Weide richtig schneiden
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Ratgeber

Weide richtig schneiden


Weiden gelten als Musterexemplare für Gehölze, die Schnittmaßnahmen ohne Murren hinnehmen. Selbst nach einem drastischen auf den Stock setzen, sprich radikalem Rückschnitt treiben sie verjüngt wieder aus. Trotzdem reicht es bei den meisten aus, sie nur bei Bedarf leicht zurückzuschneiden, und ein regelmäßiger Schnitt ist selten erforderlich.

Wie muss man Weide schneiden?

Ungeachtet der extrem guten Schnittverträglichkeit solltest Du selbst bei der unempfindlichen und pflegeleichten Weide die folgenden Punkte im Hinterkopf behalten:

  • Weiden blühen an den einjährigen Trieben, die zudem bei den Arten und Sorten mit auffällig bunter Rinde im ersten Jahr am schönsten gefärbt ist. Kommt es Dir vor allem auf die schöne Färbung und/oder die Kätzchen für den Osterstrauß an kannst Du demzufolge die älteren Ruten entfernen.
  • Ein regelmäßiger Rückschnitt oder Verjüngungsschnitt ist selten notwendig.
  • Regelmäßiger Schnitt führt dazu, dass eine Weide buschiger wächst. Zudem gibt es dann jede Menge frischer Ruten, die Du etwa bei der Korb-Weide (Salix viminalis) zum Flechten schneiden kannst; solche Bäume kannst Du auch als Kopfweiden ziehen.
  • Tote Äste darfst Du jederzeit entfernen, egal ob im Sommer oder im Winter.
  • Große Wunden musst Du unbedingt vermeiden – ein solcher Schnitt wird häufig von Pilzen infiziert, die ganze Weidenbäume zum Faulen bringen können.
  • Eine Weide solltest Du früh im Jahr schneiden, notfalls auch, wenn sie bereits Knospen angesetzt hat; bloß nicht bei Frost, Schnee und Eis – die Minusgrade können selbst bei den robusten Bäumen die Schnittstellen schädigen.

Wann soll man Weide schneiden?

Einige Weidenarten glänzen nicht nur mit samtigen Kätzchen, sondern auch mit einer braunen, ockerfarbenen oder gelben Rinde, die vor allem im blattlosen Zustand gut zur Geltung kommt. Je nachdem was Du bevorzugst oder was die Weide im Garten am ehesten hergibt kannst Du den richtigen Zeitpunkt zum Schneiden wählen:

  • Korbweiden wie die klassische Korb-Weide (Salix viminalis) schneidest Du am besten bereits im Februar. Reif-Weide (Salix daphnoides) und Silber-Weide (Salix alba) zeichnen sich zudem durch in der Jugend bunte Ruten aus.
  • Für Hängeweiden und Trauerweiden gilt der Februar ebenso als beste Zeit für den Schnitt.
  • Kätzchenweiden mit dekorativen Blüten sollte man am besten direkt nach der Blüte schneiden.
  • Ruten von der Weide für den Osterstrauß machen natürlich eine Ausnahme; sie halten am längsten, wenn Du den Zweig kurz vor dem vollständigen Öffnen all seiner Blüten schneidest – und natürlich rechtzeitig für Ostern.

Wann ist Weide schneiden verboten?

Die Entnahme wild lebender Pflanzen von ihrem Standort regelt das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Danach darfst Du in der freien Natur Weidenzweige schneiden, wie § 39 Abs. 1 besagt:

Jeder darf abweichend von Absatz 1 Nummer 2 wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.

Das gilt aber nicht immer, sondern nur von Oktober bis Februar: Laut § 39 Abs. 5 ist es

verboten… Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen.“

Warum ist in diesem Zeitraum Weide schneiden verboten? Vor allem weil die Frühblüher als erste Blühgehölze im Jahr erstmals im großen Stil Pollen und Nektar für hungrige Insekten liefern. Zu den Spitzenreitern unter diesen guten Bienenweiden gehört die heimische Sal-Weide (Salix caprea): Neben unzähligen Honigbienen finden sich an den Blüten 34 Arten von Wildbienen wie Sandbienen und Furchenbienen ein, und 117 Schmetterlinge nutzen sie als Nektarpflanze und/oder Raupenfutter.

Warum sollte man Weiden überhaupt schneiden?

Wie schon ausgeführt nur möglichst sparsam – einige Wuchsformen brauchen spezielle Pflege, zu der vor allem ein korrekt durchgeführter Schnitt gehört. 

  • Weidensorten mit bunter Rinde verlieren mit der Zeit ihre charakteristische gelbe oder ockerfarbene Färbung. Regelmäßiges Schneiden sorgt bei Reif-Weide (Salix daphnoides) und Silber-Weide (Salix alba) dafür, dass die nicht mehr ganz so dekorativen alten Ruten verschwinden und ihren farbenfrohen Nachfolgern Platz machen.
  • Kopfweiden brauchen einen regelmäßigen Formschnitt, damit sich der namensgebende Kopf ausbildet und es jedes Jahr frische junge Ruten zum Flechten gibt, etwa bei der Korb-Weide (Salix viminalis).
  • Hängeweide und Trauerweide können mitunter etwas pflegerische Unterstützung gebrauchen, damit sie ihre typischen kaskadenförmig überhängenden Zweige behalten und nicht aus der Form geraten. Das gilt unter anderem für Salix alba ‚Tristis‘ und Salix babylonica.
  • Bei Weidensträuchern befördert ein regelmäßiger Schnitt das buschige Wachstum; das gilt für die Wildformen praktisch aller einheimischen Weidenarten wie Silber-Weide (Salix alba) und Asch-Weide (Salix cinerea).
  • Sehr alte strauchartig wachsende Weiden lassen sich radikal verjüngen, indem man sie auf den Stock setzt und alle Triebe knapp über dem Boden absägt. Danach treiben die Reste unbeeindruckt neu aus, und der Weidenstrauch sieht schon nach kurzer Zeit aus wie neu geboren.

Kopfweiden ziehen: Wie schneidet man Weiden zum Flechten?

Zaun aus Weiden gezogen
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Zaun aus Weiden gezogen

Weidenzweige kamen früher nicht für das Innenleben von Fachwerk und für Möbel zum Einsatz, sondern auch fürs Korbflechten. In der Zeit vor dem heute allgegenwärtigen Plastik waren geflochtene Körbe für Aufbewahrung und Transport üblich. Zum Flechten verwendet man die langen und unverzweigten einjährigen Ruten, die besonders dünn und biegsam, dafür aber extrem haltbar sind. 

An einigen Gewässern zeugen knorrige alte Weidenbäume von diesem alten Brauch. Wie der Name bereits verrät war vor allem die Korb-Weide (Salix viminalis) für die Erziehung zur Kopfweide beliebt. Dazu schnitt man alle zwei oder drei Jahre alle Ruten bis auf einen kurzen Rest zurück, sodass sich der Stamm kopfig verdickt und alljährlich jede Menge neue Zweige zum Flechten bildet.

Möchtest Du selber eine Kopfweide ziehen, so dauert das mit dem richtigen Erziehungsschnitt einige Jahre:

  • Kürze den Stamm auf die gewünschte Höhe ein.
  • Schneide in jedem Frühjahr die neuen einjährigen Ruten bis auf einen kurzen Rest ab.
  • Entferne alle Triebe, die sich weiter unten direkt am Stamm bilden.

Hinterlasse beim Schneiden einer Kopfweide niemals große Wunden! Ausgerechnet hier in das Holz zu säbeln führt dazu, dass die Stelle nicht richtig verheilt und Pilze Fäulnis verursachen.

Wie kann man Trauerweide und Hängeweide schneiden?

Arten und Sorten wie ‚Pendula‘ aka ‚Kilmarnock‘, Trauer-Weide ‚Tristis‘, Babylon-Trauer-Weide (Salix babylonica), Trauer-Weide (Salix x sepulcralis) und Lockenweide ‚Erythroflexuosa‘ zeichnen sich durch ihre glockenförmigen Kronen mit kaskadenartig überhängenden Zweige aus. Fast immer handelt es sich dabei um veredelte Exemplare, bei denen das Reis auf einen Hochstamm veredelt wurde. Mit diesem Trick lässt sich die Höhe vorgeben, sodass Du Dich nur noch um das Schneiden der Äste kümmern musst.

Schneiden sollte man Hängeweide und Trauerweide nur wenig; sie wachsen auch völlig ungestört zu schönen Solitären heran, die im Frühjahr reichlich Futter für Insekten bieten. 

  • Lange, straff aufrecht wachsende Triebe entfernen – sie stören nur die charakteristische Wuchsform.
  • Bei älteren Weiden ab und zu die Krone auslichten. Nimm dafür einzelne alte und nach oben wachsende Äste heraus, sodass mehr Licht und Luft ins Innere kommen.
  • Verschlanke die Triebe, die zu viele Verzweigungen bilden. Damit verhinderst Du die Bildung von Besen und die Krone bleibt locker. 
  • Überkreuzende und parallel wachsende Zweige scheuern nur aneinander oder verdichten die Krone – die kannst Du getrost wegschneiden.
  • Tote Äste lassen sich jederzeit entfernen.
  • Verkahlende Zweige solltest Du zeitig auf neue Seitentriebe im Inneren umlenken.

Beim Hängeweide und Trauerweide schneiden solltest Du auf die Richtung des neuen Austriebes achten:

  • Willst Du die Krone verbreitern, so kürze die Äste auf nach oben gerichtete Knospen ein. Die daraus hervorgehenden Ruten wachsen erst aufrecht und hängen später herab, sodass die Trauerweide insgesamt größer wird.
  • Willst Du die Hängeform bewahren, so schneide auf nach unten zeigende Knospen zurück. Die neuen Triebe zeigen dann gleich in die richtige Richtung.

Wie kann man Weidensträucher schneiden?

Abesehen von Sonderformen wie der Hängeweide und Trauerweide sind Weiden äußerst variabel: einige wachsen kriechend, andere buschig, wiederum andere bilden Zwergformen, die deutlich kleiner bleiben als die Wildarten. Die meisten bilden lockere Sträucher, deren aufrechte Wuchsform Du mit einem geeigneten Schnitt erhalten kannst.

  • Für den Erziehungsschnitt beschränke Dich auf 5-7 Bodentriebe, aus denen Du das Gerüst ziehst. Lichte alle schwachen Triebe bodennah aus und verschlanke übermäßige Verzweigungen, damit es keine Besen gibt.
  • Beim Erhaltungsschnitt kannst Du regelmäßig alle 3-5 Jahre einen Teil des Gerüstes entfernen und für Nachschub sorgen. Besonders rigoros ist das auf den Stock setzen, bei dem Du sämtliche Triebe bodennah absägst und die Weide neu erziehst.
  • Ein Verjüngungsschnitt funktioniert bei einer alten Weide ebenso drastisch durch auf den Stock setzen. Schneide ratzekahl alles knapp über dem Boden ab, lasse sie neu austreiben und sorge dann wieder für erneute Erziehung und Erhaltung.

Wie schneidet man eine Korkenzieherweide?

Korkenzieherweide
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Korkenzieherweide

Die Korkenzieherweide ist eine außergewöhnliche Mutante der Babylon-Trauer-Weide (Salix babylonica), die im Handel auch unter den Bezeichnungen Salix babylonica var. pekinensis ‚Tortuosa’ und Salix matsudana 'Tortuosa' läuft. Charakteristisch sind die wie ein Korkenzieher ineinander verdrehten Zweige. Dieses Kuriosum gilt es beim Schneiden zu erhalten: Schneide regelmäßig alle gerade wachsenden Triebe weg. Wenn Du die übrigen im Frühjahr etwas einkürzt wächst die Korkenzieherweide etwas buschiger und bekommt nicht so lange Einzeläste.

Wie kann man Weiden verjüngen?

Ein Verjüngungsschnitt ist bei Weiden problemlos möglich. Notfalls kannst Du auch drastische Maßnahmen ergreifen und die Sträucher auf den Stock setzen, heißt radikal alles knapp über dem Boden abschneiden. Die Reste treiben schon nach kurzer Zeit unbeeindruckt neu aus und bilden einen neuen Strauch. 

Veredelte Weidensorten wie einen Hochstamm kannst Du verjüngen, indem Du die Triebe bis auf die Veredelungsstelle zurückschneidest. Achte darauf, den Kopf nicht zu verletzen, denn das verheilt nur schlecht und wird zur Eintrittspforte für fäulniserregende Pilze.

Was braucht man zum schneiden einer Weide?

Bypass-Schere zum Pflanzen-/Astschnitt
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Bypass-Schere zum Pflanzen-/Astschnitt

Richtiges Werkzeug – halbe Arbeit. Diese alte Wahrheit gilt auch beim Schneiden von Weiden, egal ob Du einen Strauch, eine Trauerweide oder eine Korkenzieherweide im Garten hast. Achte auf qualitativ hochwertige Instrumente – die halten eine Ewigkeit und sind damit deutlich nachhaltiger als Billigware, die Du schon nach kurzer Zeit ersetzen musst. Falls sie mit der Zeit stumpf werden rentiert sich auch das Nachschleifen lassen, ohne dass dieses teurer wird als die Anschaffung. 

Fürs Weide schneiden brauchst Du 

  • eine Handschere für kleinere Arbeiten; Bypassscheren oder Rosenscheren schneiden mit zwei aneinander vorbeigleitenden Klingen, bei einer Ambossschere drückt die Schneide auf eine plane Fläche.
  • eine Astschere mit langen Griffen, die die Hebelwirkung verstärken und auch für dickere Äste geeignet ist; in der richtigen Länge kannst Du damit höher gelegene Stellen erreichen, ohne gleich eine Leiter holen zu müssen.
  • eine Säge in Form einer Schwert- oder Bügelsäge. Sie kommt bei Stämmen und großen Ästen zum Einsatz und ist beispielsweise beim auf den Stock setzen zum Verjüngen hilfreich. Bei reichlich Gehölz im Garten lohnt sich bisweilen auch eine Motorsäge.

Wichtig ist, die Scheren und Sägen nach dem Gebrauch gründlich zu reinigen und vor Rost zu schützen, etwa indem Du sie mit einem ölgetränkten Lappen abreibst.

Wohin mit den Schnittresten einer Weide?

Schnittreste einer Weide
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Schnittreste einer Weide

Das anfallende Schnittgut ist gut kompostierbar und verrottet auf dem Komposthaufen schnell. Du musst nur aufpassen, dass die Zweige keine Wurzeln schlagen und sich dort häuslich einrichten; im Zweifelsfalle ist es sicherer, sie lieber gleich zu schreddern. Zerkleinert zerfallen sie noch schneller.

Gegebenenfalls kann Du etwas vom Abfall auch zum Vermehren der Weide einsetzen; die schnell wurzelnden Stecklinge geben einen ausgezeichneten Bodenfestiger und sind zudem bei Wildbienen und Schmetterlingen als Nahrungslieferant und Raupenfutter begehrt. Wie einfach und unkompliziert das funktioniert kannst Du im Ratgeber zur Vermehrung nachlesen.

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