Taschentuchbaum

Davidia involucrata

Gehölz
Wildform
Taschentuchbaum (Davidia involucrata) Alle 8 Fotos anzeigen
Quelle: Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Aus China stammender schnellwüchsiger Zierbaum
  • Bis zu 15 Meter hoch, mit grauer Rinde und lindenähnlichen Blättern
  • Auffällige kugelige Blütenstände mit zwei umgebenden großen weißen Hochblättern
  • Daher oft als Taschentuchbaum oder Taubenbaum bezeichnet
  • Kugelige Steinfrüchte ähnlich einer Walnuss
  • Pflegeleicht, robust und wenig anfällig für Schädlinge
  • Braucht nur selten Schnitt oder besondere Pflege
  • Für einen durchlässigen Boden mit viel Sonne und Wärme
  • Winterhart bis -15 °C
  • Samen nur sehr langsam keimend, erste Blüten oft erst nach über zehn Jahren
Standort
Licht: Sonne bis Halbschatten
Boden: normal
Wasser: feucht bis frisch
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 6 - 8 m
Breite: 3,5 - 4,5 m
Zuwachs: 20 - 40 cm/Jahr
Wurzelsystem: Tiefwurzler
Blüte
Blütenfarbe: braun
Blühzeit:
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f
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Klassifizierung
Ordnung: Hartriegelartige
Familie: Hartriegelgewächse
Gattung: Davidia
Diese Pflanze ist in Mitteleuropa nicht heimisch

Bedenke, die auf heimische Wildpflanzen angewiesenen Tierarten, wie die meisten Wildbienen- und Schmetterlingsarten sowie davon abhängige Vögel, sind von einem dramatischen Artenschwund betroffen. Mit heimischen Arten kannst du etwas zum Erhalt beitragen.

Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Was ist Taschentuchbaum?

Der Taschentuchbaum (Davidia involucrata) wird manchmal auch Taubenbaum genannt. Er gehört zur monotypischen Gattung Davidia aus der Familie der Tulepogewächse (Nyssaceae) und stammt aus den zentralen und südwestlichen Provinzen Chinas von Hubei über Gansu und Guihou bis nach Sichuan und Yunnan, wo er in offenen Gehölzformationen feuchter Mischwälder wächst. Außerhalb der heimatlichen Gefilde wird er häufig als Zierbaum gepflanzt.

Es handelt sich dabei um einen bis zu 15 Meter hohen und schnellwüchsigen Baum mit einer konischen Krone und einer glatten, mittelgrauen Rinde mit wenigen vertikalen Rissen. Die wechselständigen einfachen Blätter sind 10-20 Zentimeter lang, 7-15 Zentimeter breit, breit eiförmig, zugespitzt und mit herzförmiger Basis, einem gezähnten Rand und einem roten Blattstiel. Sie erinnern an die Blätter unserer einheimischen Linde, die jedoch niemals so symmetrisch wie die des Taschentuchbaumes sind, oder die Blätter vom Maulbeerbaum. Die Oberseite ist mittelgrün, die hellere Unterseite deutlich behaart. Nebenblätter sind nicht vorhanden. Gegen Ende des Jahres erstrahlen sie in einer kräftigen gelben bis orange Herbstfärbung.

Im späten Frühling erscheinen die ziemlich eigenartigen Blüten des Taschentuchbaums: Sie stehen in dichten elliptischen rotvioletten Köpfchen, die in dichten Reihen unter den ebenen Ästen herabhängen und 1-2 Zentimeter breit werden. Darin stehen die kleinen männlichen Blüten mit 1-7 jeweils 6-8 Millimeter langen ovalen purpurfarbenen Staubbeuteln, die meistens eine einzelne, auf einen einzigen Fruchtknoten reduzierte weibliche oder zwittrige Blüte umgeben. Zusammen bilden sie einen kugeligen Puschel aus hellgelben Staubfäden mit besagten purpurroten kleinen Staubbeutelchen.

Um die Köpfchen herum stehen zwei auffällige rundliche Hochblätter, die eine etwas unterschiedliche Größe um die 12-25 Zentimeter haben und wie riesige rein weiße Blätter – sprich wie Taschentücher - aussehen. Sie haben mit ihrer Optik für den Namen Taschentuchbaum gesorgt. Zu Beginn sind sie noch klein und grün und sehen ähnlich wie die Blätter aus, allerdings mit glattem Rand und weniger Textur auf der Fläche.

Aus der einzigen weiblichen Blüte entwickelt sich nach der Bestäubung eine an einem zehn Zentimeter langen Stiel hängende gerillte kugelige Steinfrucht, die bis zu vier Zentimeter lang und drei Zentimeter breit wird und eine grünbraune Farbe aufweist. Im Inneren der zuletzt nussartigen braunen Kugel, die etwas an eine Frucht der Walnuss erinnert, befinden sich 3-6 längliche Samen.

Taschentuchbaum im Garten

Standort

In seiner chinesischen Heimat wächst der Taubenbaum in einem kühlen, feuchten und regnerischen Gebiet mit kühlen Sommern und milden Wintern. Das gibt seine speziellen Wünsche vor: Davidia involucrata braucht eine fruchtbare, feuchte und gut durchlässige Erde mit viel Sonne oder Halbschatten. Trockenheit mag er ebenso wenig wie Staunässe. Kalk ist kein Problem. Ein leicht windgeschützter Stand ist ihm am liebsten. Die Bäume sind frosthart bis -15 °C.

Schnitt

In den ersten Jahren schadet es nicht, einen gesunden und besonders kräftigen Mitteltrieb zu fördern. Später kannst Du in der Ruhephase, also im späten Winter oder im zeitigen Frühjahr, die schiefen und überkreuzenden Zweige entfernen, damit die Krone des Taschentuchbaums schön gleichmäßig wächst. Ansonsten ist die Davidia involucrata pflegeleicht und braucht keinen regelmäßig Rück- oder Formschnitt. Er wächst auch so zu einem auffälligen Solitär mit hübscher Krone heran.

Vermehrung

Üblicherweise wirst Du einen kleinen Taubenbaum in der Baumschule oder im Gartencenter kaufen – damit gewährt man sicherlich am schnellsten. Hast Du bereits ein Exemplar im Garten kannst Du davon Absenker machen oder Steckreiser im Winter, Blattaugenstecklinge im frühen Herbst schneiden.

Wenn Du Taschentuchbaum aus Samen ziehen willst ist das einen Versuch wert. Dazu wird nicht nur das Innere, sondern die komplette Frucht so wie sie ist in das Aussaatbeet oder in einen Topf gesteckt. Meistens erfolgt die Keimung im Frühjahr – allerdings erst nach zwei Jahren im Freiland. Blühen dauert so noch ein bisschen länger: Im Freien aus Samen gezogene Taubenbäume blühen frühestens nach etwa zehn Jahren, eher sogar erst 15-20 Jahre nach dem Pflanzen.

Verwendung

Auf Friedhöfen, in Grünanlagen und Parks fällt der Taschentuchbaum vor allem mit seinen namensgebenden Brakteen auf. Im heimischen Garten ist er so auffällig, dass man ihn fast immer als prächtigen Solitär geschickt und gut sichtbar platziert, sodass die strahlend weißen „Taschentücher“ auch besonders gut zur Geltung kommen.

Schädlinge

Schädlinge und Krankheiten wird man bei einem Taschentuchbaum so gut wie nie zu Gesicht bekommen – seine natürlichen Schädlinge kommen bei uns nicht vor, und ansonsten ist er gegenüber Pilzen und anderem Ungemach äußerst resistent.

Ökologie

Die beiden auffälligen Hochblätter übernehmen die Funktion der fehlenden Blütenhülle; sie locken aus weiter Ferne Bestäuber herbei. Hierfür sind Insekten zuständig. Bei uns hält sich der Andrang der Fauna eher in Grenzen.

Wissenswertes

Was sind Tulepogewächse?

Die Familie der Tulepogewächse (Nyssaceae) sagt den Wenigsten etwas. Kein Wunder, denn die immergrünen Bäume und Sträucher kommen nur in Nordamerika und Südostasien vor. Am nächsten verwandt sind sie mit unseren Hartriegelgewächsen (Cornaceae), die man von Kornelkirsche und Hartriegel kennt, und natürlich mit den Hortensiengewächsen, zu denen die beliebte Ballhortensie gehört.

Relikte aus der Kreidezeit

Die sehr zerstreuten natürlichen Vorkommen der Tulepobäume deuten darauf hin, dass es sich um Relikte handelt – früher waren sie wesentlich weiter verbreitet, auch der Taschentuchbaum. Fossilien belegen seine Existenz bereits in der Kreidezeit. Nach Europa wurden die ersten Zierbäume 1904 aus China importiert.

Davidia vilmoriniana - der beliebteste Taschentuchbaum

Neben der Typart gibt es noch eine Varietät vom Taschentuchbaum. Davidia involucrata var. vilmoriniana hat oberseits gelbgrüne und oft bereifte, unterseits dunkelgrüne Blätter, die hier so gut wie unbehaart sind. Manchmal wird sie auch als eigene Art verkauft. Diese Variante kommt mit unserem Klima noch besser klar als der Typus und wird daher bei uns bevorzugt kultiviert. Beide haben auch schon den renommierten Award of Garden Merit der britischen Royal Horticultural Society gewonnen.

Fotos

Gesamte Pflanze Taschentuchbaum
Quelle: Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blüte Taschentuchbaum
Quelle: Photo: Myrabella / Wikimedia Commons
Blatt Taschentuchbaum
Quelle: Chhe at English Wikipedia, Public domain, via Wikimedia Commons
Frucht Taschentuchbaum
Quelle: Rasbak, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Rinde Taschentuchbaum
Quelle: Chhe at English Wikipedia, Public domain, via Wikimedia Commons
Blatt Taschentuchbaum
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Taschentuchbaum
Quelle: NaturaDB
Gesamte Pflanze Taschentuchbaum
Quelle: Dr. Harald Stephan

Häufige Fragen

Woher kommt der Name Taschentuchbaum?

Die deutsche Bezeichnung ist sozusagen unübersehbar: Die riesigen weißen Blattgebilde an den Blüten sind Hochblätter (Brakteen), die tatsächlich an Taschentücher erinnern. Sobald der Wind etwas weht fangen sie sich an zu bewegen – daher der Name Taubenbaum, der auch sinngemäß in anderen Sprachen üblich ist.

Den botanischen Namen Davidia hat ihm Henri Ernest Baillon (1827-1895) verpasst, im Gedenken an den französischen Naturforscher Pater Jean Pierre Armand David (1826-1900), der 1869 die ersten Herbarbelege und Samen in China sammelte und nach Paris schickte. Von ihm stammt auch die erste Beschreibung des Großen Panda. Sein Name findet sich auch im Schmetterlingsflieder (Budddleja davidii) und der Davids-Lilie (Lilium davidii). Der Artname involucrata bedeutet von einer Hochblatthülle (botanisch Involucrum) umgeben.

Ist der Taschentuchbaum giftig?

Die Blätter oder weißen Taschentücher laden nicht unbedingt zum Essen ein, sollen aber angeblich ungiftig sein. Anders sieht das mit den harten Walnuss-ähnlichen Früchten aus – die sollte man lieber nicht essen. Konkrete Untersuchungen dazu gibt es wenige, aber zumindest hat man in den Pflanzen Triterpene, Tannine, Flavonoide und Alkaloide festgestellt. Im Zweifelsfalle also lieber die Finger davon lassen und keine Experimente damit veranstalten.

Wie groß wird ein Taschentuchbaum?

Der Taschentuchbaum wird bei guten Standortbedingungen bis zu 15 Meter hoch und bis zu zehn Meter breit. Dabei weist er eine konische Krone und eine glatte mittelgraue, wenig rissige Rinde auf. Im Garten oder in einer Parkanlage macht er sich daher als Solitär am besten, bei man die auffälligen weißen Taschentuchimitate auch besonders gut flattern sehen kann.

In welchem Monat blüht der Taschentuchbaum?

Die typischen kugeligen Blüten mit den auffälligen großen weißen Hochblättern erscheinen im Mai und Juni. Die beiden Taschentücher bleiben danach noch eine kurze Weile am Baum, auch wenn sie mit der Zeit nicht mehr ganz so prächtig reinweiß aussehen.

Wann blüht der Taschentuchbaum zum ersten Mal?

Das ist ein Geduldsspiel: Sät man den Samen in Topf oder Freiland aus, dauert es erst einmal zwei Jahre, bis er sich überhaupt zum Keimen überreden lässt. Danach wachsen die jungen Taschentuchbäume eigentlich recht flott; ihre Endhöhe liegt bei 15 Metern. Aber die Blüten lassen auf sich warten: Die ersten erscheinen frühestens nach etwa zehn Jahren, häufiger aber erst noch später nach 15-20 Jahren. Wer einen Taubenbaum selber ziehen will muss also schon etwas Zeit einplanen oder ein Generationenprojekt daraus machen.

Ökologischer Wert

Taschentuchbaum ist nicht heimisch. Wir haben leider keine genauen Daten zum Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co. Häufig haben aber heimische Pflanzen einen höheren ökologischen Nutzen.

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Quelle: Beekeepx/shutterstock.com
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