Mönchspfeffer

Vitex agnus-castus

Gehölz
Wildform
bedingt winterhart
essbar
lange Blühzeit
Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) Alle 3 Fotos anzeigen
Quelle: H. Zell, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Breiter Strauch aus der Familie der Lippenblütler
  • Hanfähnliche Blätter und Buddleja-ähnliche Blütenstände
  • Von vielen Insekten besucht, vor allem gute Bienenweide
  • Vermehrung mit Samen oder Stecklingen
  • Robust und pflegeleicht
  • Alte Heil- und Gewürzpflanze
  • Pfefferähnliche Steinfrüchte in der Küche wie Pfeffer einsetzbar
  • Deutscher Name, da er den Sexualtrieb bei Männern vermindert
  • In der Naturheilkunde zur Behandlung von Frauenleiden eingesetzt
  • In Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert
Standort
Licht: Sonne bis Halbschatten
Boden: durchlässig bis normal
Wasser: trocken
Nährstoffe: normaler Boden
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 80 - 150 cm
Wurzelsystem: Flachwurzler
Frostverträglich: bis -17 °C (bis Klimazone 7)
Blüte
Blütenfarbe: blau
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Sonstiges
ist essbar Zweige,Blatt,Samen
Klassifizierung
Ordnung: Lippenblütlerartige
Familie: Lippenblütler
Gattung: Vitex
Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Was ist Mönchspfeffer?

Mönchspfeffer oder Keuschlamm (Vitex agnus-castus) ist ein 2-8 Meter hoher und breiter, ausladender und sommergrüner Strauch aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), der ursprünglich am Mittelmeer beheimatet schon früh als Heil- und Zierpflanze bei uns eingeführt wurde. In seiner Heimat wächst er bevorzugt in Auwäldern, an Bach- und Flussufern und an der Küste und anderen feuchten, nährstoffreichen Stellen und wird über 15 Jahre alt.

Seine hellbraunen Triebe entspringen einer pfahlförmigen Wurzel; sie sind vierkantig und behaart, mit dunkelgrünen 5- oder 7-fingerigen Blättern aus bis zu 10 Zentimeter langen schmal-elliptischen und in eine Spitze auslaufenden Fiederblättchen mit ganzem oder scharf gesägtem Rand. Die Blütenstände sind langgezogene aufrechte und endständige Ähren aus kleinen röhrig verwachsenen, zweilippigen Blüten. Diese duften intensiv und haben eine dunkelblaue bis hellviolette, seltener weiße Farbe. Aus ihnen bilden sich 3-4 Millimeter große, trockene schwarze und kugelige Steinfrüchte mit vier Kammern. Zur Hälfte bleiben sie von den vertrocknenden hellbraunen Kelchblättern umschlossen und erinnern entfernt an Pfefferkörner.

Mönchspfeffer im Garten

Standort

Der Mönchspfeffer ist wenig anspruchsvoll und gedeiht auf jedem normalen, gut durchlässigen Gartenboden, gleich ob steinig, lehmig oder sandig. Er sollte in der prallen Sonne stehen. Hat er sich erst einmal gut bewurzelt, verträgt er auch längere Trockenheit, ist aber für ausreichende Feuchtigkeit deutlich dankbarer. In strengen Wintern muss man ihn gegebenenfalls vor Frost schützen; unter guten Bedingungen hält er bis zu -20 °C aus. Friert er oberseits zum großen Teil ab, wächst er im nachfolgenden Frühjahr schnell wieder nach.

Schnitt

Schneiden kann man die Sträucher im Herbst, falls sie zu sehr ausufern; zudem steigert das im Folgejahr den Ertrag, wohingegen ein Schnitt im Frühjahr die Zahl der neuen Triebe und damit auch der Früchte reduziert. Den Samen zu ernten ist schwierig, da man beim Schnitt sowohl ausgereifte als auch unreife erhält und die reifen Exemplare schnell abfallen.

Vermehrung

Die Vermehrung von Mönchspfeffer erfolgt mit Samen, die man in Frühjahr oder Herbst aussät, oder mithilfe von nicht vollständig verholzten Stecklingen.

Verwendung

Mit ihrer Vorliebe für helle feuchte Plätze lassen sich die Pflanzen gut in Staudenbeeten, Rabatten und an sonnenbeschienenen Mauern einsetzen. Er verträgt auch Salz und lässt sich in Vorgärten pflanzen, an denen die Straßen im Winter kräftig gestreut werden. Mit seinen duftenden und nektarreichen Blüten ist er zudem eine ausgezeichnete Bienenweide.

Schädlinge

Krankheiten und Schädlinge wird am beim ausgesprochen robusten Mönchspfeffer kaum finden, aber bei ungünstigem Standort können ihm Thripse Probleme bereiten. Die Winden-Glasflügelzikade Hyalesthes obsoletus bevorzugt in unseren Breiten Ackerwinde und Brennnessel als Wirtspflanze und tritt am Mönchspfeffer selten auf. Im Nahen Osten ist er hingegen der Hauptwirt – was man sich in Weinbergen zunutze macht, um die Schädlinge von den Reben abzulenken, denn die Zikade überträgt Phytoplasmose, welche die Schwarzholzkrankheit hervorruft und die Weinernte bedroht.

Ökologie

Mit seinen duftenden Blüten zieht der Mönchspfeffer eine Vielzahl von Insekten an, allen voran Honig- und Wildbienen wie auch Schmetterlinge.

Wissenswertes

Im antiken Griechenland galt der dort verbreitet vorkommende Mönchspfeffer als Symbol der keuschen Ehe und war der jungfräulichen Göttin Hestia geweiht. Der Legende nach schlief die Göttermutter Hera einmal im Jahr mit ihrem Mann Zeus auf der Insel Samos unter jenem Baum, unter dem sie geboren wurde und erneuerte danach ihre Jungfräulichkeit durch ein Bad im „jungfräulichen“ Fluss Parthenios (heute Imvrasos).

Plinius d. Ä. beschreibt in seiner Historia naturalis, dass Frauen das getrocknete Kraut in ihren Betten verwendeten, um damit die „Hitze der Lust zu kühlen“. Eine große Rolle spielte es während der Thesmophorien, einem Fest anlässlich der Rückkehr der Persephone nach ihrer Entführung durch Hades zu ihrer Mutter Demeter Thesmophoros. Während der mehrtägigen Feiern beten sie um Fruchtbarkeit. Männer waren von den Feierlichkeiten ausgeschlossen - und von ihren ehelichen Pflichten entbunden.

Von der Antike bis in die Neuzeit war der Mönchspfeffer als Anaphrodisiakum bekannt, ein den Geschlechtstrieb dämpfendes Mittel; auch der botanische Name agnus castus bedeutet nichts anderes als keusches Lamm. Bei Frauen hilft die alte Heilpflanze gegen das prämenstruelle Syndrom (PMS), bei Männern zügelt es den sexuellen Appetit. Solcherlei Wirkung beschrieben bereits die antiken griechischen Ärzte, und auch die Kräuterbücher des Mittelalters befassten sich ausführlich damit. Wegen seiner Triebhemmung war er in den Klostergärten der Mönche gerne angebaut, denn die scharf schmeckenden, leicht nach Salbei duftenden Steinfrüchte durften sie in der Küche als Gewürz verwenden – mit von der Kirche gerne gesehenen Nebeneffekten.

Fotos

Gesamte Pflanze Mönchspfeffer
Quelle: H. Zell, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blatt Mönchspfeffer
Quelle: Daniel VILLAFRUELA, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blüte Mönchspfeffer
Quelle: peganum from Henfield, England, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Sorten Mönchspfeffer

Sorte Höhe
Mönchspfeffer (Wildform) 80 - 150 cm
Mönchspfeffer 'Alba' 50 - 120 cm
Mönchspfeffer 'Pink Pinnacle'

Häufige Fragen

Für was ist Mönchspfeffer gut?

Der getrocknete Mönchspfeffer Agni casti fructus enthält ebenso wie die Blätter etherische Öle, Diterpene, Flavonoide wie Vitexin und Casticin und Iridoidglykoside wie Agnusid und Aucubin. Im Nervensystem aktivieren sie die Dopaminrezeptoren und vermindern dadurch in der Hypophyse die Freisetzung von Prolaktin. Dieses normalisiert bei Frauen einen gestörten Hormonzyklus und senkt bei Männern den Testosteronspiegel. Viele Frauen nehmen ihn zur Normalisierung der Periode bei Kinderwunsch ein, die häufigste Anwendung ist der die Linderung des prämenstruellen Syndroms (PMS). Bei den mittelalterlichen Mönchen sollte das pfefferähnliche Gewürz den Geschlechtstrieb dämpfen.

Mögliche Nebenwirkungen der Behandlung sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen und Menstruationsbeschwerden und/oder Müdigkeit. Bei Auftreten von Hautreaktionen wie Ausschlägen, Juckreiz oder Akne muss frau die Behandlung sofort beenden. Auch die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva, der „Pille“, kann beeinträchtigt werden. Wegen seiner hormonellen Wirkung dürfen Mädchen in der Pubertät und Frauen in Schwangerschaft und Stillzeit das Arzneimittel nicht einnehmen. Ähnliches gilt für Krebspatienten mit östrogenabhängigen Tumoren.

Wie schmeckt Mönchspfeffer?

Die Samen, genauer Steinfrüchte des Mönchspfeffers erinnern nicht nur äußerlich an Pfefferkörner, sie haben auch einen ähnlich scharfen Geschmack. Im Geruch erinnern sie allerdings eher an Salbei. In der Küche kann man sie als Gewürz für Fleisch- und Fischgerichte, Suppen und Eintöpfe ähnlich universell wie Pfeffer einsetzen. Beim Einlegen von Gurken und anderem Sauergemüse lässt er sich anstelle von Piment verwenden. Noch beliebter als in der Küche ist der Mönchspfeffer allerdings als Heilpflanze; den Namen hat er, weil er bei Mönchen den Sexualtrieb dämpfen sollte, und in der Naturheilkunde verwendet man ihn bis heute als Mittel gegen Frauenbeschwerden wie das prämenstruelle Syndrom und bei Kinderwunsch.

Ökologischer Wert

Mönchspfeffer ist nicht heimisch. Wir haben leider keine genauen Daten zum Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co. Häufig haben aber heimische Pflanzen einen höheren ökologischen Nutzen.

Kräuter

Themen

Quelle: Anne Kramer/shutterstock.com
Nutzgarten