Rot-Eiche

Quercus rubra

Gehölz
Wildform
Wichtige Schmetterlingspflanze
Vogelschutznährgehölz
Rot-Eiche (Quercus rubra) Alle 5 Fotos anzeigen
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Aus Nordamerika stammende Eichenart
  • Meist bis 30 Meter hoch und 20 Meter breit, aber auch deutlich höher und bis 500 Jahre alt werdend
  • Herzwurzler, braucht einen tiefgründigen und kalkfreien feuchten Boden
  • Typische gekerbte und spitz gelappte Blätter
  • Bunte Herbstfärbung, im Winter lange am Baum bleibend
  • Blüten unscheinbar, kleine Eicheln
  • Schnellwüchsig, robust und pflegeleicht
  • Raupenfutter für fünf Nachtfalter
  • Honigtau-Lieferant für Honigbienen
  • Beliebter Forst- und Zierbaum, als potentiell invasiv angesehen
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 20 - 25 m
Breite: 12 - 18 m
Zuwachs: 40 - 60 cm/Jahr
Wurzelsystem: Flachwurzler
Blüte
Blühzeit:
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Licht
Sonne
Boden
Boden: durchlässig bis normal
Wasser: feucht bis frisch
Nährstoffe: normaler Boden
Sonstiges
Ordnung: Buchenartige
Familie: Buchengewächse
Gattung: Eichen
Rot-Eiche gefährdet die Artenvielfalt in Deutschland

Rot-Eiche ist eine invasive gebietsfremde Art, welche heimische Arten verdrängt und die Biodiversität gefährdet (siehe BfN-Skripten 352).

Pflanze im Zweifelsfall lieber einheimische Gewächse, über die sich auch die Tierwelt in deinem Garten freut.

Was ist Rot-Eiche?

Rot-Eiche, genauer die Amerikanische Rot-Eiche oder Amerikanische Spitz-Eiche (Quercus rubra) ist ein schnellwüchsiger laubabwerfender Baum aus dem Osten Nordamerikas mit einer anfangs glatten, später rissigen graubraunen bis rotbraunen Schuppenborke und einer rundlichen Krone. Die Äste sind kräftig und stehen beinahe rechtwinklig ab. Sie wird bis zu 25 Meter, selten über 30 Meter hoch und etwa 20 Meter breit. Bei uns ist der Vertreter aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae) als Zier- und Forstbaum weit verbreitet.

Anfangs mit einer Pfahlwurzel ausgestattet bildet sich das Wurzelsystem im Alter zu einem Herzwurzler um und braucht einen entsprechend tiefgründigen Boden. Die Winterknospen sind dunkel rotbraun, eiförmig mit einer deutlichen Spitze und etwa sechs Millimeter lang. Wie bei anderen Eichen ist der Laubaustrieb von den Außentemperaturen relativ unabhängig – die ersten Blätter erscheinen, sobald die Tageslänge um die 13 Stunden erreicht hat.

Die gestielten elliptischen, 15-20 Zentimeter langen matt dunkelgrünen Eichenblätter stehen wechselständig in dichten Spiralen an den Zweigen. Sie sind typisch gekerbt und weisen beiderseits 4-6 zugespitzte, von einer breiten Basis allmählich verjüngenden Lappen und deutlich hervortretende Adern auf. Das von der Spitze aus zweite Lappenpaar ist immer am größten. Im Austrieb sind sie zunächst leuchtend gelblich oder rosa, mit einem dichten seidigen Flaum auf der Oberseite und einem dicken weißen Filz auf der Unterseite, später verkahlend und grün, und im Herbst verfärben sie sich in verschiedenen Rot-, Gelb- und Brauntönen.

Rot-Eichen sind einhäusig mit getrenntgeschlechtlichen Blütenständen. Ihre männlichen Kätzchen sind lang zylindrisch und hängen schlaff herunter; die einzeln oder im Doppelpack erscheinenden weiblichen Kätzchen sind kürzer und ebenso unauffällig gelbgrün, da ihre rötlichen und nur etwa zwei Millimeter großen Blüten fast nur aus dem Geschlechtsapparat bestehen und keine auffälligen Blütenblätter besitzen.

Die 2-3 Zentimeter langen, kaum mehr als erbsengroßen braunroten Eicheln der Rot-Eiche stehen einzeln oder zu zweit und sind sitzend oder gestielt. Sie haben eine halbkugelige Form und stecken wie ihre Verwandten mit ihrem Unterteil in einem vergrößerten Fruchtbecher, der hier oft nur den Boden bedeckt. Anfangs sind sie grün, später verfärben sie sich bräunlich. Reif werden die Nussfrüchte ab September, aber erst im Folgejahr – etwa 18 Monate nach der Bestäubung. Daher sind im Sommer gerade mal bestäubte Früchtchen neben beinahe ausgereiften völlig normal.

Rot-Eiche im Garten

Standort

Die Amerikanische Rot-Eiche ist auch bei uns vollkommen winterhart. Sie bevorzugt einen fruchtbaren, feuchten und tiefgründigen, lockeren Boden mit Sonne oder zumindest Halbschatten und ein mild humides Klima. Kalk mag sie ebenso wenig wie Staunässe, ein leicht saurer Boden ist ihr deutlich lieber. Die Abhängigkeit des Laubaustriebes von der Tageslänge macht den Baum anfällig für Spätfröste. Allerdings frieren nur die jungen Triebe und Blätter zurück, wohingegen sich die Eiche selbst schnell von ihrer Unterkühlung erholt.

Schnitt und Pflege

Schneiden sollte man bei der Rot-Eiche nach Möglichkeit überhaupt nicht, da sie ganz von allein am schönsten wächst. Lediglich abgebrochene oder abgestorbene Äste kannst Du jederzeit entsorgen. Beim Schneiden solltest Du die Schere gut desinfizieren und die Wunden verschließen, denn über die offenen Stellen gelangen rasch Pilze hinein.

Wegen ihrer Pfahlwurzeln und den zugleich recht spärlichen Wurzelhaaren lässt sich die Rot-Eiche nur schwierig verpflanzen. Überlege Dir also gut, ob sie an der vorgesehenen Stelle im Garten nicht zu groß gerät. Achtung auch bei der Unterpflanzung: Die gedeiht hier nur schlecht, nicht zuletzt wegen der nur langsam verrottenden Blätter.

Vermehrung

Eine Vermehrung mit Samen, sprich mit den Eicheln der Rot-Eiche ist ohne weiteres möglich, aber ein mühsames Geschäft. Mit einem jungen Bäumchen aus der Baumschule oder dem Gartenfachmarkt kommst Du eindeutig schneller voran. Wenn Du es trotzdem probieren möchtest, so pflanze die Eicheln in den Garten, sobald sie reif sind. Sie brauchen als Kaltkeimer mindestens drei Monate Temperaturen unterhalb von vier Grad Celsius. Bis zu den ersten Kätzchen musst Du Dich dann aber gedulden: Blühen wird sie erst nach 25-30 Jahren.

Verwendung

Die Rot-Eiche gilt als rauchhart und kommt auch mit dem rauen Stadtklima gut zurecht. Daher ist sie nicht nur ein beliebter Forstbaum, sondern findet auch vielerorts als Zierbaum in Parks und Gärten Verwendung. Rauchgase und Luftverschmutzung sind für sie kein Problem, aber Bodenverdichtung. Daher findet man sie kaum als Alleebaum in der Nähe von Straßen mit schwerem und dichtem Untergrund.

Im heimischen Garten solltest Du darauf achten, dass sie mit ihren bis über 20 Metern Höhe eine ganze Menge Platz in Anspruch nimmt und daher für kleine Gärten kaum geeignet ist. Bei viel Platz kommt sie als prächtiger Solitär am besten zur Geltung. Besonders beliebt ist die Rot-Eiche wegen ihrer bunten Herbstfärbung. Besonders dekorativ: Die Blätter bleiben recht lange am Baum und leuchten im tiefsten Winter vor dem Schnee.

Schädlinge

Wie die meisten Eichen ist auch die Rot-Eiche empfindlich gegenüber Pilzerkrankungen wie Hallimasch, Schwammpilze und Mehltau wie den Eichenmehltau. Phytophthora und Diplodia rufen krebsartige Wucherungen hervor. An den jungen Trieben und Blättern finden sich unzählige Blattläuse, die sich hier an dem zuckerhaltigen Baumsaft bedienen.

Gallwespen rufen an den Blättern häufig Blattgallen hervor, in denen die nächste Generation heranwächst. Andere Plagegeister sind Kleiner und Großer Frostspanner (Operophtera brumata und Erannis defoliaria) und der komplett leuchtendgrüne Eichenwickler (Tortrix viridana). Sie alle gehören zu den Nachtfaltern.

Im Wald kommt es häufig zu Wildverbiss, denn Rehwild macht sich gerne über die jungen Triebe, Blätter und Rinde her.

Ökologie

Honigbienen wissen die oft zahlreichen Blattläuse zu schätzen, denn an ihrem Hinterteil sammeln sie den überschüssigen Zuckersaft, den Honigtau, aus dem sie Honig herstellen. Bei größeren Beständen wird aus dem Roteichen-Honigtau ein Waldhonig, der mit seiner dunklen Farbe und dem kräftigen Aroma hervorsticht.

Auch die harzigen Ausscheidungen der Rot-Eiche nutzen die Honigbienen, indem sie daraus Propolis zusammenmischen, das bienentypische Kittharz, mit dem sie sämtliche Ritzen in ihrem Bienenstock ausfüllen und so einen Schimmelbefall im feuchten Innenleben verhindern.

Fünf Nachtfalter nutzen das Grün als Raupenfutter, darunter der Buchenspinner (Stauropus fagi) und der Mondfleck (Phalera bucephala).

Die Eicheln sind bei Eichelhäher und Eichhörnchen sehr beliebt. Beide sammeln die Früchte und vergraben kleine Depots davon an verschiedenen Stellen im Boden. Was sie dabei vergessen keimt im Folgejahr aus und sorgt für Nachwuchs. Also nicht wundern, wenn Du im Garten Keimlinge mit den charakteristisch spitz gelappten Eichenblättern findest. Zu den Interessenten gehören ebenso Wildscheine und Rehe.

Mit ihrer dichten Krone sind Rot-Eichen ein beliebter Unterschlupf für Vögel.

Auf dem Komposthaufen zersetzt sich das stark gerbstoffhaltige Herbstlaub der Rot-Eiche nur langsam. Daher solltest Du es gründlich zerhäckseln und mit reichlich anderem Laub mischen, damit es schneller kompostiert wird.

Wissenswertes

Ein Synonym für die Rot-Eiche ist Quercus borealis. Mit der Deutschen Eiche (Quercus robur) hat sie trotz der Ähnlichkeit des botanischen Namens nichts zu tun.

Die prächtigen Bäume können über 400 Jahre alt werden und erreichen einen Stammdurchmesser von um die zwei Metern. Bei langschäftigem Wuchs im Waldbestand ist das Roteichenholz sehr begehrt und erzielt auf dem Holzmarkt Spitzenpreise. Es gilt allerdings als nicht ganz so dauerhaft wie das der heimischen Trauben-Eiche (Quercus petraea) und Stiel-Eiche (Quercus robur).

Die Rot-Eiche wurde 1724 in Europa eingeführt. Sie wird seit dem Anfang des 20. Jahrhundert vielerorts anstelle der heimischen Eichenarten in Wäldern gepflanzt, da sie wesentlich schneller wächst und gegenüber Fraßschäden, Schädlingen und Pilzen weniger anfällig ist. In Nordamerika und Kanada ist die Rot-Eiche eine der wichtigsten Holzlieferanten.

Trotzdem ist sie immer noch vergleichsweise selten in Wäldern anzutreffen – wenigstens macht sie sich dadurch bisher noch nicht als Neophyt unbeliebt. Das ist auch gut so, denn gegenüber der heimischen Trauben-Eiche (Quercus petraea) ist sie wesentlich konkurrenzstärker. Nur gegen die weit verbreitete Rotbuche (Fagus sylvatica) mit ihren dichten Blätterdach und dunklem Unterwuchs hat sie keine Chance. Dessen ungeachtet müssen Förster immer ein waches Auge auf die Roteichenbestände haben, damit sie nicht wie in einigen anderen Ländern als Neophyten die einheimischen Eichen verdrängen. Ab etwa dem 20. Lebensjahr bilden die Bäume Unmengen von Eicheln. Umweltschützer sehen ihre Verbreitung nicht zuletzt in Anbetracht der Klimaerwärmung als problematisch an.

Roteichenholz ist blass rotbraun, mit dunklem Splint, schwer, zäh und widerstandsfähig. Beim Trocknen zeigt es einen deutlichen Schwund und Trockenrisse, die sich durch einen langsamen Trocknungsvorgang weitestgehend verhindern lassen. Vor allem als unverwüstliches Bauholz wird es gerne verwendet, aber auch im Möbelbau.

Fotos

Gesamte Pflanze Rot-Eiche
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Blatt Rot-Eiche
Quelle: Leo Michels, CC0, via Wikimedia Commons
Blüte Rot-Eiche
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Frucht Rot-Eiche
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Rinde Rot-Eiche
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Diese Pflanze ist in Mitteleuropa nicht heimisch

Bedenke, die auf heimische Wildpflanzen angewiesenen Tierarten, wie die meisten Wildbienen- und Schmetterlingsarten sowie davon abhängige Vögel, sind von einem dramatischen Artenschwund betroffen. Mit heimischen Arten kannst du etwas zum Erhalt beitragen.

Häufige Fragen

Wie groß wird die Rot-Eiche?

Bei freiem Stand erreicht die Rot-Eiche meist nur eine Höhe von um die 25 Meter, aber im Wald mit anderen zusammen kann sie bis über 40 Meter hoch werden. Hier wächst sie mit einem langen astlosen Stamm, wohingegen die freistehenden Exemplare dichter beastet bleiben und einen kräftigeren Stamm mit bis zu zwei Metern Durchmesser bekommen können.

Wie alt wird Rot-Eiche?

400 Jahre wurden anhand der Jahresringe bereits festgestellt, vereinzelt sogar um die 500 Jahre.

Wie schnell wächst Rot-Eiche?

Unter optimalen Bedingungen mit reichlich Nährstoffen und Sonne erreicht die Rot-Eiche mit zehn Jahren bereits eine Höhe von 5-6 Metern. In den ersten zehn Jahren kann man durchaus mit einem Meter pro Jahr rechnen. Alt und hoch wird sie aber auch: die ältesten Bäume sind um die 400 Jahre alt und über 40 Meter hoch, mit einem bis zu zwei Meter dicken Stamm.

Ökologischer Wert

Rot-Eiche nicht heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Schmetterlinge, Vögel

Insekten

Anzahl Schmetterlingsarten:
5
Dient als Futterplanze für Raupen:
5

Vögel und Säugetiere

Vogelschutzgehölz & Vogelnährgehölz ja
Landeplatz: wird häufig aufgesucht

Themen

Pflanzen für Tiere
Quelle: Photo by Peter Monsberger from Pexels
Pflanzen für Tiere