Was ist Herbstzeitlose?
Die auf europäischen Wiesen weit verbreitete Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) gehört zur Familie der Zeitlosengewächse (Colchiaceae). Als solche bildet sie eine mit braunen Schuppen besetzte Sprossknolle, die bis zu sieben Zentimetern lang wird. Mit ihr überdauert sie mehrere Jahre, in denen sie erst die Blätter und erst nach deren Vergehen Blüten bildet.
Die zumeist zu dritt erscheinenden, breitlanzettlichen und steifen Blätter werden bis zu 30 Zentimeter lang. Sie haben keinen echten Stiel, täuschen einen solchen aber durch die eingerollten bodennahen Anteile vor. Im Frühsommer kommen sie zusammen mit den unreifen grünen Fruchtkapseln des Vorjahres zum Vorschein. Diese reifen kurz vor der Blütezeit aus und werden dann braun.
Die Blüten zeigen sich vom späten August bis in den Oktober hinein und erinnern an zart lilafarbene Krokusse, die zu groß geraten und spät dran sind. Sie bestehen aus sechs am Grunde miteinander verwachsenen Hüllblättern. Erst im darauffolgenden Jahr bilden die Fruchtknoten die leicht kantigen Fruchtkapseln, die zahlreiche kleine schwarzbraune Samen enthalten.
Herbstzeitlose im Garten

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Standort
Die Herbstzeitlose ist winterhart und bevorzugt einen leicht kalkhaltigen, lehmig-humosen Boden. Der Standort sollte sonnig bis halbschattig sein.
Schnitt
Eingriffe sind nur notwendig, wenn man die Herbstzeitlose loswerden möchte. Ausreißen oder Mähen der Wiese bringt sie mit der Zeit um.
Vermehrung
Die im Gartenfachhandel erhältlichen Knollen, fälschlich oft als Zwiebeln bezeichnet, bringt man am besten im Spätsommer aus.
Verwendung
Die Herbstzeitlose macht sich am besten in Gruppen angepflanzt auf Wiesen oder am Rand von Gehölzen. Dabei muss man beachten, dass das hochgiftige Kraut nicht Kindern oder Haustieren in die Quere kommt. Kleinere Sorten lassen sich auch im Kübeln auf Terrasse oder Balkon kultivieren.
Schädlinge
Dank ihrer Alkaloide ist die Herbstzeitlose so giftig, dass sie kaum Fressfeinde hat. Selbst Schneckensuchen sich lieber eine Mahlzeit, die weniger im Magen liegt.
Ökologie

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Die Blüten der Herbstzeitlose sind selbstbestäubend und daher nicht auf die Mithilfe von Insekten angewiesen. Dessen ungeachtet werden die großen Blüten gerne von Wildbienen und Fliegen aufgesucht. Die Bienen haben es dabei außer auf den Nektar auf die gelben Staubblätter mit ihrem Pollen abgesehen. Ameisen interessieren sich für das nahrhafte Elaisosom der Samen und tragen so zur Verbreitung bei.
Wissenswertes
Giftpflanze des Jahres 2010: Die Herbstzeitlose ist dank ihrer Alkaloide, vor allem dem namensgebenden Colchicin hochgiftig. Den höchsten Alkaloidgehalt haben die Blüten. Die Giftstoffe bleiben auch beim Trocknen erhalten, sodass Herbstzeitlosenblätter im Heu Tieren schaden können. Für Menschen sind fünf Gramm Colchicum-Samen tödlich.
Dessen ungeachtet ist die Herbstzeitlose eine alte Heilpflanze, das bereits die antiken griechischen Ärzte erwähnten. Bis vor wenigen Jahren waren aus den Samen gewonnene Präparate mit Colchicum das bevorzugte Mittel bei akuten Gichtanfällen – bekannt war diese Wirkung bereits bei Hildegard von Bingen. Die Homöopathie verwendet Colchicum-Globuli gegen Gicht, Rheuma sowie – Gleiches mit Gleichem heilen - Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.