https://www.naturadb.de/pflanzen/mespilus-germanica/
Licht: | Sonne bis Halbschatten |
Boden: | durchlässig bis lehmig |
Wasser: | trocken |
Nährstoffe: | nährstoffreicher Boden |
PH-Wert: | basisch / kalk |
Kübel/Balkon geeignet: | ja |
Pflanzenart: | Gehölz |
Wuchs: | abgeflacht kugelförmig, bizarr, dichte Krone, malerisch wachsend |
Höhe: | 1,5 - 5 m |
Breite: | 2 - 4 m |
Zuwachs: | 20 - 40 cm/Jahr |
schnittverträglich: | ja |
frostverträglich: | bis -23 °C (bis Klimazone 6) |
Wurzelsystem: | Tiefwurzler |
Blütenfarbe: | weiß |
Blühzeit: | |
Blütenform: | schalenförmig |
Selbstbefruchter: | ja |
Fruchtreife: | |
Fruchtfarbe: | goldbraun |
Fruchtgröße: | rund, filzig |
Fruchtaroma: | aromatisch, erinnert an eine Mischung aus Feige und Birne |
Blattfarbe: | dunkel-grün |
Blattphase: | sommergrün |
Blattform: | länglich bis verkehrt eiförmig |
Bestandssituation (Rote Liste): | selten |
Gefährdung (Rote Liste): | Vorwarnliste |
Wildbienen: | 41 (Nektar und/oder Pollen, davon keine spezialisiert) |
Raupen: | 1 (davon keine spezialisiert) |
Schwebfliegen: | 1 |
Käfer: | 1 |
Vogelschutzgehölz & Vogelnährgehölz: | ja |
floraweb.de.
Höhenlage: |
1 Mittelgebirge / 2 Alpen |
ist essbar |
Früchte Verwendung: Spirituosen, Mus, Tee, Gelee |
Pflanzen je ㎡: | 1 |
Jahreszeitlich Aspekte: | Herbstfärbung |
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Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!
Echte Mispel (Mespilus germanica) ist inzwischen recht selten geworden; früher wurde sie häufig als Obstgesträuch angebaut, und inzwischen finden sich nur noch Restbestände einer vormals wesentlich weiteren Verbreitung. Sie wächst wild oder halbwild in Büschen und Hecken, an Böschungen und an Wegen sowie in bodensauren Laubwäldern. Man findet den Vertreter aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) in Süd- und Südosteuropa über das nördliche Kleinasien bis nach Persien und an den Kaukasus.
Die Echte Mispel ist ein dorniger, bis zu fünf Meter hoher und mäßig verzweigter sommergrüner Strauch mit einer rundlichen Krone. Junge Triebe sind zunächst olivgrün und locker filzig behaart, sie verkahlen erst im Folgejahr. Die Rinde bleibt relativ lange glatt, bis sie sich graubraun verfärbt und an älteren Exemplaren borkig aufzubrechen beginnt. Die Winterknospen sind klein und mit am Rand bewimperten Schuppen bedeckt. Oft finden sich Johannistriebe, ein zweiter Laubaustrieb im Sommer nach dem Johannistag; diese zeichnen sich durch frischgrüne Blätter aus, die sich von den älteren und dunkler gefärbten deutlich unterscheiden.
Die Laubblätter stehen wechselständig; sie sind 1-2 Millimeter lang gestielt, mit einer 6-12 Zentimeter langen länglich-lanzettlichen zugespitzten Blattspreite und herzförmigem Grund. Die Oberseite ist dunkelgrün glänzend und verkahlt, wohingegen die Unterseite behaart bleibt und eine graugrüne Färbung aufweist. Der Rand ist ganz oder fein gesägt. Am Blattgrund stehen laubartige, lanzettliche und bis zu 15 Millimeter lange Nebenblätter.
Die beeindruckenden weißen Blüten erscheinen einzeln an den Enden der Kurztriebe; sie erreichen einen Durchmesser von 3-4 Zentimetern und weisen an ihrem Grund ein charakteristisches lang geschwänztes Hochblatt auf. Sie sind fünfzählig, zwittrig und radiärsymmetrisch, mit doppelter Blütenhülle. Dabei sind die linealisch-lanzettlichen Kelchblätter mit gut 15 Millimetern länger als die Krone und überdauern diese, sodass sie später noch an den Früchten erhalten bleiben. Die Kronblätter sind rundlich geformt und stehen ausgebreitet und frei. Im Inneren finden sich 30-40 Staubblätter mit roten Staubbeuteln und fünf vollständig mit dem Blütenbecher verwachsene Fruchtblätter. Bei der Reifung der Frucht schwillt der Blütenbecher an und bildet eine fleischige Hülle um die steinharten einsamigen Nüsschen. Dieser kugelige bis leicht birnenförmige oder abgeflachte Nussapfel wird 2-3 Zentimeter lang. Er ist braun bis orange gefärbt und hat eine raue feinwarzige und haarige Oberfläche. Im Inneren finden sich eiförmige braune Steinkerne, in denen die kantigen, bis sechs Millimeter langen Samen sitzen.
Die Echte Mispel ist recht anspruchslos; am wohlsten fühlt sie sich auf einem mäßig trockenen und basenreichen, in der Natur häufig auch kalkarmen lockeren und tiefgründigen Lehmboden. Steinig darf er ruhig sein, nur möglichst tiefgründig, damit die weitreichenden flachen Wurzeln ausreichend Halt finden. Sie hat es gerne mollig warm und braucht reichlich Licht und Sonne. Die Sträucher sind recht langlebig und können 30-50, mitunter sogar bis zu hundert Jahren alt werden; sie sind vollkommen winterhart.
Die Pflege beschränkt sich auf das Beseitigen zu dicht stehender, sich überkreuzender und alter abgestorbener Zweige. Ein regelmäßiger Rückschnitt ist nicht erforderlich. Will man die Mispeln ernten, so sollte man den ersten Frost abwarten. Oder man pflückt sie früher und legt sie zumindest über Nacht ins Tiefkühlfach. Ansonsten sind sie steinhart und bitter und praktisch ungenießbar. Reif sind sie, wenn sie sich braun verfärben und weich werden; mit ersten braunen Flecken schmecken sie optimal.
Eine Vermehrung erfolgt praktisch ausschließlich mit Samen. Diese bleiben bis zu knapp zwei Jahren keimfähig. Die meisten im Handel erhältlichen Mispeln sind veredelt, also auf eine besonders wüchsige Unterlage gepfropft, meistens Weißdorn, Birne oder Eberesche.
Als Obstsorte spielt die Mispel heute kaum noch eine Rolle, sodass man sie im heimischen Garten eher in der Abteilung Bauerngarten als Ziergehölz findet. Dort ist sie mit ihren glänzendgrünen Blättern, auffällig großen weißen Blüten und hübschen Früchten definitiv ein Blickfang. Im Herbst glänzt sie mit ihrer Laubfärbung.
Die Mispel ist extrem robust und hat so gut wie nie mit Krankheiten oder Schädlingen zu kämpfen. Diese spielen eigentlich nur im gewerblichen Anbau eine Rolle und treten im Garten so gut wie nie auf. Anfällig ist sie bestenfalls für Feuerbrand (Erwinia amylovora).
Die großen Blüten der Echten Mispel bilden am Grund der Griffel reichlich Nektar, für den sich viele Insekten, allen voran Honigbienen interessieren. Auch Käfer und Fliegen finden sich hier ein. Trotzdem findet meistens Selbstbestäubung statt. Die Samen werden durch Verdauungsverbreitung freigesetzt, nachdem sie von Vögeln und Kleinsäugern, aber auch Rehen und Wildschweinen gerne gefressen werden.
Echte Mispel oder was für eine Mispel auch immer: Die Gattung Mespilus ist monotypisch und enthält nur diese eine Art. Früher war die Mispel ein beliebtes Obst, das bereits die alten Griechen kannten und das die Römer in ihrem Reich verbreiteten. Bei ihnen hieß der Baum mespilus und die Frucht mespilum – analog zum griechischen mespilon und mespile. Beschrieben wurden sie bereits von Dioskurides, Plinius dem Älteren, Theophrastus und anderen antiken Autoren. „Deutsch“ ist eigentlich ein Irrtum – Deutschland ist nicht die Urheimat des Obststrauches, wie der Vater der systematischen Botanik Carl von Linné seinerzeit annahm. In den Klostergärten des Mittelalters war sie ganz und gäbe, nachdem Karl der Große sie in seiner Landgüterverordnung Capitulare de villis ausdrücklich zum Anbau empfahl.
Zudem nutzte man die Mispel auch medizinisch, vor allem die Früchte. Hildegard von Bingen empfahl die Frucht als „nützlich und gut, denn sie lässt das Fleisch wachsen und reinigt das Blut“. Sie wirken harntreibend und helfen gegen Verdauungsbeschwerden und Halsschmerzen. Die Samen sollte man allerdings meiden – ähnlich wie bei anderen Rosengewächsen enthalten sie cyanogene Glykoside, die im Magen Blausäure bilden, ähnlich wie bittere Mandeln.
Heute ist sie ziemlich in Vergessenheit geraten. Der Grund: Die Früchte sind zwar sehr wohlschmeckend, aber äußerst druckempfindlich und nicht lange haltbar, wenn sie erst einmal reif sind. Mit anderen Worten nichts, was lange Transportwege und unsanfte Behandlung in den Regalen eines Supermarktes unbeschadet überstehen würde. Zudem ist die Zubereitung wegen der Härte und den großen Kernen ziemlich aufwändig. So lange ist es eigentlich noch nicht her, dass die Mispel ähnlich beliebt war wie Apfel und Birne, die ihr heute den Rang abgelaufen haben.
Die Mispeln kann man roh, gebraten oder gekocht genießen und zu Mus, Kompott, Marmelade, Gelee oder Obstwein verarbeiten. Sie enthalten reichlich Pektin und sorgen damit für Festigkeit der Süßspeisen. Wirklich genießbar werden sie allerdings erst nach längerer Lagerung oder nach Frosteinwirkung. Erst danach verschwinden die reichlich enthaltenen Gerbstoffe und die Früchte werden weich und leicht süß; sie schmecken dann vergleichsweise angenehm leicht säuerlich. In der Gerberei wusste man hingegen die Gerbstoffe zu schätzen – mit dem Mus der unreifen Früchte, der Rinde und den Blättern konnte man Leder gerben. Schreiner schätzen das extrem harte und zähe Holz für Drechslerarbeiten. Zudem eignet es sich gut für die Herstellung von Holzkohle, auch wenn das Material bei den eher kleinen und knorrigen Stämmchen eher begrenzt ist.
Die widerborstige Wildart der Echten Mispel ist ein dornenbewehrter Strauch mit recht kleinen Früchten. Meistens wird die Varietät Mespilus germanica ssp. macrocarpa angebaut. Wie der Name bereits andeutet bildet sie bis zu vier Zentimeter große, abgeplattete Früchte mit einer Krone aus 2-3 Zentimeter langen Kelchblättern. Diese Pflanzen wachsen zudem deutlich breiter und erreichen eine Höhe von bis zu sechs Metern; zudem hängen ihre Äste meistens über und sind mehr oder weniger dornenlos.
In Parks und Gärten findet man häufig einen Pfropfbastard der Echten Mispel, bei dem man das Reis auf den nahe verwandten Weißdorn veredelt hat. Diese Pflanzen werden als Crataegomespilus bronveuxii bezeichnet. Auf diese Idee kam man im Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Im Lebensmittelhandel bekommt man bisweilen unter der Bezeichnung Mispel oder Mespile die Früchte der Wollmispel (Eriobotrya japonica). Sie ist in Asien beheimatet und wird inzwischen auch am Mittelmeer häufig angebaut.
Pflanze | Wuchs | Standort | Frucht & Ernte | Kaufen |
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Echte MispelMespilus germanicaWildform | abgeflacht kugelförmig, bizarr, dichte Krone, malerisch wachsend 1,5 - 5 m 2 - 4 m | | aromatisch, erinnert an eine Mischung aus Feige und Birne, rund, filzig, goldbraun September | ab 28,40 € |
Mispel 'Holländische Großfrüchtige'Mespilus germanica 'Holländische Großfrüchtige'große Früchte, süsser, nussiger Geschmack | aufrecht, ausladend 3 - 5 m 3 - 5 m |
| süß, nussig, mittelgroß bis groß, braun Oktober | |
Mispel 'Königliche'Mespilus germanica 'Königliche'mittelgroße Frucht, reichtragend | aufrecht 2 - 6 m 2 - 4 m |
| angenehmer Geschmack, mittelgroß, braun September - Oktober | |
Mispel 'Krim'Mespilus germanica 'Krim'frühreifend, große Früchte | aufrecht 4 - 6 m 2 - 4 m |
| süßsäuerlich, groß, braun September | |
Mispel von MetzMespilus germanica 'Mispel von Metz'mittelgroße Früchte, aromatisch | baumartig, mehrstämmig 4 - 6 m 4 - 6 m |
| aromatisch, mittelgroß, braun Oktober - November | |
Mispel 'Nottingham'Mespilus germanica 'Nottingham'große, apfelförmige Früchte, aromatisch | aufrecht, verzweigt 2 - 6 m 3 - 4 m | | aromatisch, groß, braun November - Dezember | ab 74,60 € |
Mispel 'Royal'Mespilus germanica 'Royal'mittelgroße Früchte, Geschmack süß-säuerlich | aufrecht 1,5 - 4 m 2 - 4 m |
| aromatisch, süß-säuerlich, mittelgroß, braun Oktober - November | |
Ungarische MispelMespilus germanica 'Ungarische'alte verbreitete Sorte | strauchartig, sehr buschig, schwachwüchsig 1 - 3 m 50 - 120 cm |
| aromatisch, mittelgroß, goldbronze September | |
Mispel 'Westerveld'Mespilus germanica 'Westerveld'mittelgroße Früchte | aufrecht, mehrstämmig 1,5 - 6 m 2 - 3,5 m |
| mäßig süß, mittelgroß, braun | ab 52,30 € |
Am naheliegendsten ist der Kauf in einer Gärtnerei oder einer Baumschule deiner Region.
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Dafür wurden sie früher sogar eigens angebaut. Die Mispel ist ein alter Obststrauch, dem erst in der Neuzeit Äpfel und Birnen den Rang abgelaufen haben. Sie schmecken allerdings erst, nachdem sie einen Frost hinter sich haben und braun verfärben. Oft kommen braune Flecken hinzu, die man gewöhnlich als wenig dekorativ ansieht. Aber erst in diesem Zustand bildet sie Zucker und baut die reichlich vorhandenen Gerbstoffe ab, die die Früchte im unreifen Zustand ungenießbar machen. Zudem werden sie erst jetzt weich, vorher sind sie steinhart. Man muss sie schälen und die harten Steinkerne entfernen. Danach kann man sie roh verzehren, braten oder kochen. Aus ihnen lässt sich Kompott, Marmelade oder Gelee herstellen, zumal sie reichlich Pektin enthalten und so für ausreichende Festigkeit sorgen.
Mispeln sind reich an Pektin, Gerbstoffen und Vitamin C. Pektin ist ein Ballaststoff und füllt den Darm; zusammen mit den adstringierenden Gerbstoffen beseitigen sie Verdauungsprobleme. Die Tannine helfen zudem gegen Entzündungen im Rachenbereich bei Erkältungen, wo auch das Vitamin C wertvolle Dienste leistet. Hinzu kommen Mineralstoffe und Spurenelemente.
Die Mispel war bereits den alten Griechen als Obst bekannt, und die Römer haben sie übernommen und in ihrem Reich verteilt. Heute wächst sie von Süd- und Mitteleuropa bis nach Kleinasien und Kaukasus. Im Bereich von Kleinasien und dem Vorderen Orient dürfte auch ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet liegen. Bei uns wächst sie nur relativ selten wild oder vielmehr ausgewildert, denn sie war in früheren Zeiten ein beliebter Obststrauch, der häufig angebaut wurde. Man findet den markanten dornenbewehrten Strauch mit seinem glänzenden Blättern und großen weißen Blüten in Laubwäldern, Hecken und Gebüschen, Böschungen und Wegrändern.
Echte Mispel ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlingsraupen und Vögel