Garten-Rettich

Raphanus sativus

Einjährige
Wildform
essbar
Garten-Rettich (Raphanus sativus) Alle 3 Fotos anzeigen
Quelle: KENPEI, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Alte Kulturpflanze mit verschiedenen Sorten wie Sommer-Rettich und Radieschen
  • Gehört zur Familie der Kreuzblütler
  • Fleischige Knollen mit weißem Innenleben
  • Braucht im Garten einen tiefgründigen und lockeren Boden
  • Vorsicht vor unregelmäßigem Gießen und zu viel Dünger
  • Vermehrung mit Samen
  • Fruchtfolge sollte unbedingt eingehalten werden
  • Pflanzen an der gleichen Stelle fördert das Risiko von Schädlingen und Krankheiten
  • Knollen bei uns vorzugsweise roh gegessen
  • Auch als Heilpflanze bei Magen-Darm-Erkrankungen und Erkältungen eingesetzt
Wuchs
Pflanzenart: Einjährige
Höhe: 30 - 100 cm
Breite: 10 - 20 cm
Wurzelsystem: Pfahlwurzel
Blüte
Blütenfarbe: violett
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Licht
Sonne
Boden
Boden: durchlässig
Wasser: frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Sonstiges
Ordnung: Kreuzblütlerartige
Familie: Kreuzblütlergewächse
Gattung: Rettiche
ist essbar
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Garten-Rettich?

Garten-Rettich (Raphanus sativus) ist eine alte Kulturpflanze, die neben Winter- und Sommer-Rettich auch Radieschen und Eiszapfen umfasst und vermutlich auf Strand-Rettich (Raphanus maritimus) und Schnabel-Rettich (Raphanus rostratus) zurückzuführen ist, die noch heute in Südostasien wild wachsen. Er gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und wächst ein- oder zweijährig.

Typisch für ihn und seine verschiedenen Abkömmlinge sind die vergrößerten fleischigen Rüben, die im Inneren weiß gefärbt sind. Sie sind kugelig, bauchig-oval, zylindrisch, kegelförmig oder zapfenförmig und haben eine weiße, gelbe, braune oder rote bis zu schwarze Außenseite.

Aus den Rüben erheben sich die Blätter in einer grundständigen Rosette, aus der sich die aufrechten und im Endabschnitt blühenden Stängel erheben. Die unvollständig gefiederten Blätter sind unregelmäßig geformt mit runzliger Oberfläche und gezähntem Rand. Bei den Blüten handelt es sich um die typischen vierzähligen sternförmigen und zwittrigen Kreuzblüten, mit freistehenden grünen und schmal-länglichen Kelchblättern und weißen oder violetten genagelten Kronblättern mit dunklen Adern. Sie stehen anfangs in Schirmtrauben, die mit der Zeit zu langgestreckten Trauben auswachsen. Die Frucht ist eine nicht eingeschnürte schwammige und spitz auslaufende Schote mit Längsrillen und braunen eiförmigen Samen, die bei der Reife geschlossen bleibt.

Garten-Rettich im Garten

Standort

Der Garten-Rettich ist wenig anspruchsvoll und lässt sich auf allen Gartenböden anbauen. Sie sollten vorzugsweise tiefgründig, gut durchlässig, nährstoffreich, lehmig-humos und leicht sauer sein – Radieschen färben sich bei höheren pH-Werten nicht so schön rot wie man sie in der Regel haben möchte. Steinhaltige und verdichtete Böden führen zu unförmigen Rüben, und ungleichmäßige Feuchtigkeit kann die Knollen zum Platzen veranlassen.

Man sollte sich an die Fruchtfolge halten und die Kreuzblütler nicht mehrfach hintereinander an der gleichen Stelle wachsen lassen, da sonst Krankheiten und Schädlinge gehäuft auftreten. Frischen organischen Dünger und zu viel Stickstoff vertragen Radieschen und Rettich nicht besonders gut. Zudem verfärben sie sich schwarz, bilden keine Knollen und werden schneller von Schädlingen heimgesucht. Insbesondere im Schatten sammeln sie bei hohem Stickstoffangebot viel Nitrat, das im Darm zu schädlichem Nitrit umgewandelt wird.

Schnitt

Ein Schneiden ist in der Regel nicht erforderlich, man erntet die Rüben komplett mitsamt dem Kraut. Bisweilen kann man sie noch retten, wenn das Kraut bereits schießt; dann entfernt man die schnellwachsenden Triebe, damit sich die Pflanze nicht mit Blüten verausgabt. Erntet man zu spät, werden die Rüben hart und bitter.

Vermehrung

Radieschen wachsen bereits bei niedrigen Temperaturen, etwa ab 5 °C. Daher kann man sie zeitig im Frühjahr aussäen und bis in den Herbst hinein ernten. Man sät sie ab März an Ort und Stelle im Garten aus, gegebenenfalls bereits im Februar unter Folie, und meist mit Folgesaaten bis in den September. Dagegen sollte man Rettiche erst ab April aussäen, weil sie dann nicht so schnell schossen statt Rüben zu bilden. Bis zur Ernte dauert es unter guten Bedingungen oft nur 3-4 Wochen.

Lässt man einige davon blühen, so haben auch Insekten etwas davon und man kann aus den Schoten die Samen für die Nachzucht im Folgejahr ernten.

Verwendung

Als Gemüsepflanze ist der Garten-Rettich natürlich für den Nutzgarten wie geschaffen. Dort sind Rettich und Radieschen gute Begleitpflanzen, weil ihr strenger Geruch Blattläuse, Ameisen und anderes Getier fernhält, etwa bei Gurken, Kerbel, Salat und Erbsen.

Schädlinge

Vor allem wenn man sich nicht an die Fruchtfolge hält und den Garten-Rettich häufiger ohne Pause an der gleichen Stelle im Garten wachsen lässt, häufen sich Krankheiten wie Kohlhernie, Erdflöhe und Kohlfliegen. Ebenfalls nicht gerne gesehen sind die durch Pilze verursachte Rettichschwärze, Rostpilze und Mehltau, Blattläuse oder Gallmücken.

Ökologie

Auch wenn man es üblicherweise vermeidet, dass Radieschen und Rettiche zum Blühen kommen, ziehen die Blüten Schmetterlinge und andere Insekten an. Gleiches gilt für die Blätter, die von Kleinen und Großen Kohlweißlingen (Pieris rapae und Pieris brassicae) als Raupenfutter verwendet werden. Ihre Gelege sind leicht an den orangefarbenen, oft dicht beinander stehenden Eiern zu erkennen.

Wissenswertes

Bei uns in Europa ist nur Raphanus sativus mit seiner Subspecies sativus vertreten. Darunter unterscheidet man das Radieschen mit roter Schale und kleinen kugeligen Knollen (var. sativus); die kleinen weißen und langgestreckten Eiszapfen (var. vitreus); den mittelgroßen weißen und sommerreifen Sommer-Rettich (var. albus) und den großen schwarzen und winterreifen Winter-Rettich (var. niger). Die Knollen bestehen aus Anteilen der Wurzel und des unterirdischen Stängels. Es handelt sich bei diesen Hypokotylknollen um die Speicherorgane der Pflanzen.

Der Name leitet sich vom lateinischen radix für Wurzel ab. Als Gemüse ist der Garten-Rettich bereits aus der Antike bekannt; die alten Ägypter aßen ihn ebenso wie Griechen und Römer und wussten auch um seine heilkräftige Wirkung. In den mittelalterlichen Klostergärten wurde er angebaut und in den Kräuterbüchern wie dem des Dioskurides ausführlich beschrieben, ebenso wie bei Hildegard von Bingen. Er wird bei uns ausschließlich roh verzehrt, in Asien auch zusammen mit den Blättern in gekochter Form. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch die Sprossen, vor allem von Radieschen, als Salatbeilage oder im Wok.

Fotos

Gesamte Pflanze Garten-Rettich
Quelle: KENPEI, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blüte Garten-Rettich
Quelle: Copyright by Curtis Clark, licensed as noted, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons
Frucht Garten-Rettich
Quelle: Leo Michels, Public domain, via Wikimedia Commons
Was sind einjährige Pflanzen?

Einjährige Pflanzen keimen, wachsen und blühen innerhalb eines Jahres. Durch Versamen können sie sich erhalten und wieder am selben Standort erscheinen. Manche „wandern“ so durch den Garten und erfreuen uns an immer neuen Standorten.

Häufige Fragen

Wie kann man Rettich essen?

Bei uns werden Rettich und Radieschen üblicherweise roh gegessen, gehobelt oder geraspelt und leicht gesalzen. In Bayern schwört man auf den spiralförmig geschnittenen Radi mit Salz und Schnittlauch. Insbesondere in asiatischen Ländern verwendet man nicht nur die Rüben, sondern auch das oberirdische Grün, die man als Gemüse kocht. Wer das einmal probieren möchte, kann auch die Blätter und Stängel in einer Gemüsesuppe weiterverarbeiten statt sie wegzuwerfen. Sie lassen sich auch in Smoothies mixen. Das Gute an der Rohkost: Rettich hat nur etwa 16 kcal pro 100 g.

Für was ist Rettich gut?

Rettich und Radieschen sind reich an Vitamin C, Carotinoiden, Mineralien und Spurenelementen sowie den charakteristischen Senfölglykosiden, die für die Schärfe verantwortlich sind. Der scharfe Geschmack und Geruch der Senföle werden erst aus den Glykosiden freigesetzt, wenn man die Zellen durch Kauen oder Raspeln verletzt. Sie regen Gallefluss und Verdauung an und wirken antibiotisch und schleimlösend, was man sich bei Erkältungskrankheiten mit einem aus Rettich und Kandiszucker oder Honig hergestellten Saft zunutze macht.

Wie schmeckt Rettich am besten?

Darüber kann man streiten – während man bei uns Rettich meistens roh ist, ist in Asien die Verwendung als Gemüse üblich, meist auch zusammen mit dem Grün. Bei uns schneidet man die Rüben auf, raspelt sie zu Salat oder schneidet sie in Scheiben, den bayrischen Radi auch mit einem speziellen Schneider, der daraus Spiralen macht. Schälen muss man bestenfalls den schwarzschaligen Winterrettich mit seiner vergleichsweise harten Außenhülle. Eigentlich reicht ein wenig Salz zum Würzen – lässt man dieses eine Weile einwirken, so ziehen die Rettiche Saft, aber der scharfe Geschmack wird etwas gemildert. Der scharfe Geschmack und Geruch ist auf Senföle zurückzuführen, die erst bei der Zerstörung der Zellen durch das Enzym Myrosinase aus ihren Glykosiden freigesetzt werden; das ist auch der Grund, warum ein am Vortag zubereiteter Rettichsalat ein recht heftiges Aroma freisetzt.

Ökologischer Wert

Garten-Rettich in Mitteleuropa heimisch und dürfte deshalb einen Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co. haben.

Wildbienenpflanzen