Patagonisches Eisenkraut,Argentinische Verbene

Verbena bonariensis

Staude
Wildform
Bienenweide
lange Blühzeit
Patagonisches Eisenkraut (Verbena bonariensis) Alle 2 Fotos anzeigen
Quelle: frank wouters, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • In Südamerika beheimatetes Eisenkrautgewächs
  • Bis zu knapp zwei Meter hoch, mehrjährig aber frostempfindlich
  • Meist einjährig gehalten
  • Leicht mit Samen und Stecklingen zu vermehren
  • Lockere Horste mit vierkantigen Stängeln und wenigen lanzettlichen Blättern
  • Endständige Blütenstände mit kleinen Blüten in verschiedenen Violetttönen
  • Bei Insekten wie Bienen, Schmetterlingen und Schwebfliegen beliebt, lange Blütezeit
  • Für Blumen- und Staudenbeete oder als Kübelpflanze für Terrasse und Balkon
  • Pflegeleicht und robust, geringe Bodenansprüche, Schnitt selten notwenig
  • Steht gerne warm und in voller Sonne
Standort
Licht: Sonne
Boden: durchlässig bis normal
Wasser: trocken
Nährstoffe: normaler Boden
Wuchs
Pflanzenart: Staude
Wuchs: versamend
Wuchs Konkurrenz: stark
Höhe: 50 - 180 cm
Breite: 40 - 60 cm
Wurzelsystem: Flachwurzler
Blüte
Blütenfarbe: blau
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Laub
Schneckenunempfindlich Ja
Sonstiges
Pflanzen je ㎡: 7
Klassifizierung
Ordnung: Lippenblütlerartige
Familie: Eisenkrautgewächse
Gattung: Verbenen
Diese Pflanze ist in Mitteleuropa nicht heimisch

Bedenke, die auf heimische Wildpflanzen angewiesenen Tierarten, wie die meisten Wildbienen- und Schmetterlingsarten sowie davon abhängige Vögel, sind von einem dramatischen Artenschwund betroffen. Mit heimischen Arten kannst du etwas zum Erhalt beitragen.

Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Was ist Patagonisches Eisenkraut?

Patagonisches Eisenkraut, Schleier-Eisenkraut, Argentinisches Eisenkraut oder Argentinische Verbene (Verbena bonariensis) gehört zur Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Das bei uns heimische Echte Eisenkraut Verbena officinalis ist ein naher Verwandter, wohingegen diese Art, wie der Name bereits vermuten lässt, aus Südamerika stammt. Es wächst dort verbreitet an Flussufern, in der Pampa und an Ruderalstellen von der Ebene bis in Höhenlagen von über 2.000 Metern.

Es handelt sich dabei um eine ausdauernde krautige Staude, die 50-180 Zentimeter hoch wird und lockere Horste bildet. Die steif aufrechten Stängel sind rau borstig behaart und vierkantig und verzweigen sich erst im in der oberen Hälfte; an der Basis verholzen sie mit der Zeit. Daran stehen in großem Abstand die wechselständigen graugrünen Blätter; sie sind länglich bis linealisch-lanzettlich, 7-13 Zentimeter lang, gespitzt und am Grund stängelumfassend sitzend, runzlig mit gesägtem Rand und einer oberseits dünnen, unterseits dichten Behaarung. In milden Wintern bleiben die Blätter erhalten.

An den Enden der Stängel erscheinen von Juni bis zu den ersten Herbstfrösten die unverkennbaren Doppeldolden. Die Scheinrispen erreichen eine Breite von bis zu fünf Zentimetern und bestehen aus leicht zygomorphen zwittrigen stieltellerförmigen Blüten mit doppelter Blütenhülle. Ihre Kelchblätter sind bis auf kleine Kelchzipfel zu einer Röhre verwachsen und flaumig behaart, und auch die Kronblätter bilden eine Röhre. Diese ist 6-7 Millimeter lang, behaart und wird von fünf kleinen Kronlappen gekrönt. Das Farbspektrum reicht von lavendel- und fliederfarben bis rotviolett, und die Blüten duften angenehm.

Nach der Bestäubung bilden sich Klausenfrüchte, die bei der Reife in vier braune längliche Nüsschen zerfallen.

Patagonisches Eisenkraut im Garten

Standort

Patagonisches Eisenkraut ist wenig anspruchsvoll und verträgt so ziemlich jeden halbwegs brauchbaren Gartenboden, egal ob der eher trocken oder relativ feucht ausfällt. Nur gut durchlässig sollte er sein und der Standort warm und sonnig. Bei Haltung als Kübelpflanze nimmst Du am besten eine lehmhaltige und mäßig nährstoffreiche Topferde, der Du reichlich Sand untermischst. Hier musst Du im Sommer regelmäßig gießen und kannst auch einmal im Monat etwas Dünger verabreichen.

Bei uns hat man das Patagonische Eisenkraut früher meist einjährig gehalten, da die Pflanzen bei Frost absterben; es ist winterhart bis etwa -9 °C. Mittlerweile sind die Winter dank der Klimaerwärmung meistens so mild, dass das Kraut überlebt und wie in seiner Heimat ausdauernd wächst. In frostgefährdeten Gebieten kannst Du auch Dein Glück versuchen und das Eisenkraut mit einer trockenen Mulchschicht vor den ärgsten Minusgraden schützen, vielleicht übersteht es die kalte Jahreszeit.

Schnitt

Wenn du das Patagonische Eisenkraut als einjährige Pflanze hältst hat sich das mit dem Schneiden bereits erledigt. Sofern es einen Winter nach dem anderen überlebt solltest Du es im Frühjahr vor dem großen Austrieb eine Handbreit über dem Boden einkürzen, damit die Büsche nicht irgendwann kahl werden und die Blühfreudigkeit hoch bleibt.

Vermehrung

Das Patagonische Eisenkraut vermehrt sich, egal ob die Triebe den Winter überleben oder nicht, fleißig durch reichliche Selbstaussaat. Selber aussäen kannst Du die geernteten Samen oder welche aus dem Gartenfachhandel im Herbst oder im zeitigen Frühjahr. Sie blühen bereits im ersten Jahr. Teilen lassen sich die Stauden im Frühjahr, und im Spätsommer kannst Du Kopfstecklinge schneiden und bewurzeln.

Verwendung

Dank der langen dünnen Blätter und langen Internodien sehen die Horste mit Patagonischem Eisenkraut sehr luftig und durchsichtig aus. Daher kannst Du sie bei der Gartengestaltung gezielt so einsetzen, dass man die dahinter gelegenen höheren Stauden und Hecken gut sehen kann. Die Argentinische Verbene ist zudem eine gute Insektenweide und für trockene wie auch feuchte Blumenbeete und Staudenbeete oder den naturnahen Garten gut geeignet. Auch als Kübelpflanze macht sie auf Balkon und Terrasse eine gute Figur.

Schädlinge

Nicht nur Insekten wissen das Patagonische Eisenkraut zu schätzen, sondern auch Schnecken. Sie machen sich besonders gerne über Sämlinge und junge Triebe her und hinterlassen im Beet eine Spur der Verwüstung. Zudem ist es wie die meisten Eisenkräuter recht anfällig für Mehltau. Schadinsekten sind weniger häufig - Blattläuse finden sich am frischen Grün recht häufig, und bei trockenem Wetter können auch Thrips und Zwergzikaden zum Problem werden.

Ökologie

Pfeif auf die exotische Herkunft – Patagonisches Eisenkraut erfreut sich auch in unseren Gärten einer großen Anhängerschaft unter den Insekten, die sich von den wohlriechenden und nektarreichen Blüten angezogen fühlen. Dazu gehören Honigbienen wie auch Hummeln, Schmetterlinge und Schwebfliegen, die sich an den kleinen Blütchen zu schaffen machen. Besonders interessant sind die Pflanzen durch ihre lange Blütezeit vom Juni bis in den September und oft auch noch bis in den Oktober hinein bis zu den ersten Herbstfrösten.

Die Verbreitung der Samen erfolgt vor allem durch Tiere (und Menschen), bei denen die Klausen im Fell oder an Pfote und Schuh hängenbleiben.

In tropischen und subtropischen Gebieten macht sich das Patagonische Eisenkraut als invasiver Neophyt unbeliebt. Das gilt für Südeuropa ebenso wie für die südlichen USA, Afrika, Australien, Japan und die Inseln im Pazifik und Atlantik. Hierfür ist vor allem die fleißige Selbstaussaat verantwortlich. In unseren Breiten hält der Frost die Pflanzen bislang klein – wobei in den wärmeren Gebieten bereits sporadische wilde Vorkommen der schönen Südamerikanerin gemeldet wurden.

Wissenswertes

Ein Synonym für Verbena bonariensis ist Verbena patagonica – im Gartenfachhandel ist sie des Öfteren unter diesem Namen geläufig. Der sonderbare Artname bonariensis, den sich Carl von Linné bei der Erstbeschreibung ausgesucht hat, kommt von Buenos Aires – hier wurden die ersten Pflanzen gesammelt und nach Europa gebracht.

Verbena kommt aus dem Lateinischen und heißt heiliger Zweig, da die Triebe zu Kränzen gebunden für rituelle Handlungen verwendet wurden. Insbesondere von den keltischen Druiden – das lateinische Wort leitet sich vom keltischen ferfain ab, wie Vergil und Plinius d.Ä. berichten. Eisenkraut heißt Verbena, weil man das getrocknete Kraut früher zum Schmieden von Eisen einsetzte. Das alles gilt allerdings ursprünglich für die europäischen Eisenkrautarten wie das Echte Eisenkraut Verbena officinalis und nicht für die damals noch unbekannte südamerikanische Art.

Mit seiner Anspruchslosigkeit und den dekorativen und wohlriechenden Blüten hat sich das Patagonische Eisenkraut den renommierten Award of Garden Merit der britischen Royal Agricultural Society ergattert.

Fotos

Gesamte Pflanze Patagonisches Eisenkraut
Quelle: frank wouters, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
 Patagonisches Eisenkraut
Quelle: Rolf Engstrand, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Was sind mehrjährige Stauden?

Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.

Häufige Fragen

Wann Patagonisches Eisenkraut schneiden?

Wenn der Winter kalt war hat sich das mit dem Schneiden ohnehin erledigt, denn das Patagonische Eisenkraut ist nur bis etwa -10 °C winterhart. Ansonsten überlebt es einen warmen Winter auch problemlos und wächst wie in seiner südamerikanischen Heimat als mehrjährige Staude. Dann solltest Du das Kraut eine Handbreit über dem Boden einkürzen, und zwar im Frühjahr, bevor die Pflanzen auszutreiben beginnen.

Ist das Patagonische Eisenkraut mehrjährig?

Ja, aber nur, wenn der Winter nicht zu kalt wird. In seiner südamerikanischen Heimat und den tropischen und subtropischen Gebieten, in denen das Patagonische Eisenkraut mittlerweile als eingebürgert oder sogar als invasiver Neophyt gilt wächst es ausdauernd und bleibt viele Jahre erhalten. Bei uns kann es Temperaturen bis zu -10 °C aushalten – allerdings nur im Freiland, bei Kübelpflanzen ist der Wurzelstock der Kälte zu viel ausgesetzt.

Dem kann man gegebenenfalls abhelfen: Überwintere das Eisenkraut im Kübel einfach im Haus und stell es im Frühjahr wieder ins Freie, und bei Freilandhaltung kannst Du die Wurzeln mit einer trockenen Schicht Mulch vor Frost schützen. Wenn es doch eingeht, kein Problem: Es sät sich reichlich von selber aus oder lässt sich mit geernteten oder gekauften Samen leicht nachziehen. Die Sämlinge wachsen schnell und blühen bereits im ersten Jahr.

Ist Patagonisches Eisenkraut giftig?

Naja, übertreiben sollte man es mit dem Genuss nicht. Zumindest sind keine Vergiftungserscheinungen beim Menschen dokumentiert. Allerdings enthält das Kraut wie alle Verbena-Arten Iridoid-Glykoside, Gerbstoffe und Saponine, die in größerer Menge unzuträglich sein dürften. Das nahe verwandte Echte Eisenkraut Verbena officinalis ist eine alte Heilpflanze, die man als Tee zubereitet als wundheilendes und harntreibendes Mittel einsetzt. Ähnlich sieht es vermutlich mit dem Patagonischen Eisenkraut aus, auch wenn hier medizinische Untersuchungen fehlen und man im Zweifelsfalle lieber auf das einheimische Original zurückgreifen sollte. Unbedingt vermeiden sollte man Eisenkrauttee in der Schwangerschaft, denn er gilt als wehenfördernd.

Ökologischer Wert

Patagonisches Eisenkraut ist nicht heimisch, aber dennoch Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen und Schmetterlinge

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Quelle: Ruth Swan/shutterstock.com
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