Wacholder schneiden
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Ratgeber

Wacholder schneiden


Gemeiner Wacholder: Extrem wandlungsfähig vom Monster bis zum Zwerg

Das weite Verbreitungsgebiet von Juniperus communis hat dafür gesorgt, dass sich durch die geografische Isolation zahlreiche Unterarten und Varietäten gebildet haben, die dank ihrer abweichenden Wuchsform besonders beliebte Ziersträucher geworden sind. Die Extreme:

  • Gemeiner Wacholder (Juniperus communis ssp. communis), die Typart, wird im Baltikum bis zu zehn Meter hoch und bis zu sechs Meter breit, mit einem rund 30 Zentimeter dicken Stamm, dann meistens mit einer abgeflachten und weit ausladenden Krone.
  • Zwerg-Wacholder oder Alpen-Wacholder (Juniperus communis var. saxatilis, oft auch Juniperus communis ssp. nana oder einfach Juniperus nana) wächst als Unterart niederliegend und wird maximal 50 Zentimeter hoch, meistens sogar deutlich kleiner. In Mitteleuropa das am höchsten aufsteigende Gehölz überhaupt: In den Walliser Alpen bis fast 4.000 Meter.

In dem Bereich zwischen diesen Extremen bewegen sich auch die anderen Juniperus-Arten und ihre Sorten. Egal ob es sich um eine große Säule, eine Wacholderhecke oder einen Bodendecker handelt, alle können ab und zu einen vorsichtigen Schnitt vertragen.

Mehr zum Thema erfährst du in unserem Ratgeber Wacholder schneiden.

Bemerkenswert ist die Lebensdauer der ausdauernden und zähen Koniferen: Wacholder kann über 500 Jahre alt werden!

Wie wächst Wacholder?

Je nach Art und Sorte wächst Wacholder hoch oder niedrig strauchig bis eher baumförmig. Die üblichen Wuchsformen sind

Säulenwuchs des Wacholders
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säulenförmig mit straff aufrechten Ästen

Wacholder mit runder Krone
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polsterbildend mit einer kompakten rundlichen Krone

Wacholder im buschigen Wuchs
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niederliegend und breit buschig mit wenig Abstand zum Boden

Hängend wachsender Wacholder
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hängend mit aufrechten Ästen und nickenden Triebspitzen.

Die Wuchsform und ihre Wuchsgeschwindigkeit geben vor, wie man den jeweiligen Wacholder schneiden muss.

Warum Wacholder schneiden?

Wacholder im wilden Wuchs
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Wacholder im wilden Wuchs

Die verschiedenen Juniperus-Arten und ihre Sorten verlieren schnell ihre ideale Form. Das führt dazu, dass die oberen Triebe die im Inneren des Strauches verschatten. Daraufhin werden dort die Blätter braun und fallen ab, der Busch verkahlt von innen heraus und wird unansehnlich. Daher muss man beim Wacholder schneiden die Form bewahren und ein Verkahlen verhindern.

Wann soll man Wacholder schneiden?

Als beste Zeit zum Wacholder schneiden gilt der Zeitraum zwischen Mai und Anfang August. Die immergrünen Koniferen sind anders als die meisten anderen Sträucher wenig wählerisch. Vorzugsweise schneidest Du ihn im Frühjahr im März und April, aber er lässt sich auch zu anderen Jahreszeiten in Form bringen. 

In Form bringen ist das Zauberwort: Beim Schneiden musst Du darauf achten, dass die unterschiedlichen Wuchsformen in ihrem natürlichen Habitus erhalten bleiben. Einen breit buschig wachsenden Zwergwacholder zu einer hohen Säule zu erziehen ist ebenso zum Scheitern verurteilt wie einen säulenförmigen ‚Hibernica‘ zum flach ausgebreiteten Wuchs überreden zu wollen.

In allen Fällen wichtig beim Wacholder schneiden: Vermeide unbedingt Schnitte ins alte Holz, das keine Nadeln mehr aufweist. Das treibt nämlich nicht mehr neu aus, sondern trocknet bis auf den nächsten grünen Trieb zurück.

Wacholder schneiden: Erziehungsschnitt

Viel Erziehung ist bei frisch gekauftem Wacholder nicht erforderlich, denn die Gärtnereien achten normalerweise auf eine schöne und gleichmäßige Verzweigung. Struppige Exemplare will niemand haben und solltest auch Du erst gar nicht kaufen. Ragen lediglich ein paar überlange Triebe aus dem Strauch heraus lassen sich diese bis in den grünen Bereich zurückschneiden, das ist problemlos möglich. Ebenso kannst Du abgestorbene Äste zu jeder Jahreszeit entfernen – tot ist tot, da kann nichts mehr passieren.

Achtung bei der Erziehung: Das Erscheinungsbild muss hinterher stimmen – heißt 

  • bei den aufrechten Formen von Wacholder schneidet man die horizontal wachsenden Triebe zurück, 
  • bei den niederliegenden die vertikal wachsenden. </div>

Wacholder schneiden: Erhaltungsschnitt

Mit der Figur geht es dem Wacholder nicht anders als den Menschen: Mit zunehmendem Alter droht er aus der Form zu geraten. Das liegt vor allem daran, dass die weiter unten gelegenen Triebe nicht mehr genügend Licht bekommen, ihre Nadeln verlieren und letztlich absterben. Eine Verjüngung ist dann nicht mehr möglich.

Umso wichtiger ist ein seltener, aber regelmäßiger Erhaltungsschnitt. Nur so bleibt der Wacholder ansehnlich und wird nicht kahl. Lenke dazu im Inneren des Strauches die längsten Triebe und überhängende Äste auf kürzere Seitentriebe um. Durch den Rückschnitt bekommt die Basis des Strauches weiterhin genug Licht zum Wachsen.

Nach dem Schneiden sollten die Spitzen der neuen Triebe oberhalb der Schnittstelle weiterwachsen und diese verdecken, sonst sieht das Ergebnis unglücklich aus. Heißt bei den Säulenformen muss der Schnitt relativ zur Triebspitze weiter innen erfolgen, bei den flach ausgebreiteten Sorten darunter.

Säulen-Wacholder richtig schneiden

Beim zypressenartig wachsenden Säulenwacholder will man die typische Wuchsform bewahren. Dafür musst Du vor allem die Spitze schlank halten: Schneide beim Erhaltungsschnitt die äußeren Gerüsttriebe grundsätzlich kürzer als die inneren – dadurch bleiben sie kräftig und kippen nicht mit zunehmendem Alter nach außen. Damit das natürlich wirkt solltest Du den Säulenwacholder stufenweise schneiden, sodass nicht alle Schnittflächen auf der gleichen Höhe liegen.

Einige Sorten von Säulenwacholder neigen dazu, im Alter auseinanderzufallen. Das kannst Du verhindern, indem Du sie pinzierst. Nie gehört? Pinzieren bedeutet entspitzen: Schneide regelmäßig die Triebspitzen ab, damit sich die Neutriebe von vornherein stärker verzweigen.

Raketen-Wacholder schneiden und binden

Säulenförmig wachsender Wacholder
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Säulenförmig wachsender Wacholder

Gut für die Figur: Mit einem Trick kannst Du bei einem säulenförmig wachsenden Wacholder wie dem Zypressen-Wacholder (Juniperus scopulorum) die extrem schlanke Form betonen. Dazu musst Du mit leichtem Ausdünnen etwas Platz schaffen und die verbliebenen Äste mit Bindedraht möglichst unsichtbar näher an den Stamm binden. Vor allem nach einem schneereichen Winter neigen die Zweige zu abstehendem Wuchs, der sich so leicht korrigieren lässt. 

Besonders empfehlenswert ist dieses Schneiden und Binden bei der Saturn V unter den Wacholderarten, den scherzhaft Raketen-Wacholder genannten Sorten Juniperus scopulorum ‚Skyrocket‘ und Juniperus scopulorum ‚Blue Arrow‘.

Wacholder schneiden: Verjüngungsschnitt

Einen alten kahlen Wacholder verjüngen wird nicht mehr funktionieren. Für einen Verjüngungsschnitt müsste man das alte Holz loswerden, aber wie bereits erläutert treibt das nicht mehr neu aus. Stattdessen vertrocknen die beschnittenen Äste vollkommen und ziehen sich bis auf den nächsten benadelten Haupttrieb zurück. Umso wichtiger ist der rechtzeitige Erhaltungsschnitt – ohne den ist es irgendwann zu spät für die Frischzellenkur.

Wacholder schneiden: Das richtige Werkzeug

Heckenschere und Handschuhe für die Gartenarbeit
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Heckenschere und Handschuhe für die Gartenarbeit

Ob bei einer Hecke, einer Kübelpflanze oder einem Solitär: Für die meisten Arbeiten am Wacholder reicht eine Gartenschere vollkommen aus. Dabei kannst Du eine Bypassschere (Rosenschere) mit aneinander vorbeigleitenden Klingen oder eine Ambossschere verwenden, bei der die Schneide auf eine plane Fläche drückt. 

Nur für die dicksten Äste oder beim Roden brauchst Du eine Säge. Bei großen Wacholderhecken ist eine Heckenschere angesagt, vorzugsweise die klassische Variante mit Handbetrieb, denn bei den elektrischen Modellen schneidet man schnell ins alte Holz, was man beim Wacholder tunlichst vermeiden sollte.

Scharfe Instrumente erleichtern wie immer die Arbeit, und wenn Du sie nach Gebrauch gründlich säuberst und mit einem ölgetränkten Lappen abreibst bleiben sie jahrelang funktionsfähig.

Was kann man mit den Resten vom Wacholder schneiden anfangen?

Für den Restmüll ist das Schnittgut zu schade – wenigstens solltest Du es schreddern und auf den Komposthaufen geben. Alternativ dazu lässt sich damit ein Ast- und Reisighaufen aufschichten, gerne auch unter Verwendung von anderen Zweigen. So ein bisschen geplante „Unordnung“ gehört beim ökologischen Gärtnern einfach mit dazu.

Mit einem Haufen aus alten Zweigen ziehst Du reichlich Getier magisch an, das in den relativ großen Zwischenräumen viel Platz zum Verstecken findet. Das reicht von Insekten über Eidechsen und Schlangen bis zu Mäusen und Igeln, und der eine oder andere Vogel wird hier bei der Suche nach Nistmaterial fündig. Die Wacholderzweige haben den Vorteil, dass sie relativ lange halten und so eine stabile Struktur vorgeben. Mit dem Verrotten bringen sie Nährstoffe zurück in den Garten.

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