Gewöhliches Schilf (Phragmites australis)
Quelle: Irina Ruchushkina/shutterstock.com
Super Insekten-pflanze

Gewöhliches SchilfSchilfrohr

Phragmites australis

Das Wichtigste auf einen Blick

heimische Wildform Gras winterhart Wichtige Schmetterlingspflanze essbar lange Blühzeit
  • Winterhartes heimisches Süßgras
  • Weltweit verbreitet
  • Aufrechte Stängel mit riemenförmigen blaugrünen Blättern
  • Ausbreitung mit Rhizomen und Ausläufern
  • Große rötlichbraune Rispen im Spätsommer
  • Braucht einen nährstoffreichen, mäßig sauren bis leicht kalkhaltigen Grund
  • Kann bis zu einem Meter tief im Wasser stehen
  • Für Teichränder, Gräben, Sumpf- und Uferzonen
  • Ökologisch interessant als Biomasse und zur Gewässerreinigung
  • Raupenfutter für Schmetterlinge
🏡 Standort
Licht: Sonne
Boden: durchlässig bis humos
Wasser: feucht bis frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
PH-Wert: basisch / kalk
🌱 Wuchs
Pflanzenart: Gras
Wuchs: aufrecht, beblätterte Stängel
Höhe: 2 - 2,8 m
Breite: 50 - 70 cm
frostverträglich: bis -28 °C (bis Klimazone 5)
Wurzelsystem: Flachwurzler
Wurzelausläufer: Ausläufer
🌼 Blüte
Blütenfarbe: braun
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Blütenform: klein, unscheinbar
🍃 Laub
Blattfarbe: bläulichgrün
Blattphase: sommergrün
Blattform: riemen- bis bandförmig, schmal
🐝 Ökologie
Schmetterlinge: 9 (davon keine spezialisiert)
Raupen: 22 (davon 12 spezialisiert)
🌐 Regionale Verbreitung der Art

Bitte beachte, dass die angezeigte Verbreitung auf der Karte lediglich als grobe Orientierungshilfe dienen soll. Für eine detailliertere Darstellung und mehr Informationen zur Verbreitung besuche doch gern floraweb.de.

Höhenlage: planar (<100m1 / <300m)2
bis
montan (500m-600m1 / 800m-1200m)2

1 Mittelgebirge / 2 Alpen⁠

ℹ️ Sonstiges
ist essbar junge Sprossen als Gemüse
Pflanzen je ㎡: 8
⤵️ Klassifizierung
Ordnung: Süßgrasartige
Familie: Süßgräser
Gattung: Schilfrohre

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Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten
Markus Wichert

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Markus Wichert Naturgärtner

Was ist Gewöhnliches Schilf?

Gewöhnliches Schilf, auch Schilfrohr oder einfach nur Schilf genannt, gehört zu den Kosmopoliten unter den Süßgräsern (Poaceae), die man fast weltweit antreffen kann. Es ist bezeichnet für das Röhricht der Uferzonen von stehenden und langsam fließenden Gewässern, Erlenbrüchen und Auwäldern, von Moorwiesen und Quellmooren. Unterirdisch breitet es sich flott mit seinem wüchsigen Rhizom in seiner Umgebung aus; oberirdisch werden seine aufrechten Halme bis zu vier Meter hoch. Die blaugrünen Blätter sind sehr lang und hängen an den Enden über. An den Enden der Halme erscheinen im Hochsommer die bis zu einem halben Meter langen Rispen; darin stehen unten männliche, darüber zwittrige Blüten. Die Karyopsen reifen frühestens im Dezember, oft erst im darauffolgenden Jahr.

Den Lotuseffekt gibt es nicht nur bei Lotus, sondern auch beim Schilfrohr: Die Blätter benetzen nicht mit Wasser, es perlt vielmehr davon ab. Dabei werden auch Schmutzpartikel entfernt. Möglich wird das durch feine spitze Mikrostrukturen in der Kutikula der Epidermis, die wasserabstoßend wirken.

Gewöhnliches Schilf im Garten

Quelle: olko1975/shutterstock.com

Standort

Im Gartenteich verträgt Schilf eine Wassertiefe von bis zu einem Meter. Wechselnde Wasserstände sind ihm nur recht, und es steht auch gerne warm in einem stickstoff- und basenreichen Schlick- oder Schlammboden.

Schnitt

ist unter Umständen erforderlich, wenn sich das Schilf zu sehr breitzumachen droht. Dann solltest Du mal kräftig ausmisten und dafür sorgen, dass Dein Gartenteich nicht zum reinen Schilfbiotop verkommt.

Vermehrung

Vermehren kannst Du Schilfrohr durch Teilen der Bestände oder noch einfacher mit Stecklingen. Dazu musst Du die Stängel in handliche Stücke mit zwei oder drei Knoten schneiden und ein paar Zentimeter tief in den Schlamm eingraben. Sie wurzeln nach einigen Wochen und bilden reichlich neue Sprosse. Die Aufzucht aus Samen ist recht langwierig, aber prinzipiell ebenfalls möglich. Sie sind Lichtkeimer, deren Keimfähigkeit bis zu vier Jahre erhalten bleibt.

Schilf wächst recht rasant; dafür sorgen die Rhizome, die im Sommer pro Tag bis zu drei Zentimeter zulegen.

Verwendung

Als Röhrichtpflanze ist das Schilfrohr natürlich prädestiniert für die Uferzone des Gartenteiches. Wie bereits ausgeführt kann es bis zu einem Meter tief im Wasser stehen, das nicht zu viel Bewegung haben darf.

Schädlinge

Schädlinge oder Krankheiten können dem widerstandsfähigen Schilfrohr selten etwas anhaben.

So funktioniert in natürlichen Ökosystemen die effektive Selbstregulation, damit Fressfeinde nicht überhand nehmen – Beispiel Schilfeule (Nonagria typhae): Die abgelegten Eier entwickeln sich zu Raupen, die sich in den Stängeln allmählich nach oben vorarbeiten und letztlich die Vegetationskegel in den Spitzen der Triebe zerstören. In großen Mengen eine schlechte Idee, denn diese Halme gehen ein und die Pflanze treibt danach viele, aber sehr dünne Halme, die für die Nachtfalter uninteressant sind. Dadurch kann sich die Schilfeulen-Population nicht über Gebühr ausbreiten und die Schilfrohrbestände gefährden.

Ökologie

  • Für die Bestäubung wie auch für die Verbreitung der Samen ist der Wind zuständig. Zudem sind Letztere schwimmfähig und können auf dem Wasser große Strecken zurücklegen.
  • Für Wasservögel stellen Schilfrohrbestände einen wichtigen Lebensraum dar, in dem sie sich verstecken und brüten können.
  • Das Grün ist ein beliebtes Raupenfutter bei Schmetterlingen, vor allem bei Nachtfaltern wie der Röhricht-Graseule Apamea ophiogramma oder der Schilfrohr-Wurzeleule Rhizedra lutosa. Wesentlich seltener sind die Teich-Röhrichteule Archanara algae oder der Schilf-Bürstenspinner Laelia coenosa. Neun Raupen sind auf Schilfrohr angewiesen.
  • Schilfrohrbestände lassen Schwebstoffe absinken; dadurch bildet sich reichlich Schlamm, der für eine zusehende Verlandung Für Moore ist das weniger förderlich.
  • Auf vernässten landwirtschaftlichen Flächen lässt sich das renitente Schilfrohr dank seiner tiefreichenden Wurzeln nicht so leicht vertreiben.
  • In Gewässern gibt das Schilfrohr eine ausgezeichnete Kläranlage ab; es filtert Schwebstoffe und Schadstoffe aus dem Wasser und reichert dieses mit Sauerstoff an. Dadurch werden auch organische Stoffe im Wasser schneller von Bakterien abgebaut.
  • Bei Retentionsbodenfiltern halten die Rhizome den Untergrund durchlässig und verhindern eine Verdichtung und Verstopfung.
  • Klärschlamm wird durch den Einsatz von Schilf entwässert und durch die Förderung des biologischen Abbaus durch Mikroorganismen zu Humus veredelt, der sich auf landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt werden kann.
  • Besonders etwa mit Schwermetallen belastetes Material lässt sich dadurch deutlich in der Menge reduzieren und danach verbrennen.
  • Schilfrohr bildet schnell Biomasse; das ist für die Gewinnung von Zellulose, Biogas oder Bioethanol
  • Schilfrohr bildet an ihm zusagenden Stellen schnell regelrechte Monokulturen, in denen andere Pflanzen kaum noch eine Chance auf Wachstum haben.

Wissenswertes

  • Schilfrohr an Stellen, wo überhaupt kein Wasser steht? Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass hier das nahe gelegene Grundwasser ordentlich in Bewegung ist.
  • Gras zum Rauchen? Eher weniger, auch wenn man im Wurzelstock von Phragmites australis psychoaktive Substanzen wie Dimethyltryptamin (DMT) und Bufotenin gefunden hat.
  • Regional verwendet man die jungen Schösslinge als Gemüse Soll allerdings ziemlich nach Gras schmecken.
  • Auch die Wurzeln sind essbar; sie lassen sich trocknen und zu Mehl vermahlen, mit dem man beim Brot backen das Getreidemehl strecken kann.
  • Schon bei den alten Sumerern diente Schilfrohr als das bevorzugte Schreibgerät, mit denen sie ihre Keilschrift in frische Tontafeln drückten. Die alten Ägypter und Griechen nutzten Papyrus und Tinte, die Römer machten daraus außerdem styli zum Beschriften von mit Bienenwachs beschichteten Holztäfelchen. Die tabula cerata war das Notizbuch der Antike.
  • In islamischen Ländern werden die aus Schilf geschnittenen Schreibrohre bis heute für Kalligraphien.
  • Schilfrohr ist seit alters her ein beliebter Baustoff, etwa zum Decken von Reetdächern oder als Geflecht bei Fachwerkbauten. Dabei kommt dem Material zugute, dass es keine Feuchtigkeit aufnimmt und sich dadurch als äußerst haltbar erweist. Dank der darin enthaltenen Kieselsäure ist Schilfrohr auch nicht so schnell brennbar wie die meisten anderen Naturmaterialien.
  • Apropos Garten: Schilfrohrmatten sind eine natürliche Alternative zu Folien, um Gewächshäuser vor der Sonne zu schützen. Leider werden sie inzwischen nur noch selten hergestellt.
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Fotos (4)

Gesamte Pflanze Gewöhliches Schilf
Quelle: Irina Ruchushkina/shutterstock.com
Gesamte Pflanze Gewöhliches Schilf
Quelle: olko1975/shutterstock.com
Blüte Gewöhliches Schilf
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Gewöhliches Schilf
Quelle: Andy.vac, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Wo kann man Gewöhliches Schilf kaufen?

Am naheliegendsten ist der Kauf in einer Gärtnerei oder einer Baumschule deiner Region.
Unter "Gewöhliches Schilf kaufen" findest du sofort erhältliche Angebote unterschiedlicher Internet-Anbieter.

Wert für Insekten und Vögel

Gewöhliches Schilf ist in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Schmetterlinge und Schmetterlingsraupen

spezialisierte Schmetterlinge:
keine
Schmetterlinge:
0
Raupen spezialisiert:
0
Raupenarten:
0

Schmetterlingsarten

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Stand:
19.05.2023