Rispen-Steinbrech (Saxifraga paniculata)
Quelle: Robert Flogaus-Faust, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Wichtige Insekten-pflanze

Rispen-SteinbrechTrauben-Steinbrech, Immergrüner Steinbrech

Saxifraga paniculata

Das Wichtigste auf einen Blick

heimische Wildform Staude winterhart Wichtige Raupenfutterpflanze essbar lange Blühzeit
  • Heimische Staude mit nur 30 Zentimetern Höhe
  • Pflegeleicht, robust und winterhart
  • Bildet halbkugelige Blattrosetten
  • Aufrechte Blütenstängel mit Rispen aus kleinen weißen Büten
  • Bienen- und insektenfreundlich
  • Vermehrung mit Ausläufern
  • Braucht einen durchlässigen, eher trockenen Boden mit viel Sonne
  • Für Steingarten, Blumenbeete und Staudenrabatten
  • Hauptsächlich von Fliegen bestäubt
  • Verträgt im Winter keine übermäßige Nässe
🏡 Standort
Licht: Sonne
Boden: durchlässig bis normal
Wasser: frisch bis trocken
Nährstoffe: normaler Boden
Kübel/Balkon geeignet: ja

Thematisch passende Pflanzen:

🌱 Wuchs
Pflanzenart: Staude
Wuchs: aufrechte Blütenstängel, rosettenartig
Wuchs Konkurrenz: schwach
Höhe: 10 - 30 cm
Breite: 10 - 20 cm
frostverträglich: bis -45,5 °C (bis Klimazone 2)
Wurzelsystem: Flachwurzler
🌼 Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
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Blütenform: rispenförmig

Thematisch passende Pflanzen:

🍃 Laub
Blattfarbe: grau-grün
Blattphase: wintergrün
Blattform: eiförmig
🐝 Ökologie
Bestandssituation (Rote Liste): selten
Gefährdung (Rote Liste): ungefährdet
Wildbienen: 3 (Nektar und/oder Pollen, davon keine spezialisiert)
Raupen: 3 (davon 1 spezialisiert)

Thematisch passende Pflanzen:

🌐 Regionale Verbreitung der Art

Bitte beachte, dass die angezeigte Verbreitung auf der Karte lediglich als grobe Orientierungshilfe dienen soll. Für eine detailliertere Darstellung und mehr Informationen zur Verbreitung besuche doch gern floraweb.de.

Verbreitung:
häufig
mittel
gering
Höhenlage: montan (500m-600m1 / 800m-1200m)2
bis
alpin (>1000m1 / 2000m-3000m)2

1 Mittelgebirge / 2 Alpen⁠

ℹ️ Sonstiges
ist essbar Verwendung: Rohkost- und Salatbeigabe
Aussaat:
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Keimer: Lichtkeimer, Kaltkeimer
Pflanzen je ㎡: 15
⤵️ Klassifizierung
Ordnung: Steinbrechartige
Familie: Steinbrechgewächse
Gattung: Steinbrech
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten
Markus Wichert

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Markus Wichert Naturgärtner

Was ist Rispen-Steinbrech?

Rispen-Steinbrech, Trauben-Steinbrech oder Immergrüner Steinbrech ist eine geradezu unkaputtbare Sukkulente, die in den europäischen Gebirgen wie Alpen und Pyrenäen wild wächst und zirkumpolar auch in Asien, Grönland, Island und Nordamerika auftritt. Die Steinbrechgewächse (Saxifragaceae) besiedeln felsige und steinige Standorte wie Felsfluren und Trockenrasen, wo die Flachwurzler selbst mit dünnen Substratschichten etwas anfangen können. In den Alpen steigt er auf Kalk- und Granitgestein bis über 3400 Meter Höhe auf.

Die ausdauernden krautigen Pflanzen erreichen mit ihren Blütenstielen nur eine Höhe von maximal 30 Zentimeter; wesentlich kleiner bleiben die beherrschenden, bis zu sechs Zentimeter großen, sehr dichten Blattrosetten, die sich eng an den Boden anschmiegen und über dünne Ausläufer reichlich Tochterrosetten bilden. Die fleischigen breit-eiförmigen Blätter sind immergrün und weisen an ihren fein gezähnten Rändern häufig Kalkausscheidungen auf; wesentlich kleinere Blättchen finden sich auch an den Stielen der Blütenstände, die aus der Mitte der Rosetten hervorgehen.

In der Sonne sind die Rosetten und Blütenstände oft rot verfärbt.

An den Enden der Blütenstängel erscheinen wenigblütig traubige bis rispenförmig verzweigte Blütenstände aus weißen bis gelblichen Blüten. Sie werden 8-15 Millimeter breit und zwittrig; aus ihnen entwickeln sich nach Bestäubung kugelige Kapseln mit winzigen dunkelbraunen warzigen Samen.

Rispen-Steinbrech im Garten

Standort

Der Rispen-Steinbrecht steht am liebsten in der Sonne oder im Halbschatten, der ihm deutlich lieber ist als ganztägig pralle Sonneneinstrahlung; im Schatten geriert er zu einem Trauerspiel, das weder wächst noch blüht. Der möglichst auch kalkhaltige Boden darf ruhig knapp sein, er findet auch in dünnen Substratschichten noch ausreichend Halt für seine Rosetten. Ein wenig Feuchtigkeit sagt ihm zu, aber selbst monatelange trockene Phasen im Sommer übersteht die Sukkulente völlig problemlos. Nur mit stehender Nässe lässt er sich zuverlässig ins Grab bringen. Im Winter verträgt er einiges: Bis zu -45 °C nimmt er klaglos hin.

Bei frostigen Temperaturen überdauert der Rispen-Steinbrech nicht nur, er kann sogar unter widrigsten Wetterbedingungen noch Photosynthese betreiben. Spezielle „Gefrierschutzmittel“ in den Blättern machen das möglich.

Schnitt

ist beim Rispen-Steinbrech üblicherweise nicht erforderlich; bestenfalls kannst Du aus ästhetischen Gründen die abgeblühten Teile entfernen, wenn sie Dir nicht schnell genug von selbst verrotten.

Vermehrung

Die Vermehrung in Eigenregie läuft über Ausläufer, die rundum um die Rosetten an dünnen Stielen heranwachsen und neue Lebensräume zu erobern versuchen. Demgegenüber ist die Vermehrung durch Aussaat eine langwierige Angelegenheit. Die Samen sind Lichtkeimer und Kaltkeimer, sie brauchen erst einmal einen Winter zum Keimen und sollten nicht zu tief eingegraben werden.

Verwendung

Mit seiner Vorliebe für sonnige, trockene und eher nährstoffarme Böden qualifiziert sich der Rispen-Steinbrech für den Steingarten und trockene Staudenrabatten oder Blumenbeete. Zudem lässt er sich in Töpfen, Kübeln und Schalen auf Balkon und Terrasse bringen, und auch als Dachbegrünung lässt er sich einsetzen.

Bei Haltung in Pflanzgefäßen musst Du im Winter auf geschützten Stand achten; wenn es reichlich regnet oder schneit und das Wurzelwerk zu einem Eisklumpen gefriert ist das dem Wachstum zumindest nicht zuträglich, auch wenn der Rispen-Steinbrech sonst einiges an Kälte verträgt.

Schädlinge

In der Literatur findet man endoparasitierende Pilze wie der Rostpilz Puccinia pazschkei und wuchernde Gallen bildende Arcticomyces warmingii, und zudem fressen die Raupen einer Minierfliege (Phytomyza spec.) in den Blättern. Sie stellen aber üblicherweise für die äußerst widerstandsfähigen Pflanzen nicht wirklich ein Problem dar.

Schädlinge und Krankheiten sind selten das Problem. Die meisten Probleme im Garten hat der Rispen-Steinbrech mit zu gut gemeinten Düngegaben oder zu viel Feuchtigkeit, besonders im Winter.

Ökologie

  • Die kleinen Blüten tragen auf den Kronblättern gelbe Flecken, die als Saftmale Bestäuber anlocken sollen.
  • Die kommen auch reichlich; man schätzt, dass sich hier um die 90 Arten von Insekten einfinden, vor allem Fliegen, die als Hauptbestäuber agieren.
  • Wegen der außerordentlich knappen Vegetationsperiode in den Hochgebirgen weiß er sich aber auch mit Selbstbestäubung

Wie das Gürteltier: Wenn ihm etwas nicht passt, etwa zu viel Sonne oder Trockenheit, schließt der Rispen-Steinbrech kurzerhand seine Rosetten zu kleinen Kugeln und wartet auf bessere Zeiten.

Wissenswertes

  • Die Blätter kann man essen, etwa in Salat, Pesto oder Smoothie oder zu Rohkost verarbeitet.
  • Wer hinter dem Namen Steinbrech rohe Gewalt beim Pulverisieren von Felsen vermutet liegt völlig falsch: Die Bezeichnung deutet auf seine alte Verwendung als Heilpflanze hin, denn Saxifraga paniculata soll bei Nieren- und Blasensteinen helfen.
  • Einige Sorten haben den Award of Garden Merit der Royal Horticultural Society gewonnen, darunter ‚Lavagreana‘, ‚Rosa‘ und ‚Venedig‘.

Verwechslungsgefahr besteht mit dem ganz ähnlichen Saxifraga tricuspidata, der aus Nordamerika und Grönland kommend ebenfalls bisweilen im Gartenhandel angeboten wird; bei dem fehlen allerdings die häufigen Kalkausscheidungen an den Rändern der Blätter, die hier zudem wesentlich schmäler ausfallen und einen glatten Rand aufweisen.

Was sind mehrjährige Stauden?
Markus Wichert

Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.

Markus Wichert Naturgärtner
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Fotos (3)

Gesamte Pflanze Rispen-Steinbrech
Rispen-Steinbrech: Gesamte Pflanze
Gesamte Pflanze Rispen-Steinbrech
Quelle: Robert Flogaus-Faust, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Blüte Rispen-Steinbrech
Quelle: Klaus Selle MA, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sortentabelle

Saxifraga paniculata
Quelle:Shulevskyy Volodymyr/shutterstock.com
Saxifraga paniculataRispen-Steinbrech
PflanzeWuchsStandortBlüteKaufen
Rispen-SteinbrechSaxifraga paniculataimmergrüne, fleischige Blätter

aufrechte Blütenstängel, rosettenartig
10 - 30 cm
10 - 20 cm


Kübel geeignet

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Rispen-Steinbrech 'Lutea'Saxifraga paniculata 'Lutea'wintergrün

rosettenartig, aufrechte Blütenstängel
20 - 30 cm
10 - 20 cm


Kübel geeignet

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Trauben SteinbrechSaxifraga paniculata subsp. brevifoliapolsterartiger Wuchs

polsterartig, dicht
3 - 20 cm
25 - 30 cm

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ab 5,50 €
Zwerg-Rosetten-SteinbrechSaxifraga paniculata var. minorkleiner Wuchs

klein, rosettenartig
5 - 10 cm
10 - 20 cm

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Häufige Fragen

Wert für Insekten und Vögel

Rispen-Steinbrech ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen und Schmetterlingsraupen

spezialisierte Wildbienen:
keine
Wildbienen ingesamt:
0
Nektar und/oder Pollen
Raupen spezialisiert:
0
Raupenarten:
0

Wildbienenarten

Schmetterlingsarten

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Am Inhalt mitgewirkt haben:
Dr. rer. medic. Harald Stephan
Dr. rer. medic. Harald Stephan Diplom-Biologe
Markus Wichert
Markus Wichert Naturgärtner
Thomas Puhlmann
Thomas Puhlmann Balkongärtner
Sebastian Hadj Ahmed
Sebastian Hadj Ahmed Balkongärtner
Stand:
11.09.2023