Was kann man mit Lavendel machen?
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Ratgeber

Was kann man mit Lavendel machen?

Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Lavendel duftet nicht nur wunderbar und lässt sich in Lavendelsäckchen gegen Motten oder zur Dekoration verwenden: Lavendelblüten sind auch ein mediterranes Gewürz. Schon mal probiert? Sie schmecken aromatisch mit einer leicht bitteren Note.

Lavendel in der Küche

In Südfrankreich, Italien und Spanien sind Lavendelblätter und Lavendelblüten fester Bestandteil der regionalen Küche. 

  • Junge Triebe und Blätter 
    • eignen sich zum Würzen von Lamm, Geflügel, Fisch, Eintöpfen, Suppen und Saucen
    • Nicht wundern: Das Aroma geht eher in die Richtung von Rosmarin als in die der Blüten; beide sind ähnlich bitter und würzig.
  • Lavendelblüten 
    • gehören für Viele in die französische Kräutermischung Herbes de Provence (Kräuter der Provence), die man meistens mit billigerem Kraut zu kaufen bekommt. Anlass genug Dir gleich zu verraten, wie man die vernünftig selber macht.
    • lassen sich aber auch sonst vielfältig verwenden: an Fleisch- und Fischgerichten, in Suppen und Eintöpfen, Süßspeisen und Desserts sind sie bei unseren Nachbarn wesentlich populärer als in Deutschland. 

Fangen wir erst einmal mit der versprochenen berühmten Kräutermischung aus der Provence an:

Herbes de Provence selber machen – Lavendel inklusive

Du pflegst einen üppigen Kräutergarten und bereitest Deine Gewürzmischungen lieber selber zu? Dann solltest Du Dich unbedingt mal an der berühmten Provenzalischen Kräutermischung versuchen. Herbes de Provence sind ein Universalgewürz für Fleisch- und Geflügelgerichte, Gemüse und Suppen. Fisch vom Grill oder einem saftigen Steak geben sie eine besondere Note.

Einfaches Rezept für Herbes de Provence mit Lavendel:

Die Mengen beziehen sich auf getrocknete Kräuter und sind nur Vorschläge - wie viel Du von jedem Kraut nimmst bleibt natürlich Dir überlassen. Außerdem kannst Du noch weitere Kräuter und Gewürze zufügen, wie Majoran, Fenchelsamen oder Kerbelblätter. So hast Du wesentlich mehr Variationsmöglichkeiten als wenn Du Herbes de Provence fertig von der Stange kaufst.

Die Kräuter werden gemischt und in einer gut schließenden Dose oder noch besser in einem dichten Schraubglas dunkel und kühl aufbewahrt. 

Am besten gibst Du sie erst kurz vor Ende der Garzeit dazu, damit sich die ätherischen Öle nicht schnell verdünnisieren. Zerreibe eine Prise davon zwischen den Fingern – dann kommen noch mal ein paar ätherische Öle mehr zum Vorschein und es duftet wunderbar in der Küche.

Tipp: Mit Herbes de Provence kann man auch ganz einfach einen würzigen Kräuteressig oder ein aromatisches Kräuteröl selber machen. Und das absolut idiotensicher: Mischen - ein paar Tage ziehen lassen - fertig!

Lavendelblütenessig selber machen

Ein hocharomatischer Essig mit Lavendel lässt sich schnell und simpel herstellen. Das einfachste Rezept für Lavendelblütenessig

  • Ein paar Blütenstände vom Lavendel in eine Flasche geben und mit klarem Weinessig übergießen. Geht natürlich auch mit verdünnter Essigessenz.
  • Dekorationshalber kannst Du auch noch kleine getrocknete Chili, ein Lorbeerblatt und/oder ein paar Pfeffer- und Senfkörner mit dazugeben. 
  • Die Flasche stellst Du an einen warmen, aber lichtgeschützten Platz; etwa mit einem Tuch verhüllt über der Heizung.
  • Ab und zu vorsichtig hin- und her bewegen, damit sich das Aroma gleichmäßig verteilt. 
  • Nach zwei, drei Wochen ist Dein selbstgemachter Lavendelblütenessig einsatzbereit. 
  • Du kannst ihn einfach nach Bedarf dekantieren oder, wenn Du auf die Deko keinen Wert legst, durch ein Sieb in eine neue Flasche umfüllen. Die Mühe mache ich mir persönlich gar nicht, zumal die Einlagen so hübsch aussehen.

PS: Mit dem gleichen Rezept kannst Du auch ein aromatisches Lavendelblütenöl für die Küche herstellen, nur mit einem hochwertigen Pflanzenöl anstelle von Weinessig. Lavendelöl ist etwas vollkommen anderes und wird aus den Lavendelblüten durch Wasserdampfdestillation hergestellt.

Ein paar Ideen, wie man Lavendelblütenessig verwendet?

  • An Salaten reichen ein paar Tropfen, um für ein intensives mediterranes Flair zu sorgen. 
  • Ähnliches gilt für Gemüsegerichte wie das berühmte französische Ratatouille oder 
  • eine leckere Gemüsesuppe aus allem, was Dein Garten gerade an frischem Gemüse bietet. Süß – sauer – salzig spricht die Geschmacksknospen alle auf einmal an.
  • Weißer Bohneneintopf mit etwas Lavendelblütenessig hat eine ganz besondere Note, die bestimmt noch keiner aus Deiner Familie kennt ;-).

Rezept für Lavendelsirup

Ein erfrischend-aromatischer Lavendelsirup lässt sich mit Wasser oder Sprudel zu einem sommerlichen Getränk verdünnen oder für mediterran angehauchte Cocktails verwenden. Mit Kirsch, Mandel und Vanille harmoniert er besonders gut, und mit einem Spritzer Zitronensaft oder einer Zitronenscheibe wird das Lavendelaroma erst so richtig zum Genuss.

Lavendelsirup lässt sich selber machen, indem Du Blüten mit einer konzentrierten Zuckerlösung ziehen lässt. Ein Aufkochen des Sirups mit den Lavendelblüten solltest Du tunlichst vermeiden, denn dann gehen die ganzen wertvollen Duftstoffe perdü. Stattdessen kannst Du einen Zuckersirup mit Zucker und Wasser vorkochen.

Einfaches Rezept für Lavendelsirup:

  • Dick oder dünn? Mit einem Mischungsverhältnis 1:1 (1 l Wasser + 1 kg Zucker) bekommst Du einen relativ dünnflüssigen Zuckersirup, mit einem Mischungsverhältnis 1:1,5 (1 l Wasser + 1,5 kg Zucker) einen dickflüssigen – reine Geschmackssache. Hinweis: Der dickere Zuckersirup macht den Lavendelsirup etwas länger haltbar als der dünnflüssige.
  • In einem großen Topf werden Zucker und Wasser einmal aufgekocht. Dann die Mischung fünf Minuten mit geringer Hitzezufuhr leise weiterköcheln lassen. 
  • Stopfe in der Zwischenzeit die Lavendelblüten in die dafür vorgesehene Flasche – erst nach dem Sirup einfüllen wäre ungeschickt, denn dann schwimmen sie alle oben und lassen sich nicht so schnell zum Abtauchen bewegen.
  • Den vollständig abgekühlten Zuckersirup nach und nach vorsichtig einfüllen. Zwischendurch schütteln, um das mit dem Schwimmen zu vereiteln.
  • Gut verschlossen bleibt der Lavendelsirup ungeöffnet bis zu einem halben Jahr haltbar. Stell ihn nach Anbruch am besten in den Kühlschrank und verbrauche ihn zeitnah. Keine Sorge, gerade im Sommer wird er vermutlich schnell weg sein ;-)… 

Der Doktor empfiehlt: Lavendel mit Sauerkirschen ;-)

Mein persönlicher Geheimtipp: Kombiniere mal Sauerkirschen mit Lavendelblüten – ich liebe es, und auch Du wirst überrascht sein, wie gut sie in Kirschmarmelade oder Kirschkompott schmecken! Letzteres ist eine geniale Beilage für frisch gebackene Waffeln. Besonders lecker sind natürlich frisch geerntete Lavendelblüten direkt aus dem Garten, aber auch getrockneter Lavendel sorgt für reichlich Aroma. Gib sie erst ganz am Schluss dazu, damit das duftende Lavendelöl nicht verloren geht.

  • Kirschmarmelade kochst Du wie üblich aus entsteinten Kirschen mit Gelierzucker nach Anweisung. Vor dem Einfüllen in Gläser rührst Du einen Löffel Lavendelblüten unter, machst schnell den Deckel drauf und stellst die Gläser auf den Kopf, bis die Marmelade festgeworden ist. Auch ein schönes Mitbringsel: Jeder, der den Deckel aufmacht, denkt erst einmal Wowqu‘est-ce que c’est…!?
  • Belgische Waffeln sind schön luftig. Sie bestehen aus Mehl, Zucker, Ei oder Eiersatz mit einer Prise Salz, Backpulver und – wichtig! – geschmolzener Butter oder Margarine. Der Teil sollte gut fließen, und für das Backen empfiehlt sich ein Waffeleisen mit großen Waben. Für das Kirschkompott mit Lavendel nimmst Du einfach selber eingemachte Kirschen (oder gekaufte Kirschen aus dem Glas) mitsamt dem Saft und kochst sie mit einem Löffel angerührter Stärke so lange auf, bis die Masse dicklich wird. Zucker kann, muss nicht, aber ein Schuss Portwein hilft dem Aroma zusätzlich auf die Sprünge. Waffeln auf Tellern anrichten, Kirschkompott drüber, mit Lavendelblüten bestreuen, Sahne drüber und fertig. Guten Appetit!

Achtung: Lavendel grundsätzlich erstmal sparsam verwenden - sowohl in der Marmelade als auch auf den Waffeln. Die Blüten sollten nur einen zarten Hauch hinterlassen und nicht schmecken, als würdest Du in ein Lavendelsäckchen beißen!

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