Süßdolde,Myrrhenkerbel

Myrrhis odorata

Staude
Wildform
essbar
lange Blühzeit
Süßdolde (Myrrhis odorata) Alle 4 Fotos anzeigen
Quelle: H. Zell, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Aus Südeuropa stammende alte Heil- und Gewürzpflanze
  • Ausdauernde Stauden mit Rübenwurzel, farnartigen Blätter und doldigen Blütenständen
  • Bis zu eineinhalb Meter hoch und breit
  • Für frische und nährstoffreiche, lockere Böden mit Halbschatten
  • Gut geeignet für Kräuter- und Apothekergarten
  • Pflegeleicht, robust, winterhart und anspruchslos
  • Blätter bevorzugt vor der Blüte ernten, gegebenenfalls diese abschneiden
  • Aromatische Wurzeln, Blätter und Früchte in der Küche einsetzbar
  • Vermehrung durch Teilen oder Aussaat
  • Gute Bienenweide
Wuchs
Pflanzenart: Staude
Höhe: 1 - 1,5 m
Wurzelsystem: Flachwurzler
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne bis Schatten
Laub
Blatt aromatisch ja
Schneckenunempfindlich Ja
Boden
Boden: durchlässig bis humos
Wasser: frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
PH-Wert: basisch / kalk
Sonstiges
Ordnung: Doldenblütlerartige
Familie: Doldenblütler
Gattung: Myrrhis
ist essbar

Was ist Süßdolde?

Süßdolde oder Myrrhenkerbel (Myrrhis odorata) ist eine alte Heil- und Gewürzpflanze aus der Familie der Doldengewächse (Apiaceae), die man bei uns außer in Gärten mittlerweile recht häufig, aber nur verwildert antrifft. Sie wächst bevorzugt an Schuttplätzen, Zäunen, den Rändern von Wäldern und Hecken sowie auf subalpinen Staudenfluren, lokal vor allem am Tegernsee und im Berchtesgadener Land. Beheimatet ist sie ursprünglich in den Gebirgen Südeuropas.

Die ausdauernden krautigen Stauden werden ein bis anderthalb Meter hoch und ebenso breit und sind insgesamt vor allem an den Knoten zottig behaart; sie riecht in allen Teilen stark nach Anis. Ihre dicke dunkelbraune Hauptwurzel ist rübenartig; die kräftigen Sprossen sind aufrecht bis aufsteigend, innen hohl und verzweigen sich erst in der oberen Hälfte. Am Grund werden sie über einen Zentimeter dick. Die zarten farnartigen Blätter sind 20-40 Zentimeter lang und ebenso breit, hellgrün, doppelt bis vierfach gefiedert und im Umriss dreieckig; ihre einzelnen Fiederabschnitte sind länglich bis lanzettlich und am Rand tief gesägt. An Grund der Blätter stehen große behaarte und fein gerippte Blattscheiden.

Die Blüten stehen in zusammengesetzten 4-12 Zentimeter breiten Dolden mit 5-18 Strahlen, die etwa zwei Zentimeter lang werden. Den Doppeldolden fehlen zumeist die Hüllen, und die Hüllchen sind fast vollständig weißhäutig und bewimpert. Die einzelnen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle, sternförmig ausgebreitet und zwittrig oder rein männlich. Ihre verkehrt-herzförmigen und ausgerandeten Kronblätter sind strahlend weiß; die randständigen in einer Dolde sind deutlich vergrößert und bilden so einen Schauapparat für Insekten.

Die glänzenden schwarzen Früchte erscheinen zu zweit und fallen bei der Reife auseinander; sie sind 20-25 Millimeter lang, mit fünf scharfen Kanten, die raue borstige Haare tragen und einem deutlichen Schnabel.

Süßdolde im Garten

Standort

Die Süßdolde wächst am besten auf einem frischen und nährstoffreichen locker-humosen Lehmboden. Sie bevorzugt Halbschatten, wächst aber auch im Schatten oder in der Sonne – so lange sie genug Wasser bekommt.

Schnitt

Die würzigen Blätter kann man von Frühjahr bis in den Herbst hinein ernten. Ihr einzigartiges Aroma bleibt am besten erhalten, wenn man die Blütenstände regelmäßig entfernt. Ansonsten sind die Pflanzen ausgesprochen pflegeleicht.

Vermehrung

Süßdolden kann man im Herbst unmittelbar nach der Samenreife oder im zeitigen Frühjahr direkt an Ort und Stelle im Garten aussäen. Sie sind Kaltkeimer, die eine Kälteperiode für ihre Keimung benötigen. Auch eine Teilung der Bestände ist problemlos möglich.

Verwendung

Als alte Heil- und Gewürzpflanze ist die Süßdolde prädestiniert für den Kräutergarten und Apothekergarten. Auch im Naturgarten lässt sie sich pflanzen, sodass sie Bienen und anderen Insekten reichlich Futter liefern kann.

Schädlinge

Mit Schädlingen und Erkrankungen hat die äußerst robuste Pflanze kaum etwas zu schaffen.

Ökologie

Der reichlich gebildete und leicht zugängliche Nektar macht die Süßdolde zu einer Attraktion für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.

Wissenswertes

Bisweilen ist die Süßdolde noch unter ihren alten Bezeichnungen Chaerophyllum odoratum oder Scandix odoratum im Handel. Die Gattung Myrrhis ist monotypisch und enthält nur diese eine Art.

Die alternative deutsche Bezeichnung Myrrhenkerbel kommt nicht von ungefähr – die Pflanzen erinnern in ihrem Habitus mit ihren zarten Blättern und weißen Dolden tatsächlich dem nahe verwandten Garten-Kerbel oder Wiesen-Kerbel. Der typische Geruch unterscheidet sie aber deutlich, ebenso wie die hier wesentlich größere Beblätterung. In Küche und Heilkunde wird die Pflanze ähnlich verwendet wie ihre nahen Verwandten Fenchel, Anis und Kümmel.

Bekannt waren die Pflanzen bereits in der Antike; Dioskurides und Plinius der Ältere beschreiben sie als myrra, obwohl dieser Name ursprünglich für die nicht näher verwandte Myrrhe gedacht war. Noch im Mittelalter war die Süßdolde sehr beliebt, wie auch zahlreiche Darstellungen in Büchern und Gemälden zeigen. Man verwendete sie auch als Viehfutter, und die Blätter nutzte man zum Polieren von Eichenholz. Als Heilpflanze ist sie mittlerweile aus der Mode gekommen.

Fotos

Gesamte Pflanze Süßdolde
Quelle: H. Zell, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blüte Süßdolde
Quelle: Meneerke bloem, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Frucht Süßdolde
Quelle: H. Zell, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blatt Süßdolde
Quelle: Syrio, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Was sind mehrjährige Stauden?

Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.

Häufige Fragen

Wie groß wird Süßdolde?

Süßdolde oder Myrrhenkerbel ist eine Staude mit kräftigen hohlen Stängeln und zarten farnartigen Blättern. Die Pflanzen werden bis zu 1,50 Meter hoch und auch etwa genauso breit, wenn man sie einen Bestand bilden lässt.

Wofür ist Süßdolde gut?

Sowohl die Wurzeln, Blätter als auch die jungen Triebe kann man essen – meistens werden sie gekocht und geben Kohlgerichten, Omeletts, Fisch und Eintöpfen einen süßlichen anisartigen Geschmack. In Frankreich sind sie oft Bestandteil des legendären Bouquet garni. Saure Früchte in einem Kompott oder Marmelade werden dadurch süßer und aromatischer. Kleingeschnittene Blätter würzen Salate, Dips und Marinaden. Ähnlich wie Pastinaken kann man die Rüben einsetzen und als Gemüse verzehren. Die Samen werden getrocknet als Gewürz verwendet, vor allem für Backwaren und Desserts. In den Mittelmeerländern sind sie Bestandteil vieler Kräuterliköre wie dem französischen Chartreuse. Dort sollen sie die Verdauung anregen, den Appetit anregen und Blähungen verhindern.

Ist Süßdolde eine Heilpflanze?

Als solche war sie bereits den alten Griechen bekannt. Mit dem Sud der Blätter behandelte man Hunde- und Schlangenbisse, mit einer aus den Wurzeln gewonnen Salbe Gicht, Rheuma und offene Wunden. Auch in der Volksheilkunde nutzte man Süßdolde zur Blutreinigung und als schleimlösendes und magenstärkendes Mittel. Die Heilwirkung ist vor allem auf das etherische Öl zurückzuführen, das neben dem dominierenden Anethol auch Limonen, Estragol und andere Terpenoide enthält.

Ökologischer Wert

Süßdolde in Mitteleuropa eingebürgert

Themen

Quelle: Foto von Markus Spiske auf Unsplash
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