Blauschwingel

Festuca glauca

Gras
Wildform
wintergrün
lange Blühzeit

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Aus dem südlichen Mitteleuropa kommendes Süßgras
  • Bildet typische halbkugelige Horste mit blaugrünen Blättern und Stängeln
  • Wintergrün und winterhart
  • Braucht einen sonnigen, eher trockenen und vorzugsweise wenig nährstoffhaltigen Boden
  • Leichte Vermehrung durch Teilung, auch mit Grassamen möglich
  • Robust, pflegeleicht und wenig anfällig für Schädlinge und Krankheiten
  • Für Heidegarten, Steingarten, Steppengarten, zur Dachbegrünung oder als Kübelpflanze für den Balkon
  • Verschiedene Sorten im Handel
  • Braune Blätter, mangelnde Färbung und schwächlicher Wuchs meist durch Pflegefehler
  • Gut mit Blühstauden und anderen Gräsern kombinierbar.
Standort
Licht: Sonne bis Halbschatten
Boden: durchlässig bis normal
Wasser: trocken
Nährstoffe: normaler Boden
Kübel/Balkon geeignet: Ja
Wuchs
Pflanzenart: Gras
Höhe: 20 - 30 cm
Wurzelsystem: Flachwurzler
Blüte
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Laub
Blattphase wintergrün
Klassifizierung
Ordnung: Süßgrasartige
Familie: Süßgräser
Gattung: Schwingel
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Was ist Blauschwingel?

Blauschwingel oder Blau-Schwingel (Festuca glauca) ist in unseren heimischen Gärten eine der häufigsten Festuca-Arten und ein weltweit beliebtes Ziergras. Das Mitglied aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) stammt aus dem südlichen Mitteleuropa, wo es in den Graspopulationen von Felshängen teils große Bestände bildet.

Typisch sind die blaugrüne Farbe und die dichten halbkugelig geformten Horste aus eng benachbarten, straff aufrechten und meist unverzweigten Halmen. Diese erreichen eine Höhe von 20-30 Zentimetern und stehen genau wie die blaugrünen linealischen Blätter, die nur etwa einen Millimeter breit werden, ab wie die Haare eines blauen Igels. Im Gegensatz zu verwandten Schwingel-Arten ist hier die Blattscheide, die den Grund der Blätter umgibt, nicht pergamentartig und hart, sondern weich. Abgestorbene Blätter bleiben recht lange erhalten und unterstützen weiterhin das igelige Aussehen. Blauschwingel ist wintergrün.

Die langgezogenen schlanken Rispen mit den Blüten erheben sich weit über den Horsten; die blühenden Stängel werden 30-80 Zentimeter lang, die Rispen selbst etwa zehn Zentimeter. In ihnen stehen zahlreiche blaugrüne Ährchen, die eine kurze Granne und eine ebenfalls blaugrüne Farbe haben. Bei reichlich Sonne bekommen sie eine rötliche oder violette Tönung. Jedes Ährchen ist 6-10 Millimeter lang und enthält drei Staubblätter, den weiblichen Anteil und 3-6 Millimeter lange Deckspelzen. Wie bei allen Süßgräsern handelt es sich bei den daraus hervorgehenden Früchtchen um kleine Getreidekorn-artige Karyopsen.

Blauschwingel im Garten

Standort

Der Blauschwingel fühlt sich auf einem durchlässigen frischen bis mäßig trockenen, mageren bis mäßig fruchtbaren Boden mit etwas Kalk am wohlsten. Er steht am liebsten in der Sonne und hat es gerne schön warm. Die Erde kann auch flachgründig sein; Trockenheit verträgt er vorübergehend jedenfalls deutlich besser als stehende Nässe. Sand und Steine im Boden sind also kein Problem.

Viel Licht und Wärme ist auch für die charakteristische Färbung wichtig – richtig schön blaugrün werden die Horste nur mit reichlich Sonne und auf einem eher nährstoffarmen Boden. Im Schatten und mit übertriebenen Düngergaben sieht das Gras nach einer Weile aus wie halbtot und denkt gar nicht daran seine blaue Färbung zu zeigen. Im Sommer kann er ruhig mal trocken werden, und wenn man ihn wirklich mal gießen muss, dann bitte ordentlich und durchdringend. Unbedingt besser als ständig leicht zu feucht, damit geht der Blauschwingel auf Dauer ein.

Wie sich das für ein mitteleuropäisches Gras gehört ist der Blauschwingel winterhart. Gefährlich kann der Frost nur bei Kübelpflanzen werden, da hier die Wurzeln besonders exponiert sind und daher schnell zu einem Eisklumpen gefrieren. Auf Balkon und Terrasse mag das Gras auch keine scharfen austrocknenden Winde, daher sollte man es etwas vor Wind geschützt stellen.

Schnitt und Pflege

Schneiden braucht man den Blauschwingel nur ab und zu mal – die abgeblühten Halme abzupfen reicht eigentlich, und wer es gerne gründlich und rasant haben will kann bei größeren Beständen gerne auch mal mit der Sense oder dem hochgestellten Rasenmäher drübergehen. Letzteres ist allerdings die Brachialmethode, nach der die Blauschwingel eine Weile nach Irokesenschnitt aussehen.

Vermehrung

Eine Vermehrung ist beim Blauschwingel denkbar einfach – mit dem Spaten die Horste teilen und nach Belieben versetzen. Die Pflanzen wachsen schnell und zuverlässig wieder an und werden schon nach kurzer Zeit wieder schön rund und kugelig. Ab und zu ist das auch dringend notwendig, denn wenn Du den Blauschwingel jahrelang vor sich hinwachsen lässt bildet er irgendwann einen Ring – außen steht das neue Gras, und im Inneren wird der Horst langsam kahl. Mit alle paar Jahre einmal teilen sieht das gleich ganz anders aus.

Aussaat mit Grassamen ist natürlich auch möglich – die Samen gehen schnell auf, wenn sie nicht gerade hungrigen Vögeln zum Opfer fallen. Wenn Du auf Nummer sicher gehen willst kannst Du den Blauschwingel auch erst mal in Töpfen vorziehen und dann erst später an den vorgesehenen Ort pflanzen. Dann hast Du auch eine etwas bessere Kontrolle, was aus den jungen Horsten wird.

Alternative: Gleich ein paar Töpfe im Gartencenter kaufen. „Fertigen“ Blauschwingel kaufen kostet nicht die Welt, und im Handumdrehen hast Du die blauen Igel im Garten.

Verwendung

Ein einzelnes Hörstchen irgendwo im Gebüsch sieht etwas verloren aus – die tolle blaue Färbung vom Blauschwingel kommt am besten zur Geltung, wenn Du gleich ein paar davon zusammen irgendwo hinpflanzt. Er lässt sich dabei auch problemlos mit anderen Gräsern zusammen kombinieren. Nur immer auf Grüppchen achten, das sieht besser aus als wie mit dem Zufallsgenerator ausgerechnet.

Der Standort kann gerne sonnig und trocken sein heißt, dass er geradezu ideal für Steingarten, Heidegarten und Dachbegrünung ist. Ebenso gut macht er sich auf freien Flächen oder sogar im Kübeln und Containern auf Balkon und Terrasse, wo er einen hübschen Kontrast zu blühenden Balkonpflanzen ergibt.

Schädlinge

Was sind Schädlinge? Krankheiten?? Du wirst Dich wundern, wie unkaputtbar der dekorative Blauschwingel im Garten ist. Er ist ausgesprochen widerstandsfähig und resistent gegen Pilze und Krabbelzeug. Wenn er wirklich mal braun und unansehnlich wird liegt das meistens nicht an einer Erkrankung oder einem bösen Schädling, sondern an einem Pflegefehler. Meistens steht er zu nass, wurde überdüngt oder hat zu viel Schatten.

Ökologie

Bienen, Schmetterlinge und anderen Insekten gehen an den nektarlosen Blüten leer aus; wie alle Süßgräser wird auch der Blauschwingel vom Wind bestäubt, der sich um die Weitergabe der in den heraushängenden Staubbeuteln gebildeten Pollenkörner auf die nächste Blüte kümmert.

Für die Verbreitung der Karyopsen sorgen Wind und Schwerkraft, und natürlich bleibt auch das eine oder andere Körnchen an Pfoten und Schuhsohlen hängen und wird so weitertransportiert.

Wissenswertes

Wenn an dem Blauschwingel im Gartencenter Festuca cinerea dransteht und nicht Festuca glauca, nicht wundern, das ist dasselbe. Botanisch heißt cinerea sinngemäß aschgrün, glauca blaugrün. Auch hier ist der Unterschied eher marginal.

Die Wildform ist im Garten weniger häufig als die Unmengen von Hybriden und Sorten, die sich noch mal ein wenig in Wuchsform, Farbe und Höhe unterscheiden. Hübsch sind sie eigentlich alle, und pflegeleicht und gut wüchsig obendrein auch.

Sorten Blauschwingel

Sorte Blütenfarbe Blühzeit
Blauschwingel (Wildform)
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Goldschwingel
braun
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Häufige Fragen

Wie sieht Blauschwingel aus?

Blau. Das ist nicht so trivial wie es klingt, denn bei Gräsern denkt jeder automatisch eher an grün als an blau. Und das mit gutem Grund – besonders viele andere Färbungen sind hier eher rar. Die blaugrünen unverzweigten Stängel und die nur millimeterbreiten linealischen Blätter bilden zusammen dichte Horste, die wie kleine blaue Igel aussehen. Da werden die Blüten zu Farbtupfern – sie stehen in bis zu zehn Zentimeter langen Rispen an den Enden der blühenden Stängel und weisen Ährchen auf, die häufig in der Sonne rötlich oder violett überlaufen aussehen. Die struppigen Halbkugeln machen sich nicht nur in kleinen Gruppen im Heidegarten, Steppengarten oder auf Freiflächen gut, sondern sind auch als Kübelpflanzen für Balkon und Terrasse oder für die Dachbegrünung geeignet.

Ist Blauschwingel giftig?

Wer grast denn im Garten? Die Kinder bekommen hoffentlich daheim etwas anderes ;-). Hund und Katze können gerne mal die struppigen Horste als Katzengras benutzen, das ist vollkommen unbedenklich. Giftig ist der Blauschwingel nicht, aber Kaninchen, Meerschweinchen und andere Haustiere freuen sich sicher eher über etwas weniger Widerborstiges.

Warum wird mein Blauschwingel braun?

Wenn die Festuca glauca braune Blätter bekommt gefällt ihr meistens etwas nicht. Am häufigsten ist das auf Pflegefehler zurückzuführen. An erster Stelle: zu nass, zu viel gedüngt, zu dunkel. Der Blauschwingel hat es gerne auch mal etwas trockener, und mit nur wenig Futter, dafür aber reichlich Sonne gedeiht er am prächtigsten und wird richtig schön blau. Schädlinge und Krankheiten sind dagegen ausgesprochen selten, denn das Süßgras gilt als ausgesprochen robust und wenig anfällig.

Wie groß wird Blauschwingel?

Die blühenden Stängel mit ihren etwa zehn Zentimeter langen Rispen werden am höchsten – sie ragen mit 30-80 Zentimetern weit über die halbkugeligen Horste empor. Diese werden selber gerade mal 20-30 Zentimeter groß.

Ist Blauschwingel winterhart?

Wenn er im Freiland gut angewachsen und etabliert ist auf jeden Fall. Daher sollte man ihn auch nicht gerade erst im Spätherbst pflanzen. Ansonsten kann man ihn zur Not im ersten Jahr auch mit etwas Reisig oder Laub überwintern, wenn man ganz auf Nummer sicher gehen möchte. Wirklich notwendig ist das in aller Regel nicht. Aufpassen muss man nur bei Kübelpflanzen auf Balkon oder Terrasse. Hier können strenger Frost plus Wintersonne plus kalte austrocknende Winde das Gras übel mitnehmen, da hier die Wurzeln besonders exponiert sind. Daher hier sicherheitshalber etwas geschützt unterbringen, bis es wieder wärmer wird.

Ökologischer Wert

Blauschwingel ist in Mitteleuropa heimisch und dürfte deshalb einen Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co. haben.

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