Ist Lavendel giftig für Menschen und Tiere?
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Ratgeber

Ist Lavendel giftig für Menschen und Tiere?

Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Bei der Frage, ob Lavendel giftig ist findet man immer wieder erstaunliche Ammenmärchen von absoluter Harmlosigkeit bis zu grässlichen Vergiftungsutopien. Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. 

Ist Lavendel giftig für Menschen?

Ein paar grundsätzliche Feststellungen zur „Giftigkeit“ von Lavendel für den Menschen:

  • Lavendel ist keine ausgewiesene Giftpflanze und enthält keine Alkaloide oder ähnlich toxische Substanzen. Kein Mensch fällt von ein paar Lavendelblüten oder Blättern tot um. Zum Vergleich: Mit Eisenhut oder Wunderbaum sieht das völlig anders aus.
  • Anaphylaktische Reaktionen auf Lavendel sind in der medizinischen Literatur nicht dokumentiert. Dafür scheint das allergische Potential nicht auszureichen.
  • Allergische Hautreaktionen durch Kontakt mit Lavendel sind dagegen nicht ungewöhnlich und tauchen in zahlreichen Veröffentlichungen auf. 
  • Kontaktdermatitis durch Lavendel kann bei empfindlichen Menschen bereits beim Lavendel schneiden auftreten; meistens klingen die Beschwerden innerhalb von ein oder zwei Tagen ab. Sollte das nicht der Fall sein ist ein Besuch beim Hausarzt dringend anzuraten.
  • Lavendelöl einnehmen darf man nur in kleinen Mengen Als warnende Faustregel gilt, dass bereits weniger als ein Gramm Übelkeit, erhebliche Bauchschmerzen, in hohen Dosierungen sogar Benommenheit und Bewusstseinsstörungen auslöst. Näheres dazu findest Du in unserem Ratgeber Lavendel als Heilpflanze. Das dort beschriebene Spiköl aus Speiklavendel (Lavandula latifolia) ist dank seiner abweichenden Zusammensetzung sogar noch wesentlich gefährlicher als das „richtige“ Lavendelöl aus Echtem Lavendel (Lavandula angustifolia).
  • Lavendel enthält Cumarin. Den Duftstoff kennen wir am besten vom Waldmeister oder einer frisch gemähten Wiese. Was in kleinen Mengen mit angenehmem Heugeruch für Entspannung und Wohlbefinden sorgt führt in höherer Dosierung und vor allem bei Einnahme zu Kopfschmerzen und Schwindel. Die in der Aromatherapie verwendeten Mengen sind als Duftstoffe normalerweise unbedenklich, aber auch hier können besonders empfindliche Personen die Ausnahme machen.
  • Für Lavendelöl gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie für alle ätherischen Öle:
    • Ätherische Öle nie unverdünnt auf die Haut auftragen, da allergische Reaktionen nie sicher auszuschließen sind. Zudem können sie in konzentrierter Form die Hautoberfläche reizen, sodass es zu Rötungen und schlimmstenfalls zu Entzündungen kommt.
    • Vor einer äußerlichen Anwendung sollte Lavendelöl grundsätzlich verdünnt werden, etwa in Form einer Salbe oder mit etwas hautverträglichem Pflanzenöl. Ein Fehler, der bei der Verwendung von Lavendel in der Aromatherapie offenbar öfter praktiziert wird – siehe Kontaktdermatitis.
    • Lavendeltee und Lavendelöl dürfen Kinder und Frauen während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht zu sich nehmen. Die Auswirkungen auf die Leibesfrucht und die Muttermilch sind viel zu wenig untersucht, und besonders Kleinkinder unter zwei Jahren reagieren auf ätherische Öle wesentlich dramatischer als ältere und Erwachsene. Daher sollte man Duftlampen und Lavendelkissen von Babys Wiege fernhalten; schlimmstenfalls könnte es zu Atembeschwerden bis hin zum Atemstillstand kommen.

Ist Lavendel giftig für Haustiere?

Obwohl bei den meisten Haustieren für die Giftigkeit von Lavendel Ähnliches gilt wie für den Menschen gibt es doch einige Punkte zu beachten. Gefährdet sind vor allem Nagetiere, wohingegen bei Hund und Katz mehr oder weniger Entwarnung gegeben werden kann.

Lavendel ist nicht giftig für Hunde

Hunde dürfen ruhig man am Lavendelstrauch im Garten knabbern, das macht ihnen überhaupt nichts aus. Eher umgekehrt, wenn sich ein Rottweiler im Lavendelbeet wälzt. Manchmal ist das gar nicht mal so schlecht, denn Untermieter wie Flöhe mögen den intensiven Geruch von Lavendel überhaupt nicht. 

Zudem wirkt der Geruch nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Hunden beruhigend – dementsprechend ist ein Hundehalsband mit Lavendel für ein überreiztes und nervöses Hundevieh manchmal eine probatere Lösung als Tabletten oder der Tierpsychologe.

Übertreiben sollte man es mit dem Lavendelduft allerdings nicht – immer daran denken, dass Hunde eine wesentlich empfindlichere Nase haben als wir Zweibeiner. Mit einer Duftlampe mit reichlich Lavendelöl im gleichen Zimmer eingesperrt zu sein wird für den armen Spürhund schnell zur Folter.

Für Katzen ist Lavendel bedenklich

Katzen haben bei Kräutern eine besondere Schwäche: Damit meine ich nicht ihre heiß geliebte Katzenminze, sondern eine Glukuronidierungsschwäche. Um nicht wasserlösliche Substanzen mit den Nieren oder dem Darm ausscheiden zu können werden diese an Glukuronsäure gebunden. Das übernehmen die Leberzellen, die beim Menschen viele Gifte und Arzneimittel unschädlich machen und für die Entsorgung aus dem Körper zuständig sind.

Der Haken an der Sache für Katzen: Sie sind fast reine Fleischfresser. In ihrer Nahrung kommen kaum Substanzen vor, die eigens glukuronidiert werden müssten. Die entsprechende Ausstattung mit Enzymen ist in ihrer Leber entsprechend spärlich. Daher bekommen die Samptpfoten Probleme, wenn sie solche Stoffe in größeren und damit unverträglichen Mengen zu sich nehmen. Das gilt für alle ätherischen Öle und somit auch für Lavendelöl. Die darf man Katzen grundsätzlich nie zu fressen geben, auch nicht aus therapeutischen Gründen wie zur Beruhigung.

Andererseits darf man ohne den Einfluss menschlicher Dummheiten Entwarnung geben: Minka wird selten auf die Idee kommen, größere Mengen Lavendel zu fressen – dafür riecht er ihr zu stark. Wenn sie mal am Lavendelbusch knabbert oder Rubbeldiekatz spielt macht ihr das nichts aus. Die meisten Katzen machen ohnehin lieber einen großen Bogen um die Stinker.

Lavendel ist nicht giftig für Pferde, Kühe, Schafe, Ziegen

Paarhufer und Einhufern macht Lavendel nichts aus, wenn sie sich an seinen Blättern und Blüten gütlich tun. Gerade Schafe, Heidschnucken und Ziegen sind dafür bekannt, dass sie auch vor verholzten Sträuchern nicht haltmachen, da macht der Lavendelbusch keine Ausnahme. Trotzdem empfiehlt es sich, ihn lieber wie in unserem Ratgeber zum Lavendel schneiden selbst zu stutzen als ihn den Tieren zu überlassen. 

PS: Ob es nach Lavendelfutter Milch mit Lavendelaroma gibt ist nicht bekannt ;-).

Nagetiere vertragen Lavendel nicht

Aufpassen muss man beim Lavendel bei Kaninchen, Meerschweinchen und Hamstern, Ratten und Mäusen. Ein wilder provenzalischer Hase wird sicher mal an einem Lavendelbusch knabbern, aber mit größeren Mengen dürfte er sich das überlegen: Nagetiere vertragen das ätherische Öl nämlich überhaupt nicht. Gerade unerfahrene Haustiere sind da eher gefährdet als wild lebende Nager und könnten unbedacht mehr Lavendel fressen als ihnen bekommt. Vorsetzen solltest Du ihnen das aromatische Kraut auf gar keinen Fall, auch wenn das etwas angenehmen Duft in den Kaninchenkäfig bringen würde.

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