Echter Kümmel

Carum carvi

Zweijährige
Wildform
Bienenweide
essbar
lange Blühzeit
Echter Kümmel (Carum carvi) Alle 3 Fotos anzeigen
Quelle: H. Zell, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Alte Heil- und Gewürzpflanze
  • Etherisches Öl vor allem in den Früchten vorhanden
  • Zwei- oder mehrjährig im Garten wachsend
  • Leichte Vermehrung durch Aussaat, auch Selbstaussaat
  • Im Garten möglichst nicht in die Nachbarschaft von Dill, Fenchel & Co. setzen
  • Braucht viel Feuchtigkeit und Licht
  • Ernte der Samen im Herbst
  • Kümmeltee Arzneimittel gegen Blähungen und Bauchschmerzen
  • Macht Speisen leichter verdaulich
  • Futterpflanze für den Schwalbenschwanz
Standort
Licht: Sonne
Boden: durchlässig
Wasser: trocken
Nährstoffe: normaler Boden
Wuchs
Pflanzenart: Zweijährige
Höhe: 40 - 80 cm
Wurzelsystem: Pfahlwurzler
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Blütenform: doldenförmig
Laub
Blattfarbe grün
Blattphase sommergrün
Blattform gefiedert, eiförmig, länglich
Sonstiges
ist essbar Gewürzsamen
Klassifizierung
Ordnung: Doldenblüterartige
Familie: Doldenblütler
Gattung: Kümmel
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Was ist Echter Kümmel?

Echter Kümmel, Wiesenkümmel oder kurz nur Kümmel (Carum carvi) gehört zu einer Gattung mit etwa 30 zweijährigen Stauden, von der aber nur diese eine Art in Kultur gehalten wird. Sie zählen zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Den Kümmel findet man in nährstoffreichen Wiesen und Weiden, an Wegrändern, Böschungen wie auch auf Brachflächen und Bahndämmen von Nordafrika über Europa bis nach Sibirien.

Die sparrig verzweigten Pflanzen werden 40-80 Zentimeter hoch und bis etwa 30 Zentimeter breit, mit einer ausgeprägten spindelförmigen Pfahlwurzel und aufrechten kahlen schlanken Sprossen mit deutlichen Längsrillen. Sie wachsen zwei- oder mehrjährig; im ersten Jahr bildet sich eine Blattrosette, die Blütenstängel erscheinen erst ab dem zweiten Jahr. Die farnähnlichen Blätter sind 2-3-fach gefiedert, 8-15 Zentimeter lang und leuchtend grün, mit linealischen bis lanzettlichen Fiederblättchen, die weniger als einen Millimeter breit ausfallen und sich zuunterst nahe der Blattspindel überkreuzen. Die meisten Blätter tragen an ihrem Grund eine Blattscheide.

Seine kleinen Blüten erscheinen im Hochsommer in bis zu vier Zentimeter breiten Doppeldolden mit 8-15 Strahlen. Hüllblätter fehlen vollständig, Hüllchen sind nur zeitweise und wenige vorhanden. Die Blüten sind fünfzählig, radiärsymmetrisch und zwittrig, mit einem fehlenden oder reduzierten Kelch und einer weißen Krone. Die aromatischen braunen Doppelachänen zerfallen in zwei sichelförmige, 3-6 Millimeter lange und gerillte Teilfrüchte.

Echter Kümmel im Garten

Standort

Echter Kümmel bevorzugt im Garten einen nährstoff- und basenreichen mild bis mäßig sauren und humosen Ton- oder Lehmboden, der wegen der Pfahlwurzel vorzugsweise mittel- bis tiefgründig sein sollte. Er braucht viel Feuchtigkeit, aber verträgt keine Staunässe, und reichlich Sonne ist willkommen. Die Pflanzen sind vollkommen frosthart. Gelegentliches Hacken bekommt ihnen besonders gut.

Schnitt

Will man eine reichhaltige Selbstaussaat des fleißig Früchte produzierenden Kümmels verhindern, so muss man diese rechtzeitig absammeln, bevor sie sich dunkler verfärben und herunterfallen. Achtung – er reift sehr ungleichmäßig. Für die Ernte schneidet man die Samenstände und trocknet sie in Bündeln kopfüber aufgehängt; bei der Nachreifung herunterfallende Samen fängt man mit einem Tuch auf.

Vermehrung

Früchte bildet der Echte Kümmel erst im zweiten Jahr. Die Kümmelsamen bringt man im Frühjahr nach den Eisheiligen oder im Sommer in Reihen an Ort und Stelle im Garten aus, wo sie schnell und zuverlässig keimen. Es handelt sich dabei um einen Lichtkeimer, daher sollte man sie nur leicht auf die Erde andrücken und auf keinen Fall zu tief vergraben. Unbeaufsichtigt sorgt der Kümmel für seine eigene Aussaat und kommt im Folgejahr zuverlässig wieder. Wenn man ältere Setzlinge umpflanzt, neigen sie leicht zum Schießen.

Verwendung

Mit seinen aromatischen, leicht nach Lakritz riechenden Früchten ist der Echte Kümmel prädestiniert für den heimischen Kräutergarten. Mit Spinat und Rettich, Radieschen und Kohlrabi verträgt er sich ausgezeichnet, aber nur schlecht mir Verwandten wie Möhre, Dill und Fenchel.

Schädlinge

Kümmel gilt als extrem robust, und Krankheiten oder Schädlinge wird man auf der aromatischen Pflanze nur selten vorfinden; bakterielle Infektionen mit Erwinia und Pseudomonaden oder Pilzerkrankungen wie Anthraknose treten fast nur im gewerblichen Anbau auf, wo sie allerdings große Ernteausfälle verursachen können.

Ökologie

Als Bestäuber finden sich auf den Dolden des Echten Kümmels vor allem Fliegen und Käfer ein. Den Pollen sammelt die Wildbiene Andrena minutula für die Ausstattung ihrer Brutröhren. Die Blätter dienen einem Schmetterling als Raupenfutter, dem inzwischen selten gewordenen Schwalbenschwanz (Papilio machaon). Die Samen werden meist durch Anhaften an Pfoten von Tieren oder an Schuhen verbreitet, sofern sie nicht der Wind verstreut.

Wissenswertes

Der Echte Kümmel ist eine alte Heil- und Gewürzpflanze, die man bereits in der Antike kannte und von der man bis heute reichlich Gebrauch macht. Die Landgüterverordnung Capitulare de villis von Karls des Großen empfahl seinen Anbau in Gärten ausdrücklich und hat sicherlich zu seiner bis heute ungebrochenen Beliebtheit mit beigetragen. Der Name kommt vermutlich vom griechischen karon.

Mit dem Prädikat ‚Echt‘ unterscheidet man ihn von ähnlichen Verwandten wie dem sehr seltenen Quirl-Kümmel (Carum verticillatum) und Knollenkümmel (Bunium bulbocastanum und Conopodum majus). Er ist ein Mittelzehrer und gilt in der Botanik als Nährstoffzeiger.

Die jungen Blättchen aus dem ersten Jahr lassen sich zum Würzen von Salaten und Eintöpfen verwenden, die Kümmelsamen zum Marinieren, für Fleisch- und Gemüsegerichte, Sauerkraut, Quark und Käse wie Harzer und Limburger.

Fotos

Gesamte Pflanze Echter Kümmel
Quelle: H. Zell, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blatt Echter Kümmel
Quelle: Rolf Engstrand, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blüte Echter Kümmel
Quelle: Rolf Engstrand, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Was sind zweijährige Pflanzen?

Zweijähre Pflanzen bilden im ersten Jahr meist nur eine flache Rosette. Im nächsten Jahr wächst die Pflanze in die Höhe, blüht und versamt sich. Die Pflanze stirbt und aus dem Samen entsteht die nächste Generation.

Häufige Fragen

Wann ist Kümmel erntereif?

Die Kümmelsamen reifen sehr unterschiedlich, sodass man die Samenstände am besten rechtzeitig erntet. Der beste Zeitpunkt liegt zwischen Juli und September, bevor sie sich dunkel zu verfärben beginnen. Dann schneidet man die Blütenstände an und hängt sie bündelweise trocken und luftig auf. Nach dem ersten Trocken rebelt man sie vorsichtig ab und lässt sie noch eine Weile nachtrocknen, bevor man sie in geeignete Behälter umfüllt. Diese sollten licht- und luftdicht schließen, damit die aromatischen Öle möglichst lange erhalten bleiben.

Ist Kümmel gut für die Verdauung?

Kümmel ist eine alte Heil- und Gewürzpflanze. An seinem Einsatz als Gewürz scheiden sich die Geister – entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht. Die jungen Blättchen lassen sich für Salate, Suppen und Saucen einsetzen, die Kümmelsamen für Fleisch- und Gemüsegerichte. In Bayern sind Schweinsbraten und Sauerkraut mit Kümmel wesentlich beliebter als im hohen Norden. Man kann mit ihm auch Käse, Quark, Bratkartoffeln und viele andere Gerichte verfeinern. Beliebt ist er auch als Brotgewürz, wo man ihn auch mit Fenchel und Anis frisch gemahlen kombinieren kann. Er fördert die Verdauung und macht fette Speisen leichter verdaulich; daher nutzt man ihn gerne bei Kohlgerichten. Nicht minder beliebt sind Kümmellikör und Kümmelschnaps nach dem Essen, beispielsweise Gin, Aquavit oder isländischer Brennivín.

Wofür ist Kümmel gut?

Kümmel war bereits in der Antike als Heilpflanze bekannt. Die alten Ägypter kauten die Samen gegen Mundgeruch, und die griechischen und römischen Ärzte wie Dioskurides und Galen rühmten ihn ebenso wie die Kräuterbücher des Mittelalters. Selbst das moderne Bundesgesundheitsamt empfiehlt ihn bei Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und Magen-Darm-Krämpfen, aber auch bei nervösen Herzbeschwerden und bei Verdauungsbeschwerden von Säuglingen.

Wie macht man Kümmeltee?

Kümmeltee lässt sich aus den leicht zerquetschten Samen bereiten, indem man sie mit heißem Wasser übergießt und zehn Minuten ziehen lässt – möglichst abgedeckt, damit die etherischen Öle nicht verschwinden. Wohl die beste Medizin bei Blähungen und Bauchschmerzen ist ein Fenchel-Anis-Kümmel-Tee, bei dem man gleiche Anteile der drei Samen in gleicher Weise behandelt. Hauptwirkstoffe sind Limonen, Carveol, Carvon und Dihydrocarvon aus dem Öl; hinzu kommen fette Öle, Gerbstoffe, Flavonoide und harzartige Bestandteile. Wie bei allen Drogen mit etherischen Ölen sollte man auch hier nicht zu große Mengen verwenden. Sogar in der Tiermedizin kommt Kümmel bei Koliken von Rindern und Pferden zum Einsatz.

Ökologischer Wert

Echter Kümmel ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen und Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
1
Anzahl Schmetterlingsarten:
1
Dient als Futterplanze für Raupen:
1

Kräuter

Themen

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