Strahlen-Breitsame

Orlaya grandiflora

Einjährige
Wildform
Bienenweide
lange Blühzeit
Strahlen-Breitsame (Orlaya grandiflora) Alle 2 Fotos anzeigen
Quelle: User:Pipi69e, Public domain, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimisches, aber selten wild wachsendes Doldengewächs
  • Früher häufigeres Ackerunkraut
  • Bis zu 70 Zentimeter hohe Blütenstände mit Doppeldolden
  • Charakteristische unverhältnismäßig große Randblüten
  • Feinteilig gefiederte Blätter
  • Blüten von zahlreichen Insekten besucht, gute Bienenweide
  • Verbreitung mit Klettfrüchten
  • Robust und pflegeleicht
  • Braucht einen eher trockenen, kalkhaltigen warmen Standort mit viel Licht
  • Wirtspflanze für parasitierende Orchideen
Wuchs
Pflanzenart: Einjährige
Höhe: 10 - 30 cm
Wurzelsystem: Pfahlwurzler
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Boden: durchlässig
Wasser: trocken
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
PH-Wert: basisch / kalk
Sonstiges
Ordnung: Doldenblütlerartige
Familie: Doldenblütler
Gattung: Strahldolde
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Strahlen-Breitsame?

Strahlen-Breitsame, Großblütiger Breitsame oder Großblumige Ackerklette (Orlaya grandiflora) wächst bei uns nur sehr selten auf sommerwarmen, kalkreichen extensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen wie Getreidefeldern, Weinbergen und Brachen, Trockenrasen und Felsfluren. Es handelt sich dabei um einen aus der Mittelmeerregion stammenden Doldenblütler (Apiaceae), der vermutlich bereits in der Bronzezeit mit Ackerbau und Viehzucht importiert wurde.

Die einjährig wachsenden Pflanzen haben eine bis zu 70 Zentimeter tief reichende spindelförmige und schlank verzweigte braune Wurzel und tragen einen aufrechten, meist reich verzweigten Stängel; dieser ist kahl und gefurcht. Daran stehen wechselständig die frischgrünen feingliedrigen, 2-3-fach gefiederten Laubblätter, die hier anders als bei vielen anderen Verwandten keine Rosette bilden. Im Umriss erscheinen sie dreieckig bis eiförmig. Bodennah sind sie deutlich gestielt, nach oben am Stängel hin werden sie zusehends kleiner und sitzend, mit nur millimeterbreiten linealischen Endzipfeln. Ihre Oberseite ist meistens kahl, die Unterseite bisweilen borstig behaart, der Rand ganzrandig und mit dünnen Wimpern besetzt. Unten ist der Blattgrund mit einer deutlichen Blattscheide versehen, die oft bis zu den ersten Fiederblättern hochreicht. Beim Zerreiben riechen sie ähnlich wie die der Wilden Möhre.

Die weißen, bisweilen zartrosa überlaufenen Blüten erscheinen in charakteristischen Doppeldolden mit 5-12 Strahlen und einem Gesamtdurchmesser von etwa fünf Zentimetern. Meistens trägt ein einzelner Strahlen-Breitsame zwei oder drei, selten bis zu fünf Dolden. Die weißrandigen und deutlich geaderten Hüllblätter sind fast genauso lang wie die Strahlen, die elliptisch-lanzettlichen Hüllchenblätter deutlich länger als die Strählchen. In den Döldchen befinden sich nur 2-4 zwittrige, selten rein weibliche Blüten, der Rest ist männlich. Bei den fünfzähligen radiärsymmetrischen Blüten fallen vor allem die stark vergrößerten Randblüten auf, die mit knapp zwei Zentimetern Länge fast doppelt so lang werden wie die kleineren Innenblüten; diese Kronblätter sind zudem von der Spitze aus bis fast an den Grund tief geteilt. Dagegen sind die Kelchblätter bis auf einen stachligen Rest reduziert. Die Staubbeutel tragen anfangs strahlendweißen, später bräunlich werdenden Pollen und sind wie die Stempel leicht erreichbar.

Als Früchte bildet der Strahlen-Breitsame 6-8 Millimeter lange eiförmige Doppelachänen mit flachen borstigen Hauptrippen und deutlichen Nebenrippen, die dicht mit klettenartig nach oben gekrümmten Stacheln besetzt sind.

Strahlen-Breitsame im Garten

Standort

Der Strahlen-Breitsame liebt einen sommerwarmen und mäßig trockenen, nährstoff- und kalkreichen, aber humusarmen steinigen Tonboden. Wegen seines tiefreichenden Wurzelwerkes sollte dieser tiefgründig sein. Er braucht viel Licht und Wärme. Die Zierpflanzen sind nicht zuletzt deswegen so beliebt, weil sie schnell und zuverlässig wachsen und blühen und niemals invasiv werden.

Schnitt

Ein Schnitt ist beim Strahlen-Breitsamen nur erforderlich, um verwelkte Anteile zu entfernen. Ansonsten kann man beim rechtzeitigen Ernten der Früchte eine Selbstaussaat verhindern. Im Herbst sterben die Pflanzen vollständig ab und verlassen sich auf die frische Saat im Folgejahr. Wo man sie im Garten nicht haben möchte, kann man sie einfach herauszupfen; sie wachsen dann nicht nach.

Vermehrung

Eine Vermehrung des Terophyten ist einzig mit Samen möglich. Man sät sie im Herbst für das nachfolgende Jahr aus, sodass man die Pflanzen zweijährig halten kann; alternativ dazu ist eine Vorkultur im Haus möglich, bei der man die Samen von Februar bis Mai vorzieht. Eine anfängliche Kaltphase mit niedrigen Temperaturen ohne Frost fördert die Keimung.

Verwendung

Mit seinen auffälligen weißen Blüten ist der Strahlen-Breitsame eine viel zu selten beachtete Zierpflanze für trockene kalkhaltige Stellen im Garten wie Steingärten, Mauerkronen und Rabatten. Allein wegen seiner Seltenheit und der Beliebtheit bei Insekten sollte die pflegeleichte und robuste Pflanze wesentlich häufiger Eingang in unsere Gärten finden. Spezielle Förderprogramme in der Landwirtschaft sollen den Anbau in Randstreifen von Äckern und Feldern begünstigen.

Schädlinge

Bisweilen leidet der Strahlen-Breitsamen an Mehltau, vor allem unter ungünstigen Witterungsbedingungen. Weitere Schädlinge sind Blattsaugerfliegen wie Bactericera trigonica, die Milbe Aceria peucedani und die Minierfliege Phytomyza chaerophylli.

Geradezu exotisch muten Parasiten der Gattung Orobanche an; es handelt sich dabei um schmarotzende Orchideen, die man im Deutschen auch als Sommerwurzen bezeichnet. Sie besitzen kein eigenes Blattgrün und entziehen ihren Wirtspflanzen Zucker und Nährstoffe. An Breitsamen findet man nur äußerst selten die beiden Arten Elsässer Sommerwurz Orobanche alsatica und Bitterkraut-Sommerwurz Orobanche picridis.

Ökologie

Bestäubt werden die Blüten des Strahlen-Breitsamen vor allem durch Fliegen, die leicht an den freiliegenden Pollen und Nektar gelangen. Dessen ungeachtet finden sich hier auch zahlreiche andere Insekten wie Bienen, Wespen, Käfer und Wanzen in großer Zahl ein. Sie gelten als gute Bienenweide, und die Honigbienen sammln den reichlich gebildeten Nektar, der in seinem Aroma leicht an Kastanienhonig erinnert. Eine Selbstbestäubung verhindern die Pflanzen, indem die weiblichen oder zwittrigen Blüten vor den männlichen Exemplaren reifen.

An der Pollenration zeigen sich auch Wildbienen interessiert, vor allem die drei Sandbienen Andrena proxima, A. chrysosceles und A. enslinella. Die Verbreitung der Früchte erfolgt ähnlich wie bei Kletten, indem sie im Fell vorüberstreifender Tiere hängenbleiben – daher auch der bezeichnende deutsche Name Ackerklette.

Wissenswertes

Der Strahlen-Breitsame ist ein alter Kulturfolger, der mit dem Ackerbau schon in der Bronze- und Eisenzeit aus seiner Heimat rund ums Mittelmeer nach Deutschland gelangte. Hier ist er seit jeher selten, aber die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft mit Monokulturen, Düngung und Pestiziden haben vielerorts zum Verschwinden des früher ganze Ackerflächen prägenden Doldenblütlers geführt. Seit den 1950er Jahren schrumpfen die Bestände des vormaligen Getreideunkrautes zusehends schneller. Dank schwindender Lebensräume steht er auf der Roten Liste und gilt als vom Aussterben bedroht.

Mit seiner besonderen Vorliebe für tonhaltige Böden gilt der Strahlen-Breitsame als Zeigerpflanze für trockene und basenreiche Tonböden. Den Namen hat man ihm zu Ehren des russisch-ungarischen Arztes und Botanikers Johann Orlay gegeben. Genetischen Studien zufolge ist die Pflanze nahe mit Möhre, Laserkraut und Kreuzkümmel verwandt. Vor allem blühend sind die Pflanzen wegen ihrer auffälligen Randblüten und den klettartigen Früchten leicht von anderen Vertretern ihrer Sippschaft zu unterscheiden.

Fotos

Blüte Strahlen-Breitsame
Quelle: User:Pipi69e, Public domain, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Strahlen-Breitsame
Quelle: User:Pipi69e, Public domain, via Wikimedia Commons
Was sind einjährige Pflanzen?

Einjährige Pflanzen keimen, wachsen und blühen innerhalb eines Jahres. Durch Versamen können sie sich erhalten und wieder am selben Standort erscheinen. Manche „wandern“ so durch den Garten und erfreuen uns an immer neuen Standorten.

Häufige Fragen

Wann sollte die Aussaat von Strahlen-Breitsame erfolgen?

Der Strahlen-Breitsame ist einjährig und muss jedes Jahr neu angepflanzt werden. Bringt man die geernteten Samen im Herbst an Ort und Stelle im Garten aus, so wächst er erst im kommenden Frühjahr aus. Eine kleine Kältephase lässt die Samen leichter keimen – das gilt auch im Haus, wenn man sie vorziehen möchte. Dann sollte man sie zwischen Februar und Mai etwa einen Zentimeter tief in Erde stecken und erstmal kühl halten. Sind sie erst einmal gekeimt, stellt man sie wärmer, und sobald die Eisheiligen vorbei sind pflanzt man sie in den Garten.

Ist Strahlen-Breitsame giftig?

Im Gegensatz zu höchst bedenklichen Verwandten wie Bärenklau und Schierling nicht – vermutlich verwendeten ihn die alten Griechen sogar als Heilpflanze. Plinius d. Ä. berichtet in seiner Historia Naturalis von einer Pflanze namens Καυ?αλ?ς, die vermutlich mit Orlaya grandiflora identisch ist. Demzufolge soll bereits Dioskurides das Kraut als harntreibendes Mittel gegen Blasen- und Nierensteine, magenstärkendes und galleförderndes Mittel und gegen Gonorrhö empfohlen haben. Heute verwendet die Volksmedizin Albaniens den aus den Blättern hergestellten Tee gegen Verstopfungen. Die Inhaltsstoffe der Umbellifere sind nicht wesentlich anders als bei anderen ungiftigen Verwandten; das Kraut enthält flüchtige Alkane, Monoterpene und Sesquiterpene, Caryophyllen und Germacren, die Früchte Flavonoide und Fettsäuren wie Ölsäure und Petroselinsäure.

Ökologischer Wert

Strahlen-Breitsame in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
3

Themen

Pflanzen für Tiere