Rizinus

Ricinus communis

Gehölz
Wildform
Schmetterlingspflanze
giftig
lange Blühzeit
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Gesamte Pflanze von Rizinus

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Aus dem Nahen Osten stammendes Wolfsmilchgewächs
  • Schnellwüchsiger, aufrechter und verzweigter Strauch
  • Bei uns meist nur einjährig gehalten, kann bis zu zehn Jahre alt werden
  • Nicht winterhart
  • Braucht viel Sonne und Nährstoffe
  • Große handförmig gelappte Blätter
  • Getrenntgeschlechtliche Blüten auf jeder Pflanze, mit roten Narben oder gelben Staubbeuteln
  • Kastanienähnliche Früchte mit bohnenförmigen, marmorierten Samen
  • Vor allem die Samen hochgiftig durch Rizin und Alkaloide
  • Rizinusöl weniger toxisch; bekanntes Abführmittel und in vielen Pflegeprodukten enthalten
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 4 - 12 m
Breite: 60 - 200 cm
Wurzelsystem: Pfahlwurzel
Blüte
Blütenfarbe: gelb
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne
Boden
Boden: durchlässig bis humos
Wasser: trocken
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Malpighienartige
Familie: Wolfsmilchgewächse
Gattung: Ricinus
ist giftig Samen

Was ist Rizinus?

Wunderbaum, Christuspalme oder Rizinus (Ricinus communis) ist der einzige Vertreter der Gattung Rizinus und gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum beheimatet ist er heute in Parks und Garten eine beliebte Zierpflanze und findet sich in der freien Natur bisweilen ausgewildert auf Ödland, Schuttplätzen und felsigen Hängen.

Es handelt sich dabei um einen aufrechten, verzweigten Strauch, der mehrjährig wächst, bei uns allerdings wegen seiner Frostempfindlichkeit meist nur einjährig gehalten wird. In seiner Heimat wird er bis zu zehn Jahre alt und zwölf Meter hoch und verholzt im unteren Anteil, bei gemäßigtem Klima sterben die oberirdischen Teile bei Frost ab und treiben im nachfolgenden Frühjahr neu aus. Die dicken Triebe stehen aufrecht; an ihnen stehen die lang gestielten wechselständigen Blätter. Diese werden 15-45 Zentimeter lang, sie sind glänzend, mittelgrün und je nach Sonneneinstrahlung rötlichpurpurn oder bronzefarben gefärbt, mit 5-11 ungleich großen spitzen und am Rand gesägten Abschnitten. Am Grund des Blattstiels stehen stängelumfassende vergängliche Nebenblätter.

Die Blüten erscheinen in 30-40 Zentimeter langen Ähren oder Rispen am Ende der Triebe. Der Rizinus ist einhäusig, die Blüten sind getrenntgeschlechtlich. Sie stehen an kurzen Stielen und enthalten keine Kronblätter, sondern nur eiförmige Kelchblätter. Die weiblichen Blüten stehen oberhalb der männlichen und zeichnen sich durch frühzeitig abfallende rotgrüne Kelchblätter und auffällig rote Narben aus. Dagegen bleiben die gelbgrünen Kelchblätter der männlichen Blüten erhalten und tragen in ihrem Inneren bis zu 100 am Grund miteinander verwachsene Staubblätter mit hellgelben bis weißen Staubbeuteln.

Als Früchte bildet Rizinus kastanienartige, kugelige rötlichbraune Kapseln mit braunen Stacheln. Im Inneren sitzen bohnenförmige, 7-14 Millimeter lange Samen; sie sind glänzend, braun und rötlich marmoriert und tragen ein fettreiches Elaisosom, das später abfällt. Dieses bei Euphorbiengewächsen Caruncula genannte Anhängsel dient der Verbreitung mittels Ameisen.

Rizinus im Garten

Standort

Bei der Aussaat sollte man bedenken, dass Rizinus in allen Teilen hochgiftig ist und der Saft allergische Hautreaktionen hervorrufen kann. Er benötigt einen nährstoffreichen, humosen und gut durchlässigen Boden oder eine lehmhaltige lockere Topferde und reichlich Licht, am besten volle Sonne. In exponierter Lage muss man die großen Pflanzen stützen, damit kein strenger Wind sie umbläst. Ausgewachsen übersteht sie auch längere Trockenphasen, nur im Wachstum muss man für ausreichendes Gießen sorgen.

Schnitt

Einen einjährigen Solitär wird man nur ausnahmsweise stutzen, aber unter Glas kann ein kräftiger Rückschnitt erforderlich werden, wenn sich die schnellwüchsige Pflanze zu breit macht.

Vermehrung

Die Vermehrung erfolgt mit den Samen, die man im Frühjahr einen Tag lang in Wasser quellen lässt und dann in Töpfen vorzieht. Später lassen sie sich im Garten an der gewünschten Stelle auspflanzen. Schon nach einem halben Jahr sind die Pflanzen so weit fortgeschritten, dass man die Samen für das Folgejahr sammeln kann.

Verwendung

Beliebt ist Rizinus vor allem wegen seiner großen glänzenden Blätter und auffälligen Blütenstände. In frostreichen Gegenden hält man ihn zumeist einjährig ausgepflanzt im Garten in Rabatten oder als Solitärpflanze, oder man hält ihn unter Glas im Gewächshaus oder Wintergarten, wo er gegebenenfalls mehrere Jahre überlebt.

Schädlinge

Rizinus ist extrem robust und widerstandsfähig; nur unter Glas treten bisweilen Spinnmilben auf. Fressfeinde machen einen großen Bogen um die Giftpflanze.

Ökologie

Die Bestäubung von Rizinus erfolgt durch den Wind. Außer in den Blüten bietet Rizinus auch an den Blatträndern, Nebenblättern und Blattstielen Nektarien, deren süßer Saft Ameisen und andere Insekten herbeilockt. Ameisen interessieren sich auch für das nahrhafte Samenanhängsel.

Die Blätter bleiben dank ihres Gehaltes an Rizin und giftigen Alkaloiden von Fressfeinden unbehelligt. Als einzige Ausnahme nutzt der im Nahen Osten beheimatete Bärenspinner Olepa schleini die Blätter als Raupenfutter – wie der Nachtfalter das Gift umgeht ist bisher unbekannt, aber es scheint ihm gut zubekommen: Rizinus ist seine einzige Nahrungspflanze.

Wissenswertes

Der Name Rizinus kommt vom lateinischen ricinus, Zecke, da die Samen an die vollgesogenen Blutsauger erinnern; einige Autoren sind der umgekehrten Meinung. Palma Christi oder Christuspalme nennt man den Rizinus, weil man in den großen Blättern die heilenden Hände Jesu wiedererkennt. Wunderbaum wiederum bezieht sich auf das extrem schnelle Wachstum der Pflanze, der man im Sommer buchstäblich beim Wachsen zusehen kann.

2018 wurde Rizinus zur Giftpflanze des Jahres gekürt. Bekannt war er bereits im alten Ägypten; der Papryus Ebers erwähnt ihn, und die Samen findet man regelmäßig als Grabbeigabe der Mumien. In der Antike beschrieben Plinius d. Ä., Galen und Dioskurides die Heilwirkung, um im Mittelalter war ihm in jedem Kräuterbuch dieser Zeit ein ausführliches Kapitel gewidmet. Zu allen Zeiten wurde Rizinusöl als Heilmittel, Lampenöl und zur Hautpflege eingesetzt.

Das als Abführmittel bekannte Rizinusöl Ricini oleum läuft in Industrie und Pharmazie unter Castoröl, weil es ähnlich moschusartig wie castoreum riecht, das aromatische Bibergeil, das man aus getrockneten Sekret der Perinealdrüsen männlicher Biber gewinnt und das als Grundstoff für die Parfümherstellung dient. Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff Castorbohnen.

Rizinusöl verwendet man nicht nur als Abführmittel, sondern vor allem als technisches Öl und für Kosmetika. Dafür wird Rizinus landwirtschaftlich angebaut. Im Gegensatz zum Rest der Pflanze ist Rizinusöl ungiftig, da es nur noch wenig toxisches Rizin enthält. In der Kosmetikindustrie findet man Castor oil in Salben, Cremes, Badezusätzen und Haarpflegemitteln.

Bei Rizin handelt es sich um ein Eiweiß, das sich in Wasser, nicht aber im Fettanteil der Samen findet, sodass es bei der Ölgewinnung im Presskuchen verbleibt. Aus diesen lässt sich das Gift einfach isolieren. Rizin führt bereits in geringer Dosierung zu einer Hemmung der Proteinbiosynthese und Zelltod, was letztlich den Tod durch Kreislaufversagen hervorruft. Eine Menge von zwei Milligramm gilt als tödliche Dosis für einen Erwachsenen.

Außer Rizin enthalten die Samen noch eine Reihe von Alkaloiden wie Rizinin und Rizinidin. Die abführende Wirkung von Rizinusöl beruht auf der Fettsäure Rizinolsäure, die eine der Hauptkomponenten der darin enthaltenen Triglyceride darstellt. Der Darm kann sie nicht aufnehmen, sodass die Verdauung „wie geschmiert“ funktioniert. Das Öl setzt die Geburtshilfe als wehenförderndes Mittel ein.

Neben der Wildform gibt es im Gartenfachhandel verschiedene Kultivare, die sich in Wuchshöhe, Verzweigung und Farbe der Blätter und Blüten unterscheiden.

Fotos

Gesamte Pflanze Rizinus
Quelle: NaturaDB
Frucht Rizinus
Quelle: NaturaDB
Blatt Rizinus
Quelle: NaturaDB
Blüte Rizinus
Quelle: C messier, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Frucht Rizinus
Quelle: Buendia22, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blatt Rizinus
Quelle: Aris riyanto, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Rizinus
Quelle: Vengolis, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Kann das Rizinusöl tödlich sein?

Im Grunde genommen ist Rizinusöl der einzige Teil des Wunderbaumes, der nicht giftig ist – zumindest nicht in üblichen Mengen. Die toxischen Alkaloide und vor allem Rizin sind wasserlöslich und bleiben daher bei der Ölgewinnung im Presskuchen. Rizin ist eines der stärksten bekannten Eiweiß-Gifte und unterbricht die Proteinbiosynthese – es handelt sich um ein Typ II Ribosomen-inaktivierendes Protein. Die abführende Wirkung von Rizinusöl beruht hingegen auf Rizinolsäure, einer Fettsäure. Im Übermaß eingenommen kann allerdings auch die zu einer tödlichen Dehydrierung infolge der unvermeidlichen Durchfälle führen.

Wann sät man Rizinus aus?

Die Aussaat von Rizinus erfolgt am besten im späten Frühjahr. Dazu lässt man die Samen zunächst einen Tag in Wasser quellen, dann setzt man sie in Erde und hält sie bei rund 21 °C. Nach der Keimung kann man sie auch ab 13 °C aufwärts weiterziehen – sie wachsen mit rasender Geschwindigkeit und werden schnell mehrere Meter hoch, sofern die Nährstoffversorgung ausreicht und das Wetter mitspielt.

Ist die Rizinuspflanze winterhart?

Der Rizinus verträgt Kälte nur schlecht – in seiner Heimat im Nahen Osten wird er bis zu zehn Jahre alt, bei uns überlebt er das erste Jahr nur in den wärmeren Regionen oder unter Glas. Sofern nur die oberirdischen Teile im Winter absterben, kann die Pflanze im Frühjahr wieder neu austreiben. Das geht in Windeseile – Rizinus wächst so schnell, dass man ihn vielerorts auch als Wunderbaum bezeichnet.

Wie giftig sind Rizinussamen?

Das hängt vor allem davon ab, ob man sie zerkaut. In diesem Falle reichen bereits wenige Samen aus, um einen Erwachsenen zu töten. Die oft genannte Zahl von 10-20 tödlich wirkenden Samen ist daher mit Vorsicht zu betrachten. Die Giftwirkung beruht vor allem auf dem Eiweißstoff Rizin, das die Proteinbiosynthese unterbricht und zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen mit Fieber und letztlich Tod durch Kreislaufversagen führt. Zwei Milligramm gelten als tödliche Dosis für Erwachsene. Ob die Mahlzeit tödlich verläuft entscheidet sich vor allem abhängig davon, wie gründlich die Samen zerkaut wurden und was sonst noch im Magen drin ist. Im Ganzen verschluckt bereiten sie oftmals keine großen Probleme und werden unversehrt wieder ausgeschieden – experimentieren sollte man damit aber lieber nicht, denn Rizin ist weit giftiger als Zyankali und Strychnin.

Ökologischer Wert

Rizinus und Nahrungsquelle/Lebensraum für Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Schmetterlingsarten:
1

Themen

Pflanzen für Tiere
Themenwelt