Wie ökologisch ist Lavendel im Garten?
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Ratgeber

Wie ökologisch ist Lavendel im Garten?

Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Abgesehen von einigen mittlerweile fest etablierten Vorkommen in warmen Regionen ist Lavendel in Deutschland nicht heimisch. Dafür aber immerhin in Mitteleuropa – da ist die Fauna und Flora nicht so weit von den natürlichen Besuchern entfernt wie bei einem Exoten aus Fernost. Wer sich das Gebrumme und Gesumme an einem sommerlichen Lavendelstrauch anschaut wird kaum bestreiten können, dass die Lavendelblüten ungeachtet ihrer Herkunft auch in unseren Gärten einen ökologischen Wert haben. Er besticht vor allem durch den Reichtum an stark zuckerhaltigem Nektar.

In Deutschland heimische Pflanzen sind sicherlich noch wertvoller und bieten Insekten, Vögeln und Kleintieren Nahrung, Unterschlupf und Möglichkeiten zum Nestbau. Im Gegensatz zu Kirschlorbeer, der sich unverständlicherweise als Heckenpflanze einer ungebrochenen Beliebtheit erfreut, kann man Lavendel aber kaum als ökologische Nullnummer bezeichnen: Er hilft bei der biologischen Schädlingsbekämpfung, ist eine hervorragende Bienenweide und beliebtes Schmetterlingsfutter, und selbst die Gartenabfälle, die vom Lavendel schneiden anfallen lassen sich im Garten noch sinnvoll einsetzen.

Nachbarschaftshilfe gegen Blattläuse

Der strenge Geruch der Lavendelblüten ist nicht nur Motten unangenehm – im Garten hält er auch Blattläuse von Nachbarpflanzen fern! Einer der Gründe, warum man Rosen gerne mit Lavendel zusammen pflanzt.

Gute Bienenweide für Schmetterlinge und andere Insekten

Der aromatische Geruch der Lavendelblüten ist kein Selbstzweck, sondern soll möglichst viele Bestäuber anlocken. Wer sich den blühenden Lavendel im sommerlichen Garten anschaut sieht unschwer, dass ihm das sehr gut gelingt. Der Nektar kommt vielen Insekten zugute, vor allem Bienen, Wildbienen und Hummeln ebenso wie Schmetterlingen. Auf den Pollen für ihre Brut ist auch eine Wildbiene angewiesen:

Eine seltene Wildbiene am Lavendel

Ein besonderer Besucher an so ziemlich allen Lavendelarten einschließlich Lavandula angustifolia und Lavandula latifolia ist die Schuppen-Pelzbiene (Anthophora pubescens). Bienenexperten erkennen die kleinste unserer heimischen Pelzbienen an der charakteristischen weißen Zeichnung ihrer Kopfschilde.

Die nur 8-9 Millimeter großen Weibchen sammeln von Anfang Juli bis Mitte August den Pollen der Lavendelblüten, um damit Nahrungspakete für ihre Brut zu schnüren; die platziert sie zusammen mit jeweils einem Ei in den Nestern, die sie in trockenwarme sandige Steilhänge, in Südeuropa auch in die Zwischenräume von Mauersteinen gräbt.

So rar wie diese Standorte mit passender Umgebung geworden sind finden sich hier oft ganze Kolonien von Anthophora pubescens-Weibchen – bis zu 100 davon wurden bereits an einer Steilwand gezählt. Die größten deutschen Vorkommen finden sich am Kaiserstuhl und am benachbarten Tuniberg in der Oberrheinebene – die Schuppen-Pelzbiene mag es halt genau wie der Lavendel schön warm, sonnig und eher trocken.

Lavendelhonig

Bei Imkern ist der Lavendel als gute Bienenweide beliebt. Kein Wunder – die unscheinbaren Blüten enthalten reichlich Nektar, in dem 21-48 % Zucker enthalten sind. Nicht nur das: Jede dieser Winzigkeiten produziert bis zu 0,26 mg Zucker am Tag. Honigbienen sammeln den Nektar und stellen daraus durch ständiges Umlagern und Trocknen Honig her.

Das meiste davon wird zur Beitracht in sommerlichen Blütenhonigen, aber bei großen Beständen wie in Südfrankreich reichen die Anbauflächen für einen hocharomatischen und heißbegehrten Sortenhonig. Lavendelhonig hat tatsächlich eine leichte Lavendelnote und schmeckt fruchtig-aromatisch mit nur milder Süße und leichter Säure – eine interessante geschmackliche Kombination.

Lavendelhonig kristallisiert schnell aus; er hat eine cremige Konsistenz und eine helle Farbe mit perlmuttartigem Glanz. Die Zuckeranteile sind ungewöhnlich: Wenig Fruchtzucker (36 %) und Traubenzucker (31 %), dafür aber überdurchschnittlich viel Rohrzucker (6 %). Daher erlaubt die Deutsche Honigverordnung bei Lavendelhonig ausdrücklich bis zu 15 % Saccharose – bei anderen Honigen dürfen es höchstens 5 % sein.

Beim Lavendelhonig kaufen sollte man Wert auf ein Bio-Siegel und europäische Herkunft legen. Damit stellst Du sicher, dass Du keine Pestizide oder sonstige Schadstoffe mit einkaufst. Schau auf das Etikett: Bei einem „Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ sind die Bestimmungen längst nicht so streng wie in der Deutschen Honigverordnung oder den Qualitätsvorschriften des Deutschen Imkerbundes (DIB).

Lavendel und Schmetterlinge

Schmetterlinge lieben den Lavendel im Garten mindestens ebenso sehr wie Honigbienen und Hummeln. Bei uns wird er zwar nicht als Raupenfutter genutzt, aber der Nektar ist eine hervorragende Tankstelle für ausgewachsene Schmetterlinge. Zu den häufigsten Besuchern gehören Weißlinge (Pieris spec.) und Bläulinge (Lycaenidae), Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), Distelfalter (Vanessa cardui), Kleiner Fuchs (Aglais urticae) und Segelfalter (Iphiclides podalirius).

Schnittgut von Lavendel im Reisighaufen

Besonders viele Reste fallen bei der Gartenarbeit nicht an – da die Pflanzen immergrün sind beschränken sie sich auf das, was vom Lavendel schneiden übrigbleibt. Was davon nicht als Duftkissen oder Potpurri verwendet wird lässt sich zusammen mit anderen Gartenabfällen auf dem Kompost oder in einem Ast- und Reisighaufen unterbringen.

Bei ausreichender Größe (am besten einen Meter hoch) bietet ein Reisighaufen einer Vielzahl von Lebewesen eine Behausung: kleinen Vögeln, Mäusen, Igeln und anderen Kleinsäugern, Käfern, Spinnen ebenso wie Reptilien und Amphibien.

Ganz oben auf den Reisighaufen kommen noch ein paar stachlige Brombeerranken und ein paar dickere Äste, damit nicht alles beim ersten Windstoß davonfliegt und größere Tiere auf Beutefang nicht allzu leichtes Spiel haben. Die verrottenden Anteile bilden einen Mulch, der für Pilze und viele Insektenlarven ein Paradies darstellt. Lavendelzweige können dazu ebenfalls ihren Beitrag leisten.

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