Berg-Ulme

Ulmus glabra

Gehölz
Wildform
Wichtige Schmetterlingspflanze
Frühblüher
Berg-Ulme (Ulmus glabra) Alle 4 Fotos anzeigen
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimische Ulmenart und bis 35 Meter hoher Baum
  • Dichte runde Krone und typisch asymmetrische Blätter
  • Unscheinbare Blüten lange vor dem Laub erscheinend
  • Bereits im Frühsommer reifende Früchte mit geflügelten Nüssen
  • Für tiefgründige, alkalische bis leicht saure Böden mit ausreichend Feuchtigkeit
  • Schattentolerant, aber wenig verträglich gegenüber Rauchgasen
  • Vom Ulmensterben akut bedroht
  • Kleinere Sorten im Handel erhältlich, einige wie Hängeulme und Laubenulme mit hängenden Zweigen
  • Typischer Bestandteil der seltenen Bergahorn-Eschen- und Linden-Eschen-Wälder
  • Pollenlieferant für Honigbienen und Raupenfutter für Schmetterlinge
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 25 - 35 m
Breite: 12 - 20 m
Zuwachs: 40 - 60 cm/Jahr
Wurzelsystem: Tiefwurzler
Blüte
Blütenfarbe: braun
Blühzeit:
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Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Boden: durchlässig bis humos
Wasser: feucht bis frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
PH-Wert: basisch / kalk
Sonstiges
Ordnung: Rosenartige
Familie: Ulmengewächse
Gattung: Ulmen
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Berg-Ulme?

Die Berg-Ulme (Ulmus glabra) gehört zur gleichnamigen Familie der Ulmengewächse (Ulmaceae) und ist in den luftfeuchten, vor allem nordseitig im Schatten gelegenen Schlucht- und Hangwäldern der Gebirge und Mittelgebirge Europas bis nach West- und Kleinasien verbreitet. Sie ist charakteristischer Bestandteil der immer seltener werdenden Berg-Ahorn-Eschen- und Linden-Eschen-Wälder und wächst vom Tiefland bis in eine Höhe von 1.500 Metern in den Alpen.

Es handelt sich dabei um einen stattlichen laubabwerfenden Baum, der eine Höhe von 25-35 Metern erreicht. Die dichte Krone ist rundlich und wird von reich verzweigten Ästen mit längsrissiger graubrauner Borke gebildet. Ihre geraden, im Querschnitt runden Zweige weisen jungen eine abstehende Behaarung auf. Die Winterknospen sind eiförmig und mit am Rand bewimperten Schuppen bedeckt, Endknospen findet man keine.

Die Laubblätter der Berg-Ulme haben einen 3-5 Millimeter langen Stiel und eine 10-15 Zentimeter lange, 5-9 Zentimeter breite breit-eiförmige bis breit-elliptische Blattspreite mit, gerundem oder keilförmig in den Blattstiel verschmälerten Grund. Charakteristisch ist die Asymmetrie, durch die der Blattansatz auf der einen Seite deutlich vor dem der anderen Seite beginnt. Am anderen Ende befindet sich eine einzelne oder drei auslaufende, nach vorne gerichtete Spitzen Oberhalb der Mitte erscheinen die Blätter am breitesten; am Rand sind sie scharf doppelt gesägt. Ebenfalls typisch ist die Behaarung des Laubes – auf der mattgrünen Oberseite sind die Härchen nach vorne gerichtet, sodass die Blätter rau erscheinen. Unterseits stehen die Haare vor allem auf den Blattadern und in den Achseln, wo sie kleine Bärtchen bilden. Abgesehen von der Asymmetrie erinnern die Blätter an die der Hainbuche (Carpinus betulus). Im Herbst färbt sich das Laub gelb.

Wie alle Ulmengewächse bildet auch die Berg-Ulme unscheinbare zwittrige Blüten. Diese erscheinen lange vor dem Laubaustrieb an den Kurztrieben in den Achseln von Knospenschuppen des Vorjahres, wo sie in kleinen büscheligen Trugdolden gruppiert sind. Die extrem reduzierte Blütenhülle besteht aus 4-5(-9) zu einer kleinen Glocke verwachsenen rotvioletten Zipfeln mit bewimpertem Rand. Ebenso rotviolett sind die 4-5 Staubbeutel, die die Blütenhülle an langen Staubfäden deutlich überragen. Sie umgeben einen zweiblättrigen Fruchtknoten mit zwei rosa Narben, der nach der Bestäubung eine etwa zwei Zentimeter lange, rundum dünn häutig geflügelte und breit-eiförmige Nuss bildet. In ihrem Inneren befindet sich ein einzelner Samen. Reif und trocken werden die Früchte im Mai und Juni, gerade dann, wenn sich das spät gebildete Laub zu entfalten beginnt.

Berg-Ulme im Garten

Standort

Die Berg-Ulme gedeiht am besten auf einem tiefgründigen, nährstoff- und basenreichen, locker-humosen und feuchten, basischen bis mäßig sauren Lehm- oder Tonboden, der auch steinig sein darf. Hohe Luftfeuchtigkeit weiß sie zu schätzen, und sie steht auch gerne etwas dunkler – sie ist schattentolerant, Halbschatten ist optimal, aber selbst Sonne verträgt sie. Als heimischer Baum ist sie vollkommen winterhart.

Schnitt

Schneiden sollte man bei der Berg-Ulme nach Möglichkeit überhaupt nicht, denn dann wachsen die Kronen am schönsten. Abgestorbenes Holz kannst Du natürlich jederzeit beseitigen. Falls Du dem Baum trotzdem einen Formschnitt verpassen möchtest, achte auf gute Desinfektion der Werkzeuge und der dadurch zugefügten Wunden, damit sich keine Pilze ansiedeln – besonders gefährlich ist das im Anschluss noch zu besprechende Ulmensterben.

Vermehrung

Mit den hübschen Flügelnüssen der Berg-Ulme ist eine Aussaat möglich. Du kannst sie sofort nach der Samenreife im Sommer in Töpfen oder im Garten an Ort und Stelle pflanzen und schauen, wie sich der Keimling entwickelt. Das dauert allerdings eine Weile – mit einem kleinen Bäumchen aus Baumschule oder Gartenfachmarkt fährst Du eindeutig schneller. Stecklinge vom grünen Holz sind nur bei der Wildart möglich; die Sorten sind allesamt gepfropft, und ihre Eigenschaften bleiben nur mit Veredelung erhalten.

Verwendung

Die Berg-Ulme findet man angepflanzt vor allem in Parks, Alleen und Grünanlagen. Im heimischen Garten gibt sie, sofern der nur genug Platz bietet, einen prachtvollen Solitär mit schöner runder Krone ab. Verbreiteter sind hier aber eher die Sorten, die meist deutlich kleiner bleiben. Laubenulme und Hängeulme sind beliebte Pflanzen für geschützte Sitzplätze. Gegen Ende des Jahres wandelt sich das Laub mit einer gelben Herbstfärbung.

Für das Stadtklima sind Ulmen nur bedingt geeignet, denn sie reagieren recht empfindlich auf Rauchgase. Unzuträgliche Standortbedingungen machen sie noch anfälliger für das Ulmensterben:

Schädlinge

Aktuell gelten die an sich eigentlich harmlosen Ulmensplintkäfer (Scolytus spec.) als schlimmste Feinde der Berg-Ulme. Die Borkenkäfer selbst fressen an kleinen Zweigen und legen ihre Eier in die Rinde, wo sich die Larven am Splintholz gütlich tun. Der Haken: Dabei übertragen sie die Sporen des in den 1960er Jahren aus Nordamerika eingeschleppten Schlauchpilzes Ophiostoma novo-ulmi, der als „Re-Import“ noch wesentlich aggressiver wächst als der ursprünglich in Asien beheimatete Ophiostoma ulmi, der bereits um 1910 mit Verpackungsmaterial eingeschleppt sein Unwesen in den europäischen Ulmenbeständen trieb. Seinerzeit galten die Alleebäume des Kurfürstendamms als prominentestes Opfer der ersten Welle.

Ophiostoma bildet nicht nur giftige Toxine, seine Hyphen verstopfen die Leitungsbahnen des Baumes, sodass dieser letztlich verdurstet und verhungert. Das durch den Welkepilz hervorgerufene Ulmensterben äußert sich zunächst mit meist einseitig am Baum vergilbenden und vertrocknenden Blättern, verstärktem Auftreten von Wasserreisern und letztlich Tod der Pflanze. In Nordamerika hat Ophiostoma die heimischen Bestände von Felsulme und Weißulme so gut wie vollständig ausgelöscht.

Bekämpfen lässt sich das Ulmensterben nur durch konsequente Beseitigung der Ulmensplintkäfer und Rodung befallener Bäume. Natürliche Widersacher der Käfer sind Erzwespen und Raubwanzen, des Pilzes das Bakterium Pseudomonas syringae, aber entsprechende Versuche zur biologischen Schädlingsbekämpfung stehen erst am Anfang. Ähnliches gilt für die Züchtung resistenter Ulmenarten. Für viele der heimischen Berg-Ulmen kommen all diese Bemühungen zu spät, denn bei ihnen sind die Auswirkungen des Ulmensterbens besonders fatal.

Unabhängig vom Ulmen-GAU sei erwähnt, dass sich auch jede Menge Aphiden für den süßen Baumsaft interessieren, allen voran Blattläuse, Blutläuse und Schildläuse. Auch sie können Krankheiten übertragen, gelten aber längst nicht so dramatisch wie das Ulmensterben und der Ulmensplintkäfer. Dagegen sind Zwergzikaden und Gallen hervorrufende Gallmücken geradezu harmlos.

Ökologie

In den wegen ihrer hohen Ansprüche an den Boden in Mitteleuropa selten gewordenen Berg-Ahorn-Eschen- und Linden-Eschen-Wäldern tritt die Berg-Ulme zusammen mit Berg-Ahorn, Rotbuche, Esche, Sommer-Linde und Winter-Linde, Traubenholunder und Gemeiner Schneeball auf. Nicht allein das beherrschende Baumgehölz ist artenreich, gleiches gilt auch für das Unterholz und die Krautschicht am Boden. Kein Wunder, dass der Artenreichtum sich auch auf die hier angesiedelte Tierwelt erstreckt.

Honigbienen lieben den Pollen der Berg-Ulme, zumal die lange vor dem Laub erscheinenden Blüten bereits im März und April reichlich Nahrung liefern. So liefern sie frühzeitig im Jahr reichlich Nahrung, aus der die Bienen die notwendigen Eiweiße und Fette beziehen – Nektar für Honig besteht fast ausschließlich aus Kohlenhydraten und reicht nicht als Alleinfutter. Nicht minder beliebt sind die freiliegenden Staubbeutel bei vielen anderen Insekten wie Schwebfliegen oder Käfern.

Dass die Blätter der Berg-Ulme sich erst Ende Mai öffnen ist für die Bäume kein Nachteil im Wettbewerb: Ihre jungen grünen Früchte erscheinen in so großer Zahl, dass sie noch lange vor dem Laub um die Photosynthese kümmern können. Dementsprechend beginnen sie erst zu reifen und zu trocknen, wenn das Blattgrün die weitere Versorgung übernimmt.

Als Raupenfutter teilen sich drei Tagfalter und drei Nachtfalter die Berg-Ulme. Am bekanntesten sind der tagaktive Große Fuchs (Nymphalis polychloros) und der C-Falter (Polygonia c-album), wohingegen der vorwiegend braun gefärbte, mit kleinen weißen Bändern und wenigen schwarzroten Augen gezierte Ulmen-Zipfelfalter (Satyrium w-album) deutlich weniger auffällt. Bei den Nachtfaltern kommen Ulmen-Fleckenspanner (Abraxas sylvata), Großer Eichenspanner (Hypomecis roboraria) und Weißspanner (Caberia pusaria) hinzu.

Bei der Verbreitung der geflügelten Nüsschen hilft der Wind.

Wissenswertes

Ulmen bewohnen vor allem die nördliche Hemisphäre; dabei handelt es sich ausnahmslos um Bäume mit unscheinbaren kleinen zwittrigen Blüten, asymmetrischen Blättern und geflügelten Nüssen. Von den fünf in Europa heimischen Arten finden sich drei in Mitteleuropa, nämlich neben der Berg-Ulme die Feld-Ulme (Ulmus minor) und die Flatter-Ulme (Ulmus laevis). Letztere beiden wachsen bevorzugt in feuchten Auwäldern, Erlenbrüchen und Weidengebüschen, wohingegen die Berg-Ulme wie der Name bereits verrät die höheren Lagen bevorzugt.

Um auf das Ulmensterben aufmerksam machen wurde die Berg-Ulme zum Baum des Jahres 1992 gewählt.

Die meisten Sorten von Ulmus glabra sind wesentlich kleiner als die Wildart. Für den Garten beliebt sind insbesondere die zierlicheren mit hängenden Zweigen, etwa die Hängeulme oder Laubenulme Ulmus glabra ‚Pendula‘ mit 10-15 Metern, horizontalen überhängenden Ästen und einer breiten schirmförmigen Krone oder Ulmus glabra ‚Camperdownii‘ mit 3-5 Metern und hängenden Trieben.

Fotos

Gesamte Pflanze Berg-Ulme
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Blatt Berg-Ulme
Quelle: Willow, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blüte Berg-Ulme
Quelle: Gmihail at Serbian Wikipedia, CC BY-SA 3.0 RS, via Wikimedia Commons
Rinde Berg-Ulme
Quelle: T.Voekler, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Sorten Berg-Ulme

Sorte Höhe Breite
Berg-Ulme (Wildform) 25 - 35 m 12 - 20 m
Laubenulme 'Pendula' 5 - 7 m

Häufige Fragen

Wie groß wird Berg-Ulme?

Meistens wird die Berg-Ulme 15-25 Meter hoch, seltener erreicht sie bis zu 40 Meter. Besonders alte Exemplare können einen Stammdurchmesser von rund drei Metern erreichen. Das kann aber eine Weile dauern: Sie haben dann um die 400 Jahre auf dem Buckel.

Ist die Berg-Ulme ein Tiefwurzler?

Ja, sie braucht recht viel Platz nach unten. In jungen Jahren bildet sie bereits eine weitreichende Pfahlwurzel, aus der sich ein Herzwurzelsystem mit Senkerwurzeln entwickelt. Noch nie gehört? Das bedeutet, dass sich zunächst starke horizontale Wurzeln entwickeln, die danach senkrecht in den Boden hineinwachsende Verästelungen produzieren.

Was macht man mit Ulmenholz?

Das Holz der Berg-Ulme ist elastisch und zäh und zeigt eine hübsche bunte Maserung. Daher ist es für Möbel, Furniere, Parkett und Deckenpaneele besonders beliebt. Im Handel läuft es meist unter der alten Bezeichnung Rüster.

Wofür ist Berg-Ulme gut?

Im 18. Jahrhundert galt die Rinde der Berg-Ulme vor allem in Frankreich, aber auch im Rest Europas als rechtes Allheilmittel, das man zu Pulvern, Extrakten, Elixieren und Bädern gegen alle möglichen und unmöglichen Krankheiten einsetzte. Heute ist das vermeintliche Wundermittel vollkommen aus der Mode gekommen.

Ökologischer Wert

Berg-Ulme in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Schmetterlingsarten:
6
Pollenwert:
3
Dient als Futterplanze für Raupen:
6

Themen

Pflanzen für Tiere
Quelle: Photo by Peter Monsberger from Pexels
Pflanzen für Tiere