Winter-Linde

Tilia cordata

Gehölz
Wildform
winterhart
Wichtige Schmetterlingspflanze
essbar
Winter-Linde (Tilia cordata) Alle 5 Fotos anzeigen
Gesamte Pflanze von Winter-Linde
  • Einheimischer Laubbaum aus der Familie der Malvengewächse
  • Ausgewachsen dreißig Meter hoch und breit
  • Bis zu tausend Jahre alt mit Stammdurchmessern von zwei Metern
  • Stattliche Solitärbäume, früher häufig als Dorflinde
  • Reichhaltige Bienenweide
  • Lindenhonig und Lindenblütenhonig gegen Erkältungskrankheiten
  • Lindenblütentee schweißtreibend und hustenstillend
  • Viele Naturhybride mit der Sommer-Linde
  • Früchte Drehflügler mit nur einem Samen
  • Empfindlich gegenüber Umweltbelastungen
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 15 - 30 m
Breite: 10 - 15 m
Zuwachs: 25 - 50 cm/Jahr
Frostverträglich: bis -40 °C (bis Klimazone 3)
Blüte
Blütenfarbe: gelb
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
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n
d
Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Boden: durchlässig bis humos
Wasser: feucht
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Malvenartige
Familie: Malvengewächse
Gattung: Linden
ist essbar Blüte,Blatt,Samen
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Winter-Linde?

Winter-Linde (Tilia cordata) ist ein bis zu 30 Meter hoher und breiter Baum aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Kennzeichnend sind die langschaftigen Stämme und kräftigen Äste, die sich fein verzweigen und eine dichte und häufig unregelmäßig geformte Krone bilden. Man findet sie in Laubmischwäldern vergesellschaftet mit Eichen, Hainbuchen und Ahornen.

Der Stamm hat eine längsgefurchte, dicht gerippte dunkelgraue Rinde. Die jungen Triebe sind anfangs fein behaart, olivgrün und werden mit der Zeit kahl, rau und grau bis schwarzbraun mit kleinen Lentizellen. Bei der Winter-Linde sind die Winterknospen eiförmig, abspreizend mit zwei oder drei kahlen grünen bis rotbraunen Schuppen. Die Blätter stehen zweizeilig und haben einen zwei bis fünf Zentimeter langen kahlen Stiel. Ihre Blattspreite ist schief herzförmig, 3-10 Zentimeter lang und breit, mit gesägtem Rand und auslaufender Spitze. Auf der Oberseite sind sie grün und kahl, auf der Unterseite graugrün und auf den Blattnerven deutlich behaart, mit besonders ausgeprägten „Achselbärten“ an den Abzweigungen der Mittelrippe.

Die Blüten der Winter-Linde sind fünfzählig, zwittrig, mit doppelter Blütenhülle. Ihre hängenden doldentraubigen Blütenstände enthalten jeweils 4-10 Einzelblüten, bei denen der Stiel mit dem abgewinkelt stehenden flügelartigen Hochblatt verwachsen ist. Ihre Kelchblätter sind eiförmig, die Kronblätter 4-8 Millimeter lang, oval und gelblich-weiß. Zentral stehen große Staubblätter und die Narben der Fruchtknoten. Lindenblüten verbreiten einen honigartigen Duft. Als Frucht dient eine dünnschalige behaarte kugelförmige Nuss mit nur einem Samen und langem grünen, später gelben Flügel. Die Drehflügler fallen im Sinkflug zu Boden und werden vom Wind ein gutes Stück vom Mutterbaum fortgetrieben.

Winter-Linde im Garten

Standort

Die Winterlinde bevorzugt eine geschützte Lage mit basenreichem bis leicht saurem steinigen, tonigen oder lehmigen Boden.

Schnitt

Die Winter-Linde ist gut schnittverträglich und kann gegebenenfalls auch radikal bis nahe an den Stamm zurückgeschnitten werden. Im Allgemeinen reicht jedoch ab und zu ein kleiner Erziehungsschnitt aus. Die Krone des Baumes wächst ohnehin recht eigenwillig und ist nur schwer in eine symmetrische Form zu bekommen.

Vermehrung

Die Vermehrung der Winter-Linde gelingt am leichtesten mit Stecklingen, die man von noch nicht vollständig verholzten Trieben abschneidet und in die Erde steckt. Eine Anzucht aus Samen ist ebenfalls möglich, aber sehr langwierig.

Verwendung

Die Winter-Linde findet man häufig als imposanten Solitär in Parks und Gärten oder als Straßenbaum angepflanzt. Allerdings ist sie relativ empfindlich auf Umweltverschmutzung, sodass man sie zusehends seltener als Alleebaum findet.

Schädlinge

Winter-Linden sind nicht nur bei Hummeln und Bienen beliebt, sondern auch bei Schädlingen, die häufig nur auf Linden parasitieren. Zu diesen Nahrungsspezialisten gehören die Linden-Spinnmilbe (Eotetranychus tiliarium), der bunt schillernde Große Linden-Prachtkäfer (Scintillatrix rutilans) und die Kleine Linden-Blattwespe (Caliroa annulipes).

Ökologie

An den Blüten der Winter-Linde sammeln Honigbienen, Hummeln und die Sandbiene Andrena argentata Pollen und Nektar. Mit ihrem honigartigen Duft locken sie die Bestäuber von weither an, vor allem in den Abendstunden, in denen der Geruch besonders intensiv wird. Die Honigbienen interessieren sich nicht nur für den reichhaltigen Nektar, sondern auch für den Baumsaft, der von selbst oder am Hinterteil von saugenden Läusen austritt – er wird zusammen mit dem Nektar zu Lindenhonig verarbeitet. Nur aus den Blüten gewonnener Honig firmiert dagegen unter der Bezeichnung Lindenblütenhonig. Imker freuen sich auf bis über zwei Kilogramm Honig pro Baum.

19 Schmetterlingsarten profitieren von der Winter-Linde, entweder als Nektarlieferant oder als Raupenfutter. Den Nektar sammeln die Imagines von Kaisermantel (Argynnis paphia), Gammaeule (Autographa gamma) und C-Falter (Polygonia c-album). Namensgebend ist der Lindenbaum für die Linden-Gelbeule (Xanthia citrago), den Linden-Sichelflügler (Sabra harpagula) und den Lindenschwärmer (Mimas tiliae) sowie die Linden-Rauhaareule (Brachyonycha sphinx).

Wissenswertes

Die Winter-Linde ist mit ihrem stattlichen Wuchs ein beliebter Zierbaum in Gärten und Parks, der früher mit alten Exemplaren häufig als Dorflinde die freien Plätze von Siedlungen beherrschte. Sie kann über tausend Jahre alt werden und einen Stamm mit einem Durchmesser von beinahe zwei Metern erreichen. Der Artname cordata bedeutet lateinisch herzförmig und spielt auf die Form der Blätter an. 2016 hat man sie zum Baum des Jahres gewählt.

Das weiche und dichte Holz der Winter-Linde ist für Schnitzarbeiten besonders beliebt, da es sich gut bearbeiten lässt. Die meisten erhaltenen Marienskulpturen und andere religiösen Darstellungen wurden aus Lindenholz gefertigt. Das Holz ergibt eine feinkörnige Zeichenkohle, und der Lindenbast war früher ein wichtiger Bindestoff in der Gärtnerei, bis er von Raphiabast und Kunststoffen verdrängt wurde. Nur noch selten werden die ölreichen Samen zu Lindenöl verarbeitet – mit dem in der Naturheilkunde mittlerweile häufig angebotenen Lindenblütenöl hat dieses nichts zu tun.

Fotos

Gesamte Pflanze Winter-Linde
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Winter-Linde
Quelle: NaturaDB
Blatt Winter-Linde
Quelle: NaturaDB
Rinde Winter-Linde
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Winter-Linde
Quelle: NaturaDB

Sorten Winter-Linde

Sorte Höhe Breite
Winter-Linde (Wildform) 15 - 30 m 10 - 15 m
Winter-Linde' Green Globe' 4 - 6 m
Winter-Linde 'Lico' 4 - 6 m
Kugel-Zwerglinde 4 - 6 m 2 - 3 m
Kleinkronige Winter-Linde 8 - 12 m 4 - 7 m

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Sommer-Linde und Winter-Linde?

Einfach zu unterscheiden sind die Früchte: Bei der Winter-Linde sind sie dünnschalig und lassen sich leicht zerdrücken, bei der Sommer-Linde sind die Schalen wesentlich dicker. Ansonsten sind die Blätter der Winter-Linde mit drei bis zehn Zentimetern Länge und Breite etwas kleiner als bei der Sommer-Linde, und die Unterseite ist blaugrün statt hellgrün und hat charakteristische braune Achselbärte an den Abzweigungen der Nerven von der Mittelrippe.

Häufig sind Zweifel an der richtigen Bestimmung angebracht, denn Sommer-Linde und Winter-Linde bastardieren leicht. Die Hybriden finden sich auch wild in Wäldern und vereinigen ungleichmäßig die Eigenschaften ihrer Eltern. Man bezeichnet sie der Einfachheit halber als Holländische Linde (Tilia x europaea).

Wie groß wird eine Winterlinde?

Die Winter-Linde ist ein stattlicher Baum, der Höhe von 25-30 Metern erreicht. Sie wird ebenso breit und kann ein Alter von bis zu tausend Jahren erreichen. Solche alten Lindenbäume haben einen Stammdurchmesser von bis zu zwei Metern und häufig niederliegende Äste. Dorflinden waren vielerorts typischerweise auf den Versammlungsplätzen und nahe bei Kirchen zu finden, etwa als „Tanzlinde“. Von diesen uralten Bäumen haben nur wenige bis in unsere Zeit überdauert.

Wann treibt die Winter-Linde aus?

Bei der Winter-Linde erfolgt der Austrieb im März und April.

Wann blüht die Winter-Linde?

Lindenblüten erscheinen im Frühjahr in großer Zahl. Eine einzelne Winter-Linde kann über 60.000 Blüten tragen – sehr zur Freude von Insekten und sehr zum Leid von Patienten mit Heuschnupfen, denn die Pollen sind allergen und führen zu laufenden Nasen und tränenden Augen. Die gute Nachricht: Winter-Linden verlassen sich lieber auf fleißige Bienen als auf den Wind, sodass nur wenige Lindenpollen in der Luft sind. Dementsprechend sind Allergien gegen Lindenblüten deutlich seltener als gegen Birkenpollen oder Gräserpollen. Laut Pollenkalender beginnt die Blütezeit im Mai mit der Hauptblüte zwischen Juni und Juli und kann sich bis in den August fortsetzen.

Wofür ist Winter-Linde gut?

Lindenblütentee ist ein altes Naturheilmittel bei Erkältungskrankheiten, ebenso wie der sortenreine Lindenhonig. Beide wirken schweißtreibend, fiebersenkend und lindern den Hustenreiz.

Ökologischer Wert

Winter-Linde ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
1
Anzahl Schmetterlingsarten:
19
Nektarwert:
4
Pollenwert:
1
Dient als Futterplanze für Raupen:
18
Dient als Nektarpflanze für Schmetterlinge:
3

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