Flaum-Eiche

Quercus pubescens

Gehölz
Wildform
Wichtige Schmetterlingspflanze
Flaum-Eiche (Quercus pubescens) Alle 3 Fotos anzeigen
Quelle: Petr Filippov, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vor allem in Südeuropa verbreitete Eichenart
  • Knorrige Bäume oder Sträucher mit ausladender Krone
  • Typischen Eichenblätter mit dichter Behaarung auf der Unterseite
  • Lange Kätzchen mit männlichen Blüten
  • Tiefwurzler für tiefgründige lehmige Böden
  • Pflegeleicht, robust und winterhart
  • Bestäubung durch den Wind
  • Raupenfutter für Schmetterlinge und Nistgelegenheit für Vögel
  • Eicheln wichtiges Winterfutter für Vögel und Kleinsäuger
  • Kann über 500 Jahre alt werden
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 12 - 20 m
Breite: 12 - 17 m
Zuwachs: 20 - 40 cm/Jahr
Wurzelsystem: Tiefwurzler
Blüte
Blühzeit:
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f
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Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Boden: durchlässig bis normal
Wasser: trocken
Nährstoffe: normaler Boden
Sonstiges
Ordnung: Buchenartige
Familie: Buchengewächse
Gattung: Eichen
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Flaum-Eiche (Quercus pubescens) ist eine einheimische Eichenart und gehört zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Man finden das bis zu zwanzig Meter hohe Gewächs in Mittel- und vor allem Südeuropa weit verbreitet bis nach Kleinasien im Flachland und bis auf 1500 Meter im Gebirge hinaufsteigend.

Je nach Standort wächst sie als sommergrüner Baum oder mehrstämmiger Strauch mit einem knorrigen Stamm und einer ausladenden unregelmäßig geformten Krone mit reich verzweigten sparrigen Ästen. Seine längsrissige gerippte Borke ist grau bis schwarz und recht dick und grob gefeldert, die jungen graubraunen Triebe sind schwach kantig, gerade und filzig-flaumig behaart, später kahl. Die wechselständig stehenden Blätter sind verkehrt-eiförmig mit 7-9 runden Buchten und abgerundeten Lappen, wie sie für Eichenblätter typisch sind. Die Lappen enden in kleinen spitzen Zähnchen. Der keilförmige oder herzförmige Blattgrund endet in einem 8-15 Millimeter langen Blattstiel. Die Blattspreite ist ebenso wie die Zweige in der Jugend behaart; mit der Zeit wird die dunkelgrüne Oberseite kahl, wohingegen die Unterseite grau befilzt bleibt. Die braunen, bis zu einem Zentimeter langen Winterknospen sind angedeutet fünfkantig, länglich-oval und zugespitzt und gruppieren sich an den Zweigenden zu mehreren unterhalb der Endknospe. Im Herbst bleiben die Blätter bis lange in den Winter hinein grün, bevor sie sich braun verfärben und abfallen.

Bei der Flaum-Eiche erscheinen männliche und weibliche Blüten in den Blattachseln in eingeschlechtlichen Blütenständen zusammen mit dem Laubaustrieb. Die männlichen Blüten bilden schlaff herabhängende, 4-6 Zentimeter lange lockere Kätzchen und bestehen aus einer unscheinbaren sechszipfeligen gelbgrünen Hülle und sechs Staubblättern. Die weiblichen Blüten stehen an den Enden junger Triebe einzeln oder maximal fünf Exemplaren und weisen drei oder vier Narben auf. Aus den Fruchtknoten entwickeln sich Nussfrüchte, die bekannten Eicheln, die bei dieser Art länglich-eiförmig, 2-3 Zentimeter lang und halb so breit sind. Ihre Oberfläche ist braun und schwach längs gerippt und stehen in einem halbkugeligen Fruchtbecher ohne Stiel, sodass sie wie die Blüten einzeln oder bis zu viert stehen.

Flaum-Eiche im Garten

Standort

An ihren natürlichen Standorten findet man die Flaum-Eiche meistens auf einem nährstoffreichen, kalkhaltigen und leicht sauren, lockeren und mittel- bis tiefgründigen, oft steinigen Lehm- oder Lössboden. Mit ihren tiefreichenden Wurzeln braucht sie im Erdreich reichlich Platz und steht gerne schön warm in der vollen Sonne. Trockenphasen weiß sie mit ihren Wurzelsystem, das immer noch irgendwo Wasser findet, gut zu überbrücken. Sie ist vollkommen frosthart.

Schnitt

Ein Schnitt ist bei der Flaum-Eiche normalerweise nicht erforderlich. Lediglich die alten abgestorbenen Äste kann man beseitigen, ansonsten braucht sie eigentlich keine Pflege.

Vermehrung

Die Eicheln kann man gut ausgereift an Ort und Stelle in den Boden setzen. Dazu sollte man sie besser vom Baum ernten als vom Boden sammeln. Schneller fährt man natürlich mit jungen Bäumchen aus Baumschule oder Gartenfachhandel.

Verwendung

Mit ihrer Größe ist die Flaum-Eiche vor allem als eindrucksvoller Solitär im Hausgarten zu gebrauchen. Je nach Umständen wächst sie auch eher strauchig und bleibt vergleichsweise klein.

Schädlinge

Wie viele andere Eichen ist auch die Flaum-Eiche anfällig für Mehltau. Hallimasch nisten sich in geschwächten Exemplaren ein. Blattläuse sind Dauergäste, die den Pflanzen aber nicht nachhaltig schaden. An den Blättern findet man oft Gallen, die von Gallwespen hervorgerufen werden.

In den vergangenen Jahren bereitet der Eichen-Prozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) zusehends Probleme und fressen die Blätter bis auf die Rippen herunter, wobei sie ein dichtes Gespinst bilden. Ihre Brennhaare fliegen mit dem Wind weite Strecken und rufen auf der Haut eine Raupendermatitis mit Quaddeln, Papeln und Entzündungen hervor. Ein Grund, warum wir hier ausnahmsweise Raupen als Schädlinge aufführen, denn sie können schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen. Im heimischen Garten möchte man sie naturgemäß eher nicht haben. Trotzdem wird der flächendeckende Einsatz von Insektiziden in Wohngebieten kritisch gesehen; in der Forstwirtschaft ist er ohnehin nur in Ausnahmefällen erlaubt. Absaugen der Nester und Bekämpfung mit Fressfeinden wie Schlupfwespen und Schmarotzerfliegen sind eine natürliche Alternative.

Ökologie

Die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Eine Selbstbestäubung weiß die Flaum-Eiche zu verhindern, indem sie die weiblichen Blüten erst nach den männlichen aufgehen lässt. Sechs Schmetterlinge nutzen die Blätter als Raupenfutter, wie der Braune Eichen-Zipfelfalter (Satyrium ilicis) und der Blaue Eichen-Zipfelfalter (Neozephyrus quercus). Die Verbreitung der Eicheln übernehmen viele Tiere, die sich für den nahrhaften Inhalt interessieren, wobei Interessenten wie Eichelhäher oder Eichhörnchen die Früchte vergraben und oftmals nicht wiederfinden. Für Vögel bieten die Bäume zudem reichlich Nistmöglichkeiten.

Wie einige verwandte Buchengewächse treibt auch die Flaum-Eiche mit Johannistrieben aus. Dabei handelt es sich um einen zweiten Laubaustrieb, der zumeist um den Johannistag am 24. Juni auftritt und die eigentlich für das Folgejahr vorgesehenen diesjährigen Knospen sprießen lässt. Man erkennt die Blätter an ihrer frischgrünen Farbe, während das Gros der alten Exemplare diese Entwicklung bereits hinter sich haben und dunkel erscheinen. Dieser Mechanismus ist vermutlich wichtig, um Fraßschäden und Laubverluste zu kompensieren. Früher haben Maikäfer im Frühjahr die Blattbestände oft kräftig reduziert – ein „Problem“, das mit dem Schwinden der Bestände heutzutage kaum noch auftritt.

In Frankreich und Italien ist die Flaum-Eiche eine der wichtigsten Bäume für die Trüffelsuche. Die Trüffelschweine wissen auch die Eicheln zu schätzen; früher wurden auch bei uns die Schweine im Herbst zur Eichelmast in die Eichenwälder getrieben. Die dicke Borke schützt die Bäume zuverlässig vor Brandschäden, die in der Garrigue regelmäßig auftreten.

Wissenswertes

Mit anderen Eichenarten bildet die ohnehin schon ausgesprochen variable Flaum-Eiche leicht Hybriden, die mit ihren wechselnden Merkmalen die genaue Artbestimmung auch für erfahrene Botaniker erschweren. Besonders häufig sind Kreuzungen mit der Trauben-Eiche, von der sie sich am zuverlässigsten durch die Sternhaare an den jungen Trieben unterscheiden lässt. Die Blätter sehen sich hingegen zum Verwechseln ähnlich, auch wenn sie hier, wie der Name besagt, auf ihrer Unterseite einen ausgeprägten Filz aufweisen. Sie sind auch für den botanischen Artnamen pubescens, lateinisch für behaart verantwortlich.

Das Holz der Flaum-Eiche ist besonders hart und hat weniger gerade Fasern als anderes Eichenholz. Es ist nur schwer zu bearbeiten und wird vorwiegend als Brennholz, im Schiffsbau und zur Herstellung von Bahnschwellen verwendet.

Die Eicheln sind nicht nur für Eichelhäher und Schweine eine Delikatesse, in Notzeiten wurden auch die der Flaum-Eiche getrocknet, gemahlen und zu Brot verarbeitet. Außer Eichelbrot kann man damit auch in gerösteter Form einen koffeinfreien Ersatzkaffee herstellen.

Fotos

Gesamte Pflanze Flaum-Eiche
Quelle: Petr Filippov, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Frucht Flaum-Eiche
Quelle: ??????? ???????? / Dimìtar Nàydenov, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blatt Flaum-Eiche
Quelle: Franz Xaver, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Wie groß wird die Flaum-Eiche?

In ihrem submediterranen Hauptverbreitungsgebiet wächst die Flaumeiche entweder als lockerer Strauch oder als knorriger Baum. Letztere erreichen eine Höhe von bis zu 20 Metern und weisen eine bis zu 15 Meter breite Krone auf. Sie werden bis zu 500 Jahre alt, und ihr Stamm kann im Alter einen Durchmesser von über zwei Metern erreichen. Spitzenreiter sind die Quercia di Donato im italienischen Scurcola Marsiciana mit einer Höhe von 23 Metern und einem Stammumfang von sechs Metern sowie ein Exemplar in Sa Melabrina auf Sardinien, das 24 Meter hoch ist und einen Umfang von 8,80 Metern aufweist.

Wo wächst Flaum-Eiche?

Im submediterranen Süd- und Südosteuropa ist die Flaum-Eiche prägendes Element der sommergrünen Eichen- und Eichenmischwälder. Flaum-Eichenwälder beherrschen die höheren Lagen, wo im Winter niedrigere Temperaturen herrschen und die immergrünen dominanten Bäume wie Ölbaum und Feigenbaum nicht überdauern können. Wo sie ungestört wachsen kann, bildet sie große Bäume mit einem Stammdurchmesser über einem halben Meter. Die Jahresringe zeigen, dass die Flaum-Eiche über 500 Jahre alt werden kann. In den beweideten Gebieten der Garrigue kümmert sie dagegen als Strauch dahin. Mit ihrer lichten Krone erlauben sie auch den Pflanzen im Unterwuchs mehr Entwicklungsmöglichkeiten als das beispielsweise bei Rotbuchen mit ihrem dichten Blätterdach der Fall ist.

Was hat Flaum-Eiche mit Klimawandel zu tun?

Die mitteleuropäischen Vorkommen bilden die Nordgrenze der Verbreitung – die Flaumeiche ist ein Relikt der letzten Warmzeit, die 5000-2500 v. Chr. mit ihren hohen Durchschnittstemperaturen für eine beherrschende Rolle der Eichen sorgte. Mit zunehmender Feuchtigkeit und kälterem Klima wurde sie von Norden her von der hierfür besser angepassten Rotbuche verdrängt. Holzfunde belegen, dass sie damals bis weit nach Skandinavien hinein wuchs.

Ökologischer Wert

Flaum-Eiche in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Schmetterlingsarten:
6
Dient als Futterplanze für Raupen:
6

Themen

Pflanzen für Tiere
Quelle: Photo by Peter Monsberger from Pexels
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