Schwedische Mehlbeere,Oxelbeere

Sorbus intermedia

Gehölz
Wildform
winterhart
essbar
Schwedische Mehlbeere (Sorbus intermedia) Alle 4 Fotos anzeigen
Quelle: Salicyna, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Wichtigste auf einen Blick

  • In Südskandinavien beheimatetes Rosengewächs
  • Bis zu 15 Meter hoher und breiter Baum oder Strauch mit gleichmäßig kugeliger Krone
  • Oberseits dunkelgrüne, unterseits weißfilzige gekerbte und gezähnte Blätter
  • Weiße, unangenehm riechende Blüten in armblütigen Schirmrispen
  • Rote oder orange Apfelfrüchte, „Mehlbeeren“
  • Attraktiv für Honigbienen, Fliegen und andere Insekten
  • Beliebtes Winterfutter für Vögel und gutes Vogelnährgehölz
  • Pflegeleicht, robust, winterhart und wenig anspruchsvoll
  • Verträgt auch innerstädtisches Klima
  • Mehlbeeren essbar, vorzugsweise gekocht, etwa als Marmelade oder Gelee
Standort
Licht: Sonne bis Halbschatten
Boden: normal
Wasser: trocken
Nährstoffe: normaler Boden
PH-Wert: basisch / kalk
Wuchs
Pflanzenart: Gehölz
Höhe: 10 - 15 m
Breite: 10 - 15 m
Zuwachs: 10 - 30 cm/Jahr
Wurzelsystem: Herzwurzler
Frostverträglich: bis -28 °C (bis Klimazone 5)
Blüte
Blütenfarbe: weiß
Blühzeit:
j
f
m
a
m
j
j
a
s
o
n
d
Blütenform: trugdoldenförmig
Selbstbefruchter ja
Laub
Blattfarbe dunkelgrün, im Herbst gelb oder braun
Blattphase sommergrün
Blattform breit eiförmig, gelappt
Sonstiges
ist essbar Frucht
Klassifizierung
Ordnung: Rosenartige
Familie: Rosengewächse
Gattung: Mehlbeeren
Heimische Wildpflanzen sind die neuen Exoten

Heimische Wildpflanzen sind vielerorts selten geworden und damit die neuen Exoten in unseren Gärten. Sie sind, im Gegensatz zu Neuzüchtungen und Neuankömmlingen, eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge. In puncto Stand- und Klimafestigkeit sind sie anderen Arten deutlich überlegen. Auch kalte Winter überleben sie meist ohne Probleme. Gut für dich, gut für die Natur.
Also pflanzt heimische Arten, so wie diese!

Dr. rer. medic. Harald Stephan
Autor:
Diplom-Biologe

Was ist Schwedische Mehlbeere?

Schwedische Mehlbeere, Schwedische Vogelbeere oder Oxelbeere (Sorbus intermedia) wächst bei uns nur ausgewildert in Norddeutschland – ihre natürlichen Vorkommen liegen, wie der Name bereits vermuten lässt, weiter im Norden, insbesondere im Ostseeraum. Sie kommt vor allem im Süden Schwedens und Finnlands, in Dänemark und im Baltikum vor, wo sie in lichten Laubwäldern, an Waldrändern und in Gebüschen von Weiden auf feuchten und fruchtbaren Böden gedeiht.

Bei dem Mitglied aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) handelt es sich um einen sommergrünen, reichhaltig verzweigten Baum oder Strauch mit einer schönen ebenmäßig ovalen oder kugeligen Krone. Er erreicht eine Höhe und Breite von 5-15 Metern und weist am Stamm eine schmutziggraue, zunächst glatte und erst im Alter längsrissige Borke auf. Der kräftige Stamm wird meist bis zu 60 Zentimeter, in einigen Fällen aber auch schon mal 2-3 Meter dick.

Junge Zweige sind olivgrün bis braun mit hellen Korkwarzen, auf der Sonnenseite rot gefärbt und schwach hin und her gebogen. Die 10-12 Millimeter langen eiförmigen und zugespitzten Winterknospen sind von miteinander verklebten, knorpeligen grünen Knospenschuppen geschützt, die einen braunen häutigen Rand und wollige Haare aufweisen.

Die derb ledrigen Blätter der Schwedischen Mehlbeere stehen wechselständig; sie haben einen 12-20 Millimeter langen Blattstiel und eine 7-10 Zentimeter lange, 4-7 Zentimeter breite länglich-elliptische Blattspreite. In der Mitte sind sie am breitesten. Der gekerbte Blattrand ist zusätzlich noch einmal doppelt gesägt; unten geht er abgerundet in den Blattstiel über, und die Einschnitte sind im unteren Drittel oft sehr tief, sodass die Blätter beinahe fiederspaltig aussehen. Beiderseits der Mittelrippe liegen jeweils 4-7 Lappen und 7-9 Blattnerven. Die anfangs dicht behaarte Oberseite der Blätter verkahlt und zeigt ihre dunkelgrün glänzende Oberfläche, während die Unterseite charakteristische weiß und von einem wolligen Filz bedeckt bleibt. Am Grund der Blattstiele stehen kleine Nebenblätter, die schon bald abfallen.

Die Blütezeit liegt bei der Oxelbeere vor allem im Mai und Juni; dann erscheinen an den jungen Trieben endständig 8-12 Zentimeter große Schirmrispen aus wenigen Blüten. Diese sind 5-20 Millimeter lang und 15-20 Millimeter breit, dünn gestielt, fünfzählig mit doppelter Blütenhülle, zwittrig und aktinomorph. Sie riechen nicht besonders angenehm. Die grünen Kelchblätter haben eine Länge von 1-2 Millimetern, die Kronblätter werden 3-4 Millimeter lang und sind strahlend weiß. Im Inneren der Blüten stehen 20 Staubblätter und meist drei Fruchtblätter, die an ihrer Basis zum größten Teil miteinander verwachsen sind.

Aus ihnen bildet sich nach erfolgreicher Bestäubung eine Mehlbeere – ein eiförmiges bis kugeliges, etwa einen Zentimeter lange orange bis rote Apfelfrucht, die nicht von ungefähr an Apfel oder Hagebutte erinnert. Sie wird zum größten Teil aus dem stark vergrößerten Blütenboden gebildet, ganz ähnlich wie Apfel, Birne und Quitte. Im gelben Fruchtfleisch der Schwedischen Vogelbeere finden sich keine Steinzellen, und die 2-5 Millimeter langen Samen sind hellbraun. Reif werden ihre Mehlbeeren im September und Oktober; sie sind essbar und schmecken mehlig und leicht süßlich.

Schwedische Mehlbeere im Garten

Standort

Die Schwedische Mehlbeere hat keine besonderen Ansprüche an den Boden und kommt mit den meisten Substraten gut klar. Am liebsten ist ihr ein mäßig fruchtbarer und humusreicher, vor allem gut durchlässiger Boden. Sie möchte auf jeden Fall in der vollen Sonne oder wenigstens im Halbschatten stehen. Ansonsten ist sie vollkommen frosthart, zumal sie aus nördlicheren Gefilden stammt und einiges an Minustemperaturen verträgt. Beim Anpflanzen in der Nähe des Hauses oder von Balkon und Terrasse solltest Du daran denken, dass der intensive Geruch der Blüten nicht von allen Nasen als angenehm empfunden wird.

Schnitt

Ein Schnitt ist bei der Oxelbeere normalerweise überhaupt nicht erforderlich, ihre schöne gleichförmig runde Krone bekommt sie auch ohne menschliches Zutun. Natürlich kannst Du jederzeit tote und abgestorbene Äste entfernen und alles, was schief steht oder sich überkreuzt. Sie verträgt die Schnittmaßnahmen gut, auch wenn sie gerne darauf verzichten kann.

Vermehrung

Üblicherweise wirst Du eine kleine Schwedische Mehlbeere in der Baumschule oder im Gartenfachhandel kaufen, wenn Du sie in Deinem Garten ansiedeln möchtest. Viele der dort erhältlichen Exemplare sind auf andere Sorbus-Arten oder auf Rotdorn gepfropft. Wer es als erfahrender Gärtner selber probieren will: Okulieren im Sommer, pfropfen im Winter. Stecklinge bewurzeln oft recht schlecht, und die Nachzucht aus Samen ist langwierig.

Verwendung

Die Schwedische Mehlbeere besticht vor allem durch ihre hübsche und gleichmäßige Krone und den Reichtum an Blüten und Früchten. Im Garten macht sie sich vor allem als Solitärbaum gut, oder im Gehölzgarten und naturnahen Garten; andernorts findet man sie häufig in Parks und Grünanlagen oder als Alleebaum. Praktischerweise verträgt sie die Umweltbelastung in urbanen Gebieten außerordentlich gut, sie gilt als ausgesprochen rauchhart. Zudem ist sie ein gutes Vogelnährgehölz und wird von zahlreichen Insekten besucht.

Schädlinge

Schädlinge und Krankheiten wird man bei der Oxelbeere so gut wie nie finden; sie gilt als ausgesprochen robust. Blattläuse, Schildläuse und Spinnmilben treten nur bei unzuträglichen Standortbedingungen in größerer Zahl auf.

Ökologie

Auch wenn die Schwedische Beere bei uns nicht als heimisch gilt ist die mitteleuropäische Art trotzdem ein Magnet für die Insekten im Garten. Honigbienen, Schwebfliegen und Käfer finden sich hier zur Blütezeit in großer Zahl ein und sammeln den reichlich gebildeten Nektar und Pollen. Für Fliegen ist der durch Amine verursachte etwas penetrante Geruch besonders anziehend.

Unbedingt notwendig für die Bestäubung sind die tierischen Besuche nicht – die Schwedische Mehlbeere kann auch keimfähigen Samen produzieren, ohne bestäubt zu werden. Noch seltsamer: Viele Bäumen stellen Pollen her, aber der ist steril. Diesen Befund bezeichnet man als Apomyxie. Bei Rosengewächsen ist das nicht unbedingt ungewöhnlich, auch Brombeeren und andere Sorbus-Arten sind apomyktisch.

Apropos Mehlbeeren: Die Bäume sind nicht nur ein gutes Vogelschutzgehölz, die Früchte sind bei Vögeln auch als lange stehenbleibendes Winterfutter sehr beliebt. Was davon zu Boden fällt dient Kleinsäugern wie Mäusen als Nahrung. Gefressen und unbeschadet wieder ausgeschieden können die Samen fernab der Mutterpflanze neu austreiben. Bei uns interessieren sich vor allem Drosselvögel wie Amseln und Singdrosseln für die Beeren, in ihrer Heimat an der Ostseeküste gehört auch der dort vorkommende Seidenschwanz (Bombycilla garrulus) zu den Interessenten. Bei uns tritt dieser starengroße, durch Farbe und Federhaube auffällige Vogel nur zum Überwintern im nördlichen Teil Deutschlands auf.

Oxelbeeren sind zwar nur im Norden des Gebietes zu finden, aber sie verwildern recht oft und fühlen sich bei uns ziemlich wohl. Daher wachsen die Bestände zusehends. Auf den britischen Inseln gilt die Art inzwischen als eingebürgert. Als invasive Neophyten gelten sie bislang nicht, da sie recht gemächlich wachsen und vergleichsweise wenige Nachkommen produzieren.

Wissenswertes

Mehlbeeren und viele, viele Hybriden

Besagte Apomyxie ist ein Graus für die genaue Artbestimmung, denn viele der heimischen Sorbus-Arten bilden munter miteinander Hybriden, die selbst für einen Fachmann kaum noch auseinanderzuhalten sind. Dazu gehören auch Vogelbeere (Sorbus aucuparia), Mehlbeere (Sorbus aria), Elsbeere (Sorbus torminalis) und Zwerg-Mehlbeere (Sorbus chamaemespilus). Einzig der ebenfalls nahe verwandte Speierling (Sorbus domestica) bleibt unter seinesgleichen und hybridisiert nicht.

Aufgrund genetischer Analysen weiß man heute, dass die Schwedische Mehlbeere eine erbfeste Dreifachhybride aus Mehlbeere, Vogelbeere und Elsbeere (Sorbus aria x Sorbus aucuparia x Sorbus torminalis) ist. Diese Hybridbildung erklärt auch die Bildung von keimfähigen Samen trotz sterilen Pollens. Ähnlich sehen die Bastard-Vogelbeeren (Sorbus hybrida) aus, allerdings sind hier die Blätter (meistens) tiefer fiederspaltig und die beiden unteren Lappenpaare bis zur Mittelrippe voneinander getrennt.

Essbare Mehlbeeren – aber bitte gekocht

Die Mehlbeeren der Schwedischen Vogelbeeren kann man ebenso wie die anderer Sorbus-Arten essen; sie sind nur wenig süß und, wie der Name bereits andeutet, von einer mehligen Konsistenz. Meistens verwendet man sie zusammen mit anderen Früchten für Marmelade, Kompott und Gelee oder stellt daraus Saft her. Man sollte sie allerdings unbedingt kochen, da sie ansonsten unbekömmlich sind und im rohen Zustand Bauchschmerzen und Übelkeit verursachen können.

Fotos

Gesamte Pflanze Schwedische Mehlbeere
Quelle: Salicyna, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Frucht Schwedische Mehlbeere
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Blüte Schwedische Mehlbeere
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons
Blatt Schwedische Mehlbeere
Quelle: AnRo0002, CC0, via Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Wie schnell wächst Schwedische Mehlbeere?

Die Schwedische Mehlbeere wächst eher gemächlich – sie legt etwa 10-20 Zentimeter pro Jahr zu und bildet mit der Zeit einen 10-15 Meter hohen Baum oder mehrstämmigen Strauch mit ebenso breiter, schön ebenmäßig runder Krone. Wer sie im Garten haben will sollte die Schwedische Mehlbeere kaufen – als kleines Bäumchen, denn die Stecklinge wurzeln nur sehr unzuverlässig und sie aus Samen zu ziehen ist ein Geduldsspiel.

Wie sieht eine Schwedische Mehlbeere aus?

Die Schwedische Mehlbeere oder Oxelbeere ist ein Baum oder mehrstämmiger Strauch mit einer graugrünen Rinde. Ihre Krone wächst besonders ebenmäßig und erreicht eine Höhe und Breite von bis zu 15 Metern. Die Blätter sind elliptisch-eiförmig, 7-10 Zentimeter lang, mit einem gekerbten und zusätzlich gesägten Rand, einer dunkelgrün glänzenden Oberseite und einer dicht weißfilzigen Behaarung auf der Unterseite. Die Blüten erscheinen in wenigen Exemplaren in endständigen Rispen im Mai und Juni; sie sind weiß, 1,5-2 Zentimeter breit und riechen etwas unangenehm. Daraus entwickeln sich die typischen kugeligen roten oder orangefarbenen Mehlbeeren, die bis zu zwei Zentimeter lang werden und für Vögel ein gefundenes Fressen darstellen. Ähnliches gilt bereits für die Blüten, die im Frühsommer von zahlreichen Insekten besucht werden.

Kann man Mehlbeere essen?

Ja, auch wenn sie nicht gerade der Burner in Sachen Geschmack sind. Für unsere verwöhnten modernen Gaumen sind sie wenig saftig, ziemlich mehlig und nicht besonders süß. Was aber nicht heißt, dass man Schwedische Mehlbeere und andere Mehlbeeren nicht essen kann – man muss sie halt mögen. Allerdings sollte man sie vor Verzehr kochen, damit die Inhaltsstoffe wie Parasorbinsäure besser verdaulich werden. Wenn man sie nicht zu Marmelade oder Kompott verarbeitet freuen sich auf jeden Fall die Vögel wie Amseln und Drosseln im Garten über das reichhaltige Winterfutter, und auch für Kleinsäuger fällt davon etwas ab.

Wann verliert die Mehlbeere ihre Blätter?

Spätestens im Herbst, wenn die ersten Fröste kommen. Die ersten Blätter beginnt die Schwedische Mehlbeere allerdings bereits im Hochsommer abzuwerfen, so richtig kahl wird sie aber erst ab September und Oktober, wenn auch die Früchte langsam reif werden.

Was kann man aus Mehlbeeren machen?

Die Mehlbeeren von Sorbus intermedia, der Schwedischen Mehlbeere, sind wenig süß und in ihrer Konsistenz mehlig – wie der Name Mehlbeere ja bereits andeutet. Trotzdem sind sie reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Man kann sie mit anderen Früchten mischen und daraus Kompott, Marmelade und Gelee herstellen oder Saft daraus pressen. Auf jeden Fall sollte man den ersten Frost abwarten; danach schmecken sie deutlich süßer und weniger bitter. Auch die Vögel wissen das und machen sich über die Beeren bevorzugt erst als Winterfutter her.

Wie groß wird die Schwedische Mehlbeere?

Die Schwedische Mehlbeere oder Oxelbeere (Sorbus intermedia) wird bis zu 15 Meter hoch und etwa ebenso breit. Sie zeichnet sich durch eine besonders gleichmäßige Krone und eine graugrüne, erst im Alter rissige Rinde aus. Die Stämme erreichen meist einen Durchmesser von bis zu 60 Zentimetern, aber besonders alte Bäume können in ihrer Heimat in Südskandinavien zwei bis drei Meter dick werden.

Ökologischer Wert

Schwedische Mehlbeere ist in Mitteleuropa heimisch und dürfte deshalb einen Wert für Bienen, Schmetterlinge & Co. haben.

Insekten

Nektarwert:
2
Pollenwert:
2

Bienenweiden mit Nektar- und Pollenwerten