Estragon

Artemisia dracunculus

Staude
Wildform
winterhart
Schmetterlingspflanze
essbar
lange Blühzeit
Estragon (Artemisia dracunculus) Alle 3 Fotos anzeigen
Quelle: Oceancetaceen - Alice Chodura, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • In Osteuropa und Asien beheimatete Heil- und Gewürzpflanze
  • Meterhohe Halbsträucher mit Rhizomen
  • Aufrechte Triebe mit schmal-lanzettlichen, aromatischen Blättern
  • Nur selten, wenn überhaupt, blühend und Samen ansetzend
  • Diverse Unterarten und Zuchtsorten wie Französischer und Russischer Estragon
  • In der Naturheilkunde als harntreibendes und verdauungsförderndes Mittel
  • Vermehrung vorzugsweise mit Ablegern
  • Je nach Sorte mäßig winterhart bis frostempfindlich
  • Fester Bestandteil von Herbes de Provençe und Fines Herbes
  • Für Kräuter- und Apothekergarten
Standort
Licht: Sonne bis Halbschatten
Boden: durchlässig bis humus
Wasser: feucht bis trocken
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Kübel/Balkon geeignet: Ja
Wuchs
Pflanzenart: Staude
Höhe: 60 - 150 cm
Wurzelsystem: Pfahlwurzler
Frostverträglich: bis -40 °C (bis Klimazone 3)
Blüte
Blütenfarbe: grün
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Blütenform: nur Röhrenblüten, klein, unscheinbar
Blütenduft ja
Laub
Blattfarbe grün
Blattphase sommergrün
Blattform lineal bis lineallanzettlich
Blatt aromatisch ja
Sonstiges
ist essbar Verwendung: Gewürzblätter
Pflanzen je ㎡: 5-7
Klassifizierung
Ordnung: Asternartige
Familie: Korbblütler
Gattung: Artemisia
Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Was ist Estragon?

Estragon (Artemisia dracunculus) ist eine alte Heil- und Gewürzpflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und nahe mit Beifuß und Wermut verwandt. Er ist in Osteuropa, Asien und Nordamerika beheimatet und wird häufig in Gärten kultiviert; wild findet man ihn nur selten und vorübergehend in Unkrautgesellschaften.

Es handelt sich dabei um einen ausdauernden krautigen, in den unteren Anteilen verholzenden 100-120 Zentimeter hohen Halbstrauch mit einem kriechenden Rhizom, aufrechten Trieben und ungestielten hell- bis mittelgrünen lanzettlichen, bis zu 10 Zentimeter langen glänzend grünen Blättern. Ihr Rand ist glatt oder fein gesägt. Er blüht nur sehr sparsam; dabei stehen die gelblichweißen, nickenden und eher unscheinbaren Blütenkörbchen stehen mit bis zu 40 Exemplaren in lockeren, 5-35 Zentimeter langen Rispen. Die einzelnen Blüten sind 2-4 Millimeter groß, mit grünen Hüllblättern, weiblichen Röhrenblüten am Rand und zwittrigen in der Mitte. Samen bildet er bestenfalls spärlich.

Estragon im Garten

Standort

Estragon benötigt einen nährstoffreichen und gut durchlässigen Boden und viel Sonne. In schweren Böden überlebt er nur kurze Zeit. Es mag es eher trocken als zu nass.

Schnitt

Will man den Estragon als Gewürz ernten, sollte man das unmittelbar vor der Blüte tun, denn dann ist der Gehalt an etherischen Ölen am höchsten. Ansonsten sollte man ihn ab und zu im Frühling zurechtstutzen, damit er schön buschig bleibt und nicht verkahlt.

Vermehrung

Den Französischen Estragon muss man vegetativ mit Ablegern vermehren, da die Pflanzen infertil sind. Beim Russischen Estragon werden auch eher selten Samen angesetzt, die man dann aber für die Aussaat verwenden kann.

Verwendung

Als alte Heil- und Gewürzpflanze ist der Estragon prädestiniert für Kräuter- und Apothekergarten.

Schädlinge

Estragon ist relativ unempfindlich und wird eher selten von Blattläusen und Pilzkrankheiten heimgesucht.

Ökologie

An den aromatischen Blättern machen sich die Raupen der Beifuß-Blüteneule (Schinia scutosa) zu schaffen.

Wissenswertes

Französischer Estragon (Artemisia dracunculus ssp. sativa) ist unfruchtbar und wächst langsamer als der Russische Estragon (Artemisia dracunculus ssp. inodora), schmeckt aber deutlich würziger. Dafür ist der Letztere unempfindlicher gegenüber Frost und bildet, wenn auch nur selten, Samen. Verwendet werden die Blätter. Beim Trocknen wie auch bei längerem Kochen geht viel von dem charakteristischen Aroma verloren, sodass man Estragon in der Küche vorzugsweise frisch verwendet . Er würzt Senf, Essig und Marinaden und ist fester Bestandteil der Sauce béarnaise und eines Sträußchens Fines Herbes in der französischen Küche. Auch die meisten anderen Unterarten sind weniger aromatisch als der Französische Estragon.

Als Heilpflanze und für die Herstellung von Parfüms war der Estragon bereits bei den alten Ägyptern und Griechen bekannt, wurde aber von den Römer offenbar nicht als Gewürz verwendet und auch nicht nach Deutschland importiert. Hier taucht er erstmals in 16. Jahrhundert auf. Den deutschen Namen hat man von den Spaniern übernommen, die die Pflanze aus der maurischen Küche kannten. Die Artbezeichnung dracunculus leitet sich von lateinisch draco für Drachen ab, denn nach der Signaturenlehre sah man das geschlängelte Rhizom als Heilmittel gegen Schlangenbisse an.

Hauptbestandteil des etherischen Estragonöls ist das Phenylpropanoid Estragol, das auch in Anis, Basilikum und Kerbel am charakteristischen Duft beteiligt ist. In der Naturheilkunde verwendet man Estragon als verdauungsförderndes und harntreibendes Mittel, das zudem mit seinen Gerb- und Bitterstoffen und Flavonoiden wirkt. In den in der Küche üblichen Mengen sollte das Gewürz unproblematisch sein; bisweilen findet man die Angabe, dass Estragol krebserregend sein soll.

Fotos

Gesamte Pflanze Estragon
Quelle: Oceancetaceen - Alice Chodura, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blüte Estragon
Quelle: Krzysztof Golik, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blatt Estragon
Quelle: KENPEI, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Sorten Estragon

Sorte Blütenfarbe Blühzeit
Estragon (Wildform)
grün
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Französischer Estragon
weiß
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Was sind mehrjährige Stauden?

Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.

Häufige Fragen

Kann man Estragon roh essen?

Estragon schmeckt roh unvergleichlich aromatischer als getrocknet. Daher sollte man am besten die frischen Blätter verwenden, die man notfalls auch im Gefrierschrank aufheben kann. Auch beim Kochen verliert er schnell sein Aroma, sodass man ihn bei einer Sauce béarnaise oder in Fleisch- und Fischgerichten am besten erst gegen Ende der Garzeit zufügt.

Für was verwendet man Estragon?

Estragon ist eines der vier Kräuter der französischen Fines herbes, der Herbes de Provençe und wird vor allem für Geflügel-, Fisch- und Eierspeisen eingesetzt. In der Provençe macht man daraus einen Kräuterlikör. Unverzichtbar ist er für die Sauce béarnaise, und leicht zerdrückte Triebe lassen sich zu würzigem Estragonessig aufsetzen. Er ist fester Bestandteil der Küche Armeniens, Aserbaidschans, des Irans und der Kurden. In Georgien gehört er zum Nationalgericht Chakapuli, und im Iran verwendet man ihn zum Einlegen von Gurken (Khiar Shoor) und in der Kräutermischung Sabzi Khordan zusammen mit Basilikum, Koriander, Dill, Minze, Petersilie und anderen Gewürzen, die man mit Fladenbrot und Fetakäse zu Loqmeh verarbeitet.

Was wird mit Estragon gewürzt?

Estragon ist fester Bestandteil der französischen Küche und dort vor allem von der Sauce béarnaise und dem Kräutersträußchen Fines herbes bekannt. Ebenso findet man ihn vielfältig in Gerichten der armenischen, aserbaidschanischen, kurdischen und persischen Küche. Er eignet sich generell gut für Salate, Quark und Käse, Suppen, Saucen, Fleisch-, Fisch- und Geflügelgerichte. Man kann daraus auch Estragonessig und Marinaden herstellen oder Gurken damit einlegen.

Wie gesund ist Estragon?

Die Naturheilkunde verwendet Estragon als harntreibendes und verdauungsförderndes Mittel. Vor einem längerfristigen Gebrauch und hohen Dosen wird gewarnt – er enthält Estragol, das man als erbgutverändernd und damit krebserregend einschätzt. Im Salat oder am Estragonhühnchen sind die paar Blätter unbedenklich. Anders sieht das mit dem reinen, durch Wasserdampfdestillation gewonnenen Estragonöl aus: Es wirkt als Abortivum. Daher sollte man Estragon in der Schwangerschaft, wenn überhaupt, nur sparsam als Gewürz einsetzen.

Ökologischer Wert

Estragon ist nicht heimisch, aber dennoch Nahrungsquelle/Lebensraum für Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Schmetterlingsarten:
1
Dient als Futterplanze für Raupen:
1

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