Meerrettich

Armoracia rusticana

Staude
Wildform
Schmetterlingspflanze
essbar
lange Blühzeit
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Gesamte Pflanze von Meerrettich

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Scharf schmeckende Gemüsepflanze aus der Familie der Kreuzblütler
  • Wegen der aromatischen Wurzeln kultiviert
  • Oberirdisch bis zu einem Meter lange dunkelgrüne gewellte Blätter
  • Bis über einen Meter hohe Blütenstände mit weißen Kreuzblüten
  • Vermehrung mit Wurzelschnittlingen
  • Bildet mit Wurzelausläufern schnell große Bestände
  • Ernte, sobald die Blätter welk werden
  • Kann bei empfindlichen Menschen Hautreizungen hervorrufen
  • Alte Heilpflanze gegen Verdauungsbeschwerden und Erkrankungen der Atem- und Harnwege
  • Winterhart und pflegeleicht
Standort
Licht: Sonne bis Halbschatten
Boden: durchlässig bis lehmig
Wasser: feucht bis frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Wuchs
Pflanzenart: Staude
Höhe: 60 - 120 cm
Wurzelsystem: Pfahlwurzler
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Blütenform: kreuzförmig
Laub
Blattfarbe grün
Blattphase sommergrün
Blattform lanzettlich
Sonstiges
ist essbar Wurzel
Klassifizierung
Ordnung: Kreuzblütlerartige
Familie: Kreuzblütlergewächse
Gattung: Armoracia
Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Was ist Meerrettich?

Meerrettich oder österreichisch Kren (Armoracia rusticana) wird seit Alters her als scharf-würzige Gemüsepflanze angebaut und ist ziemlich häufig verwildert auf staudenreichen Unkrautfluren, an Wegen und Zäunem, Schuttplätzen und Gräben vor allem in Siedlungsnähe antreffen. Er gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und ist wegen seiner fleischigen, bis zu einem halben Meter in die Tiefe reichenden verzweigten Pfahlwurzel begehrt. Mit seinen unterirdischen Ausläufern bildet er schnell größere Bestände.

Oberirdisch ragen die aufrechten Stängel der ausdauernden krautigen Pflanzen 60-120 Zentimeter weit empor. Daran sitzen vor allem in Bodennähe die lang gestielten, bis zu einem Meter langen dunkelgrünen Blätter. Sie sind länglich-eiförmig, rau und gewellt oder faltig, mit einem gekerbten Rand. Dagegen sind die Stängelblätter weiter oben deutlich kleiner und fiederspaltig.

Die Blüten erscheinen in endständigen bis zu 40 Zentimeter breiten Rispen. Es handelt sich dabei um die typischen vierzähligen und zwittrigen Kreuzblüten, mit stumpfen Kelchblättern und mindestens doppelt so langen weißen Kronblättern. Sie sind genagelt und bis zu einem Zentimeter lang. Während der Samenreife wachsen die Fruchtstiele weiter; die Schoten sind 4-6 Millimeter lang und oft taub oder enthalten nur wenige Samen. Diese sind eiförmig, glatt und braun.

Meerrettich im Garten

Standort

Meerrettich bevorzugt einen frischen und nährstoffreichen, fetthumosen und lockeren, tiefgründigen und gerne auch sandigen Lehmboden. Pralle Sonne macht ihm nichts aus, er wächst auch im Halbschatten. Er ist vollkommen frosthart und übersteht auch den härtesten Winter. Will man ihn später ernten, muss man ihn im Sommer reichlich gießen, damit die Wurzeln nicht holzig werden.

Schnitt

Ein Schneiden ist beim Meerrettich nur im Sinne einer Ernte erforderlich, bei der man die tiefreichenden Wurzeln ausbuddelt. Sicherheitshalber sollte man beim Hantieren mit der Pflanze Handschuhe tragen, denn die scharfen Inhaltsstoffe können bei empfindlichen Menschen Hautirritationen hervorrufen. Die Ernte beginnt, wenn sich die Wurzeln voll ausgebildet haben und das oberirdische Kraut abzusterben beginnt, also in Herbst und Winter.

Vermehrung

Eine Vermehrung mit Samen ist prinzipiell möglich, aber da ohnehin nur wenige davon gebildet werden ist die vegetative Vermehrung mit Wurzelschnittlingen oder durch Teilen der Bestände wesentlich effektiver. Reste der Wurzeln treiben schnell wieder aus.

Verwendung

Meerrettich ist mit seiner Nutzung eine typische Pflanze für den Nutzgarten.

Schädlinge

Meerrettich ist anfällig für Schwarzfäule, Erdflöhe, Kohlhernie und das Rüben-Mosaikvirus. Ebenso treten Mehltau und Rostpilze auf.

Ökologie

Die Blüten des Meerrettichs werden von Insekten bestäubt, der Samen durch Wind verbreitet. Die Larven des Garten-Blattspanners Xanthorrhoe fluctuata oder des Kleinen Kohlweißlings Pieris rapae lassen sich vom scharfen Geschmack nicht stören und nutzen die Blätter als Raupenfutter.

Wissenswertes

Auf Viehweiden sind die charakteristischen großen Blätter des Meerrettichs oft von weitem zu erkennen, denn die Tiere fressen ringsum fein säuberlich das Gras ab und lassen große Bestände einsam stehen. Die Pflanze stammt vermutlich aus Moldawien, wo sich noch heute wild wachsende Exemplare finden. Vermutlich verbreiteten bereits die alten Griechen und Römer die Pflanze. In den mittelalterlichen Kräuterbüchern wird er regelmäßig erwähnt, und die Landgüterverordnung Capitulare de villis Karls des Großen empfiehlt ihren Anbau.

Über die Herkunft des Namens wird heftig gestritten; Meer im Sinne von übers Meer gekommen (wie beim Meerschweinchen) ist ähnlich abenteuerlich wie die Behauptung, dass er gerne in Küstennähe wächst – das Gegenteil ist der Fall. Vielleicht stimmt die alte Volksethymologie, dass sich die Bezeichnung von Mähre für Pferd ableitet – zumindest im Englischen heißt er auch horseradish und auf Französisch radis de cheval oder raifort. Das österreischische Kren kommt aus dem slawischen, so wie chren auf slowakisch, chrzan auf polnisch oder ???? auf russisch.

Der scharfe Geschmack entsteht erst beim Reiben der Wurzeln – die ansonsten unauffälligen Senfölglykoside (Glucosinolate) wie Sinigrin und Gluconasturtiin werden durch die Verletzung der Zellstruktur durch das Enzym Myrosinase aufgespalten und setzen dadurch Senföle frei, vor allem Allylisothiocyanat, die in die Nase steigen und die Augen tränen lassen. Man verwendet sie in der Küche als Beilage zu gekochtem Rindfleisch und in der Naturheilkunde bei Verdauungsbeschwerden und Erkrankungen der Harn- und Atemwege. 2021 kürte man den Meerrettich zur Heilpflanze des Jahres.

Fotos

Gesamte Pflanze Meerrettich
Quelle: NaturaDB
Blatt Meerrettich
Quelle: NaturaDB
Blatt Meerrettich
Quelle: NaturaDB
Blatt Meerrettich
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Meerrettich
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Meerrettich
Quelle: NaturaDB
Blatt Meerrettich
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Meerrettich
Quelle: NaturaDB
Blüte Meerrettich
Quelle: Helge Klaus Rieder, CC0, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Meerrettich
Quelle: Agnieszka Kwiecie?, Nova, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Meerrettich
Quelle: Helge Klaus Rieder, CC0, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Meerrettich
Quelle: Krzysztof Ziarnek, Kenraiz, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons
Was sind mehrjährige Stauden?

Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.

Häufige Fragen

Für was ist Meerrettich gesund?

Verantwortlich für den scharfen Geschmack sind Senfölglykoside, die bei Verletzungen des Gewebes zu Senfölen umgewandelt werden. Sie gelten als bakterizid, fungizid und virozid und werden in der Volksheilkunde vor allem bei Verdauungsbeschwerden, Blasenentzündungen und Erkältungen eingesetzt. Mit seinem hohen Vitamin C-Gehalt gilt er als Mittel gegen Skorbut. Er enthält auch Mineralstoffe und Vitamin B, die allerdings bei den üblichen Verzehrmengen keine Rolle spielen. Bei empfindlichen Menschen kann der Genuss von Meerrettich zu Bauchschmerzen führen und verursacht der Saft Hautreizungen. Andererseits führt der äußerliche Gebrauch zu einer Durchblutungssteigerung und wird bei Prellungen und Stauchungen angewendet.

Wie kann man Meerrettich essen?

Aus den fleischigen gelb-weißen Wurzeln des Meerrettichs lässt sich ein vergleichsweise mildes Gemüse als Beilage zu Fleisch und Fisch kochen. Wesentlich schärfer ist der geriebene frische Meerrettich, denn erst durch die Verletzung der Zellen entstehen die scharf schmeckenden Senföle, die in die Nase steigen und die Augen zu Tränen reizen. Mit etwas Zitronensaft behält er die Farbe, und was man von der Wurzel nicht zerrieben hat lässt sich gut eingepackt in Frischhaltefolie noch eine ganze Weile im Gemüsefach aufbewahren.

Kann man Meerrettich einfrieren?

Kein Problem – eigentlich ist das die beste Methode, um größere Mengen längere Zeit haltbar zu machen, denn gerieben verliert er schnell an Aroma. Man friert die ganze Wurzel ein und reibt oder raspelt gerade so viel wie man braucht, oder man zerkleinert sie und sorgt mit etwas Zitronensaft dafür, dass der Meerrettich nicht braun wird und friert ihn anschließend im Eiswürfelbehälter portioniert ein.

Ökologischer Wert

Meerrettich ist in Mitteleuropa eingebürgert, aber dennoch Nahrungsquelle/Lebensraum für Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Schmetterlingsarten:
1
Dient als Futterplanze für Raupen:
1

Kräuter

Themen

Quelle: Anne Kramer/shutterstock.com
Nutzgarten
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