Was ist Hechtrose?
Hechtrose, Rotblatt-Rose oder Rotblättrige Rose (Rosa glauca) kommt als einheimische Wildrose (Rosaceae) bei uns nur selten auf trockenen Felsbändern von Schwarzwald und benachbarten Vogesen und auf der Schwäbischen Alb vor, wo sie mit ihren starken Hauptwurzeln und zahlreichen Seitenwurzeln selbst in den kleinsten Spalten Halt findet. Ansonsten wächst sie in Mitteleuropa bis an den Balkan, nach Kleinasien und die Ukraine.
Den Namen hat sie von ihren hechtblauen Blättern, die im Austrieb zunächst dunkel rostrot erscheinen. Sie wächst locker aufrecht und bildet dabei bis zu drei Meter hohe Sträucher mit kaum bestachelten, bogenförmigen Trieben. Jung sind diese rotblau, später bekommen sie eine braunrote Rinde. Die wenigen Stacheln sind alle etwa gleich lang und leicht gebogen, an den Blütenzweigen fehlen sie oft vollständig.
Die 7-12 Zentimeter langen gefiederten Blätter der Hechtrose sind 5-9-zählig, wobei ihre typische blaugrüne Farbe von den purpurfarbenen Nerven der Unterseite unterbrochen wird. Ihre Fiederblättchen sind bei einer Länge von 2-4 Zentimetern elliptisch eiförmig und meist einfach gezähnt, ohne Drüsen und unbehaart. An den blühenden Trieben sind die Nebenblätter besonders breit, ansonsten kahl und am Rand von feinen Drüsen besetzt.
Die dunkelrosa gefärbten Knospen der Hechtrose entfalten sich zu 2-4 Zentimeter großen einfachen Blüten, welche auf 1-2 Zentimeter langen Stielen mit Tragblättern zu ein bis fünf Exemplaren in kleinen büscheligen Dolden zusammenstehen. Bei den genagelten Kronblättern schwankt die Farbe zwischen einem intensiven Purpurrosa bis zu dunklem Rot, immer jedoch mit einem weißen Auge in der Mitte. Auf diesem Hintergrund kommen die zahlreichen intensiv gelben Staubblätter besonders gut zur Geltung. Die länglich-lanzettlichen Kelchblätter sind überwiegend ganzrandig und richten sich später auf, wobei sie an den Früchten stehenbleiben. Typischerweise überragen sie die Kronblätter mit ihren 2-3 Zentimetern Länge um ein gutes Stück.
Bei der Hechtrose sind die Hagebutten – wie immer die typischen Scheinfrüchte der Rosen – kugelig bis mehr oder weniger flach-rund, kahl und stehen an einem langen Stiel mit oder ohne Drüsen. Sie sind reif orange bis scharlachrot und 1-2 Zentimeter groß. Im Inneren der glänzenden dünnen Schale befinden sich die hellbraunen Nüsschen.
Hechtrose im Garten
Standort
Die Hechtrose hat am liebsten einen mehr oder weniger trockenen, basenreichen aber feinerde- und humusarmen Steinboden mit reichlich Licht und Wärme. Staunässe ist für sie absolut tödlich, und im Schatten wächst und blüht sie eher kümmerlich.
Schnitt
Ein Schnitt ist bei der Hechtrose kaum erforderlich; Du kannst sie ohne Probleme in Form bringen, wenn sie schief wächst oder zu groß wird. Im Gegensatz zu den meisten Kulturrosen vergreist sie nicht so schnell und wird auch nicht blühfaul, wenn man sie nicht regelmäßig zurechtstutzt.
Vermehrung
Eine Vermehrung der Hechtrose ist mit Stecklingen möglich. Ansonsten kann man sich auch an den Samen aus den Hagebutten versuchen, sie keimen relativ zuverlässig, brauchen aber naturgemäß längere Zeit, bis aus der Aussaat ein Strauch wird.
Verwendung
Im Garten ist die Hechtrose vor allem wegen ihrer ungewöhnlich blaugrünen Blätter und den kontrastreichen karminroten Blüten mit dem weißen Auge, gelben Staubbeuteln und übergroßen Kelchblättern beliebt. Sie macht sich mit ihrer Verträglichkeit gegenüber felsigen und eher trockenen Böden auch gut im Steingarten oder auf Trockenmauern, ansonsten am Gehölzrand oder in Rabatten und Blumenbeeten. In Parks und öffentlichen Grünanlagen findet man die robuste Wildrose relativ häufig. Selbst im winterlich blattlosen Zustand kommen die bunten Hagebutten vor allem im Schnee gut zur Geltung.
Schädlinge
Wie alle Wildrosen ist auch die Hechtrose recht robust, aber auch etwas anfällig für Rostflecken und Mehltau an den Blättern. Ansonsten sind Schädlinge oder Krankheiten deutlich seltener als bei den Kulturrosen.
Ökologie
Auch wenn bei der Hechtrose eine Selbstbestäubung möglich ist nimmt sie doch gerne tierische Hilfe beim Bestäuben in Anspruch. Sie wird vor allem von Honigbienen und Wildbienen bestäubt, aber auch Schwebfliegen und Käfer finden sich in großer Zahl ein, um sich den Pollen einzuverleiben.
Die Büsche sind ein gutes Schutzgehölz und willkommener Unterschlupf für Vögel und andere Tiere, und insbesondere den fliegenden Gästen haben es die Hagebutten angetan. Vor allem die etwas größeren Krähenvögel fressen sie am Stück, während die kleineren Vertreter sie aufpicken und den Samen in der Gegend verstreuen. Den Verdauungstrakt überstehen sie unbeschadet, sodass sie an ihrer neuen Wirkungsstätte gleich ein Häufchen Dünger mit auf den Weg bekommen. Im Winter sind die leuchtend roten oder orangenen Hagebutten mit ihren typischen großen Kelchblättern ein wichtiges Nahrungsmittel.
Wissenswertes
Synonyme für Rosa glauca (eigentlich Blaugrüne Rose) sind Rosa rubrifolia (das bedeutet Rotblättrige Rose) und Rosa ferruginea (Rostfarbene Rose). Die Wildpopulationen unterscheiden sich von den kultivierten und verwilderten Exemplaren in der Farbe ihrer Blüten. In den Randstreifen von Äckern und Feldern wurde sie schon früher häufiger angepflanzt und erlebt derzeit eine Renaissance. Wilde Hechtrosen stehen unter Naturschutz und dürfen nicht beeinträchtigt werden.
Die orangefarbenen bis scharlachroten Hagebutten der Hechtrose enthalten relativ wenig Fruchtmark, sodass sich das Herstellen von Saft oder Hagebuttenmarmelade kaum rentiert. Dafür lassen sie sich nach dem Entfernen der Kerne leicht trocknen und als Hagebuttentee oder gemischt mit anderen Früchten zu Früchtetee verarbeiten. Sie enthalten bis zu knapp drei Prozent Vitamin C.