von dem zahlreiche fleischige Nebenwurzeln ausgehen. Am Grund stehen einige braune Niederblätter, aus deren Mitte die lang gestielten charakteristisch gefleckten Blätter entspringen; diese erreichen eine Länge von 10-20 Zentimetern und haben eine pfeilartige Form. Der Stängel hat etwa 2/3 der Länge der Blattstiele.

Auffällig ist der Blütenstand, der aus einer 12-25 Zentimeter langen violettbraunen trommelschlägelförmigen Blütenkolben (Spadix) und einer sie umgebenden blattartigen weißen Blattscheide, der tütenförmigen Tute (Spatha) besteht. Unterhalb des Kolbens sitzen ein Ring mit kräftigen borstigen Reusenhaaren, gefolgt von einem Ring mit bräunlich-gelben männlichen Blüten und zuunterst einem weiteren mit weiblichen Blüten. Nach der Bestäubung durch Fliegen welken Kolben und Tute, und aus den weiblichen Blüten bilden sich grüne, in der Reife knallrote kugelige Beeren.

Gefleckter Aronstab im Garten

Standort

Der Gefleckte Aronstab benötigt einen feuchten und nährstoffreichen neutralen bis mäßig sauren humosen und tiefgründigen Lehm- oder Tonboden, möglichst mit viel Kalk. Er bevorzugt Schatten und verträgt keine volle Sonne. Die langlebigen Rhizome sind vollkommen winterhart.

Schnitt

Schneiden und sonstige Pflegemaßnahmen sind nicht notwendig; die Blätter vergehen nach der Blüte, sodass nur der Fruchtstand mit den roten Beeren übrigbleibt, der ebenfalls bald verwelkt. Gegebenenfalls muss man ein Auge auf die reichliche Selbstaussaat haben – einmal im Garten angesiedelt breitet sich der Gefleckte Aronstab schnell aus und lässt sich nur noch mit konsequenter Eindämmung beherrschen. Beim Hantieren sollte man wegen der giftigen und hautreizenden Inhaltsstoffe unbedingt Handschuhe anziehen.

Vermehrung

Für die Vermehrung kann man die ausgereiften Früchte von ihrer Schale befreien und die Samen im Frühjahr aussäen. Vorsicht, das Fruchtfleisch kann Verätzungen hervorrufen – daher sollte man unbedingt Handschuhe tragen. Vegetativ lässt sich der Gefleckte Aronstab mit Abschnitten seines Rhizoms vermehren; dazu pflanzt man die Knollen 10-15 Zentimeter tief in Erde. In der Wachstumsphase muss man gründlich gießen, in der Ruhephase nach dem Welken der Blätter nur noch wenig. Danach kann man die Jungpflanzen an geschützten Stellen ausbringen.

Verwendung

Mit seinen im Frühjahr erscheinenden auffälligen Blüten und späteren roten Beeren ist der Gefleckte Aronstab eine hübsche Bereicherung für den Unterwuchs von Gehölz und anderen feuchten, schattigen Stellen im Garten. Er lässt sich gut mit anderen Frühblühern wie Bärlauch und Lungenkraut kombinieren.

Schädlinge

Krankheiten und Schädlinge wird man beim äußerst robusten Gefleckten Aronstab vergeblich suchen – Fressfeinde hält er sich mit seinen giftigen Inhaltsstoffen äußerst erfolgreich vom Leib.

Ökologie

Die Bestäubung des Aronstabes ist recht speziell, denn seine Blüten sind Kesselfallen. Hauptbestäuber ist die winzige, stark behaarte Schmetterlingsmücke (Psychoda phalaenoides), die in den bis zu 40 °C warmen Kolben einen Haufen frischer Exkremente und damit eine geeignete Stelle für die Eiablage vermutet. Für diese hohen Temperaturen wird die Glykolyse der Zellen entkoppelt und Zucker schnell in Wärme umgewandelt. Zusammen mit einem Aroma nach zersetzendem Harn lockt das die Fliegen herbei, die auf der glatten Wandung der Tute abrutschen und in das Innere des Kessels gelangen. Dort versperrt ihnen der Haarring aus umgewandelten sterilen Blüten den Ausgang. Bei den Fluchtversuchen bedecken sie sich mit einem klebrigen Sekret aus den Narben der zuerst reifenden weiblichen Blüten. Daran bleibt der Pollen der sich später öffnenden männlichen Blüten hängen. Schließlich welken die Haare, sodass die Fliegen entkommen – und so den Pollen zum nächsten Aronstab transportieren, wo sie ihn nun an den weiblichen Blüten abstreifen und so für die Bestäubung sorgen.

Die roten Früchte werden vor allem von Vögeln gefressen, denen die Giftstoffe nichts anhaben können. Die Samen verlassen den Verdauungstrakt unbeschadet und sorgen mit einer Portion Vogelmist für den Neustart an weit entfernten Stellen.

Wissenswertes

Neben dem Gefleckten Aronstab mit seinen gefleckten Blättern gibt es noch eine ungefleckte Unterart, die Botaniker folgerichtig als Arum maculatum var. immaculatum bezeichnen. Die Pflanzen sind hochgiftig, insbesondere die Wurzelknollen und die roten Beerenfrüchte. Sie können bereits bei Hautkontakt Ausschläge und Entzündungen hervorrufen. Beim Verzehr kommt es zu Verätzungen von Mund und Rachen, gefolgt von Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen, schlimmstenfalls zu Lähmungserscheinungen und Herzrhythmusstörungen.

In der Volksheilkunde spielt der Gefleckte Aronstab heute keine Rolle mehr – ganz im Gegensatz zur Naturmedizin des Mittelalters, wo er in jedem der alten Kräuterbücher ausführlich behandelt wurde. Inzwischen verzichtet man auf den offizinellen Gebrauch, da der Wirkstoffgehalt je nach Standort und Wetterbedingungen erheblich schwankt. Lediglich die Homöopathie bedient sich noch der potenzierten Extrakte, bei denen die Giftstoffe bis zur Unschädlichkeit verdünnt sind. Arum maculatum-Globuli und -Tinktur aus den getrockneten Knollen verwendet man bei Schnupfen, Husten, Entzündungen der Mundschleimhaut, Mumps, Scharlach und Masern.

Fotos

Gesamte Pflanze Gefleckter Aronstab
Quelle: MurielBendel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Gefleckter Aronstab
Quelle: Gabriele Stephan
Frucht Gefleckter Aronstab
Quelle: Agnieszka Kwiecie?, Nova, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blatt Gefleckter Aronstab
Quelle: Colsu, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Ist der Aronstab giftig?

Die Inhaltsstoffe des Gefleckten Aronstabes sind noch nicht vollständig untersucht; giftig sind vor allem flüchtige Substanzen wie Aroin, Aronin und Aronidin. Ihre Aufnahme wird durch Hautverletzungen unterstützt – die Blätter enthalten spitze Kristalle von Calciumoxalat, die beim Kontakt mit Haut und Schleimhäuten hervortreten und diese anritzen. Fressfeinde oder unvorsichtige Menschen leiden danach an Reizungen und teils heftigen Entzündungsreaktionen. Daher sollte man beim Hantieren mit Aronstab im Garten grundsätzlich Handschuhe tragen.

Vergiftungen äußern sich mit heftigen Entzündungsreaktionen der betroffenen Schleimhäute von Mund und Rachen, später des Magen-Darm-Traktes, was sich in erhöhtem Speichelfluss, Übelkeit, Erbrechen, Erregungszuständen und Lähmungen, später mit Stimmverlust, Muskelkrämpfen und Herzrhythmusstörungen äußert.

Hochgiftig ist der Gefleckte Aronstab auch für Nutztiere wie Kühe, Pferde, Schweine und Schafe und nicht zuletzt für Haustiere wie Kaninchen, Hunde, Katzen, Meerschweinchen oder Hamster.

Wie wird der Aronstab bestäubt?

Seine Hauptbestäuber, die Schmetterlingsmücke Psychoda phalaenoides, lockt der Aronstab, indem er tierische Exkremente nachahmt. Dazu lässt er in seinen charakteristischen violettbraunen Kolben die zuckerabbauende Glykolyse ins Leere laufen – dadurch erwärmt er sich auf bis zu 40 °C. Zusammen mit einem penetranten Aroma nach sich zersetzendem Urin lockt das die Schmetterlingsfliegen an, die an den glatten Innenwänden des Hochblattes ausrutschen und in den von ihm gebildeten Kessel hineinplumpsen. Die Flucht ist unmöglich, denn umgewandelte Blüten bilden einen dichten Haarring, der den Ausgang versperrt. Beim Versuch zu flüchten verteilt sich ein klebriges Sekret aus den weiblichen Blüten auf den Tieren, an denen der Pollen der männlichen Blüten kleben bleibt. Sobald die Haare verwelken flüchten die Mücken und fallen oftmals prompt auf den nächsten Aronstab herein. Bei dieser Gefangennahme verteilen sie den mitgebrachten Pollen auf den Narben der weiblichen Blüten, und die Bestäubung ist gesichert.

Wer bestäubt den Aronstab?

Hauptbestäuber des Gefleckten Aronstabes (Arum maculatum) ist die Schmetterlingsmücke Psychoda phalaenoides. Die auch als Abortfliege bezeichnete, nur wenige Millimeter große Fliege erinnert mit ihrer braunen Behaarung und den großen dachartig aufgestellten Flügeln ein wenig an Schmetterlinge und legt ihre Eier bevorzugt auf frischen Exkrementen ab. Der Aronstab trickst sie aus, indem er mit seinen warmen Blütenkolben eine ideale Eiablage vorgaukelt; die Fliegen rutschen auf dem glatten Hochblatt aus und gelangen in die Kesselfalle, aus der sie erst entkommen, nachdem sie gründlich mit Pollen eingepudert wurden – für die nächste Pflanze.

Wann blüht der Aronstab?

Die charakteristischen Blütenstände mit braunviolettem Kolben und weißer Spatha erscheinen von März bis Mai. Danach vergehen Blätter und Blütenstand, sodass nur noch ein Stängel mit den reifenden Beeren stehenbleibt. Diese sind zunächst grün, später leuchtend rot und von weitem sichtbar. Die Pflanzen überdauern mit einem fleischigen Rhizom dem Winter und treiben im Frühjahr zeitig ihre pfeilförmigen Blätter aus.

Ökologischer Wert

Gefleckter Aronstab in Mitteleuropa heimisch und dürfte deshalb einen Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co. haben.

Gefleckter Aronstab passt gut zu