Roter Fingerhut

Digitalis purpurea

Zweijährige
Wildform
winterhart
Bienenweide
giftig
lange Blühzeit
Roter Fingerhut (Digitalis purpurea) Alle 3 Fotos anzeigen
Quelle: I, Jörg Hempel, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Einheimische Giftpflanze aus der Familie der Wegerichgewächse
  • Zweijährig, winterhart und robust
  • Blattrosette mit 1,5 Meter hohen Stängeln
  • Vermehrung durch Samen
  • Endständige Trauben mit einseitig geneigten Fingerhut-artigen Blüten
  • Bestäubung fast ausschließlich durch Hummeln
  • Wichtiges Raupenfutter für einige Schmetterlinge
  • Alte Heilpflanze gegen Herzschwäche
  • Enthält herzwirksame Glykoside
  • Verzehr bereits kleiner Mengen tödlich
Wuchs
Pflanzenart: Zweijährige
Höhe: 40 - 150 cm
Wurzelsystem: Pfahlwurzler
Frostverträglich: bis -28 °C (bis Klimazone 5)
Blüte
Blütenfarbe: pink
Blühzeit:
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Licht
Sonne bis Halbschatten
Boden
Boden: humos
Wasser: frisch
Sonstiges
Ordnung: Lippenblütlerartige
Familie: Wegerichgewächse
Gattung: Fingerhüte
ist giftig Blätter, Blüte, Samen
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Was ist Roter Fingerhut?

Roter Fingerhut oder Waldglöckchen (Digitalis purpurea) gehört zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Er ist in Europa häufig auf Kahlschlägen und Lichtungen vor allem von Buchenwäldern, auf Brandflächen oder am Wegesrand zu finden und bildet meist größere Gesellschaften. Es handelt sich dabei um eine zweijährige krautige Staude, die einer tiefreichenden Pfahlwurzel entspringt und im ersten Jahr eine grundständige Blattrosette, im zweiten Jahr den bis zu 1,5 Meter hohen Stängel mit der Blütentraube ausbildet. In der Rosette werden die lang gestielten Blätter bis zu 20 Zentimeter lang, am Stängel bleiben sie deutlich kleiner. Sie sind breit ei-lanzettlich, unterseits graufilzig und am Rand gekerbt.

Die Blütenstände sind endständige Trauben mit zahlreichen zygomorphen Blüten, die aus einem fünfzipfeligen Kelch und einer zu einer fingerhutartigen Röhre verwachsenen Kronblättern. Sie sind im Inneren bärtig behaart, außen kahl und richten sich nach Süden zur Sonne hin aus. Ihre Farbe ist purpurviolett mit deutlich gefleckter Unterlippe, selten rein weiß. Als Früchte bildet der Rote Fingerhut eiförmige Kapseln, die sich mit fünf Klappen öffnen und die einen halben Millimeter großen Samen freisetzen.

Roter Fingerhut im Garten

Standort

Der Rote Fingerhut bevorzugt einen durchlässigen, humosen mäßig sauren und möglichst kalkarmen Boden und einen Platz im Halbschatten – im vollen Schatten gedeiht er nur spärlich, und pralle Sonne mag er nicht besonders.

Beim Anpflanzen sollte man bedenken, dass es sich beim Roten Fingerhut um eine der stärksten Giftpflanzen Europas handelt. Bei Kindern im Haushalt sowie bei Hund und Katze sollte man daher sicherheitshalber eine Aussaat lieber nicht riskieren.

Schnitt

Ein Schnitt ist beim Fingerhut nur notwendig, wenn man im Herbst eine Selbstaussaat verhindern möchte. Dann sollte man die Blütenstände mit den reifenden Kapseln rechtzeitig entfernen. Ansonsten schneidet man bei den überwinternden Exemplaren das vertrocknete Kraut ab.

Vermehrung

Die Vermehrung des Roten Fingerhutes erfolgt mit Samen. Er sorgt auch für Selbstaussaat, wenn man die reifenden Früchte stehenlässt. Er ist ein Lichtkeimer, sodass man die Samen beim Aussäen nur leicht auf die Erde andrücken sollte.

Verwendung

So giftig der Rote Fingerhut auch sein mag ist er doch mit seinen großen Blütenständen eine Zier für Staudengärten, Blumenbeete und Rabatten. Auf Balkon und Terrasse eignet er sich für größere Töpfe und Container und bietet Hummeln eine wertvolle Nahrungsquelle.

Schädlinge

Schädlinge und Krankheiten spielen beim äußerst robusten Roten Fingerhut keine Rolle – nicht zuletzt dank seiner hochwirksamen Giftstoffe, die ihm bereits als Keimling die allzeit gefräßigen Nacktschnecken vom Leib halten.

Ökologie

Die bärtige Behaarung im Inneren der Blüten verhindert den Besuch der meisten kleineren Insekten. Die Bestäubung erfolgt daher fast ausschließlich durch die kräftigen Hummeln (Bombus spec.). Sie kriechen in die Röhren hinein und werden dabei mit Pollen bepudert. Mit rund sechs Tagen Blütezeit sind die Blüten recht langlebig.

Pollen sammelt auch die Wildbiene Garten-Wollbiene Anthidium manicatum.

Vier Schmetterlinge nutzen den Roten Fingerhut ungeachtet seines Giftstoffgehaltes als Raupenfutter: der Fingerhut-Blütenspanner (Eupithecia pulchellata), Waldkräuter-Blütenspanner (Eupithecia subfuscata), der Kugelblumen-Blütenspanner (Gymnoscelis rufifasciata) und die Pupur-Glanzeule (Euplexia lucipara).

Wissenswertes

Der Rote Fingerhut hat seinen Namen von den typischen Fingerhut-ähnlichen Blüten erhalten. Er ist eine alte Heilpflanze, die erst in der Neuzeit Eingang in die Gärten und Naturheilkunde fand. Erst im 18. Jahrhundert stellte man fest, dass die Einnahme kleiner Mengen die Herztätigkeit steigert und die Herzfrequenz herabsetzt. Der Effekt beruht auf Digitaloiden, herzwirksamen Glykosiden wie Digitoxin und Digoxin.

2007 wurde der Rote Fingerhut zur Giftpflanze des Jahres gewählt.

Fotos

Gesamte Pflanze Roter Fingerhut
Quelle: I, Jörg Hempel, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons
Blüte Roter Fingerhut
Quelle: Orikrin1998, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Blatt Roter Fingerhut
Quelle: I.Sá?ek, senior, Public domain, via Wikimedia Commons

Sorten Roter Fingerhut

Sorte Blütenfarbe Blühzeit
Roter Fingerhut (Wildform) pink
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Weißblühender Fingerhut 'Alba' weiß
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Fingerhut 'Apricot' aprikot
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Fingerhut 'Dalmatian Peach' aprikot
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Fingerhut 'Excelsior' -
Fingerhut 'Pam`s Choice' weiß
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Was sind zweijährige Pflanzen?

Zweijähre Pflanzen bilden im ersten Jahr meist nur eine flache Rosette. Im nächsten Jahr wächst die Pflanze in die Höhe, blüht und versamt sich. Die Pflanze stirbt und aus dem Samen entsteht die nächste Generation.

Häufige Fragen

Wie giftig ist Roter Fingerhut?

Der Giftstoffgehalt des Roten Fingerhutes schwankt stark je nach Standort, Alter und Wetter. Man geht davon aus, dass für einen Erwachsenen der Verzehr von zwei bis drei Blättern entsprechend etwa 2,5 Gramm tödlich ist. Für Kinder sind vor allem die auffälligen roten Blüten gefährlich, auch wenn diese weniger Glykoside enthalten als der Stängel und die Blätter. Giftig ist er auch für Haustiere wie Hunde und Katzen sowie für Nutzvieh wie Ziegen, Pferde und Kühe.

Wie viel Fingerhut ist tödlich?

Bei einem Erwachsenen können bereits 2,5 Gramm frischen Roten Fingerhutes tödlich sein. Zunächst kommt es eine Weile nach der Einnahme zu Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, gefolgt von Durchfällen, Kopfschmerzen, Ohrensausen und Sehstörungen. Die Glykoside erniedrigen zudem die Herzfrequenz und können im Extremfall zu Herzstillstand führen.

Kann man Fingerhut anfassen?

Anfassen kann man den Roten Fingerhut, aber bei dem Saft sollte man sicherheitshalber aufpassen und lieber Handschuhe tragen. Giftig wird auch das Wasser in der Vase, wenn man Fingerhut als Schnittblume verwendet. Die hochwirksamen Glykoside können Hautreaktionen sowie Schwindel und Übelkeit hervorrufen. Eine schwerwiegende Vergiftung ist nur bei Einnahme zu befürchten.

Welche Teile des Fingerhutes sind giftig?

Roter Fingerhut ist in allen Teilen giftig und enthält herzwirksame Glykoside wie Digoxin und Digitoxin. Besonders reichhaltig sind sie in den Blättern und Stängeln vorhanden. Dementsprechend verwendet die Naturheilkunde die getrockneten Blätter zur Verbesserung der Herztätigkeit bei Herzinsuffizienz.

Ökologischer Wert

Roter Fingerhut in Mitteleuropa heimisch und Nahrungsquelle/Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge

Insekten

Anzahl Wildbienenarten:
1
Anzahl Schmetterlingsarten:
4
Dient als Futterplanze für Raupen:
5

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Pflanzen für Tiere
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Quelle: Photo by Peter Monsberger from Pexels
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