Orientalische Nieswurz (Helleborus orientalis)
Orientalische Nieswurz: Blüte

Orientalische Nieswurz,Lenzrose, Frühlings-Christrose

Helleborus orientalis

Staude
nicht heimisch
Wildform
winterhart
Bienenweide
giftig
Frühblüher
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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Im Vorderen Orient beheimatete Nieswurzart
  • Elternteil vieler Helleborus-Hybriden
  • Pflegeleicht, robust und winterhart
  • Blüht bereits mitten im Winter
  • Handförmig geteilte, ledrige und oberseits dunkelgrün glänzende Blätter
  • Braucht einen schattigen Platz mit durchlässiger, möglichst kalkhaltiger Erde
  • Vermehrung mit Samen, Teilen wird nur schlecht vertragen
  • Frühblühender Futterlieferant für Insekten
  • Zahlreiche Sorten mit weißen, roten und violetten, gefüllten und halbgefüllten Blüten
  • In allen Teilen giftig
Standort
Licht: Halbschatten bis Schatten
Boden: durchlässig bis humus
Wasser: feucht
Nährstoffe: nährstoffreicher Boden
PH-Wert: basisch / kalk
Kübel/Balkon geeignet: ja
Wuchs
Pflanzenart: Staude
Wuchs: aufrecht
Höhe: 20 - 40 cm
Breite: 30 - 50 cm
Wurzelsystem: Flachwurzler
Frostverträglich: bis -28 °C (bis Klimazone 5)
Blüte
Blütenfarbe: rosa
Blühzeit:
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Blütenform: schalenförmig, einfach
Laub
Blattfarbe dunkelgrün
Blattphase wintergrün
Blattform 5 bis 7 lappig, gesägt
Ökologie
Bienen: Bienenweide
Schmetterlinge: Schmetterlingsweide
Sonstiges
ist giftig in allen Teilen giftig giftig
Pflanzen je ㎡: 3
Klassifizierung
Ordnung: Hahnenfußartige
Familie: Hahnenfußgewächse
Gattung: Nieswurz
Diese Pflanze ist in Mitteleuropa nicht heimisch

Bedenke, die auf heimische Wildpflanzen angewiesenen Tierarten, wie die meisten Wildbienen- und Schmetterlingsarten sowie davon abhängige Vögel, sind von einem dramatischen Artenschwund betroffen. Mit heimischen Arten kannst du etwas zum Erhalt beitragen.



Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Was ist Orientalische Nieswurz?

Orientalische Nieswurz, Lenzrose oder Frühlings-Christrose (Helleborus orientalis) bringt als eine der ersten Gartenpflanzen im Jahr Blüten in den Garten. Als Zierpflanze erfreut sie sich wachsender Beliebtheit. Wild wächst dieser Vertreter aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) im Nordosten Griechenlands, im Kaukasus und an der Küste des Schwarzen Meeres im Norden der Türkei an Waldrändern, auf Lichtungen und in Dickichten bis auf eine Höhe von 2000 Meter. Bisweilen findet man sie bei uns ausgewildert aus Gärten, und in Thüringen und Baden-Württemberg gilt sie stellenweise als Neophyt bereits als eingebürgert.

Die 20-40 Zentimeter hohe, dicht buschig wachsende ausdauernde Staude weist wie alle Helleborus-Arten ein kräftiges horizontal kriechendes Rhizom auf, mit dem sie den Winter übersteht und aus dem zahlreiche flache und faserige Wurzeln abzweigen. Daraus entspringen die kahlen oder nur leicht behaarten Blätter; sie sind ledrig, oben glänzend dunkelgrün, auf der Unterseite hellgrün, bis zu 40 Zentimeter lang und handförmig tief geteilt mit 5-11 elliptischen oder umgekehrt-lanzettlichen Blättchen mit teils gesägtem Rand. Oft gibt es nur ein einziges großes grundständiges Blatt an der Pflanze, die Stängelblätter weiter oben sind deutlich kleiner; die Blätter verwelken spätestens im Sommer.

Die kräftigen und meist verzweigten Blütensprosse erscheinen ungewöhnlicherweise bereits im Winter; an deren Enden sitzen jeweils 1-4 hängende oder nach außen gewandte schalenförmige Blüten mit einer Breite von 5-7 Zentimetern. Die Blüten sind fünfzählig, zwittrig und sternförmig. Zunächst haben sie eine weiße oder grünlich-weiße Farbe, die mit zunehmendem Alter in ein kräftiges Rosa oder Purpur übergeht. Bisweilen finden sich viele kleine dunkle Flecken auf den Blütenblättern. Die oft grüne Farbe rührt daher, dass es sich hier in Wirklichkeit nicht um Kronblätter, sondern um die zu einem großen Schauapparat umgebildeten Kelchblätter handelt; im Gegenzug sind die Kronblätter in Nektarien umgewandelt. Die freistehenden Fruchtknoten werden von zahlreichen Staubblättern mit gelben Staubbeuteln umringt. Aus ersteren entwickeln sich Balgfrüchte, die sich an ihrer Bauchnaht öffnen und die schwarzen Samen freigeben.

Orientalische Nieswurz im Garten

Standort

Besonders anspruchsvoll ist die Orientalische Nieswurz im Garten nicht; sie nimmt mit so ziemlich jeder fruchtbaren und feuchten Erde vorlieb. Kalk mag sie, muss sie aber nicht unbedingt haben. Am liebsten ist ihr ein schwerer, aber gut durchlässiger humoser Boden mit neutralem bis basischem pH-Wert und nicht zu dunklem Schatten. Sonne verträgt die Lenzrose nicht. Sie ist vollkommen winterhart bis -28 °C, nur nass darf sie nicht stehen, denn Staunässe ist zu jeder Jahreszeit tödlich.

Schnitt

Die immergrüne Lenzrose ist absolut pflegeleicht; Du kannst im Sommer die verwelkten Blätter entfernen; ansonsten verraten sie Dir den Standort, wenn Du stehenlässt. Willst Du eine Selbstaussaat verhindern musst Du die Früchte beseitigen, bevor sie ausreifen und sich öffnen.

Beim Hantieren solltest Du darauf achten, dass der giftige Pflanzensaft der Orientalischen Nieswurz Hautreizungen verursachen kann; daher ist das Tragen von Handschuhen anzuraten.

Vermehrung

Die Samen der Orientalischen Nieswurz kannst Du unmittelbar nach der Samenreife im Herbst in Töpfen aussäen. Allerdings werden die Nachkommen von Sorten selten deren typische Eigenschaften aufweisen, da das Erbgut dank unbekanntem Pollen durchmischt wurde.

Sorten von Helleborus orientalis lassen sich nur vegetativ zuverlässig vermehren, am besten durch Teilung nach der Blütezeit, also im Frühjahr nach den Eisheiligen oder im Sommer. Allerdings mag sie wegen ihres empfindlichen Rhizoms solche Störungen nicht besonders und reagiert erst einmal eine Weile beleidigt. Daher solltest Du sie am besten nach dem Auspflanzen völlig in Ruhe lassen und nicht unnötig verpflanzen oder teilen.

Faustregel: Die Orientalische Nieswurz wird etwa 40 Zentimeter hoch und ebenso breit. 40 Zentimeter entsprechen auch dem Jahreszuwachs. Für die Planung, falls Du junge Frühlings-Christrose kaufen und pflanzen willst: 2-4 Pflanzen pro Quadratmeter reichen vollkommen aus.

Verwendung

Damit sie gut zur Geltung kommen pflanzt Du die Lenzrose am besten in kleinen Gruppen, etwa in gemischten oder Strauchrabatten oder vor dem dunklen Hintergrund von Hecken und Sträuchern als dekorativen Unterwuchs, der während der blattfreien Zeit für etwas mehr Dekoration im Gehölzgarten sorgt.

Schädlinge

Gerade frisch gesetzte und neu austreibende Pflanzen rufen Schnecken auf den Plan, welche die Blätter unschön annagen. Bei wärmerem Wetter vermehren sich die Blattläuse, und bisweilen treten an der Orientalischen Nieswurz auch Rostpilze an den Blättern oder Schwarzfäule auf. Vor allem die gelb blühenden Hybriden sind für Blattflecken anfällig, die eine Pflanze oft komplett absterben lassen. Habe daher immer ein waches Auge auf einen möglichen Pilzbefall.

Ökologie

Die oft grüne Farbe der Blüten lässt sich dadurch erklären, dass es sich bei dem Schauapparat eigentlich um die stark vergrößerten Kelchblätter handelt. Die Kronblätter sind aber nicht verschwunden, sondern zu Nektarien umgewandelt, die mit ihrem reichlich gebildeten Nektar ausgesprochen früh im Jahr Nahrung für die erwachende Insektenwelt bietet. Hummeln und Honigbienen wissen auch den leichter erreichbaren Pollen zu schätzen. Die Verbreitung der Samen übernehmen Ameisen, die sie mit ihrem nahrhaften fettreichen Elaisom verschleppen.

Wissenswertes

Orient und Okzident, Schwarz und Purpur

Wo es eine Orientalische Nieswurz gibt, da gibt es auch eine Abendländische Nieswurz. Sie heißt botanisch Helleborus occidentalis und wird heute meist als Unterart der Grünen Nieswurz, also Helleborus viridis ssp. occidentalis geführt.

Von den Wildformen sind in Gärten vor allem die Schwarze Nieswurz Helleborus niger und die Purpurnieswurz Helleborus purpurascens beliebt. Hauptunterscheidungsmerkmal bei den ansonsten recht ähnlichen Pflanzen sind die Fruchtblätter: Bei Helleborus viridis sind diese am Grund miteinander verwachsen, bei Helleborus orientalis stehen sie vollkommen frei.

Helleborus x hybridus

Als Zierpflanzen für den Garten sind die zahlreichen Frühlings-Schneerosen noch wichtiger, Hybriden von Helleborus orientalis mit weiteren Nieswurzarten. Meistens laufen diese reichlich undifferenziert unter der Handelsbezeichnung Helleborus x hybridus. Oft aus dem einfachen Grund, weil sich die Elternschaft nicht mehr nachvollziehen lässt und die Dinger einfach als hübsch befunden wurden. Als weitere Elternteile dienten vor allem Wohlriechende Nieswurz (Helleborus odorus), Rundblättrige Nieswurz (Helleborus cyclophyllus), Serbische Nieswurz (Helleborus torquatus) und Geteiltblättrige Nieswurz (Helleborus multifidus).

Viele bunte Sorten mit oder ohne Sommersprossen

Die züchterischen Bemühungen begannen um 1837 in Deutschland mit Hilfe einiger Lenzrosen-Exemplare aus dem Botanischen Garten von St. Petersburg. Das Ergebnis sind Frühblüher mit weißen, grünen, rosa und violetten Blüten. Die Innenseite der Kronblätter ist bei einigen Sorten rosa, rot oder violett geädert, gefleckt oder gesprenkelt – insbesondere die „Sommersprossen“ haben es vielen Gärtnern angetan. Darüber hinaus gibt es auch halbgefüllte und gefüllte Sorten, bei denen Staubblätter in zusätzliche Kronblätter umgewandelt sind – sehr zum Leidwesen nektarsuchender Insekten.

Vorsicht Gift!

Orientalische Nieswurz ist in allen Teilen giftig und hautreizend – getrocknet und zerkleinert nutzte man sie früher als Niespulver, daher auch der Name Nieswurz. Das gilt bei uns allerdings eher für die bei uns heimische Schwarze Nieswurz Helleborus niger, die bereits in den mittelalterlichen Klostergärten angebaut wurde. Reizend wirken sie auf der Oberhaut, die auf den Kontakt mit dem Saft mit Rötungen und Entzündungen antwortet, und die Schleimhäute nehmen den Verzehr übel und reagieren mit Durchfällen, Übelkeit und Erbrechen: Der brennend scharfe Geschmack beim Kauen ist ein deutlicher Warnhinweis. Biologisch wirksam sind vor allem Saponine und Glykoside wie Hellebrin und Helleborin.

Was sind mehrjährige Stauden?

Mehrjährige Stauden bleiben über viele Jahre erhalten. Den Winter überdauern sie eingezogen in Wurzeln, Zwiebeln oder anderen unterirdischen Speicherorganen und treiben im nächsten Frühjahr wieder aus.

Bundesweiter Pflanzwettbewerb 2022 - Endlich Pflanzzeit

Fotos (5)

Blüte Orientalische Nieswurz
Orientalische Nieswurz: Blüte
Gesamte Pflanze Orientalische Nieswurz
Quelle: Rhododendrites, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blüte Orientalische Nieswurz
Quelle: Dominicus Johannes Bergsma, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Blüte Orientalische Nieswurz
Orientalische Nieswurz: Blüte
Gesamte Pflanze Orientalische Nieswurz
Orientalische Nieswurz: Gesamte Pflanze

Sortentabelle

Helleborus orientalis 'Atrorubens'
Quelle:Meneerke bloem, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Orientalische Nieswurz 'Atrorubens'
Helleborus orientalis 'Pink Lady'
Quelle:Martina Simonazzi/shutterstock.com
Orientalische Nieswurz 'Pink Lady'
Helleborus orientalis 'White Lady'
Quelle:Popova Valeriya/shutterstock.com
Orientalische Nieswurz 'White Lady'
PflanzeWuchsStandortBlüteKaufen
Orientalische NieswurzWildform

aufrecht
20 - 40 cm
30 - 50 cm


Kübel geeignet

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Orientalische Nieswurz 'Atrorubens'

Orientalische Nieswurz 'Blue Lady'

30 - 40 cm
40 - 50 cm

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Orientalische Nieswurz 'Blue Metallic Lady'

30 - 40 cm
40 - 50 cm

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Orientalische Nieswurz 'Pink Lady'

20 - 35 cm
40 - 50 cm

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Orientalischer Nieswurz 'Pretty Ellen Red'

ab 10,40 €
Orientalischer Nieswurz 'Pretty Ellen White'

ab 11,10 €
Orientalische Nieswurz 'White Lady'

20 - 40 cm
40 - 50 cm

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Orientalische Nieswurz 'Yellow Lady'

30 - 40 cm
40 - 50 cm

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Häufige Fragen

Ist Lenzrose winterfest?

Ja, bis -28 C hält sie aus. Sie stammt ursprünglich aus Nordgriechenland, von der Schwarzmeerküste und aus dem Kaukasus und hält die bei uns üblichen Winter problemlos aus. Nicht nur das, sie beginnt als eine der ersten Pflanzen im Garten zu blühen – oft bereits mitten im Winter, egal ob Schnee liegt oder nicht.

Wann schneidet man Lenzrosen?

Viel zu schneiden gibt es bei der Lenzrose nicht – es reicht eigentlich völlig aus, wenn Du die Lenzrosen im Sommer von dem inzwischen verwelkten Laub befreist. Das lässt sich einfach abrupfen; nur keine rohe Gewalt, denn das würde die Rhizome beeinträchtigen. Wenn Du sie bei dieser Gelegenheit auch teilen möchtest, denk immer daran, dass Helleborus orientalis das ebenso wenig mag wie ihre Verwandtschaft: Die Rhizome sind kleine Diven, die keine Fummelei im Wurzelbereich dulden. Nach dem Verpflanzen wachsen sie nur schwer wieder an, sodass Du sie am besten ganz in Ruhe lässt.

Wann dünge ich Lenzrosen?

Am besten, wenn sie ihre Blüte gerade hinter sich haben und sich um den Laubaustrieb kümmern müssen. Dann sind sie für die Nährstoffe aus grobem Mulch oder gut verrottetem Kompost dankbar; einfach eine dünne Schicht drüber häufeln und fertig. Mulch hat zudem den Vorteil, dass die Pflanzen nicht so schnell von Unkraut überwuchert werden, sobald sie im Sommer ihre Blätter einziehen.

Wie pflege ich meine Lenzrosen?

Da gibt es nach dem Pflanzen nicht mehr viel zu tun; die ausdauernden Stauden sind ausgesprochen pflegeleicht. Es reicht vollkommen aus, das verwelkte Laub zu entfernen, wenn sich die Pflanze im Sommer auf ihren Wurzelstock zurückgezogen hat. Gleich nach der Blüte kannst Du die Lenzrose mit etwas grobem Mulch oder reifem Kompost bedenken, damit sie genügend Energie für die nächste Saison schöpfen und viele saftig dunkelgrüne Blätter und winterliche Blüten hervorbringt.

Wie lange blühen Lenzrosen?

Früh und dafür erstaunlich lange – die Blütezeit beginnt mitten im Winter im Januar, dank Klimawandel vielerorts sogar bereits im Dezember; der Name Christrose kommt bei der lieben Verwandtschaft nicht von ungefähr. Die großen schalenförmigen Blüten in Weiß, Rosa, Braun oder Violett halten eine ganze Weile und werden zudem bis in den April hinein neu nachgeliefert. Als frühblühender Futterlieferant für Insekten ist Helleborus orientalis mit ihren Hybriden damit beinahe unschlagbar, denn so früh dran ist praktisch keine andere Zierpflanze im Garten.

Wert für Insekten und Vögel

Orientalische Nieswurz ist nicht heimisch, aber dennoch Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen und Schmetterlinge

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