Was ist Acker-Ringelblume?
Acker-Ringelblume (Calendula arvensis) findet man bei uns wild selten, dann aber gesellig in sonnigen Unkrautfluren, vor allen in Weinbergen und sandigen oder lehmigen Äckern, Hackkulturen und Brachflächen. Es handelt sich dabei um einen einjährigen krautigen Vertreter aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), der ursprünglich am Mittelmeer beheimatet ist und sich mit dem Ackerbau weit verbreitet hat.
Die Pflanzen werden 10-20 Zentimeter hoch und entspringen einer schlanken Hauptwurzel. Die niederliegenden oder aufsteigenden behaarten Stängel sind vor allem im oberen Bereich verzweigt und bis zu den endständigen Blüten reich beblättert. Unten sind die Blätter spatelförmig und kurz gestielt mit ganzem oder unregelmäßig gezähntem Rand, weiter oben lanzettlich mit stängelumfassendem herzförmigem Grund.
Die einzeln stehenden intensiv duftenden Blütenkörbchen werden 1-2 Zentimeter breit. Außen sind sie glockig, mit grünen, an der Spitze rötlich überlaufenen und weiß hautrandigen Hüllblättern. Die Krone ist hellgelb, mit kleinen Röhrenblüten in der Mitte und mehrern Dutzend, manchmal bis zu 100 großen, außen gezähnten Zungenblüten, die mit etwa einem Zentimeter doppelt so lang werden wie die Hüllblätter.
Als Früchte produziert die Acker-Ringelblume in hängenden Körbchen bis zu 15 Millimeter große hellbraune Achänen; die äußeren sind linealisch, ungeflügelt und enden mit einem zweischneidigen Schnabel, die mittleren sind halbmondförmig und die äußeren ringförmig nach innen eingerollt. Ein Pappus wird nicht gebildet.
Acker-Ringelblume im Garten
Standort
Die Acker-Ringelblume gedeiht am besten auf einem mäßig trockenen, nährstoff- und basenreichen, wenig humosen und neutralen bis milden lockeren Lehmboden. Sie braucht viel Licht und Wärme und verträgt keinen Schatten. Im Sommer muss man die Pflanzen regelmäßig gießen.
Schnitt
Ein Schnitt ist nur notwendig, wenn man abgeblühte Teilen entfernen will oder die Samen für das nächste Jahr ernten möchte.
Vermehrung
Eine Vermehrung mit Samen gelingt leicht; man bringt sie im Frühjahr an Ort und Stelle im Garten aus.
Verwendung
Die Acker-Ringelblume kommt vor allem in kleinen Gruppen gut zur Geltung, beispielsweise in Blumenbeeten, Bauerngarten und Steingarten oder als Dachbegrünung. Im Naturgarten ist sie eine unkomplizierte Pflanze.
Schädlinge
Schnecken finden Gefallen an der Acker-Ringelblume und fressen schnell ganze Bestände weg. Blattläuse sind häufige Gäste, schaden aber kaum. Rostflecken und andere Pilzerkrankungen wird man bei der robusten Pflanze nur selten finden.
Ökologie

Quelle: Esin Deniz/shutterstock.com
Die Acker-Ringelblume kann sich selbst bestäuben, nimmt aber gerne die Hilfe von Insekten in Anspruch. Sie gilt als ausgezeichnete Bienenweide und wird auch gerne von Hummeln und Wildbienen besucht. Die Verbreitung der typischen Samen erfolgt mit dem Wind oder als Kletten, die in Kleidung und Fell von Tieren hängenbleiben.
Wissenswertes
Die Acker-Ringelblume kam mit dem aufkommenden Ackerbau aus der Mittelmeerregion nach Mitteleuropa. Sie ist wie ihre große Verwandte, die Garten-Ringelblume Calendula officinalis eine alte Heilpflanze und wird von der Natur- und Volksheilkunde ähnlich wie diese genutzt. Sie wirkt krampflösend, harntreibend, entzündungshemmend und wird vor allem zur Wundheilung eingesetzt. In den Klostergärten ist sie seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesen. Hildegard von Bingen empfahl sie bei Vergiftungen, und in den Kräuterbüchern des Mittelalters wird sie ähnlich ausführlich behandelt wie die offizinelle Ringelblume.
Den Bauern dienten die sich bei aufziehendem Regen schließenden Blüten als Wetterpropheten. Der alte Kulturfolger war früher wesentlich weiter verbreitet als heutzutage, wo ihr die moderne Landwirtschaft zu schaffen macht. Sie gilt inzwischen als gefährdete Art und gilt vielerorts als vom Aussterben bedroht, sodass man sie nicht pflücken darf. Die Exemplare aus dem heimischen Garten kann man bedenkenlos essen – Blüten und Blätter lassen sich roh oder gekocht genießen.
Was sind einjährige Pflanzen?
Einjährige Pflanzen keimen, wachsen und blühen innerhalb eines Jahres. Durch Versamen können sie sich erhalten und wieder am selben Standort erscheinen. Manche „wandern“ so durch den Garten und erfreuen uns an immer neuen Standorten.
Markus Wichert
Naturgärtner