Italienische Waldrebe

Clematis viticella

Gehölz
Wildform
Bienenweide
lange Blühzeit
Italienische Waldrebe (Clematis viticella) Alle 5 Fotos anzeigen
Quelle: Thomas Duerbye, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • In Südeuropa und Vorderasien beheimatete Schlingpflanze
  • Hahnenfußgewächs mit rechtswindenden zierlichen Trieben
  • Doppelt gefiederte Blätter, Klettern mittels der Blattstiele
  • Große vierzählige Blüten, von den Kelchblättern gebildet
  • Zahlreiche Sorten und Hybriden mit unterschiedlich gefärbten Blüten erhältlich
  • Anspruchslos, gerne mit humosem tiefgründigem und kalkhaltigem Boden
  • Rankt an Gittern, Mauern, Zäunen empor
  • In allen Teilen giftig durch Protoanemonin
  • Schneiden nur bedingt erforderlich
  • Wenig anfällig für die gefürchtete Clematiswelke
Standort
Licht: Sonne bis Halbschatten
Boden: durchlässig bis humus
Wasser: feucht bis frisch
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
Kübel/Balkon geeignet: Ja
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Wuchs: kletternd
Höhe: 2 - 3 m
Wurzelsystem: Flachwurzler
Blüte
Blütenfarbe: violett
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Sonstiges
Pflanzen je ㎡: 1-3
Klassifizierung
Ordnung: Hahnenfußartige
Familie: Hahnenfußgewächse
Gattung: Waldreben
Diese Pflanze ist in Mitteleuropa nicht heimisch

Bedenke, die auf heimische Wildpflanzen angewiesenen Tierarten, wie die meisten Wildbienen- und Schmetterlingsarten sowie davon abhängige Vögel, sind von einem dramatischen Artenschwund betroffen. Mit heimischen Arten kannst du etwas zum Erhalt beitragen.

Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Was ist Italienische Waldrebe?

Italienische Waldrebe (Clematis viticella) ist eine beliebte spätblühende Kletterpflanze in unseren Gärten. Beheimatet ist sie ursprünglich in den Gebüschen, Hecken, Waldrändern und Auenwäldern Südeuropas und Vorderasiens, aber mittlerweile gilt sie in Mitteleuropa vielerorts als eingebürgert. Sie gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) und wächst mehrjährig.

Die sommergrünen rotbraunen Stängel des Klettergehölzes verholzen mit der Zeit und bilden ein bis zu drei Meter hohes Geäst, das sich mithilfe seiner Blattstiele an benachbarten Bäumen, Sträuchern, Rankhilfen oder Mauern emporschlingt. Übrigens: Die Pflanzen sind Rechtswinder und klettern immer im Uhrzeigersinn. Bei der Italienischen Waldrebe sind die Triebe recht feingliedrig. Ihre Blätter sind zierlich, doppelt gefiedert und um die 12 Zentimeter lang, mit 2-4 Zentimeter langen ovalen Fiederblättchen mit ganzem Rand.

Die meist einzelnen, selten bis zu dritt in den Blattachseln der neuen Langtrieben erscheinenden offen glockigen Blüten haben eine blaue, violette, purpurne oder rosa Farbe und einen Durchmesser von 4-6 Zentimetern, mit blassgelben Staubbeuteln. Typisch sind die duftenden vierteiligen Blütensterne, welche die Italienischen Waldrebe besonders reichhaltig bildet. Gebildet werden sie von den vier freien Kelchblättern; diese sind am Rand gekräuselt, oft in sich verdreht und außen behaart, Kronblätter fehlen vollständig. Die Staubblätter stehen frei, die äußersten sind zu Staminodien verkümmert und bilden als Honigblätter Nektar.

Die Blüten der Italienischen Waldrebe erscheinen vom Hochsommer bis in den Frühherbst hinein, wobei die Pflanzen immer noch fleißig weiter blühen, derweil sich gleich neben den Blüten die ersten silbrig-weißen Fruchtstände zeigen. Bei dieser Clematis-Art sind die Fruchtgriffel kurz, gebogen und kahl und bleiben an den Nüsschen als kleiner Schnabel stehen.

Italienische Waldrebe im Garten

Standort

Italienische Waldrebe pflanzt man im Garten an eine sonnige bis halbschattige Stelle; besondere Ansprüche an den Boden hat sie nicht, der sollte lediglich tiefgründig, gut durchlässig und humos sein. Kalk schätzt sie besonders, also ein neutrales bis alkalisches Substrat. Wird es im Sommer trocken, solltest Du die Pflanzen ab und zu kräftig und durchdringend gießen – langanhaltende Trockenheit mag sie ebenso wenig wie Staunässe, auch wenn sie mit trockenen Böden besser klarkommt als andere Waldreben. Die Kletterpflanze ist vollkommen winterhart bis -23 °C.

Schnitt und Pflege

Wenigstens einmal im Jahr kannst Du der Pflanze etwas Dünger oder Kompost gönnen, wenn sie sich schon so sehr mit ihrer reichen Blütenpracht verausgabt.

Schneiden musst Du die Italienische Waldrebe nur, wenn sie sich an unzuträglicher Stelle Freiheit und Abenteuer sucht und sich zu sehr breitmacht. Ansonsten verträgt sie den Schnitt zwar recht gut, aber im Zweifelsfall solltest Du lieber darauf verzichten. Wenn doch, dann schneide die Italienische Waldrebe vorzugsweise gleich nach der Blüte oder erst im darauffolgenden Frühjahr. Bisweilen wird trotzdem empfohlen, sie alljährlich ratzekahl bis auf einen halben Meter über den Boden zurückzuschneiden. Wirklich erforderlich ist das nur bei älteren Pflanzen, die allmählich zu vergreisen drohen und nur noch spärlich blühen. Achtung, empfindliche Menschen reagieren auf den Protoanemonin-haltigen Saft mit Hautrötungen und Bläschen. Daher solltest Du sicherheitshalber Handschuhe tragen, wenn Du dich mit der Italienischen Waldrebe im Garten beschäftigst.

Übrigens hat ihre Robustheit auch dazu geführt, dass man die Italienische Waldrebe häufig als Unterlage für empfindlichere Verwandte und Sorten verwendet. Wenn also bei der Waldrebe in Deinem Garten plötzlich Blüten auftauchen, die so gar nicht zu den übrigen weiter oben passen, aber ähnlich wie die oben beschriebenen aussehen hat die Unterlage ausgetrieben und für Überraschungen gesorgt.

Vermehrung

Die Kaltkeimer lassen sich mit Samen vegetativ vermehren – sofern man überhaupt welche ernten kann, denn meistens sind die Früchte in unseren Breiten taub. Ansonsten kannst Du an niedrigen Trieben Absenker machen oder Stecklinge schneiden und bewurzeln.

Verwendung

Im Klima der Städte fühlt sich die Italienische Waldrebe nicht so recht wohl, sie gilt als wenig rauchhart und kommt mit den Abgasen eher schlecht zurecht. Sie ist ideal für die Begrünung von Mauern, Zäunen, Pergola, Hecken oder alten Bäumen. Auch eine Kletterhilfe mit Drahtgittern, Seilen, Holzleisten oder Bambus nimmt sie dankbar an und schlingt sich daran hoch. Als Kübelpflanze oder in Topf und Container kann man die Italienische Waldrebe auch auf Balkon und Terrasse halten. Hier muss man nur darauf achten, dass sie im Winter nicht zu feucht steht und der Wurzelballen bei Frost zum Eisklumpen gefriert.

Schädlinge und Krankheiten

Auch wenn Italienische Waldrebe als relativ robust gilt hat sie doch gerade bei ungünstigen Standorten öfters mit Spinnmilben und Mehltau zu tun. Blattläuse sind an frischen grünen Trieben ohnehin Dauergäste, ohne den Pflanzen nachhaltigen Schaden zuzufügen. Zu einem größeren Problem können Stängel- und Blattflecken oder das Clematissterben werden. Gegenüber letzteren ist die Clematis viticella deutlich resistenter als viele andere Clematis-Arten; hervorgerufen wir die Krankheit, die vor allem viele großblütige Hybriden bis auf den Grund absterben lässt, von Pilzen, allen voran Phoma clematidina sowie vom Coniothyrium clematis-rectae. Dementsprechend unterscheidet man auch zwischen einer Phoma-Clematiswelke und einer Fusarium-Clematiswelke. Tipps zur Bekämpfung der Clematis-Welke findest Du auf den Seiten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG); dabei geht es vor allem um Pflegetipps und hygienische Maßnahmen.

Ökologie

Die nektarführenden Scheibenblumen der Italienischen Waldrebe bilden in ihren Honigblättern, den umgewandelten äußeren Staubblättern reichlich Nektar und in den verbliebenen fertilen Staubblättern Pollen, an dem sich Bienen, Wildbienen, Wespen, Käfer und Schmetterlinge bedienen. Als Raupenfutter dient ihr Grün einigen Nachtfaltern wie dem Dunkelbraunen Waldrebenspanner Horisme corticata und dem Grünen Waldrebenspanner Helmistola chrysoprasaria.

So große Wattebäusche wie unsere einheimische Clematis vitalba, die gerne von Vögeln zum Polstern ihrer Nester verwendet werden bildet die Italienische Waldrebe nicht. Die Verbreitung der Samen übernehmen neben Wind und Schwerkraft vor allem Tiere, in deren Fell die Nüsschen klettenartig hängenbleiben.

Wissenswertes

Sorten und Hybriden der Italienischen Waldrebe

Während die echte Wildart vergleichsweise selten in Gärten gehalten wird überwiegen dort die zahlreichen Sorten und Hybriden. Sie unterscheiden sich vornehmlich in der Größe, Farbe und Zeichnung ihrer Blüten. Hybriden sind vor allem deswegen beliebt, weil sie wie die Clematis viticella vergleichsweise robust gegenüber Sonne, Trockenheit und Clematiswelke sind und sie den immensen Blütenreichtum ihres Elternteils mitnehmen.

Einige davon haben gefüllte Blüten, auf die man aus ökologischen Gründen lieber verzichten sollte: mehr Blütenblätter bedeutet zusätzlich umgewandelte Staubblätter und damit weniger Staubbeutel und Pollen, an dem sich Bienen und Wildbienen gütlich tun können.

Unterschiede zwischen Gewöhnlicher Waldrebe und Italienischer Waldrebe

Von unserer einheimischen Clematis vitalba unterscheidet sich die Clematis viticella durch ihre wesentlich größeren Blüten, die nicht weiß, sondern bei der Wildart blau bis lila und bei den Sorten auch in verschiedenen Rottönen gefärbt ist. Zudem sind ihre Nüsschen mit einem nur halb so langen Schnabel versehen und kahl. Und: die schöne Italienerin ist notorische Linkswinderin, unsere Gewöhnliche Waldrebe ist rechtswindend.

Fotos

Gesamte Pflanze Italienische Waldrebe
Quelle: Thomas Duerbye, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blüte Italienische Waldrebe
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Italienische Waldrebe
Quelle: NaturaDB
Blüte Italienische Waldrebe
Quelle: Dominique REMAUD, CC BY-SA 2.0 FR, via Wikimedia Commons
Blatt Italienische Waldrebe
Quelle: Andrea Moro, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Welche Clematis viticella?

Das ist absolute Geschmackssache – es gibt im Gartenfachhandel jede Menge Hybriden und Sorten, die sich vor allem durch ihren Blütenreichtum und Resistenz gegenüber Trockenheit und Clematiswelke auszeichnen. Sie wachsen unterschiedlich hoch und blühen in verschiedenen Farben von blau über violett bis rot. Einige sind auch mehrfarbig, etwa violett außen und weiß innen.

Wann schneidet man Clematis zurück?

Die beste Zeit für den Schnitt ist entweder nach der Blüte – das ist bei der Italienischen Waldrebe mitunter schwierig, weil sie vereinzelt bis tief in den Herbst hinein blüht. Oder man lässt es im Herbst bleiben und schneidet sie erst im darauffolgenden Frühjahr.

Ist Italienische Waldrebe giftig?

Ja, wie so viele andere Hahnenfußgewächse und auch die Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba) enthält sie giftiges Protoanemonin, Alkaloide und Saponine. Bei Verzehr können Pflanzenteile Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle bis hin zu Lähmungserscheinungen hervorrufen. Bei empfindlichen Personen kann bereits der Hautkontakt mit dem Saft zu Rötungen mit Bläschenbildung und Juckreiz führen. Daher sollte man beim Hantieren sicherheitshalber Handschuhe anziehen.

Welchen Standort braucht eine Clematis viticella?

Die Italienische Waldrebe kommt mit Sonne und Trockenheit besser klar als ihre Verwandten. An den Boden stellt sie keine besonderen Ansprüche – er sollte nur tiefgründig und gut durchlässig sein. Der Nährstoffgehalt darf von mäßig fruchtbar bis nährstoffreich reichen, etwas Kalk im Boden nimmt sie dankbar zur Kenntnis. Wenn es im Sommer zu trocken wird solltest Du sie ab und zu durchdringend gießen. Nur Staunässe darf es nicht geben, die verträgt sie ebenso wenig wie ihre Verwandten. Ansonsten ist die Clematis viticella bei uns vollkommen winterhart und hält Temperaturen bis -23 °C aus. Falls Du sie nicht im Garten, sondern auf Balkon oder Terrasse haben möchtest: Kein Problem, die Italienische Waldrebe ist auch eine dankbare Kübelpflanze.

Soll man verblühte Clematis zurückschneiden?

Kann man, muss man nicht unbedingt. Einige sagen, man soll die Italienische Waldrebe jedes Jahr bis auf einen halben Meter oder weniger zurückschneiden, damit sie gut verzweigt und reichlich blüht. Sie kommt aber auch ganz gut ohne einen großartigen Formschnitt zurecht und blüht bis in den Herbst hinein reichhaltig. Wirklich geboten sind Schnittmaßnahmen nur, wenn die Pflanzen überaltern und vergreisen. Das erkennt man daran, dass die Triebe kränklich auszusehen beginnen und nicht mehr den üppigen Blütenflor der vorangegangenen Jahre tragen. Ansonsten sollte man alle Clematis-Arten wegen eines drohenden Befalls mit Pilzsporen der Clematiswelke so wenig wie möglich beschneiden und grundsätzlich die Schneidewerkzeuge und Schnittflächen desinfizieren.

Kann Clematis viticella Frost vertragen?

Üblicherweise kein Problem – Italienische Waldrebe verträgt bis zu -23 °C. Nur mag sie keine pralle Wintersonne mit austrocknenden Winden. Empfindlich ist sie eigentlich nur als Kübelpflanze. Hier musst Du darauf achten, dass sie im Winter etwas geschützt steht und der Boden nicht zu nass ist, sonst gefriert er und schädigt das Wurzelwerk.

Ist eine Clematis mehrjährig?

Ja, mit Clematis-Arten hat man viele Jahre lang Freude im Garten. Auch die Italienische Waldrebe Clematis viticella wächst mehrjährig; sie ist besonders blütenreich mit besonders großen Blüten, die bei den Sorten in vielen Farben erhältlich sind. Zudem ist diese Art recht unempfindlich gegenüber der durch Pilzsporen hervorgerufenen Clematiswelke, die besonders die großblütigen Hybriden anderer Clematis-Verwandter bedroht und die Pflanzen oft bis auf die Wurzeln absterben lässt.

Was ist Clematiswelke?

Clematiswelke erkennt man an braunen Flecken an den Blättern, die sich immer weiter ausbreiten und letztlich auch die Triebe befallen. Am Ende kann die komplette Pflanze absterben, da die Pilzhyphen die Leitungsbahnen blockieren und den Transport von Nährstoffen und Wasser unterbrechen.

Hervorgerufen wird die typische Clematis-Krankheit von Pilzen aus der Gattung Phoma oder Verwandten der berüchtigten Fusarium-Welke. Die Phoma-Clematiswelke ist auf einen Befall mit Phoma clematidina (auch als Ascochyta clematidina bezeichnet) zurückzuführen, die Fusarium-Clematiswelke auf Coniothyrium clematis-rectae. Sie tritt vor allem bei den großblütigen Clematis-Sorten und bei nicht optimalen Standortbedingungen sowie bei unzureichenden Hygienemaßnahmen auf. Hier hilft nur komplettes Entfernen der betroffenen Pflanzenteile und Entsorgung über den Hausmüll, bloß nicht über den Kompost, denn da bleiben die Pilzsporen intakt und richten weiter Unheil an.

Ökologischer Wert

Italienische Waldrebe ist nicht heimisch, aber dennoch Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen und Schmetterlinge

Kletterpflanzen