Was ist Garten-Margerite?
Garten-Margerite (Leucanthemum maximum), auch Pyrenäen-Margerite, Sommer-Margerite oder weniger schmeichelhaft Große Wucherblume genannt, ist eine nahe Verwandte unserer einheimischen wilden Wiesen-Margerite (Chrysanthemum vulgare). Wild wächst die Vertreterin aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) in den Pyrenäen, aber aufgrund ihrer prachtvollen Blüten hat sie als Zierpflanze Eingang in den Garten gefunden; ausgewildert findet man sie in Deutschland nur recht selten und immer unbeständig. In der freien Natur bevölkert sie Wiesen, Almen, Geröllhalden und lichte Baumbestände der Gebirgslagen.
Die sommergrüne und mehrjährige Garten-Margerite wächst in lockeren, bis zu 60 Zentimeter breiten Horsten mit ausgeprägten kurzen Rhizomen und aufrechten, meist unverzweigten Stängeln. Ihre bis zu zwölf Zentimeter langen dunkelgrünen und wechselständigen Blätter sind lanzettlich geformt, mit einem regelmäßig grob gezähnten oder gesägten Rand und in den geflügelten Blattstiel keilförmig verschmälert. Im Frühjahr bilden sie eine grundständige Blattrosette, die zur Blütezeit bereits vertrocknet ist; am Stängel hinaus werden sie zusehends kleiner und kurzstieliger bis letztlich sitzend
Prächtig sind die Blüten, typische Korbblüten, die bis über zehn Zentimeter groß werden und einzeln an den Enden der Stängel bis zu einem Meter in die Höhe ragen. Sie erscheinen recht spät im Jahr erst im Juli und August. 20-30 weiße Zungenblüten umgeben eine gelbe Mitte aus bis zu mehreren hundert kleinen Röhrenblüten, und ganz außen sitzen vier oder fünf Reihen von 2-3 Millimeter breiten grünen und hellbraun gerandeten Hüllblättern. Als Samen werden 2-3 Millimeter lange gerippte Achänen ohne Pappus gebildet; die Fruchtreife erfolgt von August bis September.
Garten-Margerite im Garten
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Standort
Die Garten-Margerite benötigt einen tiefgründigen, frischen und nährstoffreichen Boden mit reichlich Sonne. Er sollte gut durchlässig sein, denn stehende Nässe mag sie überhaupt nicht. Sie ist vollkommen winterhart bis 23 °C. Im Sommer solltest Du sie bei trockenem Wetter allerspätestens gießen, wenn ihre Blätter anfangen schlapp zu werden.
Schnitt und Pflege
Nach der Blüte kannst Du die verblühten Teile entfernen, wenn sie Dich stören; damit verhinderst Du auch eine Selbstaussaat. Vor allem bei einigen gefüllten Sorten sind die Blüten bisweilen so schwer, dass sich eine kleine Stütze empfiehlt.
Vermehrung
Meistens wirst Du Garten-Margerite kaufen und als Topfware im Garten ansiedeln. Danach kannst Du die Horste im zeitigen Frühjahr oder im Sommer teilen und verpflanzen, am besten alle 3-4 Jahre. Ebenso ist eine Aussaat mit den Samen möglich, entweder im Frühling an Ort und Stelle im Garten oder im Haus in Töpfen vorgezogen. Sie bilden im ersten Jahr eine Blattrosette und blühen erst im zweiten Jahr.
Verwendung
Meistens setzt man die weißen oder gelben Stauden in sonnige Blumenbeete und Rabatten. Vor der dunkleren Kulisse von Ziersträuchern kommen sie besonders gut zur Geltung, und in bienenfreundlichen Wildblumenmischungen ist sie oftmals enthalten. Darüber hinaus macht sie auch als Schnittblume eine gute Figur, zumal sie in der Vase ausgesprochen lange haltbar ist.
Schädlinge
Blattläuse finden sich häufig an den Garten-Margeriten, und bisweilen treten Chrysanthemen-Älchen oder Rostflecken an den Blättern auf.
Ökologie
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Die Blüten der Garten-Margerite locken im Hochsommer zahlreiche Insekten an, insbesondere Honigbienen, Hummeln und Schmetterlinge, die sich hier in großer Zahl einfinden. Dazu zählt auch ein farbenfroher Tagfalter, der Westliche Scheckenfalter (Melitaea parthenoides). Ansonsten gibt es nächtlichen Besuch von Nachtfaltern wie der Karden-Sonneneule (Heliothis viriplaca), der Hellbraunen Staubeule (Hoplodrina ambigua), Moorwiesen-Halmeulchen (Oligia fasciuncula) und der Gelbflügel-Raseneule (Thalpophila matura).
Die Verbreitung der nicht mit einem Pappus versehenen Achänen erfolgt mit Wind, Wasser und durch das Hängenbleiben an Tieren.
Während die Garten-Margerite in Deutschland nur selten und unbeständig verwildert hat sie sich in anderen Regionen der Erde fest etabliert. Als eingebürgert gilt sie in Italien, England und Polen, im Baltikum ebenso wie in Teilen Chinas, Australiens und Amerikas. Aus Gärten ausgebüchst macht sie sich inzwischen in Kanada und einigen Staaten der USA als invasive Art unbeliebt, die heimische Pflanzen zurückdrängt und die Artenvielfalt einschränkt.
Wissenswertes
Von Perlen und weißen Blumen: Die Namen Margerite und Leucanthemum
Der Gattungsname Leucanthemum kommt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß weiße Blume, der lateinische Artname die Größte. Von der einheimischen Wiesen-Margerite Leucanthemum vulgare lässt sie sich leicht unterscheiden: Bei dieser werden die Köpfchen nie größer als sieben Zentimeter. So gesehen ist das mit der Riesenmargerite durchaus angebracht. Margerite kommt übrigens aus dem Französischen und leitet sich von marguerite, Perle ab.
Heinemanns Jagd nach der perfekten Blüte
Entdeckt wurde die Garten-Margerite vom elsässischen Botaniker Louis Ramond de Carbonnières (1755-1827), der sich um die Erforschung der Pyrenäen besonders verdient gemacht hat. Die ersten deutschen Exemplare konnte man ab 1808 im Botanischen Garten Berlin-Dahlem bewundern. Eingang in die Gärten fand sie allerdings erst, nachdem die Erfurter Gärtnerei F.C. Heinemann 1895 eine Kreuzung mit der Portugiesischen Margerite Leucanthemum lacustre auf den Markt brachte – die Sorte ‚Perfection‘ bekam ihren Namen wegen ihrer reinweißen Zungenblüten. Zudem waren die Körbchen mit 15 Zentimetern geradezu riesig und im besten Sinne des Wortes „maximum“.
Was heutzutage als Leucanthemum maximum verkauft wird ist meistens nicht die Wildart, sondern ebendiese ‚Perfection‘-Margerite. Im Gartenfachhandel wird bisweilen auch die Shasta-Magerite, die Hybride Leucanthemum x superbum als Garten-Margerite angeboten.
Gefüllte und ungefüllte Sorten
Weiß sind die Sorten der Garten-Margerite längst nicht alle – mittlerweile gibt es eine ganze Reihe, die sich durch unterschiedliche Größe und Farbe der Blüten auszeichnen. Einige davon sind gefüllt; wer den Insekten im Garten mehr Futter bieten möchte greift aber besser auf die ungefüllten Sorten zurück. Gefüllte Blüten heißt, dass Staubblätter in zusätzliche Blütenblätter umgewandelt sind – heißt weniger Pollen und einen erschwerten Zugang zum Nektar am Grund der Blüten.
Extrem variabel wie alle Margeriten
Der Artbegriff ist wie bei allen Leucanthemum-Arten weit gefasst; während die Typart Leucanthemum maximum im engeren Sinne sich in der freien Wildbahn auf die Pyrenäen und die im Westen anschließende Cordillera Cantábrica beschränkt wächst die weiter gefasste Leucanthemum maximum auch in anderen europäischen Gebirgen einschließlich der Alpen und Karpaten. Zu diesem Artenkomplex gehören Leucanthemum adustum und andere.
Was sind mehrjährige Stauden?
Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.
Markus Wichert
Naturgärtner