Was ist Faulbaum?
Faulbaum (Rhamnus frangula) ist ein einheimischer, zweieinhalb bis fünf Meter hoher laubabwerfender Baum mit längsrissiger graubrauner Rinde. Man findet das Mitglied der Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) an feuchten bis staunassen Stellen in Laubmisch- und Nadelwäldern, Erlenbrüchen, Birkenmooren und Auwäldern häufig zusammen mit Erlen, Traubenkirschen und Roter Heckenkirsche.
Bei den jungen Trieben ist die Rinde zunächst grau bis rotbraun, ebenso behaart und von zahlreichen länglichen Lentizellen übersät. Die gestielten Laubblätter sind 3-6 Zentimeter lang, breit-eiförmig bis breit-elliptisch, am Grund breit keilförmig und am Ende stumpf mit glattem Rand. Die Blattnerven steigen bogig auf und sind auf beiden Blattseiten behaart.
Die zwittrigen fünfzähligen Blüten sind recht unscheinbar und erscheinen zusammen mit den Laubblättern und stehen in Gruppen von 3-7 in den Blattachseln. Sie sind langgestielt, mit dreieckigen weißen Kronblättern, die unten zu einer glockenförmigen Röhre verschmolzen sind. Aus den freistehenden Fruchtknoten entwickeln sich kugelige, 7-8 Millimeter große Steinfrüchte mit zwei oder drei Kernen und saftigem Fruchtfleisch. Während der Reife verfärben sie sich von grün über rot zu schwarzviolett. Blüte und Frucht ziehen sich über viele Wochen hinweg, sodass man am gleichen Ast mitunter sowohl Blüten als auch reife Früchte antrifft.
Faulbaum im Garten
Standort
Der Faulbaum bevorzugt einen sandigen bis tonigen, mäßig nährstoffreichen Boden, der feucht bis staunass sein darf. Kalk verträgt er, der Stand sollte sonnig bis halbschattig sein. Zudem gilt er als winterhart.
Schnitt
Viel pflegende Schnitte benötigt der Faulbaum nicht. Ab und zu sollte man abgestorbene Äste entfernen und einen Verjüngungsschnitt durchführen.
Vermehrung
Am einfachsten erfolgt die Vermehrung des Faulbaumes mit den kleinen Selbstaussaaten, die sich regelmäßig in der Nähe des Baumes finden. Ebenso gut kann man Steckhölzer nehmen oder von niederliegenden Trieben Absenker machen.
Verwendung
Der Faulbaum ist für alle feuchten Stellen im Garten geeignet, ob am Rand eines Baches oder eines Gartenteiches, einzeln oder in kleinen Gruppen. Er dient als Bienenweide und wichtiges Vogelnährgehölz, an dem die gefiederten Hungermäuler fast das ganze Jahr über Beeren vorfinden. Zudem kann man sich sein dichtes Wurzelsystem als Bodenfestiger an Hängen und Böschungen zunutze machen.
Schädlinge
Mit seinem intensiven Geruch hält sich der Faulbaum die meisten Schädlinge vom Leib, wenn man von den Raupen einiger Schmetterlinge absieht. Ansonsten finden sich zeitweise Blattflecken, die von Rostpilzen stammen.
Ökologie
Kein anderes einheimisches Gehölz hat eine ähnlich lange Blütezeit oder trägt so viele Entwicklungsstadien von der Blüte bis zur ausgereiften Frucht am selben Ast. So ist es kaum verwunderlich, dass er im heimischen Garten ebenso wie in der freien Natur eine ökologisch wichtige Rolle spielt.
Der Faulbaum ist selbstbestäubend, hat aber gegen die fleißige Mithilfe von Bienen, Fliegen, Wespen und Käfern nichts einzuwenden. Der Nektar ist frei zugänglich, sodass sich eine große Artenvielfalt zum Sammeln einfindet. Außer von Honigbienen werden Pollen und Nektar von den Wildbienen die Waldrand-Sandbiene (Andrena fulvida), Schlehen-Lockensandbiene (Andrena helvola) und die Furchenbiene Lasioglossum minutulum.
29 Schmetterlinge besuchen den Faulbaum vor allem wegen seiner Blätter als Raupenfutter. Nektar sammeln hier nur der Wacholder-Glasflügler (Synanthedon spuleri) und der Gelbgeringte Birken-Glasflügler (Synanthedon scoliaeformis). An den Blättern nagen der namenstragende Faulbaum-Glasflügler (Synanthedon stomoxiformis) und der Faulbaum-Bläuling (Celastina argiolus) wie auch der bekannte Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni).
Die reifen Beeren werden von Vögeln verzehrt, die so auch die Ausbreitung des Faulbaumes übernehmen.
Wissenswertes
Der Name Faulbaum rührt vom charakteristisch fauligen Geruch der frischen Rinde. Dagegen leitet sich der botanische Gattungsname von griechisch rhámnos, Dornenstrauch, der Artname frangula von lateinisch frangere, brechen ab, da die Zweige recht brüchig sind.
Die Rinde des Faulbaumes nutzt man seit dem 14. Jahrhundert als Abführmittel, das Holz zur Gewinnung einer sehr reinen und porösen Holzkohle. Sie diente über Jahrhunderte neben Schwefel und Salpeter zur Herstellung von Schwarzpulver. Daher rührt auch die volkstümliche Bezeichnung Schießpulverbaum oder Pulverholz für den Faulbaum.