Kleines Immergrün

Vinca minor

Halbstrauch
Wildform
winterhart
Bienenweide
wintergrün
Kleines Immergrün (Vinca minor) Alle 9 Fotos anzeigen
Quelle: Cbaile19, CC0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • In Europa heimisches, bei uns meist verwildertes Hundsgiftgewächs
  • Immergrüne Teppiche aus niederliegenden Trieben mit dunkelgrünen Blättern
  • Typische propellerförmige Blüten, bei der Wildform in Blau oder seltener Weiß
  • Zahlreiche Zuchtsorten mit andersfarbigen Blüten und buntem Blattwerk
  • Für schattige und halbschattige Stellen im Garten
  • Guter Bodendecker für Friedhöfe, Staudenbeete und Gehölzgarten
  • Bestäubung durch Bienen, Wespen, Schmetterlinge und Wollschweber
  • Verbreitung der Samen mit Ameisen
  • In allen Teilen giftig
  • Als Heilpflanze nicht mehr zugelassen
Wuchs
Pflanzenart: Halbstrauch
Wuchs: bodendeckend
Höhe: 10 - 20 cm
Wurzelsystem: Flachwurzler
Frostverträglich: bis -23 °C (bis Klimazone 6)
Blüte
Blütenfarbe: blau
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne bis Halbschatten
Laub
Blatt wintergrün ja
Schneckenunempfindlich Ja
Boden
Boden: durchlässig bis humos
Wasser: frisch bis trocken
Nährstoffe: normaler bis nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Enzianartige
Familie: Hundsgiftgewächse
Gattung: Immergrün
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Kleines Immergrün?

Kleines Immergrün oder Kleines Singrün (Vinca minor) aus der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocyanaceae) tritt man bei uns häufiger gepflanzt an als ausgewildert; es wächst zerstreut, aber gesellig in artenreichen Laub- und Buchenmischwäldern Süd- und Mitteleuropas und Kleinasiens.

Das immergrüne Kraut erreicht eine Wuchshöhe von 10-20 Zentimetern und verbreitet sich mit seinen niederliegenden und an den Knoten wurzelnden Ausläufern. Die sich reichlich verzweigenden Triebe werden bis zu zwei Metern lang, sodass sich mit der Zeit dichte Teppiche und Matten bilden. Seine dekorativen bis zu fünf Zentimeter langen Blätter stehen sich gegenständig gegenüber; sie sind ledrig, elliptisch oder lanzettlich, kahl mit ganzem Rand, auf der Oberseite dunkelgrün und unterseits heller graugrün.

Die fünfzähligen Blüten erscheinen einzeln in den Blattachseln an 1-3 Zentimeter langen Stielen; sie sind zwittrig, fünfzählig und sternförmig, mit einer am Grund verwachsenen und drei Zentimeter breiten stieltellerartigen blauen, seltener weißen Krone. Die Kelchblätter sind 3-4 Millimeter lang, lanzettlich-dreieckig, kahl und stachelig auslaufend. Die Kronblätter sind leicht rechtsseitig verbogen und verleihen der Blüte ihr absolut typisches schiffschraubenartiges Aussehen. Die vier Millimeter langen Staubbeutel bleiben in der Kronröhre versteckt.

Nur sehr selten bildet das Kleine Immergrün in unseren Breiten Früchte und Samen; die rare Frucht wird etwa 1,5 Zentimeter lang und besteht aus zwei zylindrischen balgförmigen Teilfrüchten. Darin befindet sich jeweils ein einzelner schwarzer, gebogener und auf der Außenseite geriefter Samen mit gehöckerter Oberfläche.

Kleines Immergrün im Garten

Standort

Das Kleine Immergrün gilt als etwas anspruchsvoll. An seinen natürlichen Standorten bevorzugt es einen frischen nährstoff- und basenreichen, vorzugsweise reinen Lehm- oder Tonboden. Es steht vorzugsweise im Halbschatten, wo es am besten blüht; es verträgt auch problemlos dunkle Schattierung, aber weder pralle Sonne noch Staunässe. Die Pflanzen sind voll frosthart und überstehen klaglos selbst strengste Winter.

Schnitt

Ein Schnitt ist öfters mal erforderlich, da das Kleine Immergrün zu invasivem Wachstum neigt und sich schnell über Gebühr auszubreiten droht. Dem muss man rechtzeitig begegnen, bevor der grüne Gegner zu viel Land gewonnen hat, vorzugsweise im zeitigen Frühjahr. Beim Hantieren mit den Pflanzen sollte man Handschuhe tragen, da der Milchsaft giftig ist und Hautreizungen hervorruft.

Vermehrung

Die vegetative Vermehrung erfolgt selbständig mittels Ausläufern, die man auch abtrennen und versetzen kann. Am besten erledigt man das von Herbst bis Frühjahr. Im Sommer kann man Stecklinge von noch nicht vollständig verholzten Trieben schneiden. Eine Vermehrung mit Samen ist eher die Ausnahme, da die Pflanzen nur sehr selten fruchten.

Verwendung

Das Kleine Immergrün ist ein dankbarer und dekorativer Bodendecker für Strauchrabatten, Gehölzgärten und schattige Böschungen. Auf Friedhöfen findet man es häufig als immergrünen Grabschmuck.

Schädlinge

Fressfeinde wie Schnecken und Kaninchen hält Vinca minor erfolgreich mit Giften fern, aber sie ist recht empfindlich gegenüber Pilzkrankheiten, vor allem Rostpilzen, die an den Blättern unschöne Flecken hinterlassen.

Ökologie

Bestäubt werden die farbenfrohen Blüten des Kleinen Immergrüns von Bienen, Hummeln, Wespen, Faltern und Wollschwebern, die mit ihren langen Rüsseln an den Nektar am Grund der Kronröhren gelangen können. Beim Saugen verteilen sie auch den Pollen der in den Kronröhren verborgenen Staubbeutel; dadurch ist auch eine Selbstbestäubung möglich. Die Verbreitung der höchst selten produzierten Samen übernehmen Ameisen, die das fettreiche Elaisosom als Futter verwenden.

Wissenswertes

Die in Europa wild wachsenden Bestände sind bereits vor langer Zeit aus den Kloster- und Burggärten ausgebüxt, wo sie im Mittelalter häufig als Zier- und Heilpflanze gehalten wurden. Aus dem Süden mitgebracht haben sie vermutlich bereits die alten Römer; bereits Plinius und Dioskurides beschrieben ihre Heilwirkung.

Die Pflanzen sind in allen Teilen giftig und rufen nach Verzehr Übelkeit und Erbrechen mit Blutdruckabfall und Herzrhythmusstörungen hervor. Als Heildroge ist das Kleine Immergrün heute nicht mehr zugelassen, da die Alkaloide und ihre Begleitstoffe schwere hämatologische Erkrankungen hervorrufen können. Noch im Mittelalter war das anders, und in den Kräuterbüchern der Zeit wird die Heilwirkung ausführlich behandelt. Vinca galt als adstringierend, diuretisch, tonisch und wundheilungsfördernd.

Die Pflanzen enthalten über 50 Alkaloide wie das Monoterpen-Indolalkaloid Vincamin, das man als isolierte Substanz vasodilatorisch gegen Durchblutungsstörungen des Gehirns und Morbus Menière einsetzt. Weitere typische Vinca-Alkaloide sind Vincamon, Vincaminol, Apovincamin und Desoxyvincaminol. Hinzu kommen Flavonoide, Bitterstoffe, Tannine und Saponine. Vinca minor-Globuli, in denen diese Substanzen durch die Potenzierung zur Unschädlichkeit verdünnt sind, nutzt die Homöopathie gegen Frauenleiden, empfindliche Haut und Juckreiz.

Neben der einheitsgrünen Wildform gibt es Zuchtsorten mit bunten Blättern und weißen, blauen, violetten und purpurfarbenen Blüten.

Fotos

Blüte Kleines Immergrün
Quelle: Cbaile19, CC0, via Wikimedia Commons
Blatt Kleines Immergrün
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Kleines Immergrün
Quelle: NaturaDB
Blatt Kleines Immergrün
Quelle: NaturaDB
Blatt Kleines Immergrün
Quelle: NaturaDB
Blatt Kleines Immergrün
Quelle: NaturaDB
Blatt Kleines Immergrün
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Kleines Immergrün
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Kleines Immergrün
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons

Sorten Kleines Immergrün

Sorte Blütenfarbe Blühzeit
Kleines Immergrün (Wildform) blau
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Weißes Immergrün 'Alba' -
Immergrün 'Bowles' -
Immergrün 'Gertrude Jekyll' -
Immergrün 'Grüner Teppich' -
Immergrün 'Marie' -
Immergrün 'White Power' -
Immergrün 'Variegata' -
Immergrün 'Rubra' -
Immergrün 'Ralph Shugert' -
Immergrün 'Moonlit' -
Immergrün 'Illumination' -
Immergrün 'Elisa' -
Immergrün 'Aureovariegata' -
Immergrün 'Anna' -

Häufige Fragen

Wie giftig ist das Kleine Immergrün?

Das Kleine Immergrün ist eine uralte Heilpflanze, von der bereits die antiken Ärzte Plinius und Dioskurides berichten. Es enthält über 50 Alkaloide, Flavonoide, Bitterstoffe, Tannine und Saponine. Heutzutage ist es als Heildroge nicht mehr zugelassen, da diese zu schweren Vergiftungserscheinungen führen können. Eine Ausnahme machen die homöopathischen Vinca minor-Globuli. Beim Verzehr kommt es zu trockenem Mund, Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Schlimmer sind allerdings die Spätfolgen, denn die Vinca-Alkaloide beeinträchtigen die Blutbildung und können bereits bei niedriger Dosierung schwere hämatologische Schäden hervorrufen. Der Familienname Hundsgiftgewächse kommt nicht von ungefähr – die Pflanzen können auch Haustieren gefährlich werden.

Wann pflanzt man Immergrün?

Immergrün muss man wohl oder übel vegetativ vermehren, denn Samen wird man in unseren Breiten nur sehr selten finden. Das ist aber kein Problem, da die Ausläufer an den Knoten schnell Wurzeln schlagen und anwachsen. Daher ist ein Teilen der dichten Matten zwischen Herbst und Frühjahr möglich. Alternativ dazu kann man im Sommer von noch nicht vollständig verholzten Trieben Stecklinge schneiden.

Wie lange blüht Immergrün?

Die Hauptblütezeit reicht beim Kleinen Immergrün Vinca minor von April bis Mai. Die charakteristischen propellerförmigen Blüten erscheinen danach aber noch vereinzelt bis in den Herbst hinein.

Wie pflegt man Immergrün?

Die Pflege von Immergrün ist geradezu idiotensicher, was sicherlich zur Beliebtheit des immergrünen Bodendeckers beigetragen hat. Es braucht einen frischen nährstoff- und basenreichen Boden, der vorzugsweise lehmig oder tonig sein sollte. Im Halbschatten mit viel Licht blüht es am zuverlässigsten, aber die Pflanzen wachsen auch ebenso gut im Schatten. Im Sommer ist vorübergehende Trockenheit ebenso kein Problem wie starke Fröste im Winter. Unter guten Bedingungen breiten sich die Pflanzen mit ihren weitreichenden Ausläufern schnell aus und bedecken rasch große Flächen.

Ökologischer Wert

Kleines Immergrün in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen

Insekten

Kleines Immergrün passt gut zu

Stauden für den Schatten