Rauschbeere (Vaccinium uliginosum)
Quelle: Sinikas2_2008.jpg: Epukasderivative work: Bff, Public domain, via Wikimedia Commons

Rauschbeere,Moor-Heidelbeere

Vaccinium uliginosum

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Das Wichtigste auf einen Blick

Gehölz
heimische Wildform
winterhart
Super Insektenpflanze
essbar
  • Ausdauerndes einheimisches Erikagewächs
  • Bildet 50-90 Zentimeter hohe Sträucher
  • Robust, wenig krankheitsanfällig und winterhart
  • Weiße oder rosafarbene glockenförmige Blüten
  • Früchte eiförmig, bereift und im Inneren hell mit farblosem Saft
  • Essbar, aber in großen Mengen rauschartige Zustände hervorrufend
  • Als Heilpflanze nur noch selten gebräuchlich
  • Wichtige Futterpflanze für Schmetterlinge
  • Bestäubung vor allem durch Hummeln und Honigbienen
  • Für feuchte und torfige Standorte
🏡 Standort
Licht: Sonne bis Halbschatten
Boden: durchlässig bis lehmig
Wasser: feucht bis frisch
Nährstoffe: nährstoffarmer Boden
PH-Wert: sauer
Kübel/Balkon geeignet: ja
🌱 Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Wuchs: bodendeckend
Höhe: 50 - 90 cm
Breite: 50 - 75 cm
Wurzelsystem: Pfahlwurzler
Frostverträglich: bis -45,5 °C (bis Klimazone 2)
🌼 Blüte
Blütenfarbe: rosa
Blühzeit:
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Blütenform: doldenrispenförmig
🍊 Frucht
Fruchtreife:
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🍃 Laub
Blattfarbe blaugrün
Blattform oval
🐝 Ökologie
Bienen: Bienenweide (2 Arten)
Schmetterlinge: Schmetterlingsweide (41 Arten)
Raupenfutterpflanze: 40 Arten
Säugetiere: 12 fressende Arten
ℹ️ Sonstiges
ist essbar Frucht,Blatt
Verwendung: Früchte in geringer Dosis
⤵️ Klassifizierung
Ordnung: Heidekrautartige
Familie: Heidekrautgewächse
Gattung: Heidelbeeren
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!



Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe
Stand:
2021-11-10 16:00:35

Was ist Rauschbeere?

Rauschbeere, Trunkelbeere, Kronbeeren Moorbeere oder Moor-Heidelbeere (Vaccinium uliginosum) ist ein ausdauernder Kleinstrauch, der mit der Heidelbeere nahe verwandt ist und wie diese zu den Heidekrautgewächsen (Ericaceae) gehört. Es handelt sich dabei um 50-90 Zentimeter hohe sparrige Büsche, die zerstreut aber gesellig in Kiefer- und Birkenmooren und im subalpinen Zwergstrauch-Gestrüpp auf feuchten und torfhaltigen Böden zu finden sind.

Die runden braunen Triebe verholzen in den unteren Anteilen und tragen die ledrigen ovalen ganzrandigen 4-30 Millimeter langen Blätter, die auf der Oberseite blaugrün und auf der Unterseite graugrün sind. Ihre kleinen und unauffälligen glockenförmigen Blüten sind fünfzählig, nickend, weiß oder rosa und erscheinen zu mehreren in kleinen Trauben. Die Früchte sind 5-8 Millimeter große Beeren, die denen der Heidelbeere ähneln, aber eiförmig, deutlich größer und hellblau bereift sind. Ebenso unterschiedlich ist das Fruchtfleisch, das nicht wie bei der Heidelbeere durchgehend blau, sondern hellgelb erscheint. Der Saft ist farblos.

Rauschbeere im Garten

Standort

An ihren natürlichen Standorten wächst die Rauschbeere im Torf von Hoch- und Waldmooren; dementsprechend möchte sie einen torfigen und dauerfeuchten Boden, möglichst in voller Sonne oder im Halbschatten. Längere Trockenheit wie auch Kalk verträgt sie nicht.

Schnitt

Ein Schnitt ist bei der Rauschbeere nur zum Begrenzen des Wachstums oder zum Entfernen toter Triebe notwendig. Nur bei alten Pflanzen empfiehlt sich ab und zu ein Verjüngungsschnitt, damit sie buschiger wächst und reichhaltiger blüht ohne zu vergreisen. Auf jeden Fall sollte der Schnitt rechtzeitig vor den ersten Nachtfrösten erfolgen.

Vermehrung

Die Vermehrung der Rauschbeere gelingt am einfachsten mithilfe von Absenkern oder Stecklingen. Die Bewurzelung kann allerdings zum Geduldsspiel werden und Wochen oder gar Monate dauern.

Verwendung

Die Rauschbeere mag es torfig, feucht und sonnig – daher ist sie für sumpfige Gartenabschnitte wie Moorbeete und insbesondere für die Randbepflanzung großer Gartenteiche gut geeignet.

Schädlinge

Schädlinge und Krankheiten treten bei der Rauschbeere nur selten auf – schlimmstenfalls finden sich hier Schmetterlingsraupen ein, die aber den Bestand niemals gefährden und die man wegen des hohen ökologischen Wertes ruhig gewähren lassen sollte. Pilzerkrankungen wie Rostflecken und Mehltau sind ebenfalls rar, und selbst Schneckenverschmähen die zähen Blätter.

Ökologie

Die Bestäubung der Rauschbeere erfolgt vor allem durch Hummeln, Honigbienen und verschiedenen Fliegen. 41 Schmetterlinge nutzen die Moorbeere als Nektarlieferanten oder Raupenfutter, darunter auch zahlreiche gefährdete und vom Aussterben bedrohte Arten wie die Große Wintereule (Orbona fragariae), die Moorbunteule (Anarta cordigera) und der Blauschillernde Feuerfalter (Lycaena helle). Pollen für die Brut sammelt hier die Heidelbeer-Sandbiene (Andrena lapponica). Die Beeren sind ein beliebtes Winterfutter für Vögel und diverse Kleinsäuger.

Wissenswertes

Der Artname uliginosum bedeutet sumpfliebend und bezieht sich auf den bevorzugten Standort. Der Unterschied zwischen Heidelbeere und Rauschbeere ist recht erheblich, wenn man etwas genauer hinsieht. Allein die eiförmigen großen und dicht hellblau bereiften Früchte sind deutlich anders, und spätestens das helle statt blaue Fruchtfleisch sollte Sammler stutzig machen.

Fotos (3)

Frucht Rauschbeere
Quelle: Sinikas2_2008.jpg: Epukasderivative work: Bff, Public domain, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Rauschbeere
Quelle: I.Sá?ek, senior, Public domain, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Rauschbeere
Quelle: Matti Virtala, CC0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Ist die Rauschbeere giftig?

Prinzipiell ist sie in kleinen Mengen essbar, aber eine vorsichtige Verwendung empfiehlt sich. Die Rauschbeere enthält psychotrope Substanzen, die in größeren Mengen einen Rausch mit Halluzinationen, Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindel und erweiterten Pupillen hervorrufen. In der Naturheilkunde verwendet man die getrockneten Blätter und Früchte nur noch selten.

Kann man Rauschbeeren essen?

In großen Mengen gegessen kann die Rauschbeere Kopfschmerzen und Halluzinationen hervorrufen – dafür sind allerdings recht große Mengen erforderlich. Sie schmeckt ähnlich wie die Heidelbeere und wird trotz ihrer leicht psychotropen Wirkung regional zu Marmelade, Gelee oder Likör verarbeitet oder zur Aufbewahrung getrocknet. Als Heilpflanze ist sie kaum noch gebräuchlich. Im Mittelalter verwendete man sie wegen der darin enthaltenen Gerbstoffe gegen Durchfall und mit ihrer harntreibenden Wirkung gegen Blasenentzündungen.

Wert für Insekten und Vögel

Rauschbeere ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen und Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
2
Anzahl Schmetterlingsarten:
41
Dient als Futterplanze für Raupen:
40
Dient als Nektarpflanze für Schmetterlinge:
1

Schmetterlingsarten

Foto Buschheiden-Rindeneule
Quelle: P_vaida/shutterstock.com
Acronicta auricoma
Buschheiden-Rindeneule
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • ungefährdet
Foto Ampfer-Rindeneule
Quelle: Henrik Larsson/shutterstock.com
Acronicta rumicis
Ampfer-Rindeneule
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • ungefährdet
Agrochola helvola
Rötliche Herbsteule
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • ungefährdet
Anarta cordigera
Moorbunteule
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
Foto Schneespanner
Quelle: HHelene/shutterstock.com
Apocheima pilosaria
Schneespanner
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • ungefährdet
Foto Gefleckter Rauschbeerenspanner
Quelle: Henrik Larsson/shutterstock.com
Arichanna melanaria
Gefleckter Rauschbeerenspanner
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
  • stark gefährdet
Foto Silberpunkt-Höckereule
Quelle: Martin Fowler/shutterstock.com
Autographa pulchrina
Silberpunkt-Höckereule
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • ungefährdet
Foto Grüner Zipfelfalter
Quelle: Marek Mierzejewski/shutterstock.com
Callophrys rubi
Grüner Zipfelfalter
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • Vorwarnliste
Coenophila subrosea
Torfmooreule
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
  • stark gefährdet
Foto Hochmoor-Gelbling
Quelle: RockyYan/shutterstock.com
Colias palaeno
Hochmoor-Gelbling
  • Raupen-Futterpflanze
  • monophag
  • stark gefährdet
Foto Ginster-Bürstenspinner
Quelle: Rasmus Holmboe Dahl/shutterstock.com
Dicallomera fascelina
Ginster-Bürstenspinner
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • stark gefährdet
Eriogaster arbusculae
Alpen-Wollafter
  • Raupen-Futterpflanze
Eulithis populata
Weiden-Haarbüschelspanner
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
  • ungefährdet
Eulithis testata
Zwergstrauch-Haarbüschelspanner
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • Vorwarnliste
Euproctis similis
Schwan
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • ungefährdet
Eurois occulta
Braune Heidelbeer-Erdeule
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
  • Vorwarnliste
Hypena crassalis
Heidelbeer-Zünslereule
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
  • ungefährdet
Hyppa rectilinea
Heidelbeer-Stricheule
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • gefährdet
Itame brunneata
Heidelbeerspanner
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
Foto Eichenspinner
Quelle: HWall/shutterstock.com
Lasiocampa quercus
Eichenspinner
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
Lithomoia solidaginis
Rollflügel-Holzeule
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
  • ungefährdet
Foto Gagelstrauch-Moor-Holzeule
Quelle: Henri Koskinen/shutterstock.com
Lithophane lamda
Gagelstrauch-Moor-Holzeule
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • vom Aussterben bedroht
Foto Blauschillernder Feuerfalter
Quelle: SanderMeertinsPhotography/shutterstock.com
Lycaena helle
Blauschillernder Feuerfalter
  • Nektarpflanze
  • stark gefährdet
Foto Nonne
Quelle: Sandra Standbridge/shutterstock,com
Lymantria monacha
Nonne
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • ungefährdet
Foto Brombeerspinner
Quelle: DeRebus/shutterstock.com
Macrothylacia rubi
Brombeerspinner
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
Orbona fragariae
Große Wintereule
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • ausgestorben oder verschollen
Orthosia opima
Opima-Kätzcheneule
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • gefährdet
Papestra biren
Moorwaldheiden-Blättereule
  • Raupen-Futterpflanze
  • Vorwarnliste
Foto Weidenglucke
Quelle: saga 1966/shutterstock.com
Phyllodesma ilicifolia
Weidenglucke
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
Foto Hochmoor-Bläuling
Quelle: Rudmer Zwerver/shutterstock.com
Plebeius optilete
Hochmoor-Bläuling
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
  • stark gefährdet
Foto Großer Speerspanner
Quelle: Agami Photo Agency/shutterstock.com
Rheumaptera hastata
Großer Speerspanner
  • Raupen-Futterpflanze
  • gefährdet
Rheumaptera subhastata
Kleiner Speerspanner
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
  • stark gefährdet
Rhinoprora debiliata
Heidelbeer-Grünspanner
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
Foto Kleines Nachtpfauenauge
Quelle: John Navajo/shutterstock.com
Saturnia pavonia
Kleines Nachtpfauenauge
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
Sterrhopterix standfussi
Bergmoor-Sackträger
  • Raupen-Futterpflanze
Syngrapha interrogationis
Heidelbeer-Silbereule
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
  • extrem selten
Syngrapha microgamma
Moor-Goldeule
  • Raupen-Futterpflanze
  • oligophag
  • ausgestorben oder verschollen
Trichiura ariae
Alpen-Haarspinner
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
Foto Feurige Weiden-Gelbeule
Quelle: Ihor Hvozdetskyi/shutterstock.com
Xanthia togata
Feurige Weiden-Gelbeule
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • ungefährdet
Xanthorhoe incursata
Gebirgswald-Heidelbeer-Blattspanner
  • Raupen-Futterpflanze
  • Vorwarnliste
Foto Ginsterheiden-Erdeule
Quelle: DJTaylor/shutterstock.com
Xestia castanea
Ginsterheiden-Erdeule
  • Raupen-Futterpflanze
  • polyphag
  • gefährdet

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