Perückenstrauch,Grüner Perückenstrauch

Cotinus coggygria

Gehölz
Wildform
Perückenstrauch (Cotinus coggygria) Alle 4 Fotos anzeigen
Quelle: LIght Dim, CC0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Beliebter Zierstrauch aus der Familie der Sumachgewächse
  • Bis zu fünf Meter hoch, Sorten auch kleinbleibend bis nur drei Meter
  • Rundliche große Blätter mit auffälliger Herbstfärbung
  • Kleine grünliche Blüten, aus denen sich perückenartige Fruchtstände entwickeln
  • Anspruchslos, mag kalkhaltigen und durchlässigen Boden mit reichlich Sonne
  • Verträgt Trockenheit, Hitze und Stadtklima
  • Braucht kaum Pflege, schnittverträglich, winterhart
  • Vermehrung mit Samen, Absenkern oder Stecklingen möglich
  • Sorten mit bunten Blättern und knallig roten Fruchtbüscheln
  • Als Färbepflanze und zum Gerben verwendet
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 2 - 3 m
Breite: 1,5 - 3 m
Zuwachs: 20 - 50 cm/Jahr
Wurzelsystem: Herzwurzler
Blüte
Blütenfarbe: gelb
Blühzeit:
j
f
m
a
m
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a
s
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n
d
Licht
Sonne
Boden
Boden: durchlässig
Wasser: frisch bis trocken
Nährstoffe: normaler Boden
PH-Wert: basisch / kalk
Sonstiges
Ordnung: Seifenbaumartige
Familie: Sumachgewächse
Gattung: Perückensträucher
Diese Pflanze ist in Mitteleuropa nicht heimisch

Bedenke, die auf heimische Wildpflanzen angewiesenen Tierarten, wie die meisten Wildbienen- und Schmetterlingsarten sowie davon abhängige Vögel, sind von einem dramatischen Artenschwund betroffen. Mit heimischen Arten kannst du etwas zum Erhalt beitragen.

Was ist Perückenstrauch?

Perückenstrauch oder Fisettholz (Cotinus coggygria) findet sich verbreitet als breitbuschiger Zierstrauch in Gärten, Parks und Grünanlagen. Es handelt sich dabei um einen Vertreter aus der Familie der Sumachgewächse (Anacardiaceae), und dementsprechend bezeichnet man ihn auch als Färbersumach und Ungarischer Sumach.

Der reichverzweigte und sparrig erscheinende sommergrüne Strauch oder kleine Baum, der eine Höhe von 2-3 Metern erreicht, wächst wild von der Balkan-Halbinsel über den östlichen Mittelmeerraum bis nach Zentralasien und an den nordwestlichen Himalaya. In Europa liegt seine nördliche Verbreitungsgrenze im italienischen Tessin und in Tirol. Er bevorzugt trockene, steinige und sonnige Standorte wie Felskanten und Hänge und steigt bis in die Hochlagen hinauf. Wegen seines hohen Bedarfes an Licht ist er nur in lichten Laub- und Mischwäldern oder an deren Rand zu finden. In Südosteuropa wird er oft von Flieder, Blasenstrauch, Orient-Hainbuche und Blumen-Esche begleitet und bildet mit ihnen zusammen ortstypische Bestände.

Die Borke ist kleinfeldrig und dunkel graubraun, die jungen Äste gerieft, hellbraun bis rötlich, mit einer dünnen Wachsschicht bereift und von zahlreichen Korkwarzen überzogen. Eine Endknospe ist immer vorhanden. Bei alten Exemplaren hängen die Äste oft wie eine Schleppe herab. Seine wechselständig stehenden elliptischen bis runden Blätter sind 5-8 Zentimeter lang, 3-5 Zentimeter breit, ganzrandig und weisen einen 1-2 Zentimeter langen Blattstiel auf. Beide Seiten sind kahl oder nur dünn behaart, und gegen Ende des Sommer wartet der Perückenstrauch mit einer gelborange bis scharlachroten Herbstfärbung auf.

Die kleinen gelblich-grünen Blüten sind unscheinbar und zwittrig oder eingeschlechtlich. Sie erscheinen in 15-20 Zentimeter langen Rispen an den Enden der neuen Triebe. Trotz ihrer Winzigkeit fallen sie allein durch ihre schiere Menge ins Auge. Ihre Blütenhülle ist doppelt fünfzählig, mit 1,5-3 Millimeter langen Kronblättern und nur halb so langen grünen Kelchblättern. Die fünf Staubblätter sind ebenso lang wie die Krone, und der Fruchtknoten ist oberständig mit drei kopfigen Narben an den seitlich stehenden Griffeln.

Im Laufe der Blütezeit verlängern sich die anfangs 5-7 Millimeter langen Blütenstiele, insbesondere die nicht fruchttragenden, und bilden zunächst grüne, danach gelbe oder rotbraunen und zuletzt grauweiß gefärbte Haare. Sie alle ergeben einen wollig-fedrigen, verwuschelt aussehenden Fruchtstand, dem der Perückenstrauch seinen deutschen Namen zu verdanken hat.

Als Früchte werden kahle abgeplattete Steinfrüchte gebildet; sie sind einen halben Zentimeter lang und enthalten jeweils nur einen einzelnen Samen. An der Spitze bleiben der Kelch und Reste der Griffel erhalten.

Perückenstrauch im Garten

Standort

Der Perückenstrauch braucht eine mäßig fruchtbare und feuchte, gut durchlässige Erde mit voller Sonne oder zumindest Halbschatten. Das mit der Sonne gilt für die buntlaubigen Sorten ganz besonders – ihre Farbe wird nur mit reichlich Licht so prachtvoll. Weniger anspruchsvoll ist er beim Boden – er nimmt mit so ziemlich jeder Gartenerde vorlieb. Am besten gedeiht er aber, wenn diese eher trocken, kalkhaltig und sandig bis lehmig ausfällt.

Beim Pflanzen solltest Du im Hinterkopf behalten, dass der Perückenstrauch mit zunehmendem Alter oft eher in die Breite als in die Höhe geht. Daher sollte man zu anderem Gehölz Abstand halten und auch Gruppen nur locker bestücken.

Schnitt

Normalerweise solltest Du den Perückenstrauch am besten überhaupt nicht schneiden. Ansonsten kannst Du ihn im späten Winter oder im zeitigen Frühjahr noch während der Ruhephase trimmen und nur 5-7 kräftige Triebe stehenlassen. Dabei schneidet man die schiefen und überkreuzenden Zweige ab, damit die Krone schön buschig wird. Alternativ dazu kannst Du alte vergreisende Sträucher einem kräftigen Rückschnitt unterziehen und bis nahe an den Boden kappen. Große Wunden gilt es beim Schneiden zu vermeiden. Aber das alles nur im Notfall – er wächst eigentlich am schönsten und bildet die meisten Perücken, wenn man ihn völlig in Ruhe gewähren lässt.

Vermehrung

Mit Samen lässt sich der Perückenstrauch im Herbst ausgesät vermehren. Ebenso gut kann man im Frühling Absenker machen oder im Sommer Stecklinge vom noch grünen Holz bewurzeln.

Verwendung

Im Garten kommt der Perückenstrauch als Solitär wie auch in kleinen Gruppen in Rabatten gepflanzt besonders gut zur Geltung. Dekorativ sind sie sowohl wegen ihrer „Haarpracht“ wie auch mit ihrer prachtvollen Herbstfarbe. Vor dem dunklen Hintergrund einer Nadelholzkulisse leuchtet er geradezu dramatisch auf. Rotlaubige Sorten machen sich auch gut neben Blütenstauden wie Pfeifenstrauch oder Schneeball.

Großer Vorteil in der Stadt: Der Perückenstrauch ist rauchhart und kommt auch mit dem urbanen Klima und seinen Schadstoffen gut zurecht. Sprich auch von großer Trockenheit und Hitze zeigt er sich wenig beeindruckt.

Schädlinge

Perückenstrauch ist anfällig für Verticillium-Welke. Befallene Zweige muss man sofort abschneiden und im Restmüll entsorgen, bevor der Pilz weiter um sich greift und den Strauch umbringt oder andere Gewächse befällt. Mehltau sucht vor allem die buntlaubigen Sorten heim – oder vielmehr, auf ihren bunten Blättern fällt er besonders auf.

Ökologie

Zur Reife lösen sich oft ganze Fruchtstände ab und rollen wie eine Steppenrose über den Boden. So sorgt der Wind für die Verbreitung über teils große Distanzen. Bei einigen Vögeln sind sie für das Polstern der Nester beliebt; ansonsten bietet der Perückenstrauch mit seiner dichten Krone ein gutes Versteck und Platz zum Nisten.

Wissenswertes

In Europa, aber nicht in Deutschland heimisch

Der Perückenstrauch ist die einzige in Europa heimische Art der Gattung Cotinus, von der es noch die aus dem Südosten der USA stammenden Vertreter Cotinus obovatus (Cotinus americanus) gibt. Die meisten anderen Sumachgewächse (Anacardiaceae) wachsen in den Topen; zu ihnen gehören auch Cashew, Pistazie und Mango. In Nordamerika und in Korea wird er gewerbsmäßig angebaut.

Vom Tempelbaum zur Färbepflanze

In China ist der Perückenstrauch ein beliebter Zierstrauch der Tempelhaine. Nach Mitteleuropa kam er Mitte des 17. Jahrhunderts. In Ungarn, Südtirol und im Elsaß wurde er früher als Fisettholz angebaut, eine Färbepflanze, die mit ihrem Kernholz und den Wurzeln den Farbstoff Fisetin liefert. Wolle wird damit orange bis scharlachrot, Seide braun.

Woher kommt der Name Perückenstrauch?

Der deutsche Name offensichtlich von den wuscheligen Fruchtständen, die an Perücken erinnern. Der Name Cotinus wird von Plinius d.Ä. erwähnt; er bezeichnete damit eine Färbepflanze, die man zu seiner Zeit in den Apeninnen verwendete. Für den Perückenstrauch übernahm er den Namen coggygria, der heute als Artname gilt. Mit kokkygea bezeichnete bereits Theophrastos einen Busch, den man zum Rotfärben von Wolle nutzte.

Fisettholz zum Gerben und in der Naturheilkunde

Nicht nur zum Färben, auch zum Gerben wurde der Perückenstrauch eingesetzt. Die Pflanze ist reich an Tanninen, sodass man mit den Blättern und der Rinde Leder gerbte. Auch in der Volksheilkunde nutzte man die Gerbstoffe, und zwar als blutstillendes Adstringens, Mittel gegen Durchfälle und Aphten im Mund.

Fisettholz: Gut zu drechseln, aber rar

Perückenstrauchholz ist leider knapp bemessen – die Stämmchen werden kaum mehr dicker als handbreit. Dabei eignet es sich mit seiner goldgelben bis grüngelben Farbe und seiner guten Polierbarkeit bestens für die Drechslerei.

Sorten von Perückenbaum: Klein, aber bunt

Bei uns kommt im Garten die Wildform eher selten zum Einsatz. Stattdessen erfreuen sich die Sorten großer Beliebtheit, so wie Cotinus coggygria ‚Rubrifolius‘, der zu den perückenartigen Früchten auch noch im Austrieb tiefrote Blätter aufweist. Während hier die Farbe im Laufe des Jahres verblasst bleibt sie bei Cotinus coggygriaRoyal Purple‘ erhalten. Seine Blätter sind tief dunkelrot und glänzend. ‚Flame‘ ist besonders wüchsig mit einer leuchtend orangeroten Herbstfärbung und purpurroten Fruchtständen. Ähnliches gilt für die Sorte ‚Grace‘. ‚Golden Spirit‘ hat gelbes Laub.

Fotos

Gesamte Pflanze Perückenstrauch
Quelle: LIght Dim, CC0, via Wikimedia Commons
Gesamte Pflanze Perückenstrauch
Quelle: NaturaDB
Blüte Perückenstrauch
Quelle: Krzysztof Ziarnek, Kenraiz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Blatt Perückenstrauch
Quelle: Athantor, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sorten Perückenstrauch

Sorte Höhe Breite
Perückenstrauch (Wildform) 2 - 3 m 1.5 - 3 m
Goldgelber Perückenstrauch 'Golden Spirit' 2 - 2.5 m 1.5 - 2 m
Roter Perückenstrauch 'Royal Purple' 2 - 3 m 1.5 - 3 m
Perückenstrauch 'Young Lady' 1 - 1.2 m 50 - 90 cm

Häufige Fragen

Welcher Standort für Perückenstrauch?

Perückenstrauch ist nicht besonders anspruchsvoll und wächst in jeder halbwegs fruchtbaren und lockeren Erde. Am liebsten hat er aber einen kalkhaltigen Sand- oder Lehmboden. Noch wichtiger als der Boden ist Licht -gerade die buntlaubigen Sorten brauchen reichlich Sonne, damit sich die Blätter schön färben und damit es eine ordentliche Herbstfärbung gibt. Daher solltest Du auch etwas Abstand zu anderen Gehölzen und zu Bäumen halten, damit nicht zu viel verschattet wird. Vor dem Hintergrund einiger dunkler Tannen und Fichten oder Eiben kommt er mit seinen Blütenständen und bunten Blätter aber besonders gut zur Geltung.

Ist der Perückenstrauch giftig?

Anders als der nahe verwandte Giftsumach (Rhus toxicodendron) ist der Perückenstrauch nur schwach giftig. Normalerweise wird man auf den Verzehr eh dankend verzichten – die Blätter und Früchte sind so reich an Gerbstoffen, dass es die Zehennägel kräuselt. In der Volksheilkunde verwendet man ihn gerade deswegen bei Blutstillung und Wundheilung sowie gegen Entzündungen im Mundraum und bei Durchfällen.

Wie hoch wird der Perückenstrauch?

Die Wildform wird 3-5 Meter hoch, die meisten buntlaubigen Sorten hingegen nur 2-3 Meter. ‚Young Lady‘ bleibt mit rund einem Meter ausgesprochen damenhaft zierlich. Dafür gehen Perückensträucher auch entsprechend in die Breite, vor allem im Alter.

Wann wird der Perückenstrauch geschnitten?

Eigentlich sollte man den Perückenstrauch so wenig schneiden wie möglich. Nur alte und verkahlende Exemplare kann man bis nahe über dem Boden zurückschneiden, damit sie wieder neu austreiben. Ansonsten ist er gut schnittverträglich und macht auch einen Formschnitt klaglos mit. Auf jeden Fall solltest Du ihn aber zeitig im Jahr schneiden, bevor er auszutreiben und zu blühen beginnt – also am besten im Winter oder im frühen Frühjahr.

Ökologischer Wert

Perückenstrauch nicht heimisch und hat nach unseren Informationen keinen (großen) Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co.